Tom Gaebel: Der Bond des Swing

Sein Name ist Bond. Tom Bond. Ein Agent mit der Lizenz zum Swingen. Und diese Chance reizt Tom Gaebel bei seinem Konzert in der Bonner Oper nur allzu gern aus. Der leidenschaftliche Crooner mit dem Timbre von Frank Sinatra und der Vorliebe für Pathos hat in seinem neuen Programm „Licence to Swing“ die Titelsongs der großen 007-Filme in den Mittelpunkt gestellt und erweist sich dabei als Geheimwaffe der Bigband-Cover-Welt. Mühelos meistert er jedes noch so anspruchsvolle Lied, hängt sich sogar zweimal die imaginäre Stola Shirley Basseys um, wird zum „Man With The Golden Voice“ und wickelt mit seinem Sonnyboy-Charme das Publikum um seinen kleinen Finger. Zusammen mit seinem „Orchestra“ präsentiert er eine schmissige, schwungvolle und um weitere berühmte Film- und Fernseh-Melodien erweiterte Show, in der es nur einen Helden geben darf. Und der heißt dann eben doch nicht Bond. Sondern Gaebel.

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„Elisabeth – Kaiserin der Herzen“: Kaiserlicher Wildfang

Das Hofprotokoll ist eine Tortur. Zumindest für die freiheitsliebende Sissi, ihres Zeichens Kaiserin von Österreich – und damit Sklavin eines jahrhundertealten Konstrukts aus Erwartungen und Verpflichtungen. Jede Minute ist vorherbestimmt, jede Tätigkeit festgelegt. Schließlich geht es hier nicht um eine Ehefrau und Mutter, sondern um ein Symbol der Herrschaft. Um ein Objekt. Daran leidet der Wildfang Sissi, dem Schauspielerin Chris Pichler in ihrem selbst geschriebenen Ein-Personen-Stück „Elisabeth – Kaiserin der Herzen“ ein eindrucksvolles Denkmal setzt. Bei der Uraufführung im Kleinen Theater Bad Godesberg eröffnet sich dem Publikum nun ein Einblick in eine geradezu legendäre Gestalt, die weit vielschichtiger ist, als es die berühmten Verfilmungen aus den 50er Jahren erahnen lassen.

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„Female Alphabet“: Sprachkunst von A bis Z

Elektro-Klänge wabern durch den Raum, verdichtet durch rhythmische Klopfgeräusche auf Tonnen und Trommeln. Darüber eine Stimme, die Sprachspuren folgt, mal assoziativ und dann wieder deskriptiv Alltagsgegenstände und philosophische Reflektionen aufnimmt und diese geschickt in Worte kleidet. Es entsteht ein verbaler Sog, ein lexikalischer Strudel mit bemerkenswerter Kraft, den Schauspielerin Bettina Marugg bei ihrer Spoken-Word-Performance „Female Alphabet“ im Theater im Ballsaal zu lenken versteht. Unterteilt durch die alphabetischen Reihungen der Schweizer Komponistin Annette Schmucki und ausgehend von Auszügen aus Getrude Steins „Tender Buttons“ nimmt sie sich Gedichte und Rap-Beiträge zeitgenössischer schweizerischer und englischsprachiger Künstlerinnen zur Brust und sorgt zusammen mit Elektro-Künstlerin Annie Rüfenacht und Perkussionist Christoph Brunner für eine ungewöhnliche Erfahrung.

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Fred Kellner: 30 Jahre Glitzer-Soul

Ohne Fred Kellner würde es den Soul nicht geben. Zumindest nicht in der Form, in der ihn sein Publikum liebt und schätzt. Immerhin hat Kellner der Legende nach einst sämtliche Super-Hits der 50er, 60er und 70er Jahre persönlich geschrieben, bevor er sie für einen Hungerlohn an diverse Gruppen und Solo-Künstler verkaufen musste. Doch wie jeder Musikliebhaber weiß, ist das Original einfach unschlagbar. Und das seit nunmehr 30 Jahren. In der Harmonie hat Fred Kellner nun mit Fred Kellner, Fred Kellner, Fred Kellner, Fred Kellner, den Horny Horny Horny Horns, den SuperSonic Silver Strings und natürlich der atemberaubenden Soulsister Susanne Geburtstag gefeiert – und einmal mehr die Menge in Ekstase versetzt.

