Suzhou Chinese Orchestra: Auftakt zum Jahr des Schweins

In der chinesischen Astrologie werden Schweine besonders geschätzt. Sie symbolisieren Glück, Reichtum und Zufriedenheit, verstehen es zu feiern und zu teilen, sind treu und überaus hilfsbereit. Nun hat das Suzhou Chinese Orchestra in der Bonner Oper den bevorstehenden Übergang in das Jahr des Erd-Schweins, das am 5. Februar beginnt, mit einem bemerkenswerten Konzert gefeiert. Zeitgenössische Kompositionen und traditionelle Melodien aus dem Reich der Mitte boten einen Einblick in eine zum Teil fremde Kultur voller Schönheit, Anmut, Dynamik und Kraft und gossen ein Feuerwerk der Emotionen in ebenso exotische wie faszinierende Töne.

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Bonn Vokal: Treffen der Stimmen

A-cappella-Musik hat in Bonn einen besonderen Stellenwert. Sowohl das Pantheon als auch das Haus der Springmaus laden seit Jahren immer wieder erstklassige Vokal-Ensembles ein, und mit Bonn Voice, dem Bonner Jazzchor sowie dem Jazzchor der Uni Bonn verfügt die Bundesstadt selbst über drei ausgezeichnete Gesangsformationen auf hohem Niveau. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Gipfeltreffen einige der Protagonisten zusammenbringen würde. Nun haben die Springmäuse in der Aula der Uni erstmals ein Comedy-Duo, Lokalmatadore und ein Weltklasse-Quintett präsentiert – und damit den Saal zum Beben gebracht.

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Hamburg Blues Band: Queen de la Cream

Jedes Jahr im Januar kommt die Hamburg Blues Band in die Harmonie, stets mit einer ordentlichen Dosis Rock, exzellenter Laune und herausragenden Gaststars im Gepäck. Chris Farlowe hat schon mit der Formation um Frontmann Gert Lange gesungen, Arthur Brown auch, Clem Clempson sowieso. Am vergangenen Donnerstag durfte Maggie Bell wieder ran, die schottische „Queen of Bluesrock“ – und Pete Brown, der einst zusammen mit Jack Bruce Cream-Hits wie „White Room“ und „Sunshine Of Your Love“ schrieb. Vor allem der zweite Teil des Konzerts wurde so zu einem Erlebnis der besonderen Art, bei dem ein Höhepunkt den nächsten jagte und das Publikum immer weiter in die Ekstase trieb.

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Lisa Eckhart: Lust am Laster

Ohne Hölle ist das Leben fad. Langweilig. Kurzum, nicht länger lebenswert. Denn ohne die drohende jenseitige Bestrafung kann es auch keine Sünden mehr geben, mit denen man kokettieren kann, keine Verlockungen des Verbotenen mehr, kein verführerisches Laster und keine Lust. Insbesondere dann, wenn sie zu Tugenden erklärt und von der Industrie hoffähig gemacht werden. Wenn All-You-Can-Eat-Buffets der Völlerei huldigen, Home-Office und Home-Shopping die Trägheit befördern und sogar der heilige Zorn zur Zimperlichkeit verkommt, läuft irgendetwas grundlegend falsch. Zeit, diese Missstände wieder gerade zu rücken. Zeit für Lisa Eckhart.

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WDR Kabarettfest: Programm mit Ironiegefahr

Kabarettisten haben es heutzutage wirklich schwer. Die Realität ist oft absurder als die Fiktion und verweigert sich jeglicher Überzeichnung, während gleichzeitig das Publikum immer dünnhäutiger und skeptischer wird. Meint der das jetzt ernst? Diese Frage wird mittlerweile häufiger gestellt. Insofern geht Tobias Mann bei der 101. Ausgabe des WDR Kabarettfests im Pantheon lieber auf Nummer sicher. „Teile des heutigen Programms könnten Ironie enthalten“, warnt der Moderator. Und Witz, müsste man ergänzen. Nur schade, dass diese Aussage nicht für den gesamten Abend gilt.

