Mathias Tretter: Schneller als Böhmermann

Leicht reizbar, machtversessen und völlig unvorhersehbar: Recep Tayyip Erdoğan und Donald Trump haben einiges gemeinsam. Doch ein Schmähgedicht ist nur einem von beiden gewidmet worden. Bis jetzt. Denn diese Chance kann sich Mathias Tretter in seinem Jahresrückblick im Haus der Springmaus nicht entgehen lassen. Einmal schneller sein als Jan Böhmermann und mit etwas Glück die gleiche Aufmerksamkeit genießen wie dieser. Immerhin haben nur wenige Themen Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten mehr bewegt als diese dahingerotzten Zeilen, die zwar gut gemeint, aber eben nicht gut gemacht waren. Auf dieses Niveau kann auch Tretter sinken. Und hoffen.

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PPP: Auf der Sonnenseite des Faschingismus

Sonderlich viel hat man ja nicht gewusst von dieser Terra Incognita jenseits des gewaltigen Stroms, dieser Ostzone des Rheinlands, die noch ein wenig näher am Kreml dran ist und damit schon einmal per se kritisch zu betrachten ist. Doch selbst Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) müssen zugestehen, dass die Sonnenseite namens Beuel weitaus schöner ist als wie man meint – und vor allem weitaus närrischer. In die Schar der Möhnen und Wäscherprinzessinnen passt das Ensemble des Pink Punk Pantheon zumindest perfekt hinein, wie es beim Auftakt zur 34. Session in der neuen Spielstätte unter Beweis stellt. Und das nicht nur wegen der spielfreudigen Waschweiber-Combo.

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Martin Sonneborn: „Es reicht, wenn wir das lustig finden“

Politik ist mitunter absurd. Selbsternannte Experten werben für sich im Kampf um die Macht mit hohlen Phrasen, und wer am lautesten schreit, kommt entweder an die Macht – oder nach Brüssel. So wie Martin Sonneborn. Der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ und jetzige Vorsitzende und Europa-Abgeordnete seiner parodistischen Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (die PARTEI) hat es sich zum Ziel gemacht, die Politiker mit ihren eigenen Waffen zu schlagen und eine mehr oder weniger „ernste Antwort auf nicht ernst zu nehmende Politik zu bieten“, wie es in der Begründung des Kulturnews-Awards 2009 heißt. Und hat damit bis zu einem gewissen Grad sogar Erfolg. „Wir sind damals angetreten, um Gerhard Schröder zu stürzen und die Macht zu übernehmen“, sagt er in einer Mischung aus selbstbeweihräuchernder Partei-Geschichtsstunde und bemühter Polit-Satire in der Bonner Oper. „Ersteres haben wir bereits geschafft, an letzterem arbeiten wir.“

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BonnVoice: Weihnachtslieder mal anders

Stimmlich gesehen gibt es derzeit in Stadt und Region wohl kaum einen besseren Chor als BonnVoice. Das Vokalensemble um Dirigent Tono Wissing begeistert immer wieder mit einem perfekten, reinen Klang und Arrangements auf höchstem Niveau, die es scheinbar mühelos erklingen lässt. Bei ihrem Weihnachtskonzert in der Kreuzkirche stellte BonnVoice dies einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis: Ein atemberaubendes „Wir sagen euch an“ mit phänomenaler Dynamik oder ein starkes „Es kommt ein Schiff geladen“ sorgten in dem Gotteshaus für Gänsehaut-Momente.

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New Model Army: Winter ist gekommen

Es ist eine Zeit des Wandels. Selbst für New Model Army. Doch während die bevorstehenden Veränderungen in den meisten Fällen Angst machen, gehören sie bei der Independent-Legenden einfach dazu. Mehr noch, sie bilden eine zentrale Konstante im Wirken der Band um Frontmann Justin Sullivan, diesem Punk-Schamanen mit der unbändigen Wortgewalt eines Blizzards und dem nötigen Feuer, um sie in die richtigen Bahnen zu lenken. In solche, auf die man sich trotz aller Neuerungen immer verlassen kann. Der Sound und auch die Besetzung mögen sich mitunter ändern, doch der Kern der Army bleibt. Ebenso wie gewisse liebgewonnene Traditionen, zu denen auch das alljährliche Weihnachtskonzert im Kölner Palladium gehört.

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Tim Fischer: Sehnsucht unterm Säufermond

Gänsehautgesang, der mitten ins Herz trifft. Wenn Tim Fischer seine Stimme erhebt und mit ihr die Abgründe der Sehnsucht auslotet, wenn er sich an das verführerische Lied von Lady Whisky, dieser alten Sirene, mit einer gewissen Schwermut erinnert und das Publikum mitnimmt in die eigene Seele, vibriert der Saal der Oper Bonn vor kaum beherrschbarer Intensität. Es sind die ganz großen Momente, jene, in denen der 43-Jährige wieder und wieder unter Beweis stellt, warum er als Chansonnier so geliebt und verehrt wird – er, der mühelos auf der Klaviatur der Emotionen zu spielen vermag und seine Zuhörer ins Wechselbad der Gefühle stößt, zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Was für ein Konzert: Eines, das Genuss und Katharsis zugleich ist.

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Konrad Beikircher: „Die Gedanken gehen mit mir fliegen“

Eine Abschweifung in der Abschweifung in der Abschweifung: Mit Stringenz steht Konrad Beikircher offenbar auf Kriegsfuß. Der selbsternannte Verteidiger der rheinischen Seele sorgt bei seinem Auftritt im Pantheon einmal mehr mit seinen Schachtelgeschichten für Amüsement und Verwirrung zugleich. „Dei Gedanken gehen mit mir fliegen“, kommentiert er dies. Und lässt es doch nur zu gerne zu. Immer wieder lässt er sich ablenken, unterbricht seine Gedankengänge für Anekdötchen und Verzällcher und stützt sich dabei lediglich auf zwei Konstanten: Seine Liebe für die Region und seine Leidenschaft für den „normalen Glauben“, den Katholizismus.