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Erwin Pelzig: Die Wahrheiten eines Träumers

Unten der Stuhl, oben der obligatorische Cordhut – und dazwischen die Wahrheit. Oder zumindest Schnipsel derselben, die in der Bonner Oper nur so aus dem Mund von Erwin Pelzig purzeln. Denn was ist schon die Wahrheit, gerade im postfaktischen Zeitalter, in dem man auch schon mal das Publikum fragen sollte, ob es noch mehrheitlich an die Schwerkraft glaubt? Ist doch ohnehin alles Ansichtssache beziehungsweise eine Glaubensfrage. Mag ja sein. Andererseits versteht es der Franke, der vielen noch aus „Neues aus der Anstalt“ ein Begriff sein müsste, derart eloquent und tiefsinnig die gesellschaftspolitischen Probleme zu diskutieren, dass man ihm einfach nur zustimmen kann. Ihm, dem Träumer, der sich durchaus noch eine bessere Welt vorzustellen vermag, zugleich aber mit der Realität konfrontiert wird und sich als einer ihrer besten Kritiker entpuppt.

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Konrad Beikircher: Verzällchen zum „falschen“ Glauben

Ein bisschen mehr Glitzer und Glamour wären aus Sicht von Konrad Beikircher schon schön gewesen. Wenn man schon ein 500-Jahr-Jubiläum wie das der Geburtsstunde der Reformation durch Martin Luthers Thesenanschlag feiert, dann aber bitte richtig. Andererseits, was kann man von den Protestanten schon erwarten? Die haben ja keinen Spaß! Sagt zumindest Beikircher, seines Zeichens (zugezogener) Vorzeige-Rheinländer und zugleich Experte in allen Belangen des „falschen“ und „normalen“ Glaubens. Also rechnet er im Haus der Springmaus genüsslich mit der evangelischen Kirche ab – und deckt so ganz nebenbei unter dem Deckmäntelchen der charmanten Anekdoten einige unbequeme Wahrheiten über die katholische Geschichte auf.

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„Wuthering Heights“: Hass über zwei Generationen

Ein Sturm tobt über Wuthering Heights. Ein Orkan aus Emotionen, dunkel und kaum zu bändigen. Hasserfüllte Winde jagen über die Hochmoore, zerren am Hause Earnshaw, wollen es in Stücke reißen, es endgültig auszulöschen. All das nur wegen einer unerfüllten Begierde. All das nur wegen Heathcliff. Das Findelkind, das sich nach seiner Stiefschwester Catherine verzehrt, seiner Seelenverwandten, die ihn ebenso liebt und ihn doch immer wieder zu Gunsten des Gutsbesitzers Edgar Linton zurückstößt, bis für Heathcliff nur noch die Rache übrigbleibt. Und zwar eine, die sich über zwei Generationen und sogar über den Tod hinaus erstreckt.

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WDR Kabarettfest: Kalauer und Nachdenklichkeit

Die Erwartungen an die 99. Ausgabe des WDR Kabarettfests im Bonner Pantheon sind hoch. Klar, bei den Gästen. Urgestein Matthias Deutschmann, der junge Wilde Moritz Neumeier, das scharfsinnige Karacho-Duo Onkel Fisch sowie Chef-Vorleser Frank Goosen sind in der Regel Garanten für brillantes Kabarett auf hohem Niveau, politisch, gesellschaftskritisch und wortgewandt. Beste Voraussetzungen also für einen spannenden Abend. Doch aus irgendeinem Grund wird alles ein bisschen anders. Nicht schlecht, keineswegs, aber auch nicht so, wie es hätte sein können. Es fehlt jener ominöse Funke, jener Impuls, mit dem der Künstler sein Publikum vollständig in seinen Bann zieht.

