Christoph Reuter: Nachholbedarf für den Musiklehrer

Tonika, Subdominante und Dominante: Wenn die Besucher des Solo-Programms von Christoph Reuter etwas mitnehmen, dann diese drei musiktheoretischen Begriffe. Der Pianist, der seit über zehn Jahren an der Seite von Eckart von Hirschhausen in die Tasten haut und am vergangenen Montag im Haus der Springmaus mit einer „Doppelstunde Musik“ sein Publikum zu unterrichten versuchte, thematisierte immer wieder die Grundharmonien, die seit Jahrhunderten Bestandteil von Welt-Hits sind. Ob Pachelbel-Kanon oder Mussorgskys „Great Gate of Kiev“, „Go West“ oder „A-Train“, überall entdeckte Reuter die passenden Akkorde und verstand es, sie seiner freiwilligen Schülerschaft zu vermitteln, ebenso wie einen Überblick über die Musikgeschichte.

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Jane Lee Hooker und Layla Zoe: Frauenpower zum Quadrat

An diesem Abend haben die Ladies in der Harmonie das Sagen. Einfach mal rocken auf weibliche Art. Also gnadenlos wild und ohne Kompromisse. Was auch sonst? Ist schließlich nicht anders zu erwarten gewesen, wenn das Frauen-Quintett Jane Lee Hooker und die kanadische Blues-Röhre Layla Zoe ein Doppelkonzert geben. Das kann nur Vollgas von der ersten Sekunde an bedeuten. Noch schöner wäre es allerdings gewesen, wenn sich die beiden Bands konsequent zusammengetan hätten. Denn sie hätten durchaus voneinander profitieren können.

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Florian Schroeder: Aufklärer mit polemischer Ader

Die Welt versinkt im Chaos. Überall Despoten und solche, die es noch werden wollen: Trump, Erdogan, Kim Jong-Un, Putin, Orban, Gauweiler. Kein Wunder, dass in immer mehr Ländern der Ausnahmezustand ausgerufen wird, in dem man schnell mal verloren geht. Es sei denn, man hat einen Leitstern wie Florian Schroeder, der alles erklären kann. Oder das zumindest glaubt. Im restlos ausverkauften Pantheon inszeniert der 38-Jährige sich auf jeden Fall als großer Aufklärer mit zuverlässigem Kompass – und führt doch gerne mal seine Zuhörer mit polemischen Ausschweifungen in die Irre.

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„Helges Leben“: Die Herrschaft der Angst

Die Menschheit ist Vergangenheit. Ausgelöscht, verdrängt von den Tieren. Ist nicht schade drum, sagen alle. Bis auf Frau Gott und Frau Tod. Die beiden Damen sind nur noch Schatten ihrer selbst, Theatermacher wider Willen, die für ein bisschen Ambrosia im Wohnzimmer reicher Tapire und Rehe einen Blick auf die Menschen gewähren und noch einmal ein Leben inszenieren. Helges Leben. Ein deprimierendes Bild eines Homo Sapiens, der gebrochen ist, geschlagen und letztlich verloren. Also genau das, was die voyeuristischen Tiere sehen wollen. Diesen grotesken Stoff aus der Feder von Sybille Berg hat nun die Laiengruppe Theater Rampös in der Brotfabrik auf die Bühne gebracht – und dabei einen überaus kurzweiligen Abend geschaffen.

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Das Lumpenpack: Hauptsache mehr Konfetti

Das Publikum tobt und ist zu allem bereit. Egal was. 30 nackte Löwen auf der Bühne? Klar kann es die sehen. Wenn das Lumpenpack das fordert, ist eben auch eine Massen-Halluzination realisierbar. Liegt vielleicht an dem Trauma, das durch ein Mitklatschverbot ausgelöst wurde. Dabei haben Max Kennel und Jonas Meyer doch zuvor selbst eine rhythmische Unterstützung gefordert – und an diesem besonderen Abend ist ihr Wort offenbar Gesetz. Die beiden ausgeflippten Singer-Songwriter, Prix-Pantheon-Publikumspreisträger von 2016 und ausgewiesene Anarcho-Poeten mit Hang zum Tiefgang, treffen bei der Vorpremiere zu ihrem neuen Programm „Die Zukunft wird groß“ im Haus der Springmaus von der ersten Sekunde an den richtigen Ton, mischen Blöd- mit Hintersinn und haben dabei sichtlich Spaß. Was bei so verrückten Fans nicht überrascht.

