Grizzly Jazz Foundation: Bärenstarker Einstand

Die Bedürfnisse junger Jazzer sind relativ einfach zu benennen und doch nicht so leicht zu befriedigen. Sichtbarkeit, Referenzen, ein Netzwerk und Auftrittsmöglichkeiten sind für eine erfolgreiche Karriere unabdingbar, so fasst es Vortstandssprecher Christian Cassebaum bei dem ersten Konzert der neu gegründeten Grizzly Jazz Foundation im Konzernsitz der Deutschen Telekom zusammen. Die Stiftung, die der vor einem Jahr verstorbene Anästhesist Professor Andreas Hoeft ins Leben gerufen hat, will talentierten, ausgewählten Nachwuchskünstlern mit einer zweijährigen Förderung helfen, die vier genannten Faktoren zu realisieren und das eigene Profil zu schärfen – jetzt hat sie mit der Sängerin Alma Naidu die erste Stipendiatin der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Lydia Benecke: Psychopathen unter uns

Hannibal Lecter, der charismatische Serienkiller aus „Das Schweigen der Lämmer“, ist wahrscheinlich jedem ein Begriff. Doch nur die wenigsten Psychopathen erfüllen das Klischee des hoch gebildeten, manipulativen und angstbefreiten Kannibalen. Ein Glück für die Besucher der Springmaus, die in Scharen zu einem Vortrag der Kriminalpsychologin Lydia Benecke gekommen sind. „Statistisch gesehen müssten hier im Saal zwei Psychopathen sitzen“, betont die 38-Jährige. Oder zumindest Menschen, die einen Mix gewisser Risiko-Eigenschaften aufweisen.

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Wildes Holz: Verästelte Melodien

Der Barock-Komponist Antonio Vivaldi hat ohne Zweifel einige wunderschöne Werke geschrieben, auch abseits seiner „Vier Jahreszeiten“. Aber sein Flötenkonzert in C-Dur? Da gibt es noch Verbesserungsbedarf. Das behaupten zumindest Wildes Holz, die sich für ihr neues Programm „Grobe Schnitzer“ der Aufgabe gestellt haben, besagtes Stück zu optimieren: Mit einer neuen Tonart, einer Reduktion und einer Umkehrung der Sätze und der Hilfe einer E-Gitarre, die kurzerhand ein komplettes Orchester ersetzt, lassen sich so einige vermeintliche Webfehler korrigieren. Das Ergebnis hat das irre Trio mit einer neuen Besetzung jetzt im nahezu ausverkauften Haus der Springmaus präsentiert und beim Publikum offene Türen eingerannt. Ja, so klingt Vivaldi deutlich besser. Oder auch die Backstreet Boys.

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Christine Prayon: Schluss mit lustig

Kabarett ist tot. Sagt zumindest Christine Prayon. Bei gläsernen Menschen gibt es schließlich nichts mehr, das die Satire sichtbar machen kann, Kritik ist ohnehin derzeit nicht sonderlich beliebt, und Witze kann man über die aktuelle Situation ohnehin nicht mehr machen. Also bleibt nur ein Schlussstrich. Yogalehrerin, das ist Prayons neuer Plan, wie sie im Pantheon offenbart. Das tut keinem weh und bewahrt das Publikum gleichzeitig vor zwei Stunden sinnlosem Kabarett. Zwei Minuten, danach ist die 47-Jährige fertig. Und schweigt. Doch das Denken, das kann selbst sie nicht abstellen. Also grübelt sie über alternative Gesellschaftsformen – und fängt jetzt erst so richtig an.

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Thundermother: Rockiges Donnerwetter

Vier Frauen, knallharter Rock 'n' Roll und eine Bombenstimmung: Beim Auftritt von Thundermother passte in der Harmonie alles zusammen. Die schwedischen Metal-Ladys, die seit einigen Jahren die Rockbühnen Europas stürmen und sich auch von dem Corona-Virus nicht davon abbringen lassen, sind zwar zum ersten Mal in Bonn, haben aber schon ein paar Fans in der Bundesstadt – und nach diesem Konzert dürften es noch etliche mehr geworden sein. Immerhin gibt das Power-Quartett von der ersten Sekunde an Vollgas, lässt die Höllenhunde jaulen und feuert genüsslich aus allen Rohren.

