Andrea Motis + Oliver Leicht [acht]: Bunte Mischungen

Im weitesten Sinne ist Jazz ja offen für alles. Zum Glück, würde man doch bei dem Versuch, die Jazzfest-Konzerte von Andrea Motis und Oliver Leichts Formation [acht.] mit engen Definitionen zu beschreiben, schnell an seine Grenzen stoßen. Die Musik der beiden Bandleader, die am vergangenen Sonntag im Pantheon auftraten, verweigert sich klaren Einordnung, ist irgendwo dazwischen und mit allem vernetzt, baut Bigband-Sounds ebenso ein wie Orchestrales, Rock, Pop, Latin und zeitgenössische Klassik und verschränkt Sounds ebenso gerne wie Rhythmen und Harmonien. Bestechender als all diese Gemeinsamkeiten waren allerdings die Unterschiede – und die Energie im Saal.

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Alma Naidu + Mike Stern/Bill Evans Band: Einfach genial

Aufstrebende Künstlerinnen und Künstler treffen auf Veteranen und Legenden: Das ist eine der zentralen Ideen des Jazzfests Bonn. Nicht immer klappt das, das gesteht auch Impressario Peter Materna ein. Manchmal aber schon, so wie jetzt am vergangenen Samstagabend. Durchstarterin Alma Naidu traf im Pantheon auf Mike Stern und Bill Evans; mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Eine vielseitige Sängerin auf der einen Seite, zwei der weltbesten Jazzer auf der anderen, das kann doch nur gut werden. Oder besser. Oder beides.

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M. Mazué Trio + Olivia Trummer: Musik für Kopf und Seele

Es gibt Musik, die trifft direkt ins Herz, berührt die Seele und verzaubert die Sinne, Musik, die unmittelbar wirkt und das gesamte Repertoire von Emotionen abdecken kann. Und dann gibt es Musik für den Kopf, die man sich erst erschließen muss, komplex, verschachtelt, eigenwillig, anstrengend. Bei dem Jazzfest-Konzert im LVR Landesmuseum waren am vergangenen Donnerstag beide Arten zu hören. Dort traf die Singer-Songwriter-Jazz-Virtuosin Olivia Trummer, die sich für ihr neues Album „For You“ die Unterstützung des Gitarren Kurt Rosenwinkel und des italienischen Trompeters Fabrizio Bosso sicherte, auf das expressionistisch-avantgardistische Matthieu Mazué Trio, das den internationalen Wettbewerb JazzBeet des Jazzfests Bonn für sich entschieden hatte. Eine kontrastreiche Kombination zum Nachdenken und Wohlfühlen.

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Abdelkarim: Humor mit Farbskala

Es gibt Fragen, bei denen Abdelkarim nicht weiß, ob er darüber lachen oder sich aufregen soll. „Woher kommst du?“, zum Beispiel, und zwar mit der unausgesprochenen Implikation, dass Bielefeld als Antwort nicht akzeptiert wird. Diese Art von Alltags-Rassismus, der noch nicht einmal böse gemeint ist und doch strukturelle Schwächen der Gesellschaft offenbart, ist seit Jahr und Tag das gängige Thema aller Ethno-Comedy – und eigentlich hätte man erwarten können, dass Abdelkarim inzwischen über diesen Punkt hinausgewachsen ist und neue Ansätze verfolgt. Im Haus der Springmaus, wo er sein aktuelles Programm „Wir beruhigen uns“ vorstellte, blieb der 40-Jährige mit marokkanischen Wurzeln aber lieber beim Bewährten und lässt so leider manche Chance ungenutzt.

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Eva Karl Faltermeier: Granteln im Nebel

Das Leben ist kein Zuckerschlecken, schon gar nicht als Mutter. Mal stresst das eine Kind, mal das andere, meistens alle zusammen; dazwischen noch der Haushalt, die ausgedehnte Verwandtschaft, der eigene Mann, vielleicht auch der eigene Job; und wenn dann der Blick auf die strahlenden Instagram-Mütter fällt, die all das mühelos unter einen Hut bekommen und so ganz nebenbei einen Tag lang mit ihren Sprösslingen basteln können, ohne das am Ende sämtliche Hautflächen, Kleidungsstücke und Wände mit einer Mischung aus wasserfesten Farben, Klebstoffen und Lebensmitteln verziert sind – tja, dann kann frau sich schon mal fragen, ob sich die Welt nicht gegen sie verschworen hat.