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Martina Brandl: Beschwerden der Wechseljahr Woman

Es gibt Dinge, die will man einfach nicht hören. Zumindest nicht schon wieder. Nicht zum gefühlt 546. Mal, nur weil wieder eine Kabarettistin die magische Grenze der 50 überschritten hat und jetzt meint, sich über ihr Klimakterium, Form-Strumpfhosen, Verdauungsprobleme und Vibrator-Einsätze auslassen zu müssen, weil ihr ja jetzt eh nichts mehr peinlich sein muss. Wäre aber besser. Doch davon lässt sich Martina Brandl nicht beirren. Im Haus der Springmaus greift die selbst ernannte Wechseljahr Woman in jene Klischee-Kiste, die spätestens seit Gerburg Jahnke keine neuen Pointen mehr enthält, preist sich als Defizit für jeden willigen Mann oder alternativ als Miet-Heizpilz an – und kann erst in der zweiten Hälfte ihres neuen Programms „Irgendwas mit Sex“ die Kehrtwende vollziehen.

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Nacht der Gitarren: Quartett der Saitenzauberer

Ein Gypsy-Jazzer mit legendärem Erbe, ein überaus unterhaltsamer Klassik-Virtuose, ein Fingerstyle-Wunderkind und ein Alleskönner: Die Nacht der Gitarren, wie die deutsche Entsprechung der „International Guitar Night“ recht pragmatisch genannt wird, hat in der Harmonie keine Wünsche offengelassen. Das Publikum in dem restlos ausverkauften Saal war von der ersten Sekunde an begeistert, genoss die Kunstfertigkeit, den Klang und auch den Witz der vier Musiker, die mal einzeln und dann wieder in ständig wechselnden Kombinationen auf der Bühne über die Saiten jagten und sich in jedem Stil wohlzufühlen schienen. Ein starker Abend mit Ausnahmekünstlern, der Lust auf mehr macht.

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Rock 4: Im Bann der Pilzköpfe

Auch ohne Instrumente kann man großartige Musik schaffen. Dank moderner Technik kann die menschliche Stimme inzwischen fast alles nachahmen und somit fast alles singen. Aber auch „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“? Oder „Within You, Without You“? Diese psychedelischen, surrealistischen Spätwerke der Beatles, die zwar recht kompakt sind, zugleich aber ungeheuer komplex? Ja! Das niederländische a-cappella-Quartett Rock 4 hat sich mit seinem brandneuen Programm dieser Herausforderung gestellt, gestaltet im Pantheon einen ganzen Abend mit den Pilzköpfen – und wird diesen tatsächlich gerecht, ohne sich dabei selbst zu verleugnen.

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Starbugs Comedy: Flotter Twist mit Gummipuppen

Gute Tanzpartnerinnen zu finden ist gar nicht so leicht. Zumindest für Starbugs Comedy. Das Schweizer Trio, das im Sommer diesen Jahres mit ihrer atemberaubenden Mischung aus Clownerie, Slapstick und Nonsens den Publikumspreis des Prix Pantheon gewonnen hat und jetzt erneut in dem Kleinkunsttempel gastiert, scheint niemanden gefunden zu haben, der sich willig für eine kurze Runde „Rock Around The Clock“ durch die Luft schmeißen lässt. Also müssen einmal mehr die Gummipuppen ran. Geht ja auch. Wenn nur bei einer nicht die Luft raus wäre. Es ist zum Verzweifeln, jetzt widersetzen sich schon diese Plastikkonstrukte. Während also Fabian Berger und Martin Burscher bereits genüsslich tanzen, muss Wassilis Reigel erst noch aerale Überzeugungsarbeit leisten. Was sich als schwieriger erweist als gedacht.