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„Sunrise“: Die Ruhe des Dorfes, die Ekstase der Stadt

Ein Mann zwischen der Tristesse des Landlebens und der Ekstase der Stadt, zwischen Tradition und Vision, zwischen Gemütlichkeit und Hektik, vor allem aber ein Mann zwischen zwei Frauen: Das ist das Thema des Stummfilmklassikers „Sunrise“ von Friedrich Wilhelm Murnau, der jetzt im Rahmen eines Leinwandkonzerts im Kammermusiksaal des Beethovenhauses präsentiert und live vertont worden ist. Die Aufführung dient als Auftakt einer Kooperation zwischen dem Beethovenhaus und dem Förderverein Filmkultur Bonn, der auch für die hiesigen Stummfilmtage verantwortlich ist.

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Terry Hoax: Rock im Springen

So ein Publikum sind Terry Hoax kaum noch gewohnt: stehend, feiernd, mitsingend, selbst wenn der Text gerade mal nicht bekannt ist (was laut Frontmann Oliver Perau ohnehin das größte Kompliment ist). In der Harmonie spielt die Band ihr erst viertes Konzert der aktuellen Tour und ist total begeistert, wie enthusiastisch die Menschen im Saal mitmachen. „Ich hatte während des Lockdowns das Glück, wenigstens ein bisschen spielen zu können“, sagt Perau, „und zwar in Altersheimen. Die Bewohner waren gut drauf, aber ihr seid eindeutig besser.“ Kein Wunder – viele sind langjährige Fans der Hannoveraner, die in ihrem Sound durchaus Parallelen zu Fury in the Slaughterhouse aufweisen, aber noch ein bisschen mehr rocken.

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„Deutschlandlieder“: Die Klänge der bitteren Heimat

Ihre Arbeitskraft wurde geschätzt, ihre Musik ignoriert: 60 Jahre lang haben sich türkische und türkischstämmige Migranten, Exilanten und Gastarbeiter sowie ihre Söhne und Töchter am Aufbau Deutschlands beteiligt, haben es geprägt und zu ihrer Heimat gemacht – und doch blieben ihre Lieder stets fremd, im besten Falle exotisch. Jetzt aber hat ein kleines Orchester um den in Königswinter lebenden Filmemacher und Musiker Nedim Hazar sowie um den Komponisten, Violinisten und Musikpädagogen Ruddi Sodemann Stücke aus drei Generationen einstudiert und als „Deutschlandlieder“ auf die Bühne gebracht. In der Oper Bonn erklangen so nun Volksmusik, Schlager, Jazz, Rock und Rap, auf türkisch, auf deutsch, auf kurdisch, vieles berührend, alles spannend. So vielfältig wie das Repertoire waren auch die mitwirkenden Künstlerinnen und Künstlern; hier reichte das Spektrum von Volkssänger Ali Baran über Jazz-Sängerin Özay Fecht bis hin zu Rapper Eko Fresh.

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„Zauberhaft“: Pinke Panther, weiße Tauben

An Weihnachten darf man durchaus auch mal an ein Wunder glauben. An Vögel, die aus Tüchern auftauchen, an Puppen, die reden können und an Assistentinnen, die sich in einer verschlossenen Kiste in Luft auflösen. Alles nur Humbug, alles nur Tricks? So kann man das natürlich auch sehen. Doch in der neuen GOP-Show „Zauberhaft“ werden genau solche Kunststücke dargeboten. Es sind magische Momente in einer desillusionierten Welt, Momente, in denen das Staunen wieder möglich scheint. Zumindest, bis zur nächsten Moderation, die das Publikum unerbittlich in die Wirklichkeit zurückschleudert, in den Theatersaal statt in das Reich der Fantasie. Denn ein längerfristiger Aufenthalt im Wunderland ist im Konzept von „Zauberhaft“ leider nicht vorgesehen.

