Klaus „Major“ Heuser: Poprock mit Überraschungen

Im Alter wird man ruhiger, heißt es. Ein Vorurteil, wie viele altgediente Rockmusiker täglich beweisen, die auch mit 60 oder 70 noch herrlich Gas geben und virtuos über die Saiten oder die Tasten jagen können. Wenn sie das denn wollen. Doch Klaus Heuser hat dazu derzeit offenbar keine allzu große Lust. Der „Major“, der selbst zwei Jahrzehnte nach seinem Ausstieg noch immer zuerst als Ex-BAP-Gitarrist vorgestellt wird und dabei so viel mehr zu bieten hat, lässt es mit seinem aktuellen Album „And Now?!“ deutlich entspannter angehen, ruhiger, wandert eher im Pop als im Rock und sorgt doch bei seinem, Konzert in der Harmonie für einen bemerkenswerten Abend. Denn nur weil er das Tempo reduziert, heißt das nicht, dass die Musik dadurch eintönig wird. Zumindest nicht, wenn des Majors Band zu improvisieren beginnt.

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Slapstickers: Nikolaus im Ska-Fieber

An diesem Abend sind negative Gedanken unerwünscht. All die Sorgen soll das Publikum einfach zu einem Bündel zusammenschnüren und hinter sich werfen, um voller Freude in die Weihnachtstage starten zu können. Und wer dazu noch einen zusätzlichen Ansporn braucht, dem helfen die Slapstickers nur zu gerne weiter. Zum zehnten Mal in Folge ist die Band aus Brühl im Dezember in der Harmonie, um auf ihre ganz eigene Weise auf das Fest der Liebe einzustimmen – also mit fetzigen Grooves, Energie für eine ganze Horde von Duracell-Häschen und natürlich jeder Menge Ska.

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Silje Nergaard: Weihnachtslieder und andere Balladen

Ruhige, besinnliche Töne zählen zu den Markenzeichen von Silje Nergaard. Die charismatische Jazzpop-Sängerin mit dem klaren Sopran liebt ihre Balladen, diese feinen Melodien aus dem Reich zwischen Wachen und Träumen, die zurückhaltend sind und doch gerade deswegen überaus eindringlich. Jetzt ist die Norwegerin mit einem Weihnachtsprogramm in die Harmonie gekommen, wo sie ihrer Leidenschaft freien Lauf lassen und auf allzu innovative Grooves verzichten kann, ohne sich erneut als unnötig weichgespült kritisieren lassen zu müssen  – ein Urteil, das sie erst im vergangenen Jahr mit „For You A Thousand Times“ ohnehin eindrucksvoll gekontert hat. Jetzt, zu dieser Zeit und in diesem Kontext, passt der zarte Schmelz hervorragend. Und Nergaard nutzt die Gunst der Stunde, um ihre seidene Stimme um die Herzen des Publikums zu winden.

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Beethovennacht: Die Hoffnung hinterm Schlachtenklang

„Alle Menschen werden Brüder“: Diese Vision hat Ludwig van Beethoven im vierten seiner 9. Sinfonie mit Friedrich Schiller und der ganzen Welt geteilt. Seine Vertonung der „Ode an die Freude“, die den Abschluss seines opus magnum bildet, ist bis heute ein Aufruf zur Einheit und zugleich eine Revolution in musikalischer und sozialer Hinsicht, die immer noch nicht abgeschlossen ist. Insofern ist es nur konsequent, dass das Beethovenorchester Bonn (BOB) die Neunte im Rahmen der Beethovennacht in der Bonner Oper spielt, insbesondere mit Blick auf den Ersten Weltkrieg, der vor 100 Jahren endete und der sich, so hieß es damals, nie wiederholen sollte. Ein Entschluss, der leider nicht lange vorhielt.

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BonnVoice: Advents- und Jubelfeier

Noch nicht einmal 24 Stunden nach seinem größten Triumph steht „der beste Chor im Westen 2018“ erneut auf der Bühne: In der frostigen Kreuzkirche hat BonnVoice am vergangenen Samstag das inzwischen schon traditionelle Adventskonzert gestaltet und sich dabei zunächst einmal hinsichtlich seines Siegs bei dem WDR-Chorwettbewerb bedeckt gehalten. Kein Wort zum Finale, das einen Tag zuvor live im Fernsehen übertragen wurde – die vorweihnachtliche Botschaft sollte offenbar ganz für sich stehen. In bewährter Manier präsentierte das Ensemble also sein Repertoire, bestehend aus Klassikern wie dem starken „Es kommt ein Schiff gefahren“ und modernen Stücken wie „Mary did you know“, bei dem der Chor eindrucksvoll unter Beweis stellte, warum er sowohl Jury als auch Fernsehpublikum von sich überzeugen konnte.

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„Charleys Tante“: Slapstick mit buntem Fummel

Wenn „Charleys Tante“ auf der Bühne erscheint, ist ihr der Applaus des Publikums sicher. Die Farce von Brandon Thomas aus dem Jahr 1892 ist eine der bekanntesten Komödien der Welt und war einst Auslöser für eine ganze Welle an Travestie-Stücken, in denen Männer genüsslich in Frauenkleider stiegen, um das ein oder andere Verwirrspiel im shakespearschen Sinne zu initiieren. Nun hat das Contra-Kreis-Theater das Stück in der Regie von Jan Bodinus auf die Bühne gebracht und mit dem Comedian Kalle Pohl auch einen Hauptdarsteller gefunden, der an der Rolle der skurrilen und in seinem Fall auch überaus trinkfreudigen alten Dame durchaus Spaß zu haben scheint. Doch leider bleibt die Inszenierung dennoch hinter seinen Möglichkeiten zurück, wirkt vor allem zu Beginn schrecklich banal und bemüht und nimmt erst im zweiten Teil langsam etwas an Fahrt auf.

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Ronavill & Sunday Morning Sex: So neu und schon so gut

Der Nachwuchs kann rocken, man muss ihn nur lassen: Frei nach diesem Motto hat der Bonner Schlagzeuger Lupus Fabian in Zusammenarbeit mit der Harmonie bereits im September das Format „Next Generation“ ins Leben gerufen, um jungen Bands eine Bühne zu bieten. Nach einem umjubelten Auftakt mit zwei exzellenten Bands stand nun das zweite Doppelkonzert an, das nach Möglichkeit irgendwie das vorgelegte Niveau bestätigen sollte. Eine schwierige Aufgabe. Doch Ronavill und Sunday Morning Sex nahmen die Herausforderung an – und konnten durchaus punkten. Mutiger, mitunter überaus ambitionierter Rock mit Blues-Attitüde trafen auf hervorragend gemachten Gute-Laune-Pop irgendwo zwischen Travis und Fool's Garden. Eine reizvolle Mischung, die Lust auf mehr machte.