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Sven Hammond: Stimmwunder mit vielen Registern

Manchmal können Casting-Shows tatsächlich Talente fördern. Oder zumindest Bands auf gute Sänger aufmerksam machen. Schon in der Vergangenheit hatten sich etwa Sven Hammond bei der sechsten Staffel von „The Voice of Holland“ bedient und mit Ivan Peroti eine Stimme gefunden – nun haben sie als seinen Nachfolger ausgerechnet den einstigen Show-Konkurrenten Jared Grant gewinnen können. Und der könnte sich als echter Glücksgriff erweisen. In der Harmonie setzt der Strahlemann mit dem Wuschelkopf und der Seele von mindestens einem Mitglied der Temptations auf jeden Fall Unmengen von Glückshormonen frei, während er die ungewöhnliche Musik der Band bereichert.

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Bonner Jazzchor + Postyr: Gesangskunst auf hohem Niveau

Wenn der Bonner Jazzchor auftritt, sind ungläubig staunende und bewundernde Gesichter im Publikum keine Seltenheit. Das Ensemble hat sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem der besten Chöre Nordrhein-Westfalens gemausert und verfügt vor allem über jene Lässigkeit und Leichtigkeit, die für Jazz und Pop gleichermaßen essentiell ist. Am vergangenen Samstag hatten die Lokalmatadore nun gemeinsam mit dem dänischen Quintett Postyr zu einem Workshop mit anschließendem Konzert eingeladen – und damit einen enormen Erfolg feiern können. Rund 100 Teilnehmer hatten sich angemeldet, um insgesamt drei Stücke zu erarbeiten. „Die waren alle super vorbereitet“, gestanden einige Chormitglieder später. Und so war es ein leichtes, die nicht ganz einfachen Arrangements souverän umzusetzen.

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Sven Bensmann: Witzsänger aus der Bärengruppe

Wenn Sven Bensmann singt, wird er gut. Richtig gut. Der Hüne, der sich selbst gerne als 120-Kilo-Etertainment-Haubitze bezeichnet und wie ein tapsiger Bär mit immensem Mitteilungsbedürfnis wirkt, ist eine röhrende Rampensau mit jeder Menge Power und einer erstaunlich vielseitigen Stimme, die ihn zu weitaus mehr befähigt als der „Ulkmusik“ mit einer Gitarre aus dem Happy Meal. Nicht, dass diese Songs nicht bereits funktionieren würden, die Objektophilie-Songs und Hollywood-Träumereien, die Vaporizer-Hymnen und die satirischen Stücke über Suizid-Versuche, die grundsätzlich am Gewicht scheitern.

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Chris Barber: Gesellen ohne Meister

Eigentlich hätte es ein großes Jubiläumskonzert werden sollen, eines von vielen, aber dennoch eines mit Schwung. Seit 70 Jahren steht Chris Barber mittlerweile auf der Bühne, ein Bigband-Dinosaurier und einer der letzten Bewahrer von traditionellem New-Orleans-Jazz und Dixieland-Musik in großer Besetzung. In der Stadthalle Bad Godesberg wollte der 88-Jährige nun dementsprechend feiern. Doch es kam anders. Der Meister habe sich die Hüfte gebrochen, musste Posaunist Bob Hunt gleich zu Beginn des Konzerts bekanntgeben. Kein Grund zur Panik, Barber würde schon wiederkommen. Aber eben nicht an diesem Abend. An dem würde es ohne den Chef gehen müssen.