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„Supergutman“: Brot und Spiele

Eigentlich will Parzival Pech (Matthias Breitenbach) nur helfen. Einfach nur ein kleiner Funke der Freundlichkeit und Menschlichkeit in einer immer egoistischeren Welt sein. Er ist der gute Geist der Nachbarschaft, der immer einen Stabmixer zur Hand hat, rechtzeitig vor der Fußball-Übertragung das Internet reparieren kann und alle in seiner Umgebung mit selbst gebackenem Brot und Kuchen versorgt. Eine treue Seele, die sich gerne ausnutzen lässt und genau deswegen auch geduldet wird. Bis er auf Irma Pfeifer (Lydia Stäubli) trifft. Das Jugendamt hat der jungen Mutter ihre Tochter weggenommen, angeblich weil sie nicht oft genug warm gekocht hat. Ein Skandal, meint Pech, stürzt sich in den Kampf gegen diese Ungerechtigkeit – und bringt damit nicht nur seine Nachbarn gegen sich auf.

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„Als Nietzsche noch vor dem Regal stand“: Kampfreden aus dem Jenseits

Im Jenseits sind sich alle einig: Die Geisteswissenschaften an der Universität Bonn müssen erhalten bleiben. Eine Streichung zu Gunsten eines Zentrums für Künstliche Intelligenz, wie aus der Welt der Lebenden kolportiert wird? Undenkbar! Ein Skandal! Nein, an der Philosophischen Fakultät will wirklich keiner der Teilnehmer dieser Krisenkonferenz im Jenseits rütteln. Die ehrwürdigen Alumni der Universität, die in diesem Jahr immerhin ihren 200. Geburtstag feiert, lassen keinen Zweifel daran, dass sie das nicht ohne Gegenwehr akzeptieren würden. Ein Aufstand großer Geister droht. Und auch wenn es sowohl über den richtigen Lösungsweg als auch über den Fortbestand der ebenfalls betroffenen theologischen Fakultäten Dissens gibt – nicht zuletzt aufgrund der Anwesenheit von Karl Marx und Friedrich Nietzsche –, gehen die verschiedenen Plädoyers doch letztlich alle in die selbe Richtung.

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Blues Caravan: „Makes Blues, not War“

Drei Künstler, eine Mission: seit mehr als einem Jahrzehnt schickt das Plattenlabel Ruf Records regelmäßig Blues-Musiker auf Tour, die die Liebe für den Zwölftakter leben und verbreiten wollen. Für junge, aufstrebende Talente ist die Blues Caravan eine ideale Gelegenheit, um auf sich aufmerksam zu machen und neue Fans zu gewinnen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Denn neben der elektrisierenden Vanja Sky, die in ihrer Heimat Kroatien bereits ein Star ist und nun auch im restlichen Europa durchstarten möchte, stehen mit Mike Zito und Bernard Allison zwei etablierte Saiten-Magier auf der Bühne, die mit ihren eigenen Bands immer wieder Clubs wie die Bonner Harmonie füllen. Umso bemerkenswerter ist es, sie nun gemeinsam auf der Bühne zu erleben – zumal der kollektive Blues-Erguss mehr ist als die Summe der einzelnen Teile.

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Klazz Brothers: Tanzstunde im Crossover-Stil

Zwei, drei, Cha Cha Cha, zwei, drei, Cha Cha Cha. Eigentlich ganz einfach. Noch ein bisschen Schwung, schon tanzt sich Luigi Boccherinis G-Dur-Menuett von ganz alleine. Warum auch nicht? Man muss nur verbinden, was historisch gesehen nicht zusammengehört, aber hervorragend zusammenpasst. Und das kann niemand so gut wie Klazz Brothers & Cuba Percussion. Das Quintett hat in der Philharmonie Köln soeben erfolgreich eine kleine Tanzstunde für alle Crossover-Liebhaber gegeben, hat Latin-Rhythmen und barocke Musik kombiniert und sogar ein paar Zuschauer gefunden, die die Schrittfolgen auf der Bühne oder auch in den Gängen umzusetzen versuchen. Inzwischen ist es schon wieder woanders, nimmt sich des Tangos an, der auf einmal eine ganz unerwartete Färbung aufweist – und den man, ebenso wie die Klassik, durch das Spiel der Klazz Brothers tatsächlich neu erlebt.

