Das ist neu

5. Mai 2024: "Over the Border" ist längst vorbei, das Jazzfest Bonn ebenso und damit einige überaus spannende Konzerte. Einige Königinnen beherrschten die Afrikanische Nacht, Kinga Glyk ihren Bass, Che Sudaka die Beine des Publikums und Lura deren Seelen. Die Local Ambassadors zogen alle Register, was für die Künstlerinnen und Künstler des Jazzfests ohnehin galt: Mal geradezu körperlich schmerzhaft wie bei Organist Franz Danksagmüller (statt Schmerzensgeld gab es immerhin Richard Galliano), dann wieder harmonisch wie bei dem Helge Lien Trio und Viktoria Tolstoy; mal experimentierten sie wie Julia Kadel, Sera Kalo oder Linda May Han Oh, dann wieder dekonstruierten sie wie Olaf Rupp alles, was zwischen die Saiten gerät. Versöhnliches von Hubert Nuss, Mia Knop Jacobsen und Lars Danielsson traf auf Spannendes von Lisa Wulff und Olga Reznichenko – und auf die enorme Kraft einer Liv Warfield. Stark. Das konnte man übrigens auch von Sari Schorr und den Cinelli Brothers sagen, die im Rahmen von WDR Crossroads in der Harmonie zu Gast waren, während sich in Köln Rapper-König Bushido von seinen Fans verabschiedete und die c/o Pop begann. Und abseits der Musik? Ging das Ensemble der Distel in der Springmaus aufs stille Örtchen, drei Mitglieder des Theater Bonn in die Welt der Leerstellen ("Treibgut des Erinnerns") und Masih Samin im Pantheon auf Fehlersuche bei der Hundeerziehung. Ach ja, und die fantastische Christine Teichmann servierte Häppchen von der Menschenrechts-Karte, die mitunter im Halse stecken blieben. Besser kann Kabarett kaum sein.

 

12. März 2024: Das "Over the Border"-Weltmusikfestival bringt einmal mehr Künstlerinnen und Künstler aus insgesamt 22 Ländern zusammen, unter anderem Bantu Continua Uhuru Consciousness aus Südafrika und Iren wie Joe Philpott, Anthony Cotter und Lisa Canny. Das Beethovenorchester taucht in die Welt der Computerspiele ein, das Fringe Ensemble kämpft sich im Theater im Ballsaal durch Kurt Vonneguts „Slaughterhouse Five“ und Jan Philipp Zymny lässt dem gehobenen Unsinn freien Lauf. Die Sängerin Laufey macht die Generation Z mit dem Great American Songbook vertraut, das Tingvall Trio holt die Vögel in die Bonner Oper, Anne Haigis erhält Verstärkung aus der schwäbischen Heimat und das Rheinkabarett muss ohne Andreas Etienne und stattdessen mit Susanne Pätzold klarkommen. Robert Alan wähnt sich in der Prime Time, Mathias Mester erzählt von seinem Leben als Paraolympionike, Florian Hacke will alles positiv sehen und beim Politischen Aschermittwoch steht unter anderem die Menschenwürde auf der Speisekarte. Nicole Nau und Luis Pereyra zeigen in „Vida“ die Wurzeln des Tangos und Acostas Danza eine mythische Ästhetik. Omah Lay kommt spät aber immerhin, Max Mutzke feiert zusammen mit Stefanie Heinzmann sein Geburtsjahr (1981) und die 17 Hippies das Leben. Ach ja, und Matthias Brandt und Jens Thomas nehmen sich „Le Horla“ vor - natürlich wieder in gewohnt schauriger Brillanz.