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Frontm3n: Mehr als nur ein Best-of

Einst zählten The Hollies, The Sweet und 10cc zu den wichtigsten und berühmtesten Rock- und Popbands Großbritanniens. 40 Jahre ist das jetzt her, bei den Hollies sogar noch länger, doch ihre Hits leben bis heute fort, ebenso wie die Bands selbst, auch wenn nur noch wenige ursprüngliche Mitglieder aktiv sind. Frische Gesichter stehen im Rampenlicht – drei von ihnen haben sich nun als Frontm3n zusammengetan, um die alten Hits neu zu interpretieren und zugleich einige Eigenkompositionen zu präsentieren.

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Schlachtplatte: Satire aus dem Orbit

Aus dem All betrachtet ist die Welt noch in Ordnung. Unser blauer Planet, wunderschön und friedlich schwebt er inmitten der Leere. Die lokalen und regionalen Dispute und Konflikte sehen alle so klein und unbedeutend aus, so hohl und so banal. Doch der Schein trügt, und irgendjemand muss endlich das große Ganze sehen. Nicht ohne Grund hat sich daher die diesjährige Mannschaft der „Schlachtplatte“ in den Orbit schießen lassen, um ihre Jahresabrechnung zu präsentieren. Die Bühne wird zur Raumstation, die Erde ist weit weg – und dennoch in den Ausführungen von Robert Griess, Axel Pätz, Sebastian Schnoy und Nils Heinrich allgegenwärtig. Denn angesichts von Plastik im Wasser und Hass in den Herzen, angesichts von Populisten und Despoten und Neidern und Mauerbauern müssen die Warnrufe umso lauter und eindringlicher sein. Was zumindest im Pantheon nicht immer, aber doch zum Glück immer wieder gelingt.

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Bonner Filmchor: Bitte ohne Texte

Große Klänge für noch größere Emotionen, voller Pathos, Wucht, Charme, Witz oder Gefühl: Die Kompositionen der Traumfabrik Hollywood lassen keinen kalt. Die Lieder der Disney-Filme oder die unvergesslichen Instrumentalwerke von Howard Shore oder John Williams berühren eigentlich jeden auf die ein oder andere Weise. Es sei denn, sie werden dermaßen verunstaltet oder persifliert, dass ihre ursprüngliche Wirkung verfliegt. Das will natürlich keiner, zumindest nicht absichtlich – dennoch hat sich der Bonner Filmchor bei seinem inzwischen zweiten Konzert in der Brotfabrik keinen Gefallen damit getan, berühmte Melodien mit neuen Texten zu versehen, die mit bemühtem Witz und einem aufgesetzten Spiel mit Meta-Ebenen die Stücke ad absurdum führen. Was schade ist, zumal der von Guido Preuß geleitete und erst 2017 gegründete Klangkörper durchaus Potenzial besitzt. Und es ab und zu sogar abruft.

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Hans-Jürgen Schatz: Vergnügliche Missverständnisse

Erwartungen beruhen – zumindest im zwischenmenschlichen Bereich – oftmals auf unvollständigen Informationen. Da wird der erstbeste arme Schlucker in einem Edel-Hotel kurzerhand für einen anonym reisenden Multimillionär gehalten, während der echte Industriemagnat durch eine Verquickung ungewöhnlicher Umstände und den Snobismus der Angestellten einfach unterm Dach einquartiert wird; und ebenso schnell wird eine höfliche Schiffsmannschaft als überaus interessierte Reisegesellschaft einer alleinstehenden gutmütigen Quasselstrippe angesehen, die in Wahrheit nur alle in ihrer Umgebung unendlich langweilt.

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PPP 2019: Auf Identitäts- und Heimatsuche

Auf Bonn kann man sich verlassen. Zumindest in gewissen Bereichen. Kostenexplosionen bei Bauprojekten treten zum Beispiel mit erschreckender Zuverlässigkeit auf, während Oberbürgermeister Ashok Sridharan sich um die wirklich wichtigen Dinge in der Bundesstadt kümmert, so wie etwa Kaugummi auf rheinischen Straßen. Geht ja gar nicht, sagt das Ensemble des Pink Punk Pantheon – und setzt sich in der inzwischen 36. Session mit diesen und anderen Missständen auf gewohnt chaotische und närrische Weise auseinander.