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Etienne & Müller: Festtage zwischen Chaos und Wahnsinn

Normal ist an diesen Weihnachtsfeiertagen nichts. Gar nichts. Große und kleine Katastrophen bestimmen vielmehr das Bild, das Andreas Etienne und Michael Müller traditionsgemäß im Haus der Springmaus malen: Mal hinterlassen übereifrige Handwerker ein einziges Chaos, dann wieder stößt eine allzu ambitionierte Festtagsplanung an ihre Grenzen. Ein wunderbarer Wahnsinn, der in hohem Bogen aus einem der stärksten Weihnachtsprogramme quillt, das die beiden in den vergangenen Jahren auf die Bühne gebracht haben. Ein Sketch nach dem anderen attackiert erfolgreich das Zwerchfell, mal bewusst schrill mit der „Sphäre des Neo-Dilletantismus“ spielend, dann wieder mit herrlichen Absurditäten jonglierend, immer aber für donnernde Lachsalven sorgend. Ein schöner Abend mit vielen Überraschungen – und ein paar alten Bekannten.

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Tony Christie: Goldstimme mit irischen Wurzeln

Vom irischen Claremorris über Las Vegas bis nach Amarillo: Wenn Tony Christie sein musikalisches Leben Revue passieren lässt, kommen einige wichtige Stationen zusammen. Der 73-Jährige hat schon vieles besungen, hat mit seiner phänomenalen Crooner-Stimme mehr als 40 Alben geprägt, erstmals vor nunmehr 50 Jahren. Ein guter Grund zum Feiern. Zum Abschluss seiner Jubiläumstour ist der Brite nun ins Bonner Brückenforum gekommen – und liefert dort vor einer leider recht enttäuschenden Publikumskulisse ein bemerkenswertes Konzert ab, in dem er die gesamte Bandbreite seines Könnens offenbart.

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„Julia Caesar“: Unter Frauen

Machtgierig soll Caesar sein, wispert man im Senat. Aber auch schwach. Und vor allem unbestreitbar weiblich. Eine Frau an der Spitze der römischen Republik, die kurz davor steht, zur Königin gekrönt zu werden – mit diesen geänderten Vorzeichen hat die Bonn University Shakespeare Company (BUSC) nun in der Brotfabrik ihre Version der „Tragedy of Julius Caesar“ inszeniert und das eigentlich recht trockene Politdrama dank geschickter Kürzungen zu einem stringenten, klaren Theatererlebnis von gerade einmal anderthalb Stunden gemacht. Dabei verweigert sie sich trotz des Spiels mit den Geschlechterrollen, das auch andere zentrale Figuren betrifft, einer Gender-Diskussion und überlässt es dem Publikum, sich seine Gedanken über „Julia Caesar“ zu machen.

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Andrea Schroeder: Ode an die Leere

Die Musik passt zur Jahreszeit. Kalt, düster, bedrückend. Lieder über Winter, Tod und Teufel, die mit ihrer Schwermut irgendwo zwischen Velvet Underground und Nick Cave ihren Weg ins weit entfernte Licht suchen. Nein, gute Laune verbreitet Andrea Schroeder bei ihrem allerersten Konzert in der Harmonie sicherlich nicht. Wie auch bei einem Album mit dem vielsagenden Titel „Void“ und einem dazu passenden depressiv-melancholischen Sound in tiefstem Mitternachtsschwarz. Bass, Gitarre, Schlagzeug und Keyboards verströmen Klangteppiche aus zähflüssigem Teer, von einer indischen Shrutibox in träge Schwingungen versetzt – und daraus erhebt sich die neue Hohepriesterin des Gothic Pop mit ihrem aus Onyx geborenen Alt und sucht in der klagend nach einem Hoffnungsschimmer.

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Toys2Masters: Finale auf höchstem Niveau

Guter Rock und viele Fans: Mit dieser Kombination hat es die Millenia geschafft. Am Samstag sicherten sich die fünf Bonner nach einem phänomenalen Auftritt voller Energie und Leidenschaft im Brückenforum den Sieg bei Nordrhein-Westfalens größtem Nachwuchsbandwettbewerb Toys2Masters und krönten damit eine seit März dauernde Erfolgsgeschichte. Wieder einmal sorgten vor allem der charismatische Gesang von Alassio Schröder und das virtuose Gitarrenspiel von Fabian Jehnen für Begeisterung, doch auch die anderen Musiker agierten auf erfreulich hohem Niveau.

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Martin Zingsheim: Plädoyer für etwas mehr Wahnsinn

Eigentlich hatte Martin Zingsheim ja Großes vorgehabt. Eine Rede zur Lage der Nation, ein Plädoyer gegen Ausbeutung und für mehr Gleichberechtigung. Wird aber nichts draus. Man soll schließlich nur von Dingen sprechen, von denen man auch was versteht und für die man sich wirklich interessiert. Und derart komplexe Themen? Nein danke. Also macht es sich der Kabarettist mit dem verschmitzten Lachen auf der Pantheon-Bühne eben einfach, spricht lieber über Frau und Kinder – und fordert, subversiv wie er eben ist, kurzerhand ein bisschen mehr Wahnsinn. Ein paar verrückte Aktionen, um die Mitmenschen um den Verstand zu bringen. Zum Beispiel mit Tempo 30 durch die 30er-Zone fahren. Oder das andere Geschlecht einfach mal gut behandeln, ohne dabei stolz auf Alice Schwarzer zu verweisen. Oder beim Bio-Fleisch mal genauer hinschauen: „Elektroschocks können Sie auch mit Ökostrom durchführen.“

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„Talents“: Zwischen Gefahr und Klamauk

„Das ist so schön. Und toll. Und schön“. Worte, die der jungen Frau aus dem Publikum vom Bauchredner Jan Mattheis in den Mund gelegt werden, um die neue Show „Talents“ zu beschreiben, die drei Monate nach der Eröffnung des Bonner GOP-Theaters das umjubelte „Plüfoli“ ersetzt und Varieté von einer völlig anderen Seite zeigt. Unabhängige Nummern statt einheitlichem Bühnenkonzept, ein klassischer Conferencier statt organischer Überleitungen und vor allem mehr Comedy als Clownerie. Grundsätzlich erst einmal ein nachvollziehbarer Ansatz, mit dem an den Anfangserfolg (laut Direktorin Julia Feirer sind bislang über 30.000 Besucher in das neue GOP in unmittelbarer Nachbarschaft zum WCCB gekommen, was einer Auslastung von mehr als 95 Prozent entspricht) nahtlos angeknüpft werden soll. Die Artisten sind dazu ohne Zweifel in der Lage. Doch schließlich sind es auch nicht sie, die auf eine illusionistische Selbstbeweihräucherung zurückgreifen.