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„Kassia“: Auf der Suche nach der gefrorenen Zeit

Kassia war allem Anschein nach schon eine bemerkenswerte, starke und selbstbewusste Frau. Die Dichterin, Komponistin und byzantinische Äbtissin lebte im 9. Jahrhundert in Konstantinopel und kann heutzutage als eine Art ur-feministisches Vorbild gedeutet werden, nicht zuletzt weil sie mit der Aussage des damals herrschenden Kaisers Theophilos, dass alles Schlechte von der Frau komme, nicht einverstanden war und diesem bei einer Brautwerbung eine entsprechende Replik gab. Jetzt haben sich das Kainkollektiv und das von Burak Özdemir geleitete Barockorchester Musica Sequenza dieser Geschichte angenommen und sie als performative Oper neu erzählt. Jetzt war die Produktion zu Gast im Theater im Ballsaal.

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„WunderBar“: Trink doch eine mit

Es ist Happy Hour in der „WunderBar“. Jetzt darf getrunken und gefeiert werden, was das Zeug hält, zumindest noch dieses eine Mal. Immerhin sollen bereits am nächsten Tag die Bagger rollen, weil irgendein asiatischer Großinvestor kurzerhand das ganze Viertel aufgekauft hat und etwas Neues bauen will. Was auch immer. Auf jeden Fall keine Kneipe. Schon gar nicht so eine wie die „WunderBar“, die das Zuhause von Exzentrikern und Chaoten, Alt-Hippies und sonstigen schrägen Gestalten ist. Also ist jetzt die letzte Schicht, natürlich mit den üblichen Verdächtigen, unter anderem den trinkfesten Getränkeboten, der scheinbar resoluten und doch sehr poetischen Trapez-Künstlerin und der skurrilen Französin Ava, die sich selbst über alle Maßen schätzt und dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpert. Ein eigenwilliges und vor allem einzigartiges Ensemble, das mit ihrer „WunderBar“ jetzt die Bühne des Bonner GOP übernommen hat.

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Wille and the Bandits: Rockende Schurken

Drei Jahre, und schon ist alles anders. Seit dem letzten Bonn-Konzert von Wille and the Bandits im Jahr 2019 hat sich Sänger und Gitarrist Wille Edwards eine komplett neue Band zusammensuchen müssen, und das mitten in der Pandemie. Das ist dem charismatischen Frontmann aus Cornwall jedoch erfreulicherweise gelungen. Erweitert zum Quartett machen die neuen Banditen da weiter, wo die alten aufgehört haben, ballern in der Harmonie mit Blues-, Rock- und Folk-Munition und treffen dabei fast immer ins Schwarze.

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M. João + T. Hamasyan: Zwischen Genie und Wahnsinn

Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntlich eng beieinander. Ist das ein Klischee? Vielleicht. Aber nach einem Abend mit Stimmkünstlerin Maria João und Tastenmagier Tigran Hamasyan ist es schwer, in dieser Aussage nicht zumindest einen Funken Wahrheit zu erkennen. Was diese beiden Ausnahmemusiker mit ihren Trios im Rahmen des Jazzfests im Post Tower präsentiert haben, ist ebenso brillant wie verrückt, radikal eigenwillig und in mehr als einer Hinsicht irre. João und Hamasyan bewegen sich in ihren eigenen Sphären, von der Musik berauscht – und doch nicht so weit entrückt, dass sie sämtliche Regeln und Muster über Bord geworfen haben. Aus diesem Spannungsfeld zwischen bewusstem Erfindungsreichtum und losgelöster Ekstase entstehen Klänge, die verblüffen und überraschen, begeistern und euphorisieren. Zumindest wenn man dieser Art des Jazz gegenüber offen ist.

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Jean Faure: Feine Lieder von falschen Orgasmen

Nur wenige Chansonniers werden in Frankreich so sehr geschätzt wie Georges Brassens. Für manche war er DER Chansonnier schlechthin, der Dichter einer ganzen Nachkriegs-Nation. „La mort du poète“, titelte die Tageszeitung „France Soir“ am Tag seines Todes – mehr brauchte es 1981 nicht, um jeden Franzosen wissen zu lassen, wer da gerade von ihnen gegangen ist. Er, der Libertin und Literat, der mühelos das Filigranen mit dem Verruchten zu vermischen verstand, der aufmüpfige Intellektuelle und der selbsternannte Pornograf der Musik, teilweise mit dem einen Bein im Bordell und dem anderen in der Bibliothek. Jetzt hat Jean Faure, seit mehr als 50 Jahren Bonns Lieblings-Chansonnier, Brassens ein komplettes Programm gewidmet und es zusammen mit seinem Orchester im nahezu voll besetzten Pantheon präsentiert.