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Klaus „Major“ Heuser: Poprock mit Überraschungen

Im Alter wird man ruhiger, heißt es. Ein Vorurteil, wie viele altgediente Rockmusiker täglich beweisen, die auch mit 60 oder 70 noch herrlich Gas geben und virtuos über die Saiten oder die Tasten jagen können. Wenn sie das denn wollen. Doch Klaus Heuser hat dazu derzeit offenbar keine allzu große Lust. Der „Major“, der selbst zwei Jahrzehnte nach seinem Ausstieg noch immer zuerst als Ex-BAP-Gitarrist vorgestellt wird und dabei so viel mehr zu bieten hat, lässt es mit seinem aktuellen Album „And Now?!“ deutlich entspannter angehen, ruhiger, wandert eher im Pop als im Rock und sorgt doch bei seinem, Konzert in der Harmonie für einen bemerkenswerten Abend. Denn nur weil er das Tempo reduziert, heißt das nicht, dass die Musik dadurch eintönig wird. Zumindest nicht, wenn des Majors Band zu improvisieren beginnt.

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Slapstickers: Nikolaus im Ska-Fieber

An diesem Abend sind negative Gedanken unerwünscht. All die Sorgen soll das Publikum einfach zu einem Bündel zusammenschnüren und hinter sich werfen, um voller Freude in die Weihnachtstage starten zu können. Und wer dazu noch einen zusätzlichen Ansporn braucht, dem helfen die Slapstickers nur zu gerne weiter. Zum zehnten Mal in Folge ist die Band aus Brühl im Dezember in der Harmonie, um auf ihre ganz eigene Weise auf das Fest der Liebe einzustimmen – also mit fetzigen Grooves, Energie für eine ganze Horde von Duracell-Häschen und natürlich jeder Menge Ska.

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Silje Nergaard: Weihnachtslieder und andere Balladen

Ruhige, besinnliche Töne zählen zu den Markenzeichen von Silje Nergaard. Die charismatische Jazzpop-Sängerin mit dem klaren Sopran liebt ihre Balladen, diese feinen Melodien aus dem Reich zwischen Wachen und Träumen, die zurückhaltend sind und doch gerade deswegen überaus eindringlich. Jetzt ist die Norwegerin mit einem Weihnachtsprogramm in die Harmonie gekommen, wo sie ihrer Leidenschaft freien Lauf lassen und auf allzu innovative Grooves verzichten kann, ohne sich erneut als unnötig weichgespült kritisieren lassen zu müssen  – ein Urteil, das sie erst im vergangenen Jahr mit „For You A Thousand Times“ ohnehin eindrucksvoll gekontert hat. Jetzt, zu dieser Zeit und in diesem Kontext, passt der zarte Schmelz hervorragend. Und Nergaard nutzt die Gunst der Stunde, um ihre seidene Stimme um die Herzen des Publikums zu winden.

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Beethovennacht: Die Hoffnung hinterm Schlachtenklang

„Alle Menschen werden Brüder“: Diese Vision hat Ludwig van Beethoven im vierten seiner 9. Sinfonie mit Friedrich Schiller und der ganzen Welt geteilt. Seine Vertonung der „Ode an die Freude“, die den Abschluss seines opus magnum bildet, ist bis heute ein Aufruf zur Einheit und zugleich eine Revolution in musikalischer und sozialer Hinsicht, die immer noch nicht abgeschlossen ist. Insofern ist es nur konsequent, dass das Beethovenorchester Bonn (BOB) die Neunte im Rahmen der Beethovennacht in der Bonner Oper spielt, insbesondere mit Blick auf den Ersten Weltkrieg, der vor 100 Jahren endete und der sich, so hieß es damals, nie wiederholen sollte. Ein Entschluss, der leider nicht lange vorhielt.

