Martin Reinl und Carsten Haffke: Die Erben der Muppets

Ein paar skurrile Sketche, jede Menge bissiger Pointen und vor allem zahlreiche Puppen: Fertig ist heutzutage das Erfolgsrezept für eine erfolgreiche Comedy-Show. Michael Hatzius hat es mit seiner Echse vorgemacht, Sascha Grammel füllt mit seinen Figuren gleich riesige Hallen – und auch Martin Reinl, der unter anderem Elmo aus der Sesamstraße belebt, ist seit einigen Jahren gemeinsam mit seinem Kollegen Carsten Haffke auf Tour, um Groß und Klein zu begeistern. Begleitet vom treuen Hund Wiwaldi, dem Jammerlappen, dem alten Zirkuspferd Horst-Pferdinand und zahlreichen anderen seltsamen Gestalten tritt das Duo mit „Unter Puppen“ gewissermaßen in die Fußstapfen der Muppet-Show. Oder versucht es zumindest. Doch ihre Blödeleien zünden nur zum Teil. Oder verpuffen in der Gosse.

Zugegeben, allzu hoch wollen Reinl und Haffke das Niveau gar nicht hängen. Immerhin machen sie kein Kabarett, sondern eine Mischung aus Stand-Up- und Impro-Comedy, setzen also ganz bewusst auf eher schlichten Humor für ein breit gefächertes Publikum. Ob dies allerdings zwangsläufig bedeuten muss, dass ein nicht unerheblicher Teil der Gags unter die Gürtellinie zielen, sei dahingestellt. Sich leckende Katzen, ein masochistisch veranlagter Ochse Uwenknecht sowie ein spontan zusammengezimmerter Sketch über Donald Trumps Haare, die als Ausscheidungen einer italienischen Puppe offenbar eine spontane permanente Verbindung mit dem US-Präsidenten eingegangen sind, zeugen von einem ausgeprägten Fäkal- und Sexualhumor, der eindeutig zu viel Raum einnimmt. Familienfreundlich ist das Programm dadurch auf jeden Fall nicht, zumal auch an anderer Stelle einige fragwürdige Passagen dargeboten werden, allen voran die Dating-Tipps eines Hais für die schüchterne Traudl, die in gesungener Form jegliche Form von Alkohol als enthemmendes Genussmittel glorifizieren.

Irritierend ist dieser Fokus auch deshalb, weil die als TV-Sendung getarnte Show eigentlich ein ganz anderes Thema hat. Die Liebe nämlich, nach der sich alle Puppen sehnen, die Traudl, der Jammerlappen oder auch Horst-Pferdinand, der in seiner Aufdringlichkeit nach ein bisschen Beachtung fast schon manisch – oder schlichtweg irre – wirkt. Letzteres ist denn auch ein Höhepunkt des Abends, einer, der fast schon an den anarchischen Humor der Muppets herankommt. Gleiches gilt für die singenden Kakerlaken und auch eine Improvisationsnummer, bei der Reinl und Haffke als doppelköpfiges Ungeheuer einen Liebesbrief an Horst Seehofer aufsetzen und sich dabei nicht etwa bei jedem Satz, sondern bei jedem Wort abwechseln. Herrlich. Nur schade, dass diese Qualität bei den anderen interaktiven Szenen nicht ganz so sehr zum Tragen kommt.

Einfach machen es sich Reinl und Haffke allerdings nicht, das muss man ihnen zugestehen. Schon das Format an sich ist anstrengend: Permanent recken die beiden die Arme in die Höhe, um ihre Figuren vor einer hoch hängenden Kamera zu animieren und damit den Eindruck einer Fernseh-Show zu erwecken. Eine entspannte Haltung sieht anders aus, und so mag schon dies ein Grund dafür sein, dass Kreativität und Spontaneität mitunter ein wenig zu kurz kommen. Dennoch scheinen die Puppenspieler durchaus Spaß zu haben, lachen mitunter herzhaft über skurrile Satzgefüge und Einfälle und werden dafür denn auch vom Publikum mit euphorischem Beifall belohnt. Flache Gags reichen eben aus. Selbst in der Puppen-Szene.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0