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Akte X-Mas: Beistellschafe und Raglettier-Fanatiker

In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Ganz unerwartet, so wie jedes Jahr: Weihnachten. Das Fest der Liebe, der Besinnlichkeit und des Wahnsinns. Eine Zeit, in der die Familie zusammenrückt, ob sie will oder nicht, und sich gegenseitig mit ihren Marotten und Eigenheiten verrückt macht. Es sind tolkiensche Szenen, wie Poetry-Slammerin Sandra Da Vina sie skizziert: Ständig klopfen irgendwelche seltsamen Gestalten an die Haustür, um dann in der Waschmaschine Schnaps zu brennen, das provokante Geschenkpapier mit seinen rasiermesserscharfen Kanten kurzerhand mit Feuer zu bekämpfen und sich mit Stirbkuchen zu bewerfen, also jenen verunglückten Lebkuchen-Varianten, die im mütterlichen Backofen eine Metamorphose zu Gebäck-Gargoyles hinter sich gebracht haben und nun nur noch als Zwergenbrot oder als Mordwerkzeug taugen.

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Pe Werner: Geschlechterklischees und viel Völlerei

Besinnlichkeit wird überbewertet. Längst nicht jedes Konzert in der Weihnachtszeit muss mit Wohlfühlklängen überflutet werden oder traditionsbehaftet sein, um dem Publikum einen schönen Abend zu bereiten. Es gibt auch andere Möglichkeiten. Sängerin Pe Werner hat sich dafür schon vor einigen Jahren ein entsprechendes Repertoire zusammengesucht, mit eigenen Songs und dem ein oder anderen mit neuen Versen verzierten Cover irgendwo im Spannungsfeld von Pop, Schlager, Chanson und Jazz. Es ist Musik für die Dunkelkammer, die die Seele belichten soll, so drückt es Pe Werner selbst aus. Zarte Melodien, grandios vorgetragen. Und doch blieb das Konzert im Pantheon am vergangenen Sonntag hinter den Erwartungen zurück – denn inhaltlich drehte sich einfach zu viel um banale Völlerei.

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„Der Wind hat mir kein Lied erzählt“: Zoten und Zauber

Ein bisschen Tabubruch muss schon sein. Travestie lebt schließlich davon, von diesem wilden Mix aus deftigen Zoten, übertriebenem Glamour und schrillem Habitus, hinter dem sich doch nur die Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit verbirgt. Diese Kunstform hat nun auch in das Schauspielhaus in Bad Godesberg Einzug gehalten: Irma Jung und Dagmar Dangereux alias Johannes Brüssau und Daniel Breitfelder haben am vergangenen Freitag in selbigem einen wilden Ritt durch alle Höhen und Untiefen des Genres begangen, bei dem alles möglich und nichts undenkbar war. „Der Wind hat mir kein Lied erzählt“, singen sie, gnadenlos Zarah Leander parodierend und gerne mal die Drag Queens mimend. Dabei können sie auch anders, vor allem Irma. Und in jenen wenigen Fällen, in denen das Duo mal einen Gang herunterschaltet, weht tatsächlich ein Hauch von Magie durch das ehrwürdige Haus.

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Defunkt: Musik nach Schema Funk

Eins ist unbestreitbar: Auch nach 40 Jahren verstehen sich Defunkt auf einen herrlich druckvollen Groove, den nur wenige Formationen mit einer derartigen Selbstverständlichkeit aus dem Ärmel schütteln wie die Band von Posaunist und Sänger Joseph Bowie. Das Quintett, das 1978 entstand, um Free Jazz, Disco und eben den im Namen integrierten Funk miteinander zu verschmelzen, vermag unter den gestrengen Augen seines Frontmanns punktgenau zu spielen, energiegeladen, wuchtig – und zugleich relativ eingeschränkt in seiner Tonsprache. Doch für eine gute Party ist letzteres nebensächlich, wie Defunkt jetzt bei einem Auftritt in der Harmonie unter Beweis gestellt hat. Hauptsache, man gibt Vollgas. Und damit haben die New Yorker nun wirklich kein Problem.

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Culture Club: Ein Paradiesvogel entdeckt den Soul

Zumindest aus der Ferne hat sich Boy George nicht verändert. Flamboyantes Kostüm, schillerndes Make-Up und natürlich ein Hut haben den androgynen Sänger von Culture Club schon in den 80er Jahren zu einem Paradiesvogel gemacht und zu einer Ikone der Schwulenszene. Beides ist er bis heute geblieben. Nun hat er seine Band wieder um sich versammelt, um der vergangenen Zeiten zu gedenken und sie neu aufleben zu lassen. Erstmals seit 20 Jahren haben Culture Club eine neue CD aufgenommen, und erstmals seit ihrer Wiedervereinigung sind sie gemeinsam mit ihrem Frontmann auch wieder in Deutschland auf Tour. In Köln, neben Berlin der einzige Halt der Band, zelebrieren Boy George und Culture Club die New-Wave-Ära und zeigen zugleich aus der Distanz (Fotografen sind bei diesem Konzert nicht zugelassen), dass sie in den vergangenen Dekaden durchaus gereift sind. Und den Soul für sich entdeckt haben.

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Pete York's Rock & Blues Circus: Supergroup mit Superhits

So manche Band aus den 60er Jahren hat Musikgeschichte geschrieben, hat unsterbliche Songs und leider nur allzu sterbliche Künstler hervorgebracht. Längst nicht alle Musiker von damals weilen noch unter den Lebenden – doch fünf von ihnen haben jetzt die restlos ausverkaufte Harmonie zum Beben gebracht und gezeigt, dass sie ihr Erbe noch immer besser verwalten können als all jene, die sich in den vergangenen 50 Jahren bei ihnen bedient haben. Pete York, seines Zeichens ehemaliger Drummer der Spencer Davis Group („Keep On Running“, „Gimme Some Lovin'“) und der kurzlebigen Formation Powerhouse um Eric Clapton, hat die All-Stars-Formation wie schon Anfang der 80er als seinen „Rock & Blues Circus“ reaktiviert und dabei langjährige Freunde zurückgegriffen: Auf Sänger und Gitarrist Miller Anderson, auf Saxofonist Albie Donnelly, auf Zoot Money (den einstigen Weggefährten von „Police“-Gitarrist Andy Summers und Blues-Rock-Ikone Eric Burdon) und auf niemand geringeren als den Deep-Purple-Bassisten Roger Glover. Gemeinsam feiert die Supergroup zwei Stunden lang ihre Hits, ihre Kunst und ihr Leben. Was für ein Genuss. Und was für ein Erlebnis.