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BonnVoice: Advents- und Jubelfeier

Noch nicht einmal 24 Stunden nach seinem größten Triumph steht „der beste Chor im Westen 2018“ erneut auf der Bühne: In der frostigen Kreuzkirche hat BonnVoice am vergangenen Samstag das inzwischen schon traditionelle Adventskonzert gestaltet und sich dabei zunächst einmal hinsichtlich seines Siegs bei dem WDR-Chorwettbewerb bedeckt gehalten. Kein Wort zum Finale, das einen Tag zuvor live im Fernsehen übertragen wurde – die vorweihnachtliche Botschaft sollte offenbar ganz für sich stehen. In bewährter Manier präsentierte das Ensemble also sein Repertoire, bestehend aus Klassikern wie dem starken „Es kommt ein Schiff gefahren“ und modernen Stücken wie „Mary did you know“, bei dem der Chor eindrucksvoll unter Beweis stellte, warum er sowohl Jury als auch Fernsehpublikum von sich überzeugen konnte.

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„Charleys Tante“: Slapstick mit buntem Fummel

Wenn „Charleys Tante“ auf der Bühne erscheint, ist ihr der Applaus des Publikums sicher. Die Farce von Brandon Thomas aus dem Jahr 1892 ist eine der bekanntesten Komödien der Welt und war einst Auslöser für eine ganze Welle an Travestie-Stücken, in denen Männer genüsslich in Frauenkleider stiegen, um das ein oder andere Verwirrspiel im shakespearschen Sinne zu initiieren. Nun hat das Contra-Kreis-Theater das Stück in der Regie von Jan Bodinus auf die Bühne gebracht und mit dem Comedian Kalle Pohl auch einen Hauptdarsteller gefunden, der an der Rolle der skurrilen und in seinem Fall auch überaus trinkfreudigen alten Dame durchaus Spaß zu haben scheint. Doch leider bleibt die Inszenierung dennoch hinter seinen Möglichkeiten zurück, wirkt vor allem zu Beginn schrecklich banal und bemüht und nimmt erst im zweiten Teil langsam etwas an Fahrt auf.

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Ronavill & Sunday Morning Sex: So neu und schon so gut

Der Nachwuchs kann rocken, man muss ihn nur lassen: Frei nach diesem Motto hat der Bonner Schlagzeuger Lupus Fabian in Zusammenarbeit mit der Harmonie bereits im September das Format „Next Generation“ ins Leben gerufen, um jungen Bands eine Bühne zu bieten. Nach einem umjubelten Auftakt mit zwei exzellenten Bands stand nun das zweite Doppelkonzert an, das nach Möglichkeit irgendwie das vorgelegte Niveau bestätigen sollte. Eine schwierige Aufgabe. Doch Ronavill und Sunday Morning Sex nahmen die Herausforderung an – und konnten durchaus punkten. Mutiger, mitunter überaus ambitionierter Rock mit Blues-Attitüde trafen auf hervorragend gemachten Gute-Laune-Pop irgendwo zwischen Travis und Fool's Garden. Eine reizvolle Mischung, die Lust auf mehr machte.

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Akte X-Mas: Beistellschafe und Raglettier-Fanatiker

In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Ganz unerwartet, so wie jedes Jahr: Weihnachten. Das Fest der Liebe, der Besinnlichkeit und des Wahnsinns. Eine Zeit, in der die Familie zusammenrückt, ob sie will oder nicht, und sich gegenseitig mit ihren Marotten und Eigenheiten verrückt macht. Es sind tolkiensche Szenen, wie Poetry-Slammerin Sandra Da Vina sie skizziert: Ständig klopfen irgendwelche seltsamen Gestalten an die Haustür, um dann in der Waschmaschine Schnaps zu brennen, das provokante Geschenkpapier mit seinen rasiermesserscharfen Kanten kurzerhand mit Feuer zu bekämpfen und sich mit Stirbkuchen zu bewerfen, also jenen verunglückten Lebkuchen-Varianten, die im mütterlichen Backofen eine Metamorphose zu Gebäck-Gargoyles hinter sich gebracht haben und nun nur noch als Zwergenbrot oder als Mordwerkzeug taugen.