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Prix Pantheon - Finale: Freudentränen zum Finale

Erst die künstlichen und dann auch die echten Tränen: Eva Karl Faltermeier hat den Jurypreis des Prix Pantheon gewonnen und war von diesem Erfolg sichtlich gerührt und bewegt. In ihrer Rolle als weinende, jammernde Ehefrau und Mutter, die an den glamourösen Idealbildern der Instagram-Mamas in ihrer ach so perfekten Welt verzweifelt, hat sich die Südoberpfälzerin gegen vier weitere Finalistinnen und Finalisten durchgesetzt und gilt jetzt offiziell als „Frühreif und verdorben“. „Es macht so eine Freude, wenn eine kluge Frau böse wird“, betonte Jury-Präsidentin Gerburg Jahnke bei der Laudatio auf die 38-Jährige. Dabei hielt sich Faltermeier noch zurück, gab sich mit entsprechendem Make-Up eher aufgelöst denn grantig, eher jammernd denn wütend. Insofern war ihr der Sieg keineswegs gewiss, erst recht nicht angesichts der erfreulich starken Konkurrenz.

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Prix Pantheon - Vorrunde: Da waren's nur noch fünf

Der Prix Pantheon ist einer der renommiertesten Kleinkunst-Wettbewerbe des deutschsprachigen Raums – der Sieg beim Jury- oder beim Publikumspreis nicht immer, aber oft genug ein Sprungbrett für so manchen aufstrebenden Kabarettisten. Jetzt fand die zweitägige Veranstaltung erstmals im Spätherbst statt und präsentierte zehn Künstlerinnen und Künstler, von denen die Hälfte einen Tag später beim Finale erneut antreten darf. Comedians und Comediennes, Poetry-Slammer und Liedermacherinnen, sie alle wollten sich von ihrer besten und vor allem lustigsten Seite zeigen. Ein Ziel, das nicht alle erreichten.

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OnAir: Ungewöhnlich persönlich

Eigentlich müssten OnAir längst auf größeren Bühnen stehen als auf der im Haus der Springmaus. Immerhin ist das A-cappella-Quintett weltweit ausgezeichnet worden, und zumindest in Deutschland müsste die Formation seit der Teilnahme bei „The Voice of Germany“ massentauglich sein. Andererseits ist die Endenicher Kleinkunstbühne so etwas wie ein zweites Zuhause, und so kommen OnAir eben hierher, um ihre neue Show „Identity“ zu präsentieren. Und die ist genau das, was man bei OnAir erwarten kann: ein Spektakel mit ausgefeilter Lichttechnik, ungewöhnlichen Covern, komplexen Arrangements und fünf herausragenden Stimmen.

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"Angst": „Der Teufel ist am Werk“

Alle haben vor irgendetwas Angst, gerade jetzt. Angst vor Corona, vor dem finanziellen Ruin, vor Isolation und vor Altersarmut. Angst vor der Machtlosigkeit gegenüber dem Wirken der Regierung, Angst vor Fremdem und vor Fremden, Angst vor dem Hass, Angst vor der Opferrolle, Angst vor dem Ablaufdatum der Welt und Angst vor der eigenen Wut. Im Schauspielhaus des Theater Bonn wird dieser amorphen Gefühlswelt nun eine Bühne geboten.

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Roger Hanschel & Auryn Quartett + Silje Nergaard Duo: Dissonanz trifft Harmonie

Kontraste sind seit jeher ein besonderes Markenzeichen des Bonner Jazzfests. Intendant Peter Materna liebt das Spiel mit vermeintlichen Gegensätzen, liebt die Reibungen und Färbungen in der Musik und die Kreativität, die in so einem Spannungsfeld entstehen kann. Im Volksbankhaus hat er dieses Konzept nun weiterverfolgt und dabei zwei ganz unterschiedliche Höhepunkte präsentiert: Roger Hanschel und das Auryn Quartett, die das Spiel mit Dissonanzen und Harmonien wahrhaft vollendet beherrschen, trafen am vergangenen Donnerstag auf die norwegische Sängerin Silje Nergaard und ihre heimeligen, gefühlvollen Balladen. Eine reizvolle Kombination, die in dem hohen gläsernen Bau hervorragend zur Geltung kam.

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