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Danny Bryant: Finale für den Blues-Koloss

2018 war für Danny Bryant ein arbeitsreiches Jahr. 120 Konzerte hat er gespielt, ist durch die ganze Welt gereist und hat überall die Botschaft des Blues verbreitet, der durch die Musik eine Katharsis ermöglicht und ein Umgehen mit jeder Art von Schmerz. In der Harmonie Bonn hat der zum Koloss gereifte Gitarrist nun seinen Ausstand gefeiert und sich mit druckvollen Songs in die verdienten Weihnachtsferien verabschiedet. Wer nun aber befürchtet hatte, dass der Brite angesichts seines enormen Pensums müde und ausgelaugt sein könnte, der wurde am Sonntag eines Besseren belehrt. Bryant war vielmehr voller Energie, ein Virtuose auf den Saiten mit überaus kraftvollem, aber auch erfreulich dynamischem Spiel, das beim Publikum hervorragend ankam.

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Toys2Masters: Musikalischer Steppenbrand

Sie waren die Favoriten und sie haben sich durchgesetzt: Beim Finale von Nordrhein-Westfalens größtem und wichtigstem Nachwuchsband-Wettbewerb Toys2Masters hat die Dürener Band Wildfire, die bereits die Vorrunden eindeutig für sich entscheiden konnte, mit einer unglaublich starken Performance den Sieg eingefahren. Publikum und Fachjury waren sich einig, dass das Quartett um den gerade einmal 18-jährigen Gitarristen und Sänger Fabian Kuhn das Brückenforum gerockt haben wie keine andere. „Genau deswegen unterstützte ich Toys2Masters seit Jahren“, freute sich Jurymitglied Dieter Roesberg, Chefredakteur des Magazins Gitarre & Bass. „Ich finde es einfach klasse, junge Künstler zu erleben, die wissen was sie tun und dabei einfach nur Spaß haben.“

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Materna & Trummer: Dekonstruierte Melodien

Eigentlich hat Peter Materna derzeit mehr als genug zu tun. Gerade erst hat er das Programm für das Bonner Jazzfest 2019 vorgestellt, an dem er monatelang gefeilt hat, und auch in Zukunft werden die Telefone bei ihm nicht stillstehen. Dennoch lässt der Saxofonist es sich nicht nehmen, ab und zu im Restaurant Nees am Botanischen Garten eine intime Stunde mit ausgewählten Gästen zu zelebrieren. Bei der vierten Ausgabe der „Concert Hour“ hat er die vielfach ausgezeichnete Pianistin und Sängerin Olivia Trummer eingeladen, die dem experimentierfreudigen Spiel Maternas durchaus etwas entgegensetzen könnte. Zumindest theoretisch. Doch im Konzert zeigte sich, dass zumindest an diesem Abend die Umsetzung schwieriger war als gedacht.

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Timo Wopp: Ein Opfer fürs Kabarett

Opfer müsste man sein. Oder Angehöriger einer Minderheit. Dann klappt's auch mit der Comedy-Karriere. Immerhin gilt die eiserner Regel, dass man sich nur über die Mitglieder der eigenen Leidensgemeinschaft lustig machen darf, wenn man keinen Shitstorm und Diskriminierungsklagen riskieren möchte. Für einen weißen, heterosexuellen Mann jenseits der 40 wird damit die Luft dünn. Was bleibt, ist Konsens-Kabarett, mehrheitsfähig, politisch korrekt – und sterbenslangweilig. Timo Wopp kann davon ein Liedchen singen, probiert er doch genau dies in seinem nagelneuen Programm „Auf der Suche nach dem verlorenen Witz“ aus, versucht sich an Obst- und Tatoo-Gags und scheitert mit Anlauf.

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Guildo Horn: Nassgeschwitzter Cherubim

Alle Jahre wieder kommt der Guildo Horn. Ende November, wenn die Nächte länger werden und der Duft von Bratäpfeln und Glühwein in der Luft liegt, zelebriert der Meister der Glückseligkeit in Bonn die nahende Adventszeit mit einem seiner ganz besonderen Weihnachtskonzerte in der Harmonie. So auch an diesem Samstag. Dicht an dicht drängeln sich die Jünger des Horns, um ausgelassen zu feiern und altbekannte Rock- und Schlager-Hymnen mit neuen Texten in rot-grünem Gewand zu schmücken. Das Konzept ist längst Kult, und auch diesmal schmettern wieder hunderte Kehlen „Mein Freund der Tannenbaum“ und „Es weihnachtet sehr“ zu Abba- und YMCA-Melodien. Auch „Live And Let Die“, „In The Ghetto“ und „Radar Love“ werden derart verändert, bekommen lyrischen Lametta und mutieren zu liebevoll-augenzwinkernden Parodien, die Horn und seine Orthopädischen Strümpfe genüsslich für das Publikum auspacken. Klingt schräg. Ist es auch. Aber auch schön.

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Giovanni Costello: Charmanter Cantautore

Casting-Shows können für aufstrebende Musiker ein Segen sein. Oder ein Fluch. Schließlich ist der Mainstream nicht für jedermann geeignet, und wer dann im „The Voice of Germany“-Team von Xavier Naidoo eine Schmonzette mit dem Titel „Du bist da für mich“ singt, mag schnell als Schlager- und Schnulzensänger abgestempelt werden. Doch ein Künstler wie Giovanni Costello, der jetzt in der Harmonie sein Bonn-Debüt gefeiert hat und auf eine derartige Vergangenheit zurückblicken kann, hat sehr viel mehr zu bieten. Denn eigentlich ist der charmante 52-Jährige nicht nur ein begnadeter Cantautore mit einer herrlich weichen, warmen Stimme, sondern auch ein verdammt guter Jazz-Pianist. Diese Talente präsentierte Costello nun mit Verve und so manchem Augenzwinkern und bereitete dem Publikum damit einen fantastischen Abend.

