Das ist neu

20. Juli 2020: Vier Monate Stillstand. Vier Monate so gut wie keine Kultur, kein Theater, keine Konzerte, kein Tanz. Und auch jetzt ist die Krise noch längst nicht überstanden, ist der Corona-Virus noch immer präsent und wird es auch mit Sicherheit noch für einige Zeit bleiben. Dennoch gibt es erste Silberstreifen am Horizont: Zumindest in Deutschland werden nach und nach die Regelungen gelockert, so dass tatsächlich wieder das vein oder andere stattfinden kann. In der Bonner Rheinaue hat zum Beispiel mit dem Kulturgarten die derzeit größte behördlich zugelassene Open-Air-Bühne eröffnet, auf der Brings zum Auftakt ein bewegendes Konzert vor 1300 Menschen gespielt hat. Auch die DJs und Rapper von Green Berlin waren schon am Start und genossen es, der Menge wieder direkt in die Augen sehen zu können. Das war bei den Autokonzerten und dem Autotheater noch nicht möglich – und während Heino oder auch Konrad Beikircher mit dieser Einschränkung gut zurecht kamen, verzweifelten Fatih Cevikkollu, Ingo Appelt sowie die beiden Liedermacher Falk und Jakob Heymann am fehlenden Kontakt zum Publikum. Den braucht man nun einmal. In der Rheinaue ist dies möglich, so wie auch bei den Konzerten "Musik unter der Zeder" am Kleinen Theater Bad Godesberg, wo Marcus Schinkel und Joscho Stephan bereits ihre umjubelten Gypsy-Jazz-Versionen von Beethoven- oder Debussy-Kompositionen zum Besten gaben.

 

16. März 2020: Das Corona-Virus hat die ganze Welt in ein künstliches Koma fallen lassen. Alles steht still – nicht zuletzt die Kultur, dieser treue Herzschlag der Zivilisation. Musik und Theater haben selbst in dunkelsten Zeiten immer für Lichtblicke gesorgt, haben Menschen vereint und ihnen Hoffnung gegeben. Jetzt fehlt all das, und wir können alle nur hoffen, dass sich die Lage bald wieder ändert, damit der Puls unserer Gesellschaft wieder überall spürbar sein kann. Bis dahin müssen wir zusammenhalten, müssen auf uns acht geben und trotz der uns auferlegten Isolation Solidarität zeigen. Solidarität mit anderen Nationen, Solidarität mit den Alten und Schwachen – und Solidarität mit Künstlern und Veranstaltern, Theatern und Technikern und all den anderen Menschen, die jetzt in ihrer Existenz bedroht sind. Ohne sie würde unsere Welt farblos sein. Wer gerade jetzt inmitten der Krise Tickets nicht zurückgibt, Bücher und CDs kauft statt auf Streaming-Dienste zurückzugreifen oder bereits jetzt Gutscheine für kommende Programme erwirbt, hilft damit, die Kultur in all ihren Facetten zu erhalten.

Hier jetzt die vorerst letzten Artikel: Dennis aus Hürth kalauert sich durch die Oper, Danko Rabrenovic mimt mal wieder den Balkanizer, Till Reiners kommt ohne differenzierte Aussagen aus und Claus von Wagner brilliert mit seiner Theorie der feinen Menschen. „König Lear“ mutiert im Schauspiel Bonn zur Groteske, das GOP wird von fantastischen Freaks übernommen, Lloyd Cole reduziert sich auf reinen Folk, und am Crossroads-Festival des WDR Rockpalasts kann man die rasante Entwicklung der Corona-Krise verfolgen.