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"Was das Nashorn sah...": Bedrückende Fabel

Es war einmal ein Nashorn, das lebte in einem Zoo. Ein ungewöhnlicher Zoo war es, denn er stand in einem Gefängnis, einem schrecklichen Ort, der Hölle auf Erden. Außer für die Tiere, zumindest so lange sie nicht zu genau hinschauten und sich gut stellten mit den Gestiefelten, die als Aufseher der Gestreiften an diesem Ort das sagen hatten. Doch eines Tages war das Nashorn tot. Warum? Weiß keiner so wirklich. Interessiert auch niemanden. Bis auf den kleinen Bären, der einige Zeit später in diese Welt der Gitter und der Zäune kommt, eingefangen von Jägern in der sibirischen Tundra und seiner Familie brutal entrissen. Der Bär will wissen, was passiert ist, und er bemerkt auch, was passiert außerhalb der Gehege, wie sie gequält und gepeinigt werden, die ausgemergelten Gestreiften, die den Gestiefelten weniger gelten als die Tiere. Der Bär schaut hin – und er beschließt, etwas zu unternehmen, selbst wenn es ihn das Leben kostet, weil er den Wert des Lebens noch kennt. Und weil er zumindest ahnt, „was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“. Jetzt hat das Theater Bonn diese eindringliche, bedrückende Fabel von Jens Raschke auf der Werkstattbühne inszeniert.

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René Sydow: Die Gefahr der Einsamkeit

Wer nach Corona an einen Aufschwung glaubt, ist entweder extrem optimistisch, Firmenboss oder Aktienbesitzer und auf jeden Fall noch nie Gast bei René Sydow. Der 42-Jährige gehört zu jenen immer rarer werdenden Kabarettisten, die jenseits der üblichen Politikerschelte eine eindringliche Systemkritik üben – und die fällt in seinem aktuellen Programm „Heimsuchung“, mit dem er jetzt im Pantheon zu Gast war, nicht gerade positiv aus. Pflegenotstand und Mietwahnsinn, jugendliche Spießer und abgeschobene Senioren, eine wachsende Vereinsamung und eine allgemein akzeptierte Onlinesucht: Der Sozialstaat, so konstatiert Sydow, ist schon längst ein Mythos geworden, und zwar einer, den wir immer noch für Realität halten. Was schon fast ein Witz sein könnte, wenn er nicht so traurig wäre.

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Miller Anderson: Der „Piper“ dreht auf

Man sollte einen Musiker nicht nach seinem Äußeren beurteilen. Miller Anderson zum Beispiel, der ehemalige Sänger und Gitarrist der Keef Hartley Band und mit 77 Jahren ein echtes Urgestein der britischen Bluesrock-Szene, hat in den vergangenen Jahren ein bisschen abgebaut und spielt nur noch im Sitzen, eine Kappe auf den schneeweißen Haaren tief ins Gesicht gezogen – doch wenn er loslegt, gibt es keinen Zweifel daran, dass der Schotte noch immer genug Kraft hat, um richtig zu rocken. In der Harmonie hat er sich auf jeden Fall bravourös geschlagen, auch – aber nicht nur – dank einer starken Band im Rücken.

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Carrington-Brown: Kitsch, Klischees und hohe Kunst

Puccinis „Turandot“ mit einer Cellistin und einem Bariton? Klingt nach einer scheinbar unmöglichen Aufgabe, ist für Carrie Puddleton (Rebecca Carrington) und Laurence Longstaff (Colin Brown) aber lediglich die Aufwärmphase. Die beiden britischen Musiker, die als einzige Mitglieder der fiktiven Royal Imperial Victorian Opera Company, die es auf den Kontinent geschafft haben – alle anderen stecken im Zoll fest. Brexit eben. Und Bürokratie. Eine überaus problematische Mischung.