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Rhonda + The Dream Syndicate: Dunkelheit schlägt Bonbon-Pop

Es konnte nur besser werden: Nach einem relativ schwachen Donnerstag mit zwei wenig überzeugenden Bands sollte der dritte Tag des aktuellen Crossroads-Festivals in der Harmonie die Qualität wieder auf das gewohnte Rockpalast-Niveau heben. Die Hoffnung lag vor allem auf der Neo-Psychedelic-Rock-Formation The Dream Syndicate, die in den 80er Jahren zumindest von Kennern der Szene sehr geschätzt wurden und im Vorprogramm von R.E.M. Und U2 auftraten. Doch die eigentliche Überraschung war die Band Rhonda, die zwar mit dem angekündigten Retro-Soul ungefähr genau so viel zu tun hat wie Donald Trump mit der Ehrlichkeit, nichts desto trotz aber punktete – vor allem dann, wenn sie sich von dem bonbonfarbigen Pop befreite, der einige ihrer Songs bestimmte, und sich stattdessen der Dunkelheit anheim gab.

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Daily Thompson + Wolvespirit: Mono-Band trifft auf Rock-Kommune

Eine kurzfristige Absage hat den zweiten Tag des aktuellen Crossroads-Festivals in der Harmonie gehörig durcheinandergebracht: Wegen einer Erkrankung ihrer Sängerin fiel der Auftritt von Peter Bursch's Bröselmaschine aus, so dass die Organisatoren innerhalb eines Tages Ersatz finden mussten. Mit dem Dortmunder Trio Daily Thompson hat sich das WDR-Rockpalast-Team allerdings keinen Gefallen getan. Nicht wegen des harten, düsteren Grunge-Rocks an sich, den die Band dem Publikum mit Nachdruck um die Ohren haut – sondern wegen der Monotonie im Songwriting, die von Minute zu Minute offensichtlicher wird.

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James Blunt: Im Wechselbad der Gefühle

Manchmal können vermeintliche Rekorde ein Fluch sein. „James Blunt hat einige der traurigsten Songs aller Zeiten geschrieben“, behauptet etwa Jamie Lawson, der im Vorprogramm des britischen  Singer-Songwriters ein wenig verloren auf der riesigen Bühne der Kölner Lanxess Arena steht und das Publikum mit seinen feinen, melancholisch angehauchten Folk-Nummern in Stimmung bringen soll. Sein Urteil ist in gewisser Weise nachvollziehbar, gleichzeitig durchaus anfechtbar – vor allem aber drängt es Blunt einmal mehr in die Balladen-Ecke zurück, aus der er doch so gerne ausbrechen möchte. Keine Frage, der 43-Jährige versteht sich bestens auf Musik für die Schmusenden, die Liebenden und die Verlassenen. Aber er kann es mitunter auch krachen lassen und sich dem Klischee verweigern. Oder es zumindest versuchen.

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Bonn Jazz Orchester: Die Bigband der Bigband-Leiter

Eigentlich ist alles so wie immer. Déjà-vu. Schmissige Bigband-Arrangements lassen das Blech strahlen und erfüllen das Pantheon sehr zur Freude vieler Musikfans mit einem vollen Sound: Einmal mehr ist das Bonn Jazz Orchester zu Gast im Pantheon und tut das, was es schon immer getan hat. Also gut klingen. Wuchtig. Spielfreudig. Virtuos. Und ohne große Überraschungen. Seit Beginn der Reihe Jazzinconcert, die Organisator Thomas Kimmerle vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat, sitzt das exzellente Ensemble einmal pro Spielzeit auf der Kleinkunstbühne, um all die Stücke zu präsentieren, die sein Gründer und Leiter Oliver Pospiech wieder irgendwo ausgegraben hat.

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Gernot Hassknecht: Ein Sklave von Wut und Frust

Eins muss man ja mal sagen dürfen: Alles Mist, verdammt und zugenäht! Gesetzliche Krankenkassen mit immer niedrigeren Leistungen, miserable Fernsehsendungen auf immer besseren Geräten, Senioren in wurstpelligen Rennradhosen auf Hochleistungs-E-Bikes und natürlich als ewiges Feindbild die ebenso unfähigen wie gierigen Politiker, die in geistiger Umnachtung so ziemlich jeden außer sich selbst verraten und seltsamerweise dennoch immer wieder aufs Neue gewählt werden. Was für eine Scheiße! Zumindest wenn es nach Gernot Hassknecht geht, dem Chef-Choleriker der „heute-Show“, der sich nur allzu gern im Dienst der Bürger aufregt. So auch im Pantheon, wo er mit seinem neuen Programm „Hassknecht Live - Jetzt wird's persönlich“ mit Nachdruck gegen alles und jeden wettert – und dabei doch in den ruhigen Momenten erst richtig gut wird.