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Pe Werner: Geschlechterklischees und viel Völlerei

Besinnlichkeit wird überbewertet. Längst nicht jedes Konzert in der Weihnachtszeit muss mit Wohlfühlklängen überflutet werden oder traditionsbehaftet sein, um dem Publikum einen schönen Abend zu bereiten. Es gibt auch andere Möglichkeiten. Sängerin Pe Werner hat sich dafür schon vor einigen Jahren ein entsprechendes Repertoire zusammengesucht, mit eigenen Songs und dem ein oder anderen mit neuen Versen verzierten Cover irgendwo im Spannungsfeld von Pop, Schlager, Chanson und Jazz. Es ist Musik für die Dunkelkammer, die die Seele belichten soll, so drückt es Pe Werner selbst aus. Zarte Melodien, grandios vorgetragen. Und doch blieb das Konzert im Pantheon am vergangenen Sonntag hinter den Erwartungen zurück – denn inhaltlich drehte sich einfach zu viel um banale Völlerei.

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„Der Wind hat mir kein Lied erzählt“: Zoten und Zauber

Ein bisschen Tabubruch muss schon sein. Travestie lebt schließlich davon, von diesem wilden Mix aus deftigen Zoten, übertriebenem Glamour und schrillem Habitus, hinter dem sich doch nur die Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit verbirgt. Diese Kunstform hat nun auch in das Schauspielhaus in Bad Godesberg Einzug gehalten: Irma Jung und Dagmar Dangereux alias Johannes Brüssau und Daniel Breitfelder haben am vergangenen Freitag in selbigem einen wilden Ritt durch alle Höhen und Untiefen des Genres begangen, bei dem alles möglich und nichts undenkbar war. „Der Wind hat mir kein Lied erzählt“, singen sie, gnadenlos Zarah Leander parodierend und gerne mal die Drag Queens mimend. Dabei können sie auch anders, vor allem Irma. Und in jenen wenigen Fällen, in denen das Duo mal einen Gang herunterschaltet, weht tatsächlich ein Hauch von Magie durch das ehrwürdige Haus.

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Defunkt: Musik nach Schema Funk

Eins ist unbestreitbar: Auch nach 40 Jahren verstehen sich Defunkt auf einen herrlich druckvollen Groove, den nur wenige Formationen mit einer derartigen Selbstverständlichkeit aus dem Ärmel schütteln wie die Band von Posaunist und Sänger Joseph Bowie. Das Quintett, das 1978 entstand, um Free Jazz, Disco und eben den im Namen integrierten Funk miteinander zu verschmelzen, vermag unter den gestrengen Augen seines Frontmanns punktgenau zu spielen, energiegeladen, wuchtig – und zugleich relativ eingeschränkt in seiner Tonsprache. Doch für eine gute Party ist letzteres nebensächlich, wie Defunkt jetzt bei einem Auftritt in der Harmonie unter Beweis gestellt hat. Hauptsache, man gibt Vollgas. Und damit haben die New Yorker nun wirklich kein Problem.

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Culture Club: Ein Paradiesvogel entdeckt den Soul

Zumindest aus der Ferne hat sich Boy George nicht verändert. Flamboyantes Kostüm, schillerndes Make-Up und natürlich ein Hut haben den androgynen Sänger von Culture Club schon in den 80er Jahren zu einem Paradiesvogel gemacht und zu einer Ikone der Schwulenszene. Beides ist er bis heute geblieben. Nun hat er seine Band wieder um sich versammelt, um der vergangenen Zeiten zu gedenken und sie neu aufleben zu lassen. Erstmals seit 20 Jahren haben Culture Club eine neue CD aufgenommen, und erstmals seit ihrer Wiedervereinigung sind sie gemeinsam mit ihrem Frontmann auch wieder in Deutschland auf Tour. In Köln, neben Berlin der einzige Halt der Band, zelebrieren Boy George und Culture Club die New-Wave-Ära und zeigen zugleich aus der Distanz (Fotografen sind bei diesem Konzert nicht zugelassen), dass sie in den vergangenen Dekaden durchaus gereift sind. Und den Soul für sich entdeckt haben.