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Ana Popovic: Blues-Lady mit Funk-Impulsen

Es ist jetzt schon einige Jahre her, dass Ana Popovic zuletzt in der Harmonie zu Gast war. Einst hat sie hier angefangen, sich ihre Fan-Basis aufzubauen, hat etwa mit der Blues Caravan 2005 gespielt und schon damals bewiesen, dass sie eine wirklich herausragende Gitarristin und eine starke Sängerin ist, die bereits auf dem Weg nach oben war. Dort ist sie längst angekommen, hat schon mit Walter Trout, Buddy Guy, Solomon Burke und Udo Lindenberg gespielt und die einzige weibliche Vertreterin ihrer Kunst bei der „Experience Hendrix“-Tour in den USA, an der unter anderem auch Joe Satriani, Megadeth-Gründer Dave Mustaine, Taj Mahal und Jonny Lang teilnehmen. Jetzt ist die gebürtige Serbin nach Bonn zurückgekehrt und erweist sich als gereifter und vielseitiger denn je.

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Axel Zwingenberger: Die Grooves der Boogie-Dampflok

Boogie Woogie und Züge stehen seit jeher in einer ganz besonderen Beziehung zueinander. Nicht umsonst galt ersterer als musikalisches Symbol der Industrialisierung: Der rollende Achtelbeat in der linken Hand des Pianisten imitiert das Stampfen der Dampflok, das Tempo kündet von Reisen in die Ferne. Und vorne im Führerhaus sitzt Axel Zwingenberger und legt lachend noch eine Schüppe drauf. Der 63-Jährige war Mitte der 70er Jahre einer der Wiederentdecker des Boogie Woogie in Deutschland und gehört bis heute zu den besten Tastenvirtuosen dieses Genres. Jetzt sitzt er im Arithmeum, gibt ein „concerto discreto“ und hat sichtlich Spaß an dem für ihn ungewöhnlichen Ambiente. „Ich hätte nie damit gerechnet, mal in einer mathematischen Institution zu spielen“, scherzt er. Und legt los.

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Ingmar Stadelmann: Bis über die Schmerzgrenze

Wie weit kann man als Comedian gehen? Satire darf ja bekanntlich (fast) alles, gedeckt durch die Kunst- und durch die Meinungsfreiheit gleichermaßen. Aber gibt es nicht dennoch irgendwo eine Schmerzgrenze, die auch ein Künstler nicht überschreiten sollte? Wie viel kann, muss und will ein Publikum aushalten? Diese Fragen stellt sich Ingmar Stadelmann gerne – und hat sich in seinem nagelneuen Programm „Fressefreiheit“ für einen Feldversuch entschieden. Ein Meinungsstresstest, der im Pantheon einige durchaus interessante Ansätze verfolgt, aber aufgrund mangelnder Konsequenz nicht wirklich abhebt.

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Adrienne Haan: Knappe Reise in die 20er Jahre

Die Weimarer Republik ist näher, als man glaubt, oft nur einen Ton entfernt. „Irgendwo auf der Welt ist ein kleines bisschen Glück“ – und schon ist man im Berlin der 20er Jahre, in der Kulturhauptstadt jener Epoche zwischen zwei Weltkriegen, in der sich alles änderte. Eine ganze Generation junger Männer war entweder auf den Schlachtfeldern gefallen oder von diesen traumatisiert, die alte Ordnung lag in Trümmern und die Frauen das entstehende Vakuum füllten. Es war eine Zeit der Trauer, aber auch eine des Aufbruchs und der Emanzipation, eine Zeit, in der Musik, Kunst und Literatur aufblühten und neue Wege gingen. Ihr hat sich Sängerin Adrienne Haan verschrieben, die in der Lounge des Pantheon Theaters gemeinsam mit Pianist Heinz Walter Florin Chansons und Couplets präsentierte und dem Publikum zugleich einen kleinen historischen Abriss bot.

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Starbugs Comedy: Einer ist immer der Dumme

Worte werden überbewertet. Die kann man schließlich missverstehen, im Gegensatz zu eindeutigen Gesten. Aus denen kann man sogar ein abendfüllendes Programm mit Pointen-Dauerfeuer zimmern, wie Starbugs Comedy im Pantheon erneut unter Beweis stellt: Das Schweizer Trio, das mit seiner Mischung aus verspielter Clownerie, gnadenlosem Slapstick und Tanz im vergangenen Jahr den Publikumspreis des Prix Pantheon gewonnen hat, begeistert mit seiner aus der Sprachlosigkeit geborenen Kreativität, dank derer auch mal Motorräder abheben, Drehhocker zu Turntables werden oder Gummipuppen zu (mehr oder weniger) willigen Partnerinnen bei einer wilden Rock-n-Roll-Nummer. Herrlich schräg und mit perfektem Timing erweist sich „Crash Boom Bang“ als satirische Pantomime, wie sie besser kaum sein könnte.

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Skinny Molly: Routinierter Reibeisen-Rock

Die Gitarren krachen, der Bass wummert, das Schlagzeug hämmert, und eine raue, dunkle Stimme schmettert druckvollen Südstaaten-Rock in die Harmonie. Im Hintergrund gibt die Flagge mit dem Totenkopf und dem Konföderierten-Hut die Marschrichtung vor, will die Musik knochentrocken und unbeugsam sein, mit Country- und Blues-Elementen und jeder Menge roher Kraft. Klingt soweit alles ganz gut. Doch irgendwie sind Skinny Molly nicht präsent, wirken müde, mitunter gar gelangweilt. Jet Lag, könnte man meinen, wäre die US-Band um Frontmann Mike Estes nicht schon seit einigen Tagen in Deutschland und sollte sich inzwischen akklimatisiert haben. Aus irgendeinem Grund ist der Tank aber leer, der Rock zwar da, aber das Feuer auf Sparflamme.

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Eckart von Hirschhausen: Liebe, Tod und Medizin

Endlich ist das Leben, und endlich sagt es uns mal einer. Eckart von Hirschhausen, Deutschlands bekanntester Mediziner, Bestseller-Autor und selbst ernannter Humor-Experte, ist sich der eingeschränkten Zeit auf dem Planeten Erde nur allzu gut bewusst, ist er doch im vergangenen Jahr 50 geworden und somit in jenem ominösen Alter, in dem die Zündschnüre der Zellen mit erhöhter Geschwindigkeit abbrennen. Im Rahmen der Reihe „Quatsch keine Oper“ hat er nun sein Publikum für ein gesünderes Leben zu sensibilisieren versucht, Loblieder auf die Musik gesungen und natürlich die positive Kraft des Lachens betont. Was schon irgendwie hinreichend bekannt und mitunter ziemlich platt wirkte. Aber auch Raum für einige starke Pointen bot.