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Dittsche: Das funktionuggelt

Also mal ganz ehrlich: Kaffee im Schuh beziehungsweise in den Gummistiefeln, wer könnte das nicht mögen? Kaffee to go, mit Wärmefunktion, das ist doch genial. Ein „Weltgerät“, ja sicher. Marke Eigenbau. Von Dittsche höchstpersönlich entworfen. Und der hat ja Ahnung. Von allem, vor allem aber vom Basteln. Der Heimwerkerkönig unter den Gescheiterten, der Tim Taylor von Hamburg-Poppenbüttel. Der mit dem Bademantel und den Schumiletten. Ja, genau der. Dittsche eben. Jetzt war die schräge Kunstfigur zu Gast im Bonner Brückenforum und hat aus seinem Leben erzählt. Und von seinen Erfindungen.

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Ezio: Ein kleines bisschen Wunschkonzert

Inspiration kann aus vielem entstehen. Selbst aus Fernsehwerbung für erotische Kontakte. Dem britischen Singer-Songwriter Ezio Lunedei war vor allem das Bild einer grauhaarigen Domina im Gedächtnis geblieben, die ihn des Nachts in verschiedenen deutschen Hotelzimmern immer wieder aufforderte, zum Telefonhörer zu greifen. „Ruf mich an“, diese Worte haben sich ihm förmlich eingebrannt – und so tat er, was jeder Künstler tut, wenn ihn eine Szene nicht mehr loslässt, schrieb ein Lied (in diesem Fall einen Country-Song) und hoffte auf das Beste. Was bei Ezio vieles ist, aber auf keinen Fall langweilig. Zusammen mit seinem Freund und Bühnenkollegen Mark „Booga“ Fowell hat er nun in der Harmonie gezeigt, dass Poesie und Porno mitunter gar nicht so weit voneinander entfernt sind.

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Triosence: Rockende Eichhörnchen

Bernhard Schüler liebt Anekdoten und Geschichten. Der Jazz-Pianist und Gründer von Triosence hat immer etwas zu erzählen, ob nun in seinen Moderationen oder auf den Tasten seines Klaviers: Mal geht es bei ihm um den wahren Namen des legendären Chick Corea, mal um die Vorstellung, ganz entspannt über einen amerikanischen Highway zu fahren, und manchmal um rockende Eichhörnchen. Zutrauliche kleine Nager, die Schüler und seine Lebensgefährtin an ihrer gepachteten alten Mühle irgendwo im Nirgendwo füttern und die sich inzwischen durch nichts und niemanden vertreiben lassen, auch nicht durch das pulsierende, treibende Spiel von Drummer Tobias Schulte.

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Konrad Beikircher: „Wenn et nur Corona gewesen wäre“

An und für sich ist das Thema klar umrissen: In seinem neuen Programm will Konrad Beikircher – so betont er – die vergangenen zwei Jahre Revue passieren lassen, die Pandemie im weltgeschichtlichen Zusammenhang einordnen und sich über Seuchen im Allgemeinen und Corona im Besonderen auslassen. Soweit der Plan. Doch wer Beikircher kennt, der weiß, dass es meistens anders kommt. So auch im gut gefüllten Pantheon, dem zweiten Wohnzimmer des 76-Jährigen. Zwar blickt Beikircher durchaus zurück, streift das Virus aber nur am Rande; immerhin gibt es viel zu erzählen und noch mehr zu verzällen (ja, das ist ein Unterschied), vor allem über die beiden katholischen Hardliner und Problem-Kardinäle Meißner und Woelki, über die sich Beikircher immer wieder aufs Neue aufregen kann. „Wenn et nur Corona gewesen wäre“, sagt er und schüttelt mit dem Kopf. Die Pandemie, die kann man zumindest ansatzweise verstehen. Die Kirche nicht.

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Roland Jankowsky: Die Opfer der Weißwurst-Mafia

Roland Jankowsky scheint ein Faible für skurrile Gestalten zu haben. Die bekannteste Rolle des TV-Schauspielers, die des vornamenlosen Kommissars Overbeck in den „Wilsberg“-Krimis, ist schließlich vieles, aber sicher nicht gewöhnlich, und auch die Geschichten, die der 54-Jährige in Sammelbänden herausgibt und auf seinen Lesereisen vorträgt, sind ziemlich schräg, mitunter gar völlig absurd. Und ziemlich komisch, vor allem da Jankowsky als Sprecher brillant ist: Mühelos meistert er die Klaviatur seiner Stimme, keift und grummelt, flucht und faucht, wechselt sekundenschnell zwischen Dialekten und Emotionen und hat so viel Freude daran, dass sich kein Zuhörer dem entziehen kann. So wie jetzt im gut gefüllten Pantheon, wo Jankowsky unter anderem aus dem Leben einer kölschen Meldeamts-Angestellten erzählte – und die Geheimnisse der Weißwurst-Mafia offenbarte.

