„Die Magier“: Lug und Trug und ein Egotrip

Das Konzept klingt schon einmal vielversprechend: Eine thaumaturgische Mixed-Show mit vier einzigartigen Charakteren soll die immense Vielfalt der Zauberkunst präsentieren und das Publikum einen Abend lang an den Grenzen der Realität zweifeln lassen. Doch zumindest im Pantheon können „Die Magier“ nicht überzeugen – was vor allem an Initiator Christopher Köhler liegt. Denn da ein Künstler fehlt, nimmt der selbsternannte Comedy-Zauberer die Sache eben selbst in die Hand. Was leider in einem Egotrip mündet, der zwar beim Publikum durchaus für Amüsement sorgt, mit Magie aber nur noch am Rande zu tun hat.

Köhlers größte Stärke ist zugleich seine größte Schwäche: Der Kölner liebt Kalauer und flache Pointen, die er aber mit einer derart großen Exposition versieht, dass das Finale zwangsläufig nur enttäuschen kann. Immer wieder baut er Erwartungen auf, verspricht spektakuläre Tricks, nur um dann gnadenlos zu scheitern und das auch noch als große Offenbarung zu verkaufen. Bitter, zumal er sich nicht nur selbst zum Affen macht, sondern auch einige Gäste aus dem Publikum vorführt. Gut, die patzige Reaktion eines Herren in der ersten Reihe, der sich einem Dialog konsequent verweigert, ist da jetzt auch nicht angemessen – doch wenn Köhler eine Frau auf die Bühne holt, nur um sie an zwei Trickscheren verzweifeln zu lassen und ihr schließlich die zu durchschneidende Spielkarte wegnimmt, ohne irgendetwas damit anzustellen, ist das schlichtweg peinlich. Zumal Köhler kein Ende findet, sich überproportional ausdehnt, eine Comedy-Nummer nach der anderen mit ein wenig banaler Zauberkunst garniert und den Saal zwar zum Lachen, nicht aber zum Staunen bringt. Immerhin versinkt die Show dank einiger von Köhlers Opfern nicht völlig in der Belanglosigkeit: Vor allem Geräusche-Imitator Ralf agiert in einer Impro-Nummer zehnmal besser als der offizielle Künstler und wird so letztlich zum Star des Abends.

Bedauerlich ist dieses Ungleichgewicht zwischen Zauberei und Comedy auch deshalb, weil die beiden echten Magier letztlich zu Randfiguren degradiert werden. Sie sind das schmückende Beiwerk, obwohl sie doch die zentralen Säulen der Show sein sollten. Zugegeben, weder Mentalist Carsten Lesch noch der maskierte Illusionist Swann bringen große Innovationen in ihre Kunst ein, sind zwar gut, jedoch nicht herausragend. Reicht das, um einen ganzen Abend zu tragen? Leschs vermeintliche Gedankenleserei ist mitunter dem Programm von Nicolai Friedrich frappierend ähnlich und wird erst dann spannend, als er sich die Augen verklebt und mit den Sinnen eines anderen Gegenstände identifiziert. Und Swanns elegante, poetische Lichtkunst ist zwar exzellent choreographiert und optisch der Höhepunkt der gesamten Show, dringt aber im Vergleich zu den Darbietungen anderer Künstler, die schon im Pantheon zu bewundern wagen, nicht in neue Bereiche vor. Viel schlimmer ist allerdings, dass er sich als jener Ersatz für den ausgefallenen Marco Weissenberg entpuppt, den Köhler zu Beginn des Abends großspurig angekündigt hat. Neue Maske, neuer Name, neue Musik, alte Darbietung. Eine derart dreiste Lüge deklassiert letztlich alle Beteiligten, die auch als Magier ab und zu mal mit offenen Karten spielen sollten. Und mit weniger bemühten Gags, die in einem Programm, das sich die Vielfalt der Zauberkunst auf die Fahnen geschrieben hat, schlichtweg nicht so einen großen Raum einnehmen sollten. Das Publikum hat mehr verdient. Und die Magie auch.

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