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„Impulse“: Im Bann der Beats

Der Puls der Trommeln schallt durch das GOP. Schnell, wild, laut ist er, der Rhythmus nur mühsam gebändigter Energie, die den Herzschlag der neuen Bonner Show bildet und die unweigerlich in die Beine geht. Der Groove ist der zentrale Akteur, das Schlagwerk das wichtigste Werkzeug und der Tanz das Ausdrucksmittel der Wahl. Insofern ist „Impulse“ anders als die sonst üblichen Darbietungen der Varieté-Bühne nahe des World Conference Centers (WCCB), nicht so komödiantisch wie „Plüfoli“, nicht so poetisch wie „Toys“ und auch nicht so Revue-mäßig wie „Die große Copperlin-Show“. Stattdessen erweist sie sich als zweistündige Choreographie der Spitzenklasse, mit jeder Menge Feuer und Energie, mit spektakulärer Artistik, brillanten Breakdance-Einlagen, fetten Beats – und jeder Menge Trommeln.

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„Waisen“: Ein Leben voller Lügen

Er hat es getan. Ausgerechnet er, Thomas, der kreuzbrave, nette Juppie. Hat sich eine Sturmmaske übergezogen und einen wehrlosen Mann bedroht, hat ihn gefoltert, erpresst, in Panik versetzt und sich damit selbst verraten. Alles nur für die Familie. Und für eine Lüge. Eine, die sein Schwager Marco ebenso lebt wie seine Frau Jana und die sich im Verlauf des Psychodramas „Waisen“ nach und nach auflöst. Nun hat das Euro Theater Central das Stück von Dennis Kelly auf engstem Raum inszeniert – und damit ein beklemmendes Meisterwerk geschaffen, das unter die Haut geht.

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Simon Stäblein: Outing dank Mama

Das Leben ist nicht fair? Pech gehabt. „Heul doch“, ruft Simon Stäblein seinem Publikum im Haus der Springmaus entgegen. Jammer halt rum – oder mach ein Comedy-Programm aus all den kleinen Missgeschicken und Niederlagen, die den Alltag so definieren. Manches kann so einfach sein. Stäblein hat es schließlich auch geschafft. Und der smarte 30-Jährige, dem vor gerade einmal zwei Jahren den Sprung ins Fernsehen gelang und der inzwischen zum Moderator der Standup-Comedy-Sendung „Nightwash“ aufgestiegen ist, kann dabei aus dem Vollen schöpfen: Ein „krasser Tollpatsch“ sei er, dazu oftmals zu vertrauensselig. Oh, und schwul, ergo oft Vorurteilen ausgesetzt. Eine Mischung, die zu einigen überaus peinlichen Szenen führen könnte, mit ebenso bemühten wie flachen Pointen. Doch Stäblein kann es besser. Zumindest manchmal.

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Mariama: Oden an das Jetzt

Viele Menschen leben zu sehr in der Vergangenheit. Andere streben derart in Richtung Zukunft, dass sie die Gegenwart vergessen. Beides ist ungesund, behauptet Mariama. Und singt für den Moment. Oden an das Jetzt habe sie geschrieben, betont die Kölner Singer-Songwriterin mit kosmopolitischen Wurzeln, Hohelieder auf jenen winzigen Zeitpunkt zwischen war und wird, in dem das Leben pulsiert. Eigentlich eine schöne Idee, ein nachvollziehbarer und wichtiger Ansatz. Wenn Mariama ihn denn entsprechend ausgestalten würde. Doch bei ihrem Konzert in der Harmonie bleibt die charmante 32-Jährige leider weitgehend farblos, dreht sich musikalisch im Kreis und kommt nicht vom Fleck. Was eben auch nicht der richtige Weg ist.

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Ralph Ruthe: Kleine Katastrophen als Inspiration

Ralph Ruthe liebt Katastrophen. Also zumindest kleine. Solche, die man absurd überhöhen oder zumindest dergestalt konstruieren kann, so dass sie zugleich lustig und bitterböse wirken. „Shit happens“, sagt Ruthe dann, lacht – und zeichnet. Seit nunmehr 20 Jahren erschafft er auf diese Weise Ein-Bild-Witze, kurze Comic-Strips und selbst produzierte Cartoons, mit denen der populäre Comic-Autor sich schon eine beachtliche Fan-Gemeinde aufgebaut hat. Nun war Ruthe im Pantheon zu Gast und gab dem Publikum einen Einblick in sein Schaffen, plauderte aus dem Nähkästchen und präsentierte visuelle Pointen am laufenden Band, inspiriert von alltäglichen Missgeschicken, die allerdings nicht nur Menschen widerfahren können. Sondern auch Geiern, Hunden, Bibern, Bäumen oder Fischen.

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Max Uthoff: Die Weisheit der Hunde

Für Katzen und Hunde muss der Westen das Paradies sein. Sagt zumindest Max Uthoff und hat wahrscheinlich – wie so oft – Recht damit. Überall Futter, abgepackt in Dosen und bis zum Rand gefüllt mit den klassischen Beutetieren des Stubentigers und Wolfs-Erben von heute, also mit Rind, Kalb, Pferd. Delikate Köstlichkeiten, für die die menschliche Dienerschaft ohne mit der Wimper zu zucken Beträge ausgibt, die anderenorts ein kleines Vermögen wären.

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Tommy Engel: Hymnen op Kölsch

Kölner Musiker und ihre Stadt, das ist schon ein ganz besonderes Verhältnis. Ein inniges, gerne auch ein idealisierendes. Unzählige Lieder drehen sich um die Eigenarten der Domstadt, um die Gemeinschaft, um den Karneval, um die Traditionen und Geschichten. Wie viele Hymnen mag es auf Köln wohl geben? Keiner weiß es – aber Tommy Engel könnte zumindest eine ungefähre Ahnung davon haben. Der ehemalige Frontmann der Bläck Fööss hat selbst einige Klassiker geschrieben und sich nun dazu entschlossen, ein „Kölsches Songbook“ zusammenzustellen, in dem diese Titel und noch viele mehr versammelt sind. Im Pantheon hat er nun mit einer hochkarätigen Band eine Auswahl an kölschem Liedgut in neuem Gewand präsentiert, aber auch den ein oder anderen musikalischen Zuwanderer geschickt integriert.

