Das ist neu

20. Juni 2024: Ein Buchprojekt hat dazu geführt, dass ich im Mai und der ersten Juni-Hälfte nur wenige Kulturtermine wahrnehmen konnte. Ein bischen was Neues gibt es aber dennoch. So faszinierte das Malandain Ballet Biariz mit einer Choreographie zu Verdis "Vier Jahreszeiten", während das Theater Bonn mit einer Inszenierung von Bölls "Frauen vor Flusslandschaft" entweder zu viel oder zu wenig wollte. Die Mobilés sind mit einer neuen "Moving Shadows"-Produktion zurück und warnen eindringlich vor Umweltzerstörung, Bastian Bielendorfer mobbt sich selber, Rainald Grebe schaut in den Abgrund, Chris Tall auf seinen Bruder und Bernard Liebermann leider in die Röhre. Die Goldfarb-Zwillinge zeigen, wie großartiges Kabarett-Theater funktioniert, und Frieda Braun, wie das auch ohne Theater geht.

Matti Klein und sein Soul Trio mischen das Dottendorfer Ortszentrum auf, Rebecca Treschers Tentett und die unvergleichliche Ute Lemper die Bonner Oper und Thirty Seconds to Mars sowie die Prog-Metal-Legenden von Tool die Lanxess-Arena. Das ist doch schon mal was.

 

5. Mai 2024: "Over the Border" ist längst vorbei, das Jazzfest Bonn ebenso und damit einige überaus spannende Konzerte. Einige Königinnen beherrschten die Afrikanische Nacht, Kinga Glyk ihren Bass, Che Sudaka die Beine des Publikums und Lura deren Seelen. Die Local Ambassadors zogen alle Register, was für die Künstlerinnen und Künstler des Jazzfests ohnehin galt: Mal geradezu körperlich schmerzhaft wie bei Organist Franz Danksagmüller (statt Schmerzensgeld gab es immerhin Richard Galliano), dann wieder harmonisch wie bei dem Helge Lien Trio und Viktoria Tolstoy; mal experimentierten sie wie Julia Kadel, Sera Kalo oder Linda May Han Oh, dann wieder dekonstruierten sie wie Olaf Rupp alles, was zwischen die Saiten gerät. Versöhnliches von Hubert Nuss, Mia Knop Jacobsen und Lars Danielsson traf auf Spannendes von Lisa Wulff und Olga Reznichenko – und auf die enorme Kraft einer Liv Warfield. Stark. Das konnte man übrigens auch von Sari Schorr und den Cinelli Brothers sagen, die im Rahmen von WDR Crossroads in der Harmonie zu Gast waren, während sich in Köln Rapper-König Bushido von seinen Fans verabschiedete und die c/o Pop begann. Und abseits der Musik? Ging das Ensemble der Distel in der Springmaus aufs stille Örtchen, drei Mitglieder des Theater Bonn in die Welt der Leerstellen ("Treibgut des Erinnerns") und Masih Samin im Pantheon auf Fehlersuche bei der Hundeerziehung. Ach ja, und die fantastische Christine Teichmann servierte Häppchen von der Menschenrechts-Karte, die mitunter im Halse stecken blieben. Besser kann Kabarett kaum sein.