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Kaya Yanar: Altbekannte Klischeewelten

Ach ja, die Sprachen und Dialekte. Immer so lustig. Flirten auf sächsisch, Fluchen auf bairisch, Babbeln auf hessisch – da geht Kaya Yanar das Herz auf. Der Comedian, der im Rahmen der Reihe „Quatsch keine Oper“ nach Bonn gekommen ist, liebt derartige Spielereien, gibt sich ohnehin gerne polyglott und international, spricht in Zungen, haut irgendein spanisches oder holländisches oder sonstiges Kauderwelsch raus und ergötzt sich an den multilingualen Chimären, die er in die Welt entlässt. Und das Publikum? Ist begeistert. Seit Jahren schon, bei den immer gleichen Pointen. So ist es kein Wunder, dass auch Yanars aktuelles Programm „Planet Deutschland“ sich dieser Selbstläufer bedient und nur wenig Neues zu bieten hat – und dank des skurrilen Esprits des 44-Jährigen dennoch in weiten Teilen funktioniert.

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Oblivion Express: Goldstimme trifft Silberfinger

Brian Auger gilt als einer der besten Fusion-Keyboarder der Welt, ein Meister der Tasten und eine lebende Legende. Ein Mann mit Silberfingern, der auch im fortgeschrittenen Alter die unglaublichsten Melodien aus seiner Hammond-Orgel perlen lässt. Klingt übertrieben – doch wer einmal das virtuose und energiegeladene Spiel des 78-Jährigen aus nächster Nähe erlebt hat, kann gar nichts anderes mehr sagen. Außer „Wow“. Am vergangenen Freitag hat Auger nun mit seinem Oblivion Express erneut in der Harmonie Halt gemacht, um seinem Ruf in dem „Zentrum der progressiven Musik“ (so Auger) gerecht zu werden und dem Jazzrock zu frönen. Was dank einer exzellenten Band und vor allem dank eines herausragenden Sängers ein Genuss erster Güte war.

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„Immigro Ergo Sum“: Fragen des Ich

Drei Geschichten, drei Sprachen, drei Identitätskrisen: Journalist und Hausmann Adamo sowie Lehrerin Eva kämpfen in ihrer Beziehung mit Geschlechterrollen; Transgender Amina führt ein Zwiegespräch mit den beiden Seelen in seiner beziehungsweise ihrer Brust; und ein verspieltes Ich lockt Friedrich den Großen in einen philosophischen Diskurs über Erwartungen und Selbstdarstellungen. Wer bin ich, und wenn ja, wie viele – dieser Frage hat sich das deutsch-französisch-italienische Theaterensemble G.I.F.T. bei seiner zweiten Produktion im Euro Theater Central auf eine ganz eigene Art und Weise angenommen. Einzelne Szenen drehen sich bei „Immigro Ergo Sum“ im wilden Reigen, werden mitunter auf den Kopf gestellt oder aufgelöst und bilden so in der Regie von Eugenia Fabrizi ein Episodenstück mit vielen Blickwinkeln und einigen interessanten Ansätzen.

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Inga Rumpf & Helmut Krumminga: Ein Duo und ein Bolzen

Es ist ein Abend unter Freunden. Herzlich, unverkrampft, authentisch. Auf der Bühne sitzen zwei, die sich schon seit Jahren kennen und schätzen, und spielen ihre Lieblingslieder, einfach so, ohne vorher groß geprobt zu haben. Klappt trotzdem. Nur einmal im Jahr treffen sich Inga Rumpf und Helmut Krumminga zu einem gemeinsamen Konzert wie jetzt eben diesem in der Harmonie, weil sie einfach nicht voneinander lassen können, seit sie bei den Arbeiten zu einer Sondersendung über 40 Jahre Beat Club erstmals aufeinandergetroffen sind. „Ich war früher ein großer Atlantis-Fan und habe Inga immer bewundert, aber ich habe nie geglaubt, dass wir uns je kennenlernen würden“, gesteht Krumminga. „Wir schienen zu weit voneinander entfernt, räumlich und auch musikalisch.“ Bis er eines besseren belehrt wurde. „Inga, ich will nicht, dass es schon vorbei ist“, habe er nach den Aufnahmen beim NDR gesagt. Und sie darauf: „Wir finden schon eine Lösung.“