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Wilfried Schmickler: Scharfrichter mit poetischer Ader

Es ist doch alles Mist. Scheiße. Auf gut deutsch, am Arsch! Die Welt steht am Abgrund, die Sprache gleich mit, und der Weg zurück ist durch Ignoranz und Engstirnigkeit versperrt. Immer weiter, volle Kraft voraus in die Kloake aus Nationalismus, Rassismus, Egoismus und sonstigem -ismus, die rechte Politiker von Brasilien über die USA bis hin zu Italien, Polen und Ungarn absondern (von Deutschland ganz zu schweigen) und die viel zu viele Menschen als Taufbecken missbrauchen. Gegen diese Idiotie ist selbst Wilfried Schmickler machtlos. Und das will schon etwas heißen. Immerhin ist er einer der wortmächtigsten deutschen Kabarettisten, ein wahrer Meister der gesellschaftskritischen Poesie und ein Scharfrichter so mancher bornierter Idee. Doch selbst er gesteht in seinem neuen Programm ein: „Es gibt kein Zurück“. Was in manchen Bereichen sicherlich nicht verkehrt ist. Und in anderen ein Desaster.

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Manou Gallo: Zungenbrecher im Funk-Modus

Im ersten Moment wähnt man sich im falschen Film: Da steht Manou Gallo, die jahrelang für Zap Mama in die Saiten gehauen hat, ganz ohne Instrument auf der Bühne der Harmonie und macht das, was inzwischen zum Standard-Repertoire eines jeden Singer-Songwriters gehört. Also eine Loop-Station bespielen. Gut, auch darauf versteht sich die Frau von der Elfenbeinküste hervorragend, zischt und schnattert und klackt und groovt – aber eigentlich ist die Herrin des Afro-Funks doch für ihr druckvolles Bass-Spiel bekannt, für herrlich rockende Beats und aufregende Melodien. Doch jegliche Sorge ist unbegründet. Die Saiten werden schon noch in ausreichendem Maße geschlagen. Und die Party kann beginnen.

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Martin Reinl und Carsten Haffke: Die Erben der Muppets

Ein paar skurrile Sketche, jede Menge bissiger Pointen und vor allem zahlreiche Puppen: Fertig ist heutzutage das Erfolgsrezept für eine erfolgreiche Comedy-Show. Michael Hatzius hat es mit seiner Echse vorgemacht, Sascha Grammel füllt mit seinen Figuren gleich riesige Hallen – und auch Martin Reinl, der unter anderem Elmo aus der Sesamstraße belebt, ist seit einigen Jahren gemeinsam mit seinem Kollegen Carsten Haffke auf Tour, um Groß und Klein zu begeistern. Begleitet vom treuen Hund Wiwaldi, dem Jammerlappen, dem alten Zirkuspferd Horst-Pferdinand und zahlreichen anderen seltsamen Gestalten tritt das Duo mit „Unter Puppen“ gewissermaßen in die Fußstapfen der Muppet-Show. Oder versucht es zumindest. Doch ihre Blödeleien zünden nur zum Teil. Oder verpuffen in der Gosse.

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„Milk & Ashes“: Jonglage mit Bällen und Gesten

Alles ist weiß. Steril. Einsam. Zwei Menschen in einem Raum, mit verklebten Mündern und somit auf ihre Körpersprache angewiesen, in der Reduktion Glück und Zufriedenheit suchend, ihres und das der Zuschauer. Eine Stimme aus dem Off weist ihnen Szenen zu, die sie improvisieren sollen, fordert sie dazu auf, ihren Emotionen freien Lauf zu lassen und bewertet das Ergebnis eines Paares, das mit Mimik und Gestik so viel mehr auszudrücken vermag als mit Worten. Im Schweigen liegt die Kraft – und über die verfügt das Hippana Theater bei ihrer Inszenierung „Milk & Ashes“ im Übermaß. Im Rahmen des Festivals west off stürzen sich Annalaura Beckmann and Jonas Schiffauer in ein modernes Märchen und zugleich in ein bemerkenswertes Stück Meta-Theater, das im Theater im Ballsaal einen Jubelsturm auslöst und doch viele Fragen offen lässt.

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Nana Mouskouri: Mehr als nur weiße Rosen

„Weiße Rosen aus Athen“: Kein anderer Titel dürfte in Deutschland enger mit Nana Mouskouri verknüpft sein als dieser. Ein Schlager, schmalzig und in die Ferne blickend, paradigmatisch für die frühen 60er Jahre. Doch die griechische Sängerin hat in ihrer mehr als 60-jährigen Karriere mehr zu bieten gehabt als diese Nummer. Viel mehr. Sie hat mit Michel Legrand und Quioncy Jones gesungen, mit Harry Belafonte und mit Charles Aznavour, mit Leonard Cohen und mit Bob Dylan. Folk, Jazz und Chanson, alles kein Problem für die Grande Dame von Kreta, die nach Angaben des Weltverbands der Phonoindustrie im Jahr 2015 mit 300 Millionen verkauften Tonträgern nach Madonna die erfolgreichste Sängerin auf dem Erdball war. Jetzt ist Nana Mouskouri noch einmal für ein Konzert in die Philharmonie Köln gekommen – und hat allen gezeigt, was noch in ihr steckt.

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„Moments of Being“: Wahrnehmung als Experiment

Erkenntnis wird aus der Wahrnehmung geboren, aus dem Hören, dem Sehen, dem Fühlen, kurzum aus der Summe aller Sinneseindrücke, gefiltert durch analytische Denkprozesse. Soweit die Theorie, die Regisseurin Silvana Mammone und Ausstatterin Barbara Lenartz mit ihrer theatralen Rauminstallation „Moments of Being“ einem eingehenden Test unterziehen. Im Rahmen des Festivals west-off, bei dem das Theater im Ballsaal, die Studiobühne Köln und das FFT Düsseldorf seit Jahren kooperieren, hat das als „kaleidoskop“ firmierende Duo mit zwei Schauspielern und einem Musiker das Publikum zum Erfahren eingeladen, lockt es in ein Labyrinth aus Möglichkeiten und Impulsen, die man aufnehmen oder auch ablehnen kann. Jeder im Raum gewinnt so eine eigene Vorstellung von dem, was an diesem Abend ausgesagt werden soll, hat eigene Wahrnehmungen – und somit eine individuelle Erfahrung, die durchaus seinen Reiz hat.