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Pete York's Rock & Blues Circus: Supergroup mit Superhits

So manche Band aus den 60er Jahren hat Musikgeschichte geschrieben, hat unsterbliche Songs und leider nur allzu sterbliche Künstler hervorgebracht. Längst nicht alle Musiker von damals weilen noch unter den Lebenden – doch fünf von ihnen haben jetzt die restlos ausverkaufte Harmonie zum Beben gebracht und gezeigt, dass sie ihr Erbe noch immer besser verwalten können als all jene, die sich in den vergangenen 50 Jahren bei ihnen bedient haben. Pete York, seines Zeichens ehemaliger Drummer der Spencer Davis Group („Keep On Running“, „Gimme Some Lovin'“) und der kurzlebigen Formation Powerhouse um Eric Clapton, hat die All-Stars-Formation wie schon Anfang der 80er als seinen „Rock & Blues Circus“ reaktiviert und dabei langjährige Freunde zurückgegriffen: Auf Sänger und Gitarrist Miller Anderson, auf Saxofonist Albie Donnelly, auf Zoot Money (den einstigen Weggefährten von „Police“-Gitarrist Andy Summers und Blues-Rock-Ikone Eric Burdon) und auf niemand geringeren als den Deep-Purple-Bassisten Roger Glover. Gemeinsam feiert die Supergroup zwei Stunden lang ihre Hits, ihre Kunst und ihr Leben. Was für ein Genuss. Und was für ein Erlebnis.

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Danny Bryant: Finale für den Blues-Koloss

2018 war für Danny Bryant ein arbeitsreiches Jahr. 120 Konzerte hat er gespielt, ist durch die ganze Welt gereist und hat überall die Botschaft des Blues verbreitet, der durch die Musik eine Katharsis ermöglicht und ein Umgehen mit jeder Art von Schmerz. In der Harmonie Bonn hat der zum Koloss gereifte Gitarrist nun seinen Ausstand gefeiert und sich mit druckvollen Songs in die verdienten Weihnachtsferien verabschiedet. Wer nun aber befürchtet hatte, dass der Brite angesichts seines enormen Pensums müde und ausgelaugt sein könnte, der wurde am Sonntag eines Besseren belehrt. Bryant war vielmehr voller Energie, ein Virtuose auf den Saiten mit überaus kraftvollem, aber auch erfreulich dynamischem Spiel, das beim Publikum hervorragend ankam.

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Toys2Masters: Musikalischer Steppenbrand

Sie waren die Favoriten und sie haben sich durchgesetzt: Beim Finale von Nordrhein-Westfalens größtem und wichtigstem Nachwuchsband-Wettbewerb Toys2Masters hat die Dürener Band Wildfire, die bereits die Vorrunden eindeutig für sich entscheiden konnte, mit einer unglaublich starken Performance den Sieg eingefahren. Publikum und Fachjury waren sich einig, dass das Quartett um den gerade einmal 18-jährigen Gitarristen und Sänger Fabian Kuhn das Brückenforum gerockt haben wie keine andere. „Genau deswegen unterstützte ich Toys2Masters seit Jahren“, freute sich Jurymitglied Dieter Roesberg, Chefredakteur des Magazins Gitarre & Bass. „Ich finde es einfach klasse, junge Künstler zu erleben, die wissen was sie tun und dabei einfach nur Spaß haben.“

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