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Dave Davis: Ein schwarzer Kessel Buntes

Die Musik bezeichnet Dave Davis gerne als seinen Rückzugsort. In ihr und mit ihr fühlt er sich wohl, kann er sich fallen lassen. Nun öffnet er diesen Raum auch anderen: Nach einer umjubelten Premiere im Kölner Gloria hat Davis nun in der Harmonie Bonn sein zweites Konzert mit dem Gandhi Fight Club gegeben und dabei ein stilistisches Feuerwerk abgebrannt. Verschiedene Spielarten von Rock und Pop trafen auf Hip Hop, Soul und Reggae, getragen von einem herrlichen Bariton und geprägt von jeder Menge Leidenschaft.

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Axel Prahl: Lieder von Liebe und Mehr

Es geht doch nichts über ein gemeinsam gesungenes Lied. Vor allem dann nicht, wenn jemand wie Axel Prahl vorne auf der Bühne den Musiklehrer mimt und das Publikum mit augenzwinkernder Gnadenlosigkeit auf Linie bringt. Bei ihm darf eben zwischen die Achtel kein Blatt Papier passen und niemand das Tempo verschleppen – auch nicht die „Kinder des Olymp“ auf den Rängen, die der beliebte „Tatort“-Kommissar und Sänger aus Leidenschaft ganz besonders fordert. Eine harte Schule. Aber das Ergebnis spricht für sich. Ausgelassen singt jeder in der Bonner Oper den vorgegebenen Vers, folgt dem enthusiastischen Dirigat Prahls und lässt sich von dem charismatischen Schauspieler samt seinem neunköpfigen Insel-Orchester nur zu gerne mit auf eine musikalische Reise über die Klangmeere nehmen, die von Schlager bis Rap alles umfassen.

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Henning Schmidtke: Ein unvollendeter Egomane

Eigentlich ist doch alles klar: Wer einmal Henning Schmidtke erlebt hat, braucht keine anderen Kabarettisten mehr. Der 47-Jährige ist immerhin der selbsternannte Retter der deutschen Kleinkunst-Szene, die Zukunft seiner Zunft, der einzig wahre Messias des Kabaretts. Er, der nur allzu gerne von sich erzählt, wenn die Zeugen Jehovas ihn besuchen, um über Gott zu sprechen; er, der Win-Win-Meister, von dessen Leben jeder Mensch träumen dürfte; er, der Edel-Narziss mit der goldenen Zunge und den silbernen Händen. Im Pantheon offenbart sich Schmidtke, der mit seinem neuen Programm „Egoland“ und jeder Menge missionarischen Eifers durch die Republik tourt, nur allzu gerne den unwissenden Massen – und zeigt dabei, dass er es mit seiner Rolle letztlich doch nicht ganz so ernst meint.

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New World Players: Fantasien eines 12-Bit-Orchesters

Im Brückenforum haben in der Vergangenheit schon alle möglichen Veranstaltungen mit großem Erfolg stattgefunden: Flohmärkte, Partys, Karnevalssitzungen und Konzerte von Folk bis Metal, die alle ganz unterschiedliche Anforderungen an die Mehrzweckhalle stellten. Geht alles. Nur mit einem klassischen Konzertsaal kann das Brückenforum natürlich nicht mithalten – was nun auch die New World Players feststellen mussten. Das zwölfköpfige Mini-Orchester, das sich der epischen Melodien der legendären Computerspielreihe „Final Fantasy“ angenommen hat, verzichtete trotz der problematischen Akustik auf eine elektronische Verstärkung und verlor sich dadurch im Raum, blieb unscheinbar und eindimensional. Weder die für diese spezielle Musik ohnehin dünn besetzten Streicher noch der Drummer konnten das nötige Volumen aufbauen, was gepaart mit einer anfänglichen Trägheit des gesamten Klangkörpers leider eine überaus unglückliche Kombination war.