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Procol Harum: Rock einmal ganz klassisch

Es gab eine Zeit, an der kein romantischer Abend ohne „A Whiter Shade of Pale“ auskam. Die Kuschelhymne mit der berühmten, an Johann Sebastian Bach angelehnten Orgel-Partie schallte Ende der 60er Jahre aus jedem Schlafzimmer-Lautsprecher und machte Procol Harum über Nacht weltberühmt. An diesen ersten Erfolg konnte die britische Band seitdem nicht mehr anknüpfen, wurde von ihren ebenfalls mit Klassik und Bluesrock jonglierenden Zeitgenossen überragt, verlor sich zwischen der Wucht von Deep Purple, dem Wahnwitz von King Crimson und dem mit klassischen Referenzen überfließenden Spiel von Jethro Tull. Doch bei einem Konzert im Bonner Brückenforum hat sie nun eindrucksvoll bewiesen, dass sie mehr in petto haben als nur diesen einen Hit. Viel mehr.

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Evi Niessner: Lieben und Leiden einer Legende

Große Gesten, ein schnarrendes Timbre und ganz viel Gefühl: Wenn Evi Niessner den Spatz von Paris verkörpert, so überaus exaltiert und doch so verletzlich, kann sich kaum jemand der Magie des Moments entziehen. Édith Piaf, die große Diseuse von der kleinen Gestalt, ist bis heute die Inkarnation des französischen Chansons und eine schillernde Persönlichkeit, die mit ihrem Privatleben fast für ebenso viel Aufsehen sorgte wie mit ihrer Musik. Zahllose Geschichten ranken sich um sie, zeichnen sie als Hure und Heilige, Hexe und Diva. Vieles davon stimme, betont Niessner im Pantheon, wo sie ausnahmsweise solo auftritt – doch will man wirklich wissen, was Wahrheit ist und was Legende? Denn das ist die Piaf ohne Frage, unsterblich gemacht durch ihren Gesang und durch ihre Leidenschaft, für ihre Kunst und für ihre Männer.

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"Bonner Republik": Totgesagt und dennoch liebenswert

Vorurteile über Bonn gibt es mehr als genug. Auf einem Friedhof ist mehr los, betonen viele Nörgler gerne, da feiern wenigstens noch die Grufties; kein Wunder bei einer Stadt, die kurz vor dem Infarkt zu stehen scheint, mit Dauerstau auf Reuterstraße und B9, kollabierenden Schwimmbädern und Schulen sowie einer darbenden Kulturszene. Kurzum, Bonn stirbt. Behaupten zumindest jene, die sich wahlweise im Internet oder aber auf Kneipenklo-Türen auskotzen. Ihnen haben nun vier Poetry-Slammer Kontra gegeben: Im Kulturbistro Pauke haben sie am vergangenen Donnerstag die neue Veranstaltungsreihe „Bonner Republik“ eröffnet, die sich auf Wohl und Weh der Bundesstadt fokussieren soll. Eine Herausforderung für die Literaten und Songschreiber. Aber eine, die durchaus Vielversprechendes ergab.

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Lars Redlich: Siri gibt den Ton an

Siri hat schon den richtigen Riecher. „Das Niveau ist deutlich gesunken und geht immer weiter nach unten“, mahnt die Computerstimme aus dem Handy von Lars Redlich irgendwann. Doch der Musik-Comedian reagiert nicht. Leider. Im Pantheon versucht sich der Musik-Comedian und ausgebildete Musical-Darsteller stattdessen vor allem in der ersten Hälfte seines aktuellen Programms „Ein bisschen Lars muss sein“ im Niveau-Limbo, singt über die Arschbomben von Rainer Calmund im Freibad und die Anabolika-geschädigten Testikel eines befreundeten Kraftsportlers, jodelt die „Phantom der Oper“-Arie über das verschwundene Kondom vom Opa und bringt damit nicht nur sein intelligentes Mobiltelefon gegen sich auf. Was natürlich zum Teil genau so geplant ist. Und trotzdem nicht funktioniert.

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Jazztube: Freude am Spiel der Klänge

Es war ein Abend der Kontraste, ein Fest der Gegensätze und vor allem ein Spiel der Klänge: Das Finale des Jazztube-Festivals im Pantheon, bei dem nicht nur das beliebte Veranstaltungsformat in den Bonner U-Bahnhöfen gefeiert sondern auch der Vielfalt der lokalen Jazz-Szene gedacht wurde, erwies sich als durchaus anspruchsvolles, aber in den besten Momenten zutiefst beglückendes Doppelkonzert. Insbesondere Sängerin Simin Tander und Cellist Jörg Brinkmann, die erstmals gemeinsam auftraten und das Publikum mit auf eine Reise durch die Jahrhunderte nahmen, boten einen Genuss für die Ohren, ein Abtauchen in traumhafte Sphären, kurzum ein magisches Erlebnis. Wenn man sich denn auf den Dialog der beiden einließ. Und dem Jazz vertraute.

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Blackberry Smoke u.a.: Schachtel-Songs und Country-Rock

Nichts ist unmöglich: Mit diesen Worten hat die Band Blackberry Smoke auf die beengten Verhältnisse in der Harmonie reagiert und damit den Veranstaltern des Crossroads-Festivals mehr als nur einen Stein von den Schultern genommen. Immerhin spielen die Cowboy-Rocker aus Georgia in der Regel in Hallen, die für 2000 Leute ausgelegt sind, und kündigten sich im Vorfeld auch mit entsprechendem Equipment an, was die Kapazität des Endenicher Clubs schlichtweg gesprengt hätte. Umso erfreulicher ist es, dass Blackberry Smoke problemlos abspecken können, rund zwei Drittel ihrer sonstigen Bühnenausstattung im LKW belassen und letztlich trotzdem alles für einen hervorragenden Auftritt parat haben.