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Miroca Paris: Unbändige Lebensfreude

Bei dieser Musik muss man einfach tanzen. Entspannt groovend schallt sie durch das Pantheon, pulsierend und belebend, aber nie hetzend oder treibend. Insofern ist schon jetzt eine kleine Korrektur von Nöten: Man muss nicht tanzen, man darf – und viele Gäste des „Over the Border“-Festivals, das an diesem Abend mit einem Konzert von Miroca Paris einen offiziellen und zugleich vorläufigen Abschluss findet, nehmen diese Gelegenheit nur zu gerne wahr. Zwischen Stühlen und Tischen wiegen sich Leiber im Takt kapverdischer Klänge, ein Bild unbändiger Lebensfreude, gezeichnet von einem Meister kapverdischer Klänge, der nach Perfektion strebt und doch Gelassenheit ausstrahlt. Das kommt bekannt vor, immerhin hat Miroca Paris schon bei der Eröffnung des Festivals mit den Local Ambassadors geglänzt und die ihm unbekannte Band bei seinen Liedern souverän geführt. Jetzt, mit seinen eigenen Leuten, legt er die Messlatte mühelos höher. Und begeistert erneut.

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„Bevor wir gehen“: Tod im Eis

Am Ende ist sich jeder selbst der Nächste. Als ob das etwas helfen würde. Vielleicht gewährt der Egoismus einem selbst noch ein paar Wochen mehr, noch ein paar Wochen der Existenz in einer gefrorenen, gefühlskalten Welt – doch zu welchem Preis? Diese Frage beantwortet Kristo Šagors Dystopie „Bevor wir gehen“, die das Theater Rampös am vergangenen Wochenende in der Brotfabrik aufgeführt hat, ebenso eindringlich wie erschreckend. Inmitten einer unerwartet angebrochenen Eiszeit, in der jeder Schritt im Freien den Tod bringen kann („The Day After Tomorrow“ lässt grüßen), klammern sich zehn Menschen in einem Kaufhaus mit allen Mitteln an das Leben und sind dabei bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Doch letztlich ist jede Hoffnung vergebens. Und die Menschlichkeit Geschichte.

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The New Roses: Floraler Rock

Bock? Natürlich hat die Menge Bock. Mit dem Wegfall nahezu aller Corona-Regeln darf und will man schließlich wieder richtig rocken, dicht an dicht, gemeinsam johlend und jubelnd und springend und tanzend, so wie früher, vor der Pandemie. Und auch wenn beim Konzert der New Roses in der Harmonie auf Wunsch der Band weiterhin die 3G-Regel gilt, sieht das doch an diesem Abend keiner als Einschränkung, sondern eher als Selbstverständlichkeit – und als Absicherung, dass die rund 300 Besucher, mal mit und mal ohne Maske,  ihre „Rock 'n' Roll-Party“ mit dem Wiesbadener Quartett überhaupt entspannt und ausgelassen feiern können. Darauf haben einige Menschen im Saal mehr als zwei Jahre lang hingefiebert, inklusive der Roses um Frontmann Tommy Rough, die ebenfalls Bock haben, viel Bock auf Rock. Also lassen sie es krachen, und zwar mit Nachdruck. Und die Fans? Sind restlos begeistert.

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Max Prosa: Das Prinzip Hoffnung

Eigentlich kann Max Prosa den Vergleich mit Bob Dylan nicht mehr hören. Immer wieder wird der 32-Jährige mit dem großen Singer-Songwriter verglichen und dadurch sogleich in eine Schublade gepackt. Das nervt, verständlicherweise. Andererseits lässt sich die Ähnlichkeit zwischen ihm und Dylan einfach nicht leugnen: Beide sind begnadete Poeten, beide begnügen sich mit einem überschaubaren Gitarren- und Mundharmonikaspiel, beide können keine Töne treffen – und beide verstehen es doch wie nur wenige andere Künstler, die Menschen mit ihrer Musik zu berühren. Jetzt ist Max Prosa erneut im Pantheon zu Gast, um mit seinen manchmal traumtänzerischen Hoffnungen den Abgründen einer dunkelgrauen Welt zu begegnen und sie ein bisschen schöner zu machen. Oder sie zumindest schöner zu schreiben.

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