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Local Ambassadors: Mit Soul und Salsa gegen den Cut

„Stop the Cut“, fordert Awa Ly, „just stop the Cut“. Schluss mit der grausamen weiblichen Genitalbeschneidung, die in vielen afrikanischen Kulturen leider immer noch zum Alltag gehört. Und stattdessen her mit alternativen Riten, so wie sie die afrikanische Ärzte-Organisation Amref Health Africa propagiert und fördert. Riten, die ohne Verstümmlungen auskommen und die Würde der Frau bewahren. Dafür setzt sich nicht nur Awa Ly nachdrücklich ein: Die senegalesische Pop-Schamanin, die bereits Anfang des Jahres mit ihren intensiven Liedern zu den Höhepunkten des „Over the Border“-Festivals zählte, ist nur eine von diversen hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern, die dem Ruf von Organisator Manuel Banha gefolgt sind und in der Harmonie bei einem Benefiz-Konzert für Amref ihre Stimmen für einen guten Zweck erheben. Mit den Local Ambassadors im Rücken kreieren sie einen bewegenden, eindringlichen Abend, der an eine schreckliche Praxis erinnert – und zugleich das Leben feiert.

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Katie Freudenschuss: Tamara hat den „Sohl“

Eigentlich hat es Katie Freudenschuss schon weit gebracht. Ihre Stimme kennen Millionen aus dem Radio und aus dem Fernsehen – gut, nur aus einer Bratwurst- und einer Weißbier-Werbung, aber immerhin. Ein Anfang ist gemacht. Jetzt geht es im Pantheon weiter, und auch das ist für die charmante Sängerin und Kabarettistin ein großer Schritt. Zumal es, wie schon der Titel ihres Solo-Programms betont, bis Hollywood eh zu weit ist. Zumindest jetzt noch. Andererseits hätte selbst Freudenschuss kaum ahnen können, dass sie zweieinhalb Jahre nach ihrem Debüt im damaligen Casino und nur wenige Monate nach ihrer Teilnahme am Prix Pantheon 2017 jetzt die große Bühne ganz für sich allein haben würde. Und auch wenn der 40-Jährigen ein etwas intimerer Rahmen wahrscheinlich besser gedient hätte, zeigt sie doch, dass sie auch ohne schwedische Wurzeln durchaus zu Höherem berufen ist als nur zu Wurstliedern.

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Beethovenfest 2017: Liebe, Meer und Tod

Selbst die ferne Geliebte muss am Ende vergehen: Mit einem bemerkenswerten Konzert der Bamberger Symphoniker unter der Leitung von Jakub Hrůša ist das Beethovenfest 2017 am vergangenen Sonntag zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. Geschickt verknüpfte das Orchester im World Conference Center Bonn (WCCB) die Liebe, die ein zentrales Motiv des diesjährigen Festivals war, mit dem Meer und vor allem dem Tod, die schon im ersten Werk des Abends, Ernest Chaussons symphonischer Dichtung „Poème de l'amour et de la mer“, aufeinandertrafen und insbesondere die Zeit bis zur Pause beherrschen sollten. Sopranistin Betsy Horne versah die Verse Maurice Bouchors mit strahlendem Ton, der sich leider in der ungünstigen Akustik des Raumes nicht zu voller Pracht entfalten konnte. Die Bamberger erwiesen sich derweil als so souverän wie eh und je, herrlich differenziert spielend und zwischen majestätischem Glanz und bedrückender Schwermut mühelos wechselnd.

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Ulla van Daelen und Urs Fuchs: Harfen-Pop

Manche Instrumente werden schlichtweg unterschätzt. Blockflöten zum Beispiel. Oder auch die Konzertharfe, die weitaus mehr vermag als der gelegentliche Einsatz im Orchester oder bei Elfenmusik erwarten lässt. Zumindest wenn sie von einer Virtuosin wie Ulla van Daelen gespielt wird. In der Post-Tower-Lounge bewies die 55-Jährige beim letzten der Matinee-Konzerte im Rahmen des Beethovenfests eindrucksvoll, welches Potenzial in dem großen Instrument schlummert. Zusammen mit ihrem Duo-Partner Urs Fuchs (Percussion) nimmt sie sich Stücke aus Rock, Pop und Jazz vor – und sorgt mit filigranen Läufen für ein zauberhaftes Konzerterlebnis.

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