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Kent Coda + Shirley Davis: Neo-Folker treffen Soul-Diva

Nach dem knallharten Auftakt des aktuellen Crossroads-Festivals des WDR Rockpalasts in der Harmonie geht es weitaus ruhiger, vielseitiger und vor allem bunter weiter. Mit Kent Coda sowie Shirley Davis & the Silverbacks bestimmen zwei weltmusikalische Formationen den zweiten Abend, die stilistisch einen herrlichen Kontrast bieten und doch das Publikum mit ihrer Leidenschaft und guten Ideen in ihren Bann ziehen. Indie-Folk mit türkischen Texten trifft auf den groovenden Soul einer australischen Diva, die das Bad in der Menge und den Dialog mit ihren Fans über alles liebt. Eine ungewöhnliche Mischung, die aber hervorragend funktioniert. Und Lust auf mehr macht.

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Lucifer + Blood of the Sun: Sex-Appeal und Heavy Metal

Der Auftakt dröhnt: Mit Lucifer und Blood of the Sun haben die Redakteure des WDR Rockpalasts zwei Vertreter der härteren Gangart die aktuelle Ausgabe des Crossroads-Festivals in der Harmonie eröffnen lassen, die das Publikum einmal so richtig aufrütteln und durchschütteln sollten. Ein guter Plan, der letztlich auch aufgeht. Denn während sich die Schweden um Frontfrau Johanna Sadonis ein wenig zu sehr in Klischees verlieren und dabei die klangliche Abwechslung vernachlässigen, sorgen die Sonnenabkömmlinge aus Texas mit exzellentem Heavy Metal für eine Druckbetankung mit rockigen Klängen in Reinform, die bei der Menge nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

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Baum's Bluesbenders: Jubiläum in zwölf Takten

25 Jahre sind Baum's Bluesbenders im Zeichen des Zwölftakters unterwegs, ein Vierteljahrhundert zwischen Westcoast- und Chicago-Style, zwischen Slide-Soli, Moonshine-Balladen und deftigem Rock 'n' Roll. Nun hat die Band um den Godesberger Musikalienhändler Bill Baum in der Harmonie ihren Geburtstag gefeiert – und mit Richie Arndt einen Künstler eingeladen, der den Jubilaren zeigte, wo der sprichwörtliche Hammer hängt. Der Gewinner der Deutschen Blues Challenge 2018 lieferte ein hervorragendes Set ab, das so gut wie keine Wünsche offen ließ und die Messlatte für die Lokalmatadore recht hoch legte. Die nahmen die Herausforderung an. Und gaben alles.

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Stimmrausch: Standards in alten Gewändern

Eigentlich machen Jazz-Standards ja alles mit. Wilde, exaltierte Soli, die sich meilenweit von den Ursprungsmelodien entfernen und nur noch durch die Erinnerung mit selbigen verknüpft sind, vertragen die beliebten Klassiker von Cole Porter, George Gershwin und Nino Rota ebenso wie Rock-, Blues- und Funk-Übersetzungen. Nicht alles gefällt, aber alles darf. Na ja, fast alles. Das Bonner Duo Stimmrausch hat nun im Kammermusiksaal des Beethovenhauses die Broadway-Songs in ein klassisches Gewand gepresst, hat sie mit Koloratur-Ansätzen und schmetterndem Belcanto in Arien verwandelt – und es damit in so manchen Momenten schlichtweg übertrieben.

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Martin Zingsheim: Filmmusik im Streicher-Fleischwolf

Es hätte ein schöner Abend werden können. Ein Streichquintett spielt die bekanntesten Filmmelodien, ein leidenschaftlicher Cineast mit einigen wahnwitzigen Ideen übernimmt die Moderation und alle sind glücklich. Soweit die Theorie. Im Pantheon kollidierte diese jetzt leider mit der unerbittlichen Realität, die kurzerhand ein gewisses Talent im Zusammenspiel einforderte, damit die Harmonien auch wirklich klingen können. Was das Prometheus-Quintett an der Seite von Martin Zingsheim leider nicht besaß. Die fünf Musiker eierten vielmehr umeinander herum, folgten stur ihren eigenen Tempi, spielten nicht mit-, sondern lediglich nebeneinander und rissen so ein Stück nach dem anderen in den Abgrund.

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Sascha Grammel: Ein Fisch namens Mietze

Erste Lektion für angehende Bauchredner: Je größer die Augen, desto niedlicher die Puppe. Mit entsprechend überdimensionierten Glubschern wirkt selbst eine Socke wie ein putziges Würmchen, das man einfach nur in den Arm nehmen möchte. Zumindest wenn es von Sascha Grammel zum Leben erweckt wird. Der Bauchredner und Puppenspieler zählt längst zu jenen ganz großen Comedy-Stars, die ihrer einstigen Wirkungsstätte entwachsen sind und mehr Fans haben, als etwa das Haus der Springmaus fassen kann. Daher hat dieses nun das World Conference Center Bonn gemietet – und gefüllt.

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Val McDermid: Die Waffe einer Krimi-Meisterin

Bitte weiter morden! „Keep on killing, Val!“ Dieser Aufforderung, die Verleger Winrich Carl-Wilhelm Clasen bei der Verleihung des Rheinbacher Glasdolches an die schottische Bestseller-Autorin Val McDermid richtete und die Millionen Leser weltweit unterstützen dürften, kommt die Grande Dame der Krimi-Literatur nur allzu gerne nach. Über 30 Romane hat die 63-Jährige im Verlauf ihrer Karriere geschrieben, jedes Jahr kommt ein weiterer hinzu, dezidiert recherchiert und mit geschliffenem Stil in Szene gesetzt. Für ihre Verdienste um die Welt des fiktiven Verbrechens ist sie nun im Rahmen der Rheinbacher Krimiwoche in der Aula des Sankt-Joseph-Gymnasiums mit einem passenden Mordwerkzeug ausgezeichnet worden – und nahm die Trophäe nach einer anregenden Mischung aus Lesung und Gespräch freudig in Empfang.

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Peter Protschka Quintett: Der Fluch der Technik

Zu hell, zu grell, zu leise, zu laut: An diesem Abend kommen Technik und Musiker nicht so recht zusammen. Das Quintett von Trompeter Peter Protschka scheint nicht wirklich glücklich mit der Anlage des Ortszentrums Dottendorf zu sein, in dem es im Rahmen der Dottendorfer Jazznacht zu Gast ist – und der Mann an Ton und Licht kann es der Band nur schwer recht machen. Mal funktionieren die Monitore auf der Bühne nicht, dann wieder blenden die Scheinwerfer, von denen sich vor allem Saxofonist Rick Margitza so gestört fühlt, dass die Band zeitweilig fast im Dunkeln zu sitzen droht.

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