„Das Sherlock Musical“: Meisterdetektiv als Randnotiz

Eigentlich ist er eine Legende: Weltweit gilt Sherlock Holmes als der größte Detektiv der Kriminalliteratur, als Musterbeispiel für den Sieg des Verstandes über das Gefühl und als Großmeister der Logik. Kein Geheimnis war vor ihm sicher, kein Rätsel für ihn zu schwer und kein Komplott zu komplex. Er war alles, nur niemals Mittelmaß. Bis heute. Ausgerechnet „Das Sherlock Musical“ von Alan Wilkinson und Steve Nobles reduziert das Genie zu einer herumstolpernden Randfigur, die höchstens noch ein Schatten ihrer selbst ist. Im Pantheon hat die Produktion des Urania-Theaters um Bettina Montazem nun ihren ersten Auswärtstermin absolviert, nachdem sie im Kölner Stammhaus seit November fast durchgehend ausverkauft war. Warum auch immer. Denn trotz einiger durchaus hörenswerter Songs und einer stimmlich zum Teil sehr starken Cast fehlt dem Musical schlichtweg die Seele und der Geist. Und das rächt sich.

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Sebastian Lehmann: Anrufe des Chaos

Egal, wie alt man auch ist, für die eigenen Eltern bleibt man doch immer ihr Kind. Und zwar eines, das ohne die guten Ratschläge von Mama und Papa kaum überlebensfähig ist. „Fahr vorsichtig“, „zieh dir was Warmes an“ oder auch „ich würde da ja Schinken reinschneiden“ – so etwas muss man auch erst mal gesagt bekommen, selbst wenn man bereits 37 ist und sich als Autor in Berlin durchschlägt. Vielleicht gerade deshalb. Auf jeden Fall kann sich Sebastian Lehmann nicht über mangelnde parentale Aufmerksamkeit beschweren. Im Pantheon liest der erfolgreiche Poetry Slammer und Schriftsteller daher aus den gesammelten Telefonaten mit seinen Eltern vor, an denen er verzweifelt und die doch so ungeheuer unterhaltsam sind, dass das Publikum aus dem Lachen kaum herauskommt.

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