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Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie: Die Suche nach dem Paradiesseits

Verklärte Bilder? Findet Wiebke Eymess toll. Süße Tiere in einer Landlust-Idylle, ein gemütliches Haus mit großem Garten und natürlich einem Apfelbaum, fertig ist das Paradies. Genau das Richtige also für die verträumte Öko-Kabarettistin und ihren Partner Friedolin Müller, die andere Hälfte des zuletzt im Pantheon auftretenden Duos „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“. Dort, wo höfliche Spinnen anklopfen und sich einer Größenkontrolle unterziehen, bevor sie ins Haus kommen, und wo Stubentiger auf Dosenfutter und Katzenstreu verzichten können und somit eine bessere CO2-Bilanz aufweisen als in der Stadt, ist die Welt eben noch in Ordnung. Oder? Wenn es doch nur so einfach wäre. Friedolin ist auf jeden Fall nicht überzeugt – und versucht, seiner Wiebke in neckischen Diskussionen immer wieder Contra zu geben. Was nur selten klappt. Aber immer amüsant ist.

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Papperlapapp: Aufstand aus dem Untergrund

Überall Baustellen und kein Ergebnis: So langsam reicht es dem Papperlapapp-Ensemble. Seit nunmehr neun Jahren versucht Bonns kreativste und populärste Kinderkarnevalssitzung, die in der stolzen Tradition des Pink Punk Pantheon steht und dieser hinsichtlich Pointen und Dramaturgie mitunter durchaus das Wasser reichen kann, die Pänz an die Macht zu bringen. Irgendwer muss ja schließlich das Chaos aufräumen, das in der Bundesstadt herrscht, und wer wäre besser dafür geeignet als die zukünftigen Generationen? Wenn man denen schon den globalen Klimawandel überlässt (auch wenn sie beim Weltklimagipfel nicht mitreden durften), sollte man ihnen auch zutrauen, etwas gegen marode Schulen und einen zunehmenden Abbau der Kulturlandschaft zu unternehmen. Die Papperlapappen wären auf jeden Fall willig – aber sie dürfen nicht. Von diesem Missstand haben sie die Nase voll, tauchen ab und gehen in den Endenicher Untergrund.

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„La Luna“: Der nicht ganz normale Zirkus-Wahnsinn

Hinterm Zirkuszelt ist Schluss mit lustig. Zumindest wenn es nach Direktor Hamilton Gomez (Michele Chen) geht, einem lauten, cholerischen Sklaventreiber, der direkt aus einem Fellini-Film entsprungen sein könnte. Dumm nur, dass Artisten im Allgemeinen und das Ensemble der GOP-Show „La Luna“ im Besonderen neben harter Arbeit auch ein bisschen Spaß haben wollen. Zumal die Truppe ohnehin aus ziemlich seltsamen Vögeln besteht, die mit normalen Regeln ohnehin nicht viel anfangen können. Chaos ist somit vorprogrammiert – und verspricht jetzt auch in der Bonner Dependance des großen Varieté-Theaters einige unterhaltsame Abende.

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Pussy Riot: Punk-Protest mit Wasserflaschen

Gegen Ende des Abends ist das Publikum klatschnass. Eine Wasserflasche nach der anderen hat Schauspieler Kiryl Masheka gerade über den Besuchern der Harmonie entleert, eine provokante, aufgezwungene Taufe zur Aufnahme in die Armee der Pussy Riots. Das Punk-Kollektiv, das 2012 die Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale stürmte und durch ihren Protest gegen die Verstrickung zwischen dem russischen Klerus und Präsident Wladimir Putin weltweit berühmt wurde, kann einfach nicht anders. Protest braucht Aufmerksamkeit, und die erlangt man nun einmal am ehesten mit extremen, überraschenden, verstörenden Aktionen. Auch wenn die mitunter Konsequenzen haben, wie Pussy Riot nur zu gut weiß.

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Pu: Vom Kanaken zur Kartoffel

Die Gangsterkatzen waren der letzte Beweis. „Ich bin deutscher, als ich dachte“, gesteht Pu rückblickend und erinnert sich im Haus der Springmaus an jenen Tag in Teheran, als ein Rudel Straßentiger ihm dreist eines seiner drei Baguettes stahlen, die den Comedian über den Mangel an gutem Kornbrot hinwegtrösten sollten. Emotional essentielle Ware – und dann lässt Pu sich derart abziehen. Kein Iraner hätte das mit sich machen lassen. Und auch kein Kanake. Nur eine Kartoffel.