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Guildo Horn: „Lasst die Flügelspitzen sprechen“

Für viele ist es eine Art Pilgerreise. Einmal im Jahr, Ende November, in die Harmonie, zum Meister der Glückseligkeit, zum Cherub mit den blühenden Knospen, zum Dionysos des Adventsschlagers. Anhänger aus Pirmasens, Essen und Pforzheim sind gekommen, um Guildo Horn zu huldigen, der diesmal gleich zwei seiner inzwischen traditionellen Weihnachtskonzerte in Endenich zelebriert und wie letztlich jedes Jahr innerhalb von Sekunden gut gelaunte in euphorisierte Menschen verwandelt. Diese stehen dicht an dicht, viele von ihnen mit roten Zipfelmützen oder blinkenden Lichterketten geschmückt, und singen beglückt die Texte mit, die auf allseits bekannte Melodien gepflanzt werden. Besinnlichkeit und Partystimmung gehen hier Hand in Hand, Tannenbaum-Verse treffen auf ABBA, fetzigen Ska und wilden Rock – und so seltsam diese Mischung auch auf den ersten Blick anmuten mag, so hervorragend funktioniert sie.

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„Oh wie schön ist Panama“: Die abenteuerliche Reise ins Bananenwunderland

Wenn der kleine Bär und der kleine Tiger eine Reise tun, dann haben sie was zu erzählen. Vor allem dann, wenn diese in das Land führt, das angeblich von oben bis unten nach Bananen duftet (und für einige Kinder sogar eine leichte Nutella-Note aufweist). Im Kuppelsaal der Thalia-Buchhandlung, der seit einiger Zeit als Studiobühne des Jungen Theaters Bonn fungiert, haben die beiden Schauspieler Frank Musekamp (Bär) und Stefan Merten (Tiger) nun zusammen mit der Tigerente die beliebten Figuren von Janosch und deren Abenteuer auf die Bühne gebracht – und damit kleine und große Kinder verzückt.

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Bettina Marugg und Duo canto battuto: Bis die Tassen fallen

Wörter prasseln wie Regentropfen auf das Publikum ein. Ein Schauer aus Lauten, kaum differenzierbar, kaum von Bedeutung, nur durch den Klang relevant, sich aus ihm speisend. „Bis dies die Diebin Dielen Dingen dealt“ – Sprachmusik, mit der sich die Bonner Schauspielerin Bettina Marugg und das Duo canto beattuto (Sängerin Eva Nievergelt und Drummer Christoph Brunner) im Theater im Ballsaal beschäftigen. Der Inhalt ist nebensächlich: Es zählt die Überlappung zwischen Ton und Wort, die unabhängig von der Sprache ihre Wirkung entfaltet. Anderthalb Stunden lang suchen die Drei in der Neuauflage ihrer „Litanies de la vie“ nach diesen klangpoetischen Resonanzpunkten, greifen dabei auf französische Komponisten, amerikanische Perkussionisten und schweizerische Autorinnen zurück und lassen aus Silben und Reimen ganze Lautwolken entstehen.

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„Michael Kohlhaas“: Der Schein der Gerechtigkeit

„Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe auch die Welt daran zugrunde!“ Nach diesem Motto treibt Michael Kohlhaas wie ein Schnitter übers Land, ein Racheengel, der aus Wut über eine gegen ihn begangene Ungerechtigkeit die Welt bluten lassen will. Und doch zugleich jemand, der liebt und leidet, der verzweifelt und gerade deswegen aufbegehrt. Regisseur Stefan Hermann hat sich in seiner Inszenierung der Kleistschen Novelle im Euro Theater Central genau auf diesen Aspekt konzentriert, hat den Mensch hinter dem Monster herausgearbeitet und hat so ein tief bewegendes Solo geschaffen, das einmal mehr zeigt, dass ein gutes Stück keine großen Bühnenbilder oder Technikspielereien braucht, keinen Pomp und kein riesiges Ensemble – sondern nur einen guten Text. Und einen überragenden Schauspieler.

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Nicole Jäger: Leichtigkeit beginnt im Kopf

Diäten über Diäten. Mit Ananas, Bandwürmern, Zungenpflastern und implantierten Magenpumpen. Viele Menschen tun alles, um abzunehmen. Und die meisten von ihnen scheitern. „Mit einer ausgewogenen Ernährung hat etwas wie die Ananas-Diät wirklich nicht zu tun“, betont Nicole Jäger. Doch es geht auch anders, und die sympathische Frau, die da auf der Bühne der Harmonie steht, ist der beste Beweis dafür. 340 Kilo hat sie früher gewogen, jetzt sind es noch 160 – und das ganz ohne Operationen oder Abnehm-Drinks mit Ochsenschwanzsuppengeschmack. Sondern mit einem eisernen Willen und einer positiven Einstellung. Kein leichter Weg: „Das Leben ist schön – von einfach kann keine Rede sein“, sagt Jäger. Aber ein gangbarer.

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Peter Schilling: Höhen und Tiefen eines Pop-Astronauten

Ab und zu darf man auch mal völlig losgelöst sein und träumen. Etwa von Auftritten in der Lanxess Arena. In fünf Jahren will Peter Schilling, so gesteht er augenzwinkernd, die großen Hallen füllen, will mit Hilfe von „Major Tom“ sowie einiger neuer Songs durchstarten und die Menschen wieder so verzaubern wie zuletzt vor 32 Jahren. Gut, möglich ist alles, zumal viele an ein grundsätzliches Comeback des NDW-Stars schon nicht mehr geglaubt haben. Peter Schilling, das stand einige Jahre lang für Auftritte auf Ü30-Partys und in Kaufhäusern zu Halb-Playback, danach für Männer-Ratgeber mit Titeln wie „Lustfaktor-Wellness“. Doch eine ausgiebige Tour mit neuem Album? Galt selbst für Hardcore-Fans lange Zeit als utopisch. Jetzt hat Schilling genau das getan und sich damit einen Traum erfüllt – doch nach einem Auftritt in der Harmonie ist klar, dass ein erneuter Höhenflug äußerst unwahrscheinlich ist.

