Das ist neu

18. Dezember 2023: Wieder einmal kommt das Update der Seite spät, aber dafür mit Wucht. Immerhin steht die Kultur nicht still, sondern läuft fast über angesichts einer erfreulich starken Nachfrage nach Tickets. Und so waren viele Veranstaltungen ausverkauft – darunter der Abschied von Serdar Somuncu, der die Bühne verlässt. Voll sind aber auch der Nachmittag mit Bernhard Hoëcker und Wigald Boning, die Spaß am Sprengen haben; Dalia Schaechters jiddisch-amerikanischer Liederabend im Theater im Bauturm; Jochen Malmsheimer, der sich in seinem neuen Programm aufs Rad schwingt; und die Rückkehr von Pause & Alich. Doch auch andere Shows liefen hervorragend: Die Bonn Players haben passend zur Weihnachtszeit "Season's Greetings" inszeniert, Christoph Scheeben und Michael Müller setzten in "Dirty Merry" das Konzept aller vorheriger Springmaus-Produktionen erfolgreich fort, das Kleine Theater zeigt eine bisher eher unbekannte Seite von Judy Garland, und Fischer & Jung nehmen sich mit brachialem Witz die Weihnachtsgeschichte vor. Das Schauspiel Bonn lässt Woyzeck scheitern, Jan Weiler erzählt aus dem Chaos einstiger Pubertiere, bei der BonnLive Comedy lassen sich Publikumslieblinge blicken (und machen zum Teil eine echt gute Figur), und im Pantheon debattieren Florian Schroeder und Peer Steinbrück über Politik und die Welt.

Musikalisch wurde in Bonn zuletzt eine unglaubliche Bandbreite geboten, angefangen beim Simon-&-Garfunkel-Tribute-Duo Graceland, das sich ein paar Streicher und eine kleine Band dazugeholt hat und im Pantheon einige bemerkenswerte Interpretationen präsentiert. Ebenfalls dort feierten die Jazztube-Reihe ihr Finale und Jin Jim ihren 10. Geburtstag, während Georg Ringsgwandl sich mit den "unvollständigen Erinnerungen der Tourschlampe Doris" beschäftigt, die Zucchini Sistaz alles für grüne Weihnachten vorbereiten und die Alten Bekannten ganz offiziell die Nachfolge der Wise Guys antreten. In der Lanxess Arena spielt Sting seine Lieblingslieder, in der Bonner Oper erfüllt Tom Gaebel Publikumswünsche, im E-Werk in Köln hinterließ Ellie Goulding eine seltsame Leere und in der Springmaus balancieren Vocaldente zwischen augenzwinkerndem Pop und angestrengtem Knabenchor-Repertoire. Und in der Harmonie? Wendet sich Ana Popović dem Soul zu, Julian Sas seinem geliebten Bluesrock, The Joni Project der komplexen Lieder Joni Mitchells und Damian Wilson unter anderem der Musik von Headspace und Ayreon. Ach ja, und dann wäre da noch Adam Wakeman, seines Zeichen Keyboarder und Gitarrist von Ozzy Osborne und einst auch von Black Sabbath. Der interpretiert die Metal-Klassiker jetzt mit einem Jazz-Trio, was ziemlich schräg scheint, aber verdammt gut ist.

 

 

29. Oktober 2023: 20 Jahre Crossroads in der Harmonie, das ist schon ein bemerkenswertes Jubiläum. Unter anderem gratulierten Bywater Call, Eddie 9V, Dead City Ruins, Green Lung, die Hamburg Blues Band und Sweet Electric. Außerdem waren in den vergangenen Wochen die sizilianische Liedermacherin Etta Scollo, das irische Duo Kieran Goss & Annie Kinsella, die Krautrock-Pioniere von Guru Guru, die Balkan-Beat-Veteranen von Fanfare Ciocarlia und der endlich seine Stimme gefundene Blues-Sänger Andreas Kümmert zu Gast. Musik gab es auch im Pantheon, wo Gisbert zu Knyphausen sich Schubert widmete, Tim Fischer auf unvergleichliche Art Georg Kreisler ehrte und Maybebop mit starken neuen Songs begeisterten. Auch ein Jazz-Talk zwischen Yassmo' und Hanno Busch fand dort statt, während das Christoph Möckel Trio im Post Tower den Abschluss einer Reihe von Jazz-Matineen gestaltete und OnAir im Haus der Springmaus ihre größten a-cappella-Hits zelebrierten.

 

In Sachen Bühne ist ebenfalls viel geschehen. Im Jungen Theater klagen Jugendliche in dem dystopischen Stück "Das Tribunal" ihre Eltern für den Klimawandel an, im Schauspiel fällt Erich Kästners "Fabian" immer wieder in ein Loch, auf der Werkstatt-Bühne behandelt das Ensemble des Theater Bonn einen Fragenkatalog von Max Frisch ("Was fehlt uns zum Glück?"), im Brückenforum dreht das Vollplaybacktheater wieder alle möglichen Hörspiele durch den Fleischwolf, und in der Brotfabrik überzeugt das Theater Rampös mit der scharfzüngig-grotesken Kunst-Satire "Stück Plastik". Im Pantheon verführt "Let's Burlesque" mit viel nackter Haut und phänomenalem Gesang, während der Comedy-Contest "Böse Zungen" den nächsten Durchstarter sucht, Jürgen Becker einen Blick in die Zukunft und Konrad Beikircher einen in seine Vergangenheit wirft. Ach ja, und in der Springmaus geht Urban Priol wieder auf die Jagd nach so manchem politischen Freiwild, Simon Stäblein auf die Suche nach dem perfekten Mann und Patrizia Moresco auf eine Mission für ein lautstarkes "Yes" für alle Frauen.