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Scholly & Böhm: Lyrisch-abstrakte Klangwelten

Zugfahrten, Warp-Träume und Katzen bestimmen den Abend. Und klingende Saiten. Die des Flügels, der im Kammermusiksaal des Beethovenhauses schon von vielen Musikern gespielt wurde und jetzt unter Rainer Böhms Fingern zum Leben erwacht, und die von Norbert Schollys Gitarre. Das Jazz-Duo, das im Rahmen der Reihe „Aspekte“ in dem Halbrund zu Gast ist, wartet tatsächlich mit einer eher ungewöhnlichen Besetzung auf, besteht doch oft die Gefahr, dass eines der beiden Instrumente nicht zu seinem Recht kommt. Doch bei diesen beiden Virtuosen ist das kein Problem: Kraftvoll greift Scholly in die Saiten, geschickt setzt Böhm dem sein eigenes Spiel entgegen, und schon entsteht ein Dialog der besonderen Art, einer, der mehr ist als die Summe der einzelnen Teile.

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Anny Hartmann: Abzüge in der B-Note

Eigentlich gibt es derzeit keine bessere politische Kabarettistin als Anny Hartmann. Ihre Programme bestechen durch Tiefgang und sorgfältige Analysen, geprägt von genauem Hinschauen statt von oberflächlichen Stammtischparolen. Umso erstaunlicher ist es, dass die 47-Jährige ausgerechnet beim Jahresrückblick schwächelt, jener Paradedisziplin, in der endlich mal mit allem abgerechnet werden kann, was man in zwölf Monaten einfach nicht angemessen kommentieren konnte. AfD, Trump und Erdogan, Fake News und #metoo, G20-Ausschreitungen, Staatstrojaner und der Niedergang der SPD – so viele Themen und so wenig Zeit. Und natürlich kann Hartmann sich zu allem äußern, mitunter sogar einige vermeintliche Wahrheiten dekonstruieren. Dennoch ist sie zumindest im restlos ausverkauften Pantheon nicht so recht in Form: Sie zwingt dem Publikum ihre Pointen förmlich auf, statt einfach auf ihre Wirkung zu vertrauen, setzt auf gekünstelte Gags statt natürlicher Bissigkeit, polemisiert mitunter sogar und wirkt immer wieder fahrig statt konzentriert. Inhaltlich gut, keine Frage. Doch in der B-Note gibt es dafür Abzüge.

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Pasquale Aleardi: Liederabend mit Pferd und Kinski

Ohne die Nasenflöte geht an diesem Abend nichts. Das Lieblingsinstrument von Pasquale Aleardi, nach eigener Aussage „das beste Mittel gegen Anti-Depressionen“, ist gewissermaßen das Maskottchen des unglaublich charmanten Konzerts, das der beliebte Schauspieler (bekannt unter anderem als Kommissar Dupin) zusammen mit seinen beiden Phonauten Jörg „Spike“ Hamers und Marc „Mary“ Leymann in der Harmonie gibt. Immer wieder wird es herausgeholt, auch gerne im Publikum verteilt, damit es die Freuden des gemeinsamen Musizierens hautnah miterleben kann, die Aleardi und seine Kollegen auf der Bühne in vollen Zügen genießen. Ein bisschen Spaß muss eben sein. Und der ist dank des sympathischen Trios garantiert.

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„Ketten der Liebe“: Chaos im Schlagerparadies

Mathias Bommes macht alles kaputt. Mal wieder. Dabei will der unschuldige Chaot, der Gutes will und stets den Schrecken schafft, doch nur seinem großen Idol Andy Roth nah sein, diesem Schlagersänger mit der Rock-Attitüde, dessen großer Hit „Ketten der Liebe“ für Bommes und den von ihm geleiteten Hardcore-Fanclub wichtiger ist als „Atemlos“ für all die modernen Fischer-Chöre. Immerhin ist das die Musik zum Pulsschlag ihrer Leben. Also versucht die liebenswert-debile Nervensäge, seinem Star all dies zurückzugeben. Ob der will oder nicht. Was dazu führt, dass die Managerin und heimliche Geliebte angesichts einer unfreiwillig offenbarten Affäre Roths mit einer Minderjährigen das Handtuch schmeißt, dieser sich plötzlich mit Handschellen an die junge Jessy gefesselt sieht, sich sowohl deren eifersüchtigen Freundes als auch einer neugierigen Reporterin erwehren muss – und so ganz nebenbei auch noch Bommes am Hals hat.

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