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Pause & Alich: Eine Frage der Perspektive

Ist das nun die richtige? Oder die falsche? Schäl Sick oder doch eher Sonnenseite? Jahrzehntelang haben Hermann Schwaderlappen (Nobert Alich) und Fritz Litzmann (Rainer Pause) diese Frage immer eindeutig beantworten können. Beuel, das ist näher an Westfalen dran, ist von Bonn und auch von Köln durch den Rhein getrennt und hat vor allem kein Pantheon. Drei Gründe, die für Klarheit sorgten. Bis jetzt. Bei der Premiere ihres aktuellen Weihnachts-Specials in der neuen Spielstätte des Kleinkunsttempels in der ehemaligen Schauspielhalle Beuel mussten die beiden liebenswerten Grantler mit neuen Begebenheiten zurecht kommen und ihre Position revidieren – was ihnen aber mit der ihnen eigenen Argumentationskraft mühelos gelingt. „Die richtige Seite ist eine Frage der Perspektive“, betont Litzmann, der sich zugleich über die Chance freut, „neue fremde Menschen“ und die Höhepunkte der einheimischen Architektur (etwa das Beueler Rathaus) kennenzulernen. Das ist doch schon einmal ein Anfang.

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Georg Ringsgwandl: Bayrischer Gagaismus

Von den Wänden schaut die ein oder andere Blues- und Rock-Legende auf die Bühne. Auf Georg Ringswandl, der dieser „Ahnengalerie“ in der Harmonie mit augenzwinkernder Ehrfurcht begegnet. „Was für ein Abstieg: Hier haben schon die Pretty Things gespielt, und jetzt so ein seltsamer Typ aus Bayern“, sagt er lachend. Dabei wird er bald selbst an einer der Wände hängen – dafür war der Auftritt des Alpenblues-Sängers und Ehren-Krattlers, der seinen Erfolg unter anderem auf kurzerhand angeeignete Zither-Literatur aus der Feder eines unbekannten Holzknechts zurückführt, einfach zu gut.

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Aline Frazão: Semba-Rhythmen aus den Highlands

Einfach mal was Neues erfahren – dieser Wunsch hat Aline Frazão auf ihrem dritten Album „Insular“ angetrieben und die Angolanerin in den Norden geführt, auf eine kleine Insel der inneren Hebriden. Dort hat sie einen neuen Klang gefunden, einen experimentelleren, jazzigen, magischen Sound, den sie nun bei ihrem ersten Bonner Konzert in den Saal der Harmonie entlassen hat. Und obwohl ihre westafrikanische Heimat sowie Portugal und Spanien, wo sich Frazão zu Hause fühlt, in den neuen Stücken der charmanten 28-Jährigen lediglich als Echos mitschwingen, verfügen die vertonten Geschichten und Gedichte dank des hypnotischen, immer wieder zum Tanzen animierenden Rhythmus und der warmen, weichen Stimme der Sängerin über eine einzigartige Anziehungskraft.

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Red Hot Chili Peppers: Hymnen unter der Lichtwelle

Selbst die Lampen tanzen. Rauf und runter, sich drehende Flächen, Linien und Wellen bildend, schweben die mehr als 600 Leuchtkörper wie ein Schwarm dressierter Irrlichter über dem gewaltigen Innenraum der Llanxess Arena. Ein phänomenaler Anblick. Passt zu dem, was auf der Bühne passiert: Die Red Hot Chili Peppers, die im Rahmen ihrer Tour zum elften Album „The Getaway“ mit der ihnen eigenen, einzigartigen Energie nach Köln gekommen sind, scheinen es sich zum Ziel gemacht zu haben, jeden der rund 16.000 Fans bis runter auf die zelluläre Ebene zu elektrifizieren und sie für knapp zwei Stunden mit ihrem unverwechselbaren Sound irgendwo zwischen Punk, Funk und Hip Hop abheben zu lassen. Was dank einer starken Dynamik innerhalb des Konzerts auch funktioniert.

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Rock4: Solo-Show mit vier Stimmen

Eigentlich dreht sich alles um Luc. Gut, um einen von dreien. Luc Devens, seines Zeichens Tenor und Frontmann der niederländischen a-cappella-Formation Rock4. Anlässlich des 15. Geburtstags ist das Quartett, das neben dem Sonnyboy mit der unglaublich hellen Stimme noch Beatboxer Luc Nelissen, Lucas Blommers und Bass Miklós Németh umfasst, ins nun auch den Konzerttauglichkeitstest mit Bravour bestandene Bonner Pantheon gekommen und feiert sich mit einem Best-of-Programm auf der großen Bühne selbst. Beziehungsweise Devens, der nahezu alle Stücke dominiert, sich immer wieder in die Höhen schwingt und neben sich nur wenig Platz lässt. Was trotz einer in weiten Teilen exzellenten Leistung dann doch ein bisschen schade ist.

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Gerhard Polt & die Wellbrüder: Volksmusik und Grantlertum

Also dieser Kreisverkehr, der geht ja gar nicht. Viel zu eng, vor allem für den Löschzug. Frechheit so was. Und das nur, um die Hausener Feuerwehr auszubremsen, die gerade erst ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert hat, mit Festzelt und Rollbraten und jenem exklusiv für diesen Zweck von Georg Friedrich Händel in weiser Voraussicht komponierten Monumentalwerk des Barock, das selbst mit den begrenzten Mitteln der lokalen Kapelle seine besonderen Qualitäten offenbart. Qualitäten, die man mit der gesamten Welt teilen will und muss. Und wenn die Well-Brüder sich einmal was in den Kopf gesetzt haben, kann das auch ein Kreisverkehr nicht mehr verhindern. Zusammen mit Gerhard Polt sind die drei Vollblut-Volksmusik-Multiinstrumentalisten daher nun auf großer Fahrt – und sorgen auch in der Bonner Oper mit ihrer bayerischen Satire für Jubelstürme.

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Florian Schroeder: Alles eine Frage der Wahl

Ständig diese Fragen: Brötchen mit Käse oder doch lieber mit Wurst, Shampoos gegen Schuppen oder für mehr Glanz (und mit oder ohne Koffein), Wasser mit Apfel-, Birne-, Maracuja- oder Guaven-Geschmack, SPD, CDU, Grüne oder Linke. Viel zu viele Optionen! Die überfordern uns! Das behauptet zumindest Florian Schroeder, der mit seinem Programm „Entscheidet Euch“ ins Pantheon gekommen ist und nun fröhlich die soziologischen und psychologischen Motive hinter diesem Chaos zu ergründen versucht. Denn irgendetwas stimmt mit dem menschlichen Wahlverhalten definitiv nicht, wie ein Blick in die USA nur allzu deutlich beweist. Dort haben Emotionen, vor allem Angst und Hass, über den Verstand gesiegt – und das, so zeigt Schroeders zwischen Kabarett und Erklärstück beständig schwankende Präsentation, passiert eigentlich täglich in großen wie kleinen Dingen. Mitunter mit schwerwiegenden Folgen.

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„Der kleine Prinz“: „Bitte zeichne mir ein Schaf“

Wer kennt es nicht, das Kind mit der Sternenkrone und dem unschuldsschwangeren, neugierigen Blick? Jenen kleinen Prinzen, der Verantwortung für einen winzigen Planeten, drei Vulkane und eine Blume trägt, sich ein Schaf zeichnen lässt und neben einem Fuchs die Herzen von Millionen Lesern gezähmt hat? Antoine de Saint-Exupérys wundervolles Kunstmärchen zählt zu den schönsten Plädoyers für ein wenig mehr Leichtigkeit und Menschlichkeit der neueren Literatur – nun hat das Theater Die Pathologie es in einer Mischung aus Schau- und Puppenspiel auf seine kleine Bühne gebracht. Oder es zumindest versucht. Denn dank fehlender Textsicherheit, ständiger unnötiger Rollenwechsel und einer mitunter undurchsichtigen Regie fehlte dem Stück in weiten Teilen ein zentrales Element: Die Zärtlichkeit.

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Tortoise: Soundtrack zum Wahlabend

In gewisser Weise nehmen die Klänge in der Harmonie die Ereignisse der Nacht vorweg. Wummernd sind sie, aufpeitschend, vibrierend, mitunter aggressiv, dann wieder melancholisch – und vor allem voller Überraschungen. Klassische Strukturen greifen hier nicht, die Musik scheint ebenso wie die Welt viel zu sehr aus den Fugen zu sein. Doch während es der Chicagoer Band Tortoise seit inzwischen fast 30 Jahren gelingt, mit ihrer Mischung aus Elektronika, Jazz und Post-Punk den herkömmlichen Rock zu überwinden und mit intelligenten Ansätzen immer wieder neu zu erfinden, folgen die Zerbrochenen Staaten von Amerika in ihrer Ablehnung des Etablierten lieber einem Demagogen, der im Wahlkampf ein ums andere Mal wie ein bockiges Kind auf seine Trommel gehauen und lautstark um Aufmerksamkeit geschrien hat. Und auch wenn Tortoise, vom Wahlausgang noch nichts ahnend, das Thema Trump nur mit einem Satz anschneiden, liefern sie mit ihrem Konzert in Bonn letztlich den passenden Soundtrack zu diesem Polit-Drama.

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Guido Cantz: Ein Vierteljahrhundert der Verblondung

Ach ja, früher! Früher war alles anders. Damals, vor 25 Jahren, als es noch Telefonzellen gab, ein Bierverbot vor dem Kölner Dom überhaupt nicht zur Diskussion stand (weil eh alle lieber in den Kneipen saßen), die Stammtisch-Aggressivität noch nicht in weltweiten Medien ausgelebt wurde und Guido Cantz noch nicht erblondet war. 1991 machte dieser seine ersten Schritte im Kölner Karneval, die ihn in den folgenden Jahren auf alle möglichen Bühnen und bis ins Fernsehen tragen sollten. Nun feiert Cantz sein „Blondiläum“, lässt unter anderem im Haus der Springmaus seine Karriere Revue passieren – und greift dabei seltsamerweise öfter in die Kiste der nostalgischen Erinnerungen als in die mit seinen Höhepunkten.

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Wildes Holz & Zuccini Sistaz: Gemüsikalische Verholzung

Ja, Gemüse darf verholzen. Zumindest musikalisch. Insbesondere dann, wenn es sich bei dem Grünzeug um die zauberhaften Zuccini Sistaz handelt, die sich dem flötenden Charme von Wildes Holz ergeben und die so entstandene tonale Liaison mit einem Doppelkonzert im Haus der Springmaus feiern. Das Triple-Rendezvous zwischen dem jungen Grünzeug und den gediegen gekleideten Naturburschen ist ein Augen- und Ohrenschmaus der besonderen Art, ein öffentliches Umwerben und Umgarnen mit jeder Menge Witz und erstaunlicher Harmonie. Und auch wenn der ein oder andere doch ein wenig zurückstecken muss und das Repertoire nicht ganz so vielfältig ist wie in Einzelauftritten der beiden Trios, sorgt das amouröse Spiel doch für jede Menge Unterhaltung und Begeisterung.

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Alfons: Die Geschichte eines Puschelträgers

„Nummer 5“ ging nicht. Der Name war bereits vergeben. An Chanel, und mit den Anwälten des Parfümriesen legt sich auch jemand wie Alfons nicht an. Also muss der französische Comedy-Reporter, der im Fernsehen immer mit seinem geliebten Puschelmikrofon unterwegs ist, sich einen neuen Titel für sein neues Programm einfallen lassen. Und weil die Ähnlichkeit zwischen ihm und einem Chanel-Model nun einmal offensichtlich ist, so lange man Äußerlichkeiten außer Acht lässt, offenbart der 49-Jährige kurzerhand „Das Geheimnis seiner Schönheit“. Was, wie er im Haus der Springmaus unter Beweis stellt, leider relativ langweilig ist.

