Ensemble Sanstierce: Zwischen Flirt und Weltschmerz

In gewisser Weise ist ein Konzert fast immer auch eine Zeitreise. Mal geht es nur ein paar Tage oder Wochen zurück, dann wieder zum ersten Kuss, in die Kindheit oder aber in Epochen, in denen man noch nicht geboren war. Doch sowohl hinsichtlich der zu überbrückenden Jahrhunderte als mit Blick auf die Einblicke in eine andere Kultur war der Auftritt des Ensemble Sanstierce in der gut gefüllten Brotfabrik am vergangenen Mittwoch etwas ganz besonderes: Die Sängerin oder besser Trobairitz Maria Jonas, der Kniegeigenvirtuose Bassem Hawar sowie der Flötist und Lautenspieler Dominik Schneider führten das Publikum in die mittelalterliche Welt auf der iberischen Halbinsel.

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Extrabreit: Partyhits und Fliegerlieder

Natürlich brannte am Ende die Hütte. Und die Schule. Wenn Extrabreit auf der Bühne stehen, geht es kaum anders. Die Punk-'n'-Roll-Band, die Anfang der 80er Jahre von der Neuen Deutschen Welle getragen mit Hits wie „Flieger, grüß mir die Sonne“ berühmt wurde, hat bis heute nichts verlernt und versteht es immer noch, dem Publikum mit krachendem Rocksound ordentlich einzuheizen. In der Harmonie haben es die Phantastischen Fünf am Ostersamstag dementsprechend krachen lassen und sich dabei vor allem der Klassiker bedient. Also jener Titel, die Extrabreit schon damals, auf ihrem Debütalbum, als „Ihre größten Erfolge“ bezeichneten. Ironie des Schicksals.

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„Also sprach Friedrich Nietzsche“: Abrechnung mit Gott und der Welt

Das Datum ist schon provokant gewählt: Ausgerechnet an Karfreitag, am Tag der Trauer über den Tod Jesu am Kreuz, hat die Volxbühne im Kohlenkeller unter dem Südbahnhof mit einem stark gekürzten, 60-minütigen szenischen Vortrag aus Friedrich Nietzsches „Der Antichrist“ eine radikale Abrechnung mit dem Christentum auf die Bühne gebracht, in der das Opfer des Gottessohns zur größten Lüge der Menschheitsgeschichte stilisiert wird.

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René Marik: Scheitern kann so schön sein

Er ist wieder ze hage. Also zu Hause. Auf der Bühne. Live und in Farbe. Der liebenswerte, sprachgestörte, immer wieder an der Welt und an der Liebe verzweifelnde „Maulwurfn“ feiert im ausverkauften Beueler Brückenforum zur Freude des Publikums sein Comeback, ebenso wie sein Herr und Meister René Marik, der nach vier Jahren Ruhepause nicht länger stillsitzen konnte und einmal mehr zu seinem Puppenkoffer griff. Dass der 45-Jährige nun mit einem Best-of-Plus-Programm durch die Republik tourt, in dem nur ein Teil der Szenen neu sind, ist den Fans dabei herzlich egal, zumal die herrlich absurden Szenen mit Maulwurfn, Eisbär Kalle und dem blasierten Kermit-Verschnitt Herr Günther Falkenhorst nichts von ihrem Witz verloren haben.

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Matthias Reuter: Der singende Satzsammler

Die digitalen Eingeboren sind schon ein seltsames Völkchen. Immer das Handy am Ohr, stets gesprächs- aber selten kommunikationsbereit und vor allem nicht in der Lage, sich mal in Ruhe der Kontemplation hinzugeben. Dies will Matthias Reuter in seinem neuen Programm "Auswärts denken mit Getränken" ändern. Zumindet für sich selbst. Denn auf der Bühne gibt es für den 39-jährigen Musikkabarettisten am wenigsten Ablenkung. Da ist er Mensch, da darf er sein – so lange er nur nebenher mit seinen Liedern unterhält.

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Rainald Grebe: Wahnsinn hoch sieben

Ursprünglich sollte es ja ein neues Solo werden. Hat nicht geklappt. Zu viel um die Ohren, zu wenig Ruhe für eine frische Dosis gut durchdachten Nonsens. Also setzt Rainald Grebe bei seinem Besuch in der ausverkauften Bonner Oper auf seinen großen Koffer, in dem er das Beste oder auch Obskurste der letzten sieben Programme verstaut hat, also all die dadaistischen, melancholischen, bizarren, herrlichen Wahnsinnslieder über Carrerabahnen, Multitasking, Rauchfreiheit und den Tester Bernd, der selbst der Schöpfung seinen Stempel aufdrückt. „Mangelhaft“ steht drauf. So ein Quatsch. Immerhin gibt es Musik. Und Träumer wie Rainald Grebe, die mit ihrem ganz besonderen Blick auf die Welt andere zu faszinieren verstehen. Das ist doch auch was wert.

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Hans Liberg: Das ist alles nur geklaut

Ach ja, die großen Komponisten: Bach, Beethoven, Mozart. Alles Diebe. Geklaut haben sie, schamlos kreative Tonfolgen adaptiert – und jetzt haben wir den Salat. Eine kleine Figur zu Beginn eines Stücks, und schon meint jeder, einen Titel nennen zu können. Mit derartigen Missverständnissen und verkorksten Hörgewohnheiten will Hans Liberg nun aufräumen, auch wenn das leichter gesagt als getan ist. „Sie hören immer etwas anderes als ich spiele“, beklagt der holländische Musikclown bei seinem Auftritt in der Bonner Oper, während er auf dem Flügel fröhlich alle möglichen Melodien anspielt und doch bei ganz anderen landet. Er findet Brahms in „Evita“, Mozart in „Jesus Christ Superstar“ und Chopin in „Cheek to Cheek“, verknüpft Mendelsohns Hochzeitsmarsch mit „Fernando's Hideaway“ oder auch mal Samba mit Walzer. „Das geht gut, wenn man will“, sagt er dazu. Und er will halt.

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Michl Müller: Rolltreppe abwärts

Von politischen Statements zu Zwiebelkuchen-Dünnpfiff in 60 