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Mathias Tretter & Sven Kemmler: In Whisky veritas

Die gute Nachricht vorweg: Die Schotten mögen uns Deutsche. Zum einen, weil wir keine Engländer sind, zum anderen, weil wir letztere im Zweiten Weltkrieg bombardiert haben. Und wahrscheinlich auch deswegen, weil wir bei Fußball-Welt- und Europameisterschaften gegen die Three Lions nach 1966 regelmäßig die Oberhand behielten. Die daraus resultierende Begeisterung scheint allerdings nicht immer erwidert zu werden, wie jetzt ein Schottenabend im Haus der Springmaus zeigte. Und das, obwohl die Gastgeber Mathias Tretter und Sven Kemmler als leidenschaftliche Kiltträger und Whisky-Connaisseure wirklich alles versuchten, um den Enthusiasmus des Publikums an den mitunter skurrilen Eigenheiten der Highlander zu entfachen. Doch selbst eine Kostprobe dreier Lebenswasser-Destillate brachte nicht den gewünschten Erfolg.

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Das Lumpenpack: Spaß auf Zellulose-Basis

Stimmung! Konfetti! Party on! Wenn Max Kennel und Jonas Meyer auf der Bühne stehen und gute Laune mit einer Leistung von mehreren Gigawatt verbreiten, gehören fliegende bunte Papierfetzen einfach dazu. Spaß auf Zellulose-Basis mit dem Lumpenpack. Das Liedermacher-Duo, das mit seiner lockeren, schlagfertigen und herrlich authentischen Art in diesem Jahr bereits den Publikumspreis des Prix Pantheon gewann, ist derzeit im Aufwind, euphorisiert ein ums andere Mal ihr Publikum – und schaffte dieses Kunststück auch im restlos ausverkauften Haus der Springmaus mühelos.

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The Roomsounds & Kamchatka: Brav und kompromisslos

Endlich mal positiv aufgeladener Rock – so mögen manche bei den ersten Klängen von The Roomsounds gedacht haben. Die Texaner, die den finalen Tag des Crossroads-Festivals in der Harmonie eröffneten, sehen sich selbst als moderne Variante von Tom Petty & The Heartbreakers und treffen damit ziemlich genau ins Schwarze. Der freundliche, klare, strahlende Gesang von Ryan Michael offenbarte eine Pop-Seele im Rock-Gewand und bildete zunächst eine schöne Abwechslung zu den sonst eher raueren Klängen des Vorabends sowie einen interessanten Kontrast zu dem durchaus knackigen Spiel der Band. Doch schnell wurde selbst dieser Stubentiger zahnlos, mäanderte in Richtung Country und mühte sich an einem T-Rex-Cover ab, das zwar hinsichtlich der Instrumentierung wenig zu wünschen übrig ließ, zu der eher braven Stimme aber nicht so ganz passte. Erst gegen Ende nahmen The Roomsounds wieder etwas mehr Fahrt auf. Der große Wurf blieb allerdings aus.

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Monophonics & Simo: Rock mit Seele und Nachdruck

Manchmal lohnt es, sich einfach mal überraschen zu lassen. So wie bei der aktuellen Ausgabe des WDR Crossroads-Festivals: Keine der in diesen vier Tagen auftretenden Bands dürfte im Vorfeld einem größeren Publikum bekannt gewesen sein, keine hat besondere Erwartungen geweckt – und einige haben dafür umso mehr zu begeistern gewusst. Dazu zählten unter anderem die Monophonics sowie Simo, die gemeinsam den Freitagabend bestritten und mit soulig-funkigem beziehungsweise wuchtig-psychedelischem Rock den Besuchern der Harmonie ein ganz besonderes Konzerterlebnis bereiteten.

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Dave Davis: Farbenfrohe Premiere

Es war ein bemerkenswerter Kraftakt: Mehr als 4000 Arbeitsstunden hat das Team des Pantheon zusammen mit freiwilligen Helfern in den vergangenen Wochen in die Halle Beuel investiert, hat geschwitzt, geschraubt, gesägt, gebetet und geflucht, um auf dem ehemaligen Schauspielgelände eine neue Heimat für den großen Kleinkunsttempel zu schaffen. Am vergangenen Donnerstag zeigte sich, dass sich der Aufwand gelohnt hat – bei der Premiere des vierten Programms von Dave Davis, der damit (nachdem der Auftritt von Gerd Dudenhöffer auf den 4. April 2017 verschoben werden musste) als erster Künstler in den umgebauten Räumlichkeiten auftreten durfte, erstrahlten diese in neuem Glanz. Auch wenn noch nicht alles fertiggestellt worden war, ließ sich schon erahnen, welches Potenzial auf der „Schäl Sick“ verborgen liegt. Und welche Herausforderungen.

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Felin & Who killed Bruce Lee: Powerfrau trifft Nahost-Rocker

Ein Besuch des WDR Crossroads-Festivals hat fast immer etwas von einer Entdeckungsreise oder einem Griff in eine Wunderkiste voller Überraschungseier. Ein ums andere Mal laden die Organisatoren des Kult-Formats Bands in die Bonner Harmonie ein, die nur wenigen bekannt sind, aber als überaus vielversprechend gelten. Doch selbst langjährige Crossroads-Gänger waren beim Auftakt der aktuellen Staffel völlig verblüfft – und völlig begeistert. Denn das Doppelkonzert von Felin und Who killed Bruce Lee erwies sich als absoluter Glücksgriff: Ein Feuerwerk phänomenalen Rocks, das nicht zuletzt dank einer charismatischen, heißen Finnin und eines coolen Libanesen bereits jetzt zu den Höhepunkten der Reihe zählen kann.

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Alanus-Absolventen: Schaulaufen für Schauspieler

Ein guter Eindruck zählt. Jetzt alles richtig machen, und mit etwas Glück ist das erste Engagement einen entscheidenden Schritt näher gerückt. Auf der Werkstatt-Bühne des Theater Bonn geht es für sieben Schauspiel-Absolventen der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft um nicht weniger als ihre Zukunft: Mit Liedern, Monologen und kurzen Zweier-Szenen stellen sie sich der Öffentlichkeit und vor allem den Theaterleitern und Agenturen vor, präsentieren sich und ihre Kunst und hoffen, das Interesse von jenen zu wecken, die in Zukunft als Arbeitgeber in Frage kommen. Keine leichte Aufgabe – aber eine, die die Jungschauspieler mit Bravour meistern.

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„Der Spieler“: Die Farben der Sucht

Rot oder Schwarz. Mehr Wahlmöglichkeiten gibt es nicht. Rot oder Schwarz. Es ist so einfach. Wählen, setzen und auf die Kugel hoffen. Gewinnt man, kann man weiterspielen. Verliert man, muss man weiterspielen. So lange, bis man alles verloren hat. Das Geld, die Liebe, das Leben. Diese Sucht, dieses unbändige Verlangen nach Roulette und Karten, kannte Fjodor Dostojewski nur allzu gut, als er den Roman „Der Spieler“ schrieb. Schon das Werk selbst war Teil einer Schuld, war der Wetteinsatz eines Abhängigen und Verzweifelten. Der Schauspieler Hajo Tuschy und der Musiker Jacob Suske haben diesen aufgeladenen Stoff nun in der Werkstatt des Theater Bonn auf die Bühne gebracht – und eine bemerkenswerte Theatererfahrung geschaffen, die trotz mancher Ausflüge ins Grotekse und Überdrehte die Botschaft der Vorlage letztlich überaus eindringlich zu vermitteln versteht.

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Toys2Masters: Zwölf Sieger, sechs Finalisten

Die Luft nach oben ist dünn. Sehr dünn. Ein gutes Zeichen. Es spricht für Toys2Masters, Nordrhein-Westfalens größten und wichtigsten Nachwuchsband-Wettbewerb, dass das Niveau der interessierten Musiker in den vergangenen Jahren einige bemerkenswerte Sprünge nach oben gemacht hat. Doch was nun in den beiden Halbfinals in der Harmonie zu hören war, setzt dieser Entwicklung die Krone auf. Denn in einem ohnehin schon überaus hochwertigen Teilnehmerfeld funkeln einige Diamanten, von denen wirklich Großes erwartet werden kann.

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„Terror“: Opfer fürs Gemeinwohl

„Der Angeklagte wird freigesprochen“, verkündet der Richter (Burkhart Klaußner) am Ende das Urteil im Namen des Volkes. Eines Volkes, das von den heimatlichen Fernsehsesseln aus abgestimmt hat, sich für oder gegen den Freispruch des Kampfpiloten Lars Koch (Florian David Fitz) aussprach, der eigenmächtig und um die Folgen seiner Tat wissend ein Flugzeug mit 164 Passagieren abgeschossen hat, bevor es in ein mit 70.000 Menschen besetztes Stadion krachen konnte. Das kleinere Übel, so seine Argumentation in Ferdinand von Schirachs Stück „Terror“, das gestern Abend in der ARD ausgestrahlt wurde. Doch rechtfertigt das die Tat? Das Volk gibt mit 86,9 Prozent eine klare Antwort – und sagt eine Menge über unser Verhältnis zu unserem eigenen Rechtssystem und unserer Verfassung aus.

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Miller Anderson: Schinkenblues mit Reggae-Rhythmen

Anekdoten und Gitarrensoli – das reicht für einen unterhaltsamen Abend. Zumindest beim Auftritt von Miller Anderson, der mit seiner Band einmal mehr in die Harmonie gekommen ist und sich dort sichtlich wohl fühlt. Der 71-Jährige wirkt gelöst, entspannt, gut drauf. „Call me Mill“, sagt er augenzwinkernd. Na gut. Zumal das allemal besser sei als die Initialen seines vollständigen Vornamens, wie Anderson betont: Henry Alexander Miller, kurz Ham, auf deutsch also Schinken. Ah. Vorsicht, Kalaueralarm. Andererseits erzählt Anderson diese Geschichten zwischen seinen Songs so überaus charmant, dass es eine Freude ist – und ohnehin ist man ja eigentlich aus einem anderen Grund hier. Um Musik zu hören. Guten alten Blues in allerlei Spielarten. Was Anderson und seine Mannen denn auch liefern.

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RebellComedy: Voll integrierter Humor

Das ist Multikulti in Reinform: Junge Türken und Kurden, Iraner und Afghanen, Marokkaner und Spanier, Portugiesen und Deutsche, sie alle sitzen im Brückenforum brav nebeneinander – und lachen gemeinsam. Ein schönes Bild. Bei kaum einem anderen Kleinkunst-Format in Deutschland wird die Vielfalt in der Bundesrepublik so deutlich wie bei der RebellComedy, zu der von Jugendlichen bejubelte Stand-Up-Stars wie Benaissa Lamroubal und Enissa Amani gehören.

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„Othello“: Tragödie zwischen Muffins und Dramatik

Es muss wieder ein anspruchsvoller Klassiker sein. Darunter macht es die Dauertheatersendung nicht. Das studentische Ensemble hat sich nichts geringeres vorgenommen, als ein Meisterwerk der Weltliteratur nach dem nächsten auf die Bühne zu bringen. Im vergangenen Jahr Goethes „Faust“, jetzt Shakespeares „Othello“. Doch das ambitionierte Projekt (Regie: Xenija Zoller) schlingert bei der Premiere in der Brotfabrik trotz mach starker Schauspieler gewaltig – denn ein unausgegorenes Gesamtkonzept, unfreiwillige, mitunter gar peinliche Komik, ein schwaches Lichtdesign und eine noch schwächere musikalische Untermalung ziehen die dreistündige Handlung immer wieder in die Tiefe.

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Andy Sauerwein: Tastenvirtuose mit Seegang

Alles geht viel zu schnell kaputt, in der Regel zwei Tage nach Ablauf der Garantie. Nachhaltig ist das nicht. Wird aber gerne so beworben. Andy Sauerwein kann über derartige Diskrepanzen nur den Kopf schütteln. Der „anerkannte Scherzkeks“, wie sich der Kabarettist selbst bezeichnet, kennt schließlich die Waschmaschine der Oma, die seit 30 Jahren ihren Dienst versieht und die nicht, wie die eigene, nach 25 Monaten eine Umschulung zum Rüttelstampfer macht und Richtung Baugewerbe abdampft.

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WDR Kabarettfest: Punktsieg für den Moderator

Gute Kabarettisten wissen, was sich gehört: Sie treten nie nach unten, sondern schießen nach oben, scheuen trotz der zunehmenden Erdoganisierung des Publikums bei zentralen Positionen keinen Shitstorm und verzichten auf das Ausschlachten von Klischees und Vorurteilen. Tobias Mann hat all dies verstanden. Der 40-Jährige hat in den vergangenen vier Jahren eine unglaubliche Entwicklung vollzogen und gehört längst zur Speerspitze des deutschen politischen Kabaretts. Bei dem von ihm moderierten WDR Kabarettfest, das aufgrund des derzeit noch andauernden Umbaus des neuen Pantheons in der Harmonie stattfand, stellte er dies einmal mehr unter Beweis – und stellte sämtliche Gäste dank seiner charmanten Bissigkeit und eines ungeheuer differenzierten Blicks auf die gesellschaftlichen Diskurse mit Leichtigkeit in den Schatten.

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London Symphony Orchestra: Abschluss mit Jubel und Fragezeichen

Ein fantastischer Klang erfüllt die bis auf den letzten Platz gefüllte Beethovenhalle. Voll, warm und herrlich differenziert ertönt die dritte „Fidelio“-Ouvertüre von Bonns bedeutendstem Sohn, mit dem das London Symphony Orchestra (LSO) unter John Eliot Gardiner das Abschlusskonzert des diesjährigen Beethovenfests eröffnet und einmal mehr beweist, warum es eines der besten Orchester der Welt ist. Dieses geschickte Setzen von Akzenten und vor allem diese Spannung, die selbst in den pianissimo-Passagen in der Luft liegt, sorgen bei dem Werk, das die Handlung des „Fidelio“-Dramas in groben und doch zugleich so eingängigen Zügen umreißt, für einen Genuss sondergleichen.

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Marmalade: Rückkehr in die Beat-Ära

Ein bisschen Nostalgie muss einfach sein. Selbst in einem Jugendzentrum wie St. Cassius. In den 60er und 70er Jahren war die als OT bekannte Institution ein Zentrum für die vom Beat begeisterten Jugendlichen – und einmal im Jahr lässt sie diese Zeit mit legendären Bands wieder aufleben. Die Animals waren schon da, wenn auch ohne Eric Burdon, ebenso The Tremoloes und The Searchers. Und am vergangenen Samstag eben Marmalade. Das OT platzte denn auch aus allen Nähten, als zahlreiche Fans, darunter lokale Größen wie Sixties-United-Frontfrau Bea Tradt und Rolf „Rowi“ Ditz, die Gelegenheit beim Schopfe packten und dicht an dicht den soliden Rock der Kultformation feierten.

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The Temptations Review: Das Erbe von Motown-Legenden

Sie gehören zu den erfolg- und einflussreichsten Formationen der Musikgeschichte, haben sowohl R&B als auch Soul maßgeblich geprägt, sind Ikonen der Motown-Ära: The Temptations können ohne Zweifel als Musiklegenden bezeichnet werden. Mit ihren Choreographien und dem mehrstimmigen Harmoniegesang waren sie in den 60er und 70er Jahren ein frühes, funkiges Äquivalent zu den späteren Boygroups – und diese Mischung kommt auch heute noch an.

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Manu Katché: Jeder Schlag ist anders

Was für ein Drive! Und was für eine Kreativität! Kein essentieller Schlag von Manu Katché gleicht dem vorherigen, keine Muster – abgesehen von den durchlaufenden Grundpatterns – wiederholt sich, und doch passt jeder perfekt in das rhythmische und harmonische Jazz-Gefüge, ist jeder Impuls genau da, wo er hingehört. Kein Zweifel, der legendäre Schlagzeuger, der seit über 30 Jahren zur Band von Peter Gabriel gehört und auch schon Alben von Sting, den Dire Straits, Jan Garbarek und Joe Satriani veredelt hat (alleine diese Namen unterstreichen seine Vielseitigkeit), wird in der Beethovenhalle seinem Ruf als einer der herausragendsten Vertreter seines Instruments durchaus gerecht.

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Moi Et Les Autres: Charmante Chansonmagie

Ein bisschen Swing, ein bisschen französisches Flair, ein Hauch Amelie und eine ordentliche Dosis Zaz: Fertig ist das Erfolgsrezept für Moi Et Les Autres (MELA). Die Chanson-Jazz-Formation um die Les-Brünettes-Sängerin Juliette Brousset versprüht im Haus der Springmaus jede Menge Charme, mäandert mitunter leichtfüßig in Pop und Blues hinein und versucht auf diese Weise jeden Bonnois und jede Bonnoise zu verzaubern. Was auch in gewisser Weise gelingt. Immerhin ist das Programm samt der Songs des dritten Albums „Bio“ ohne Zweifel süß. Allerdings nicht elektrifizierend.

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Tine Thing Helseth: Blech auf Weltreise

Die Konzerte, die im Rahmen des Beethovenfests in der Straßenbahnhalle Dransdorf stattfinden, sind immer etwas Besonderes. Einmal im Jahr wird das „Spa für Züge“ zur Bühne für international renommierte Künstler (zuletzt vorzugsweise aus dem skandinavischen Raum), die ihrer Musik einen einzigartigen Touch verleihen und dabei mit großer Lockerheit zu Werke gehen. Pekka Kuuisto, Rajaton, Tora Augestad – und jetzt die Trompeterin Tine Thing Helseth samt ihres Bechbläser-Ensembles tenThing, die sogleich zu einer musikalischen Welt- und Zeitreise ansetzte, Norwegen, Argentinien, Deutschland und die USA miteinander verband, Trolltänze auf ein Oratorium für eine Königin treffen ließ und ein Cowboy-Ballett auf einen sentimentalen russischen Walzer. Doch was wie ein wildes Durcheinander erschien, funktionierte erstaunlich gut und zeigte zugleich die Wandelbarkeit der allgemein eher hart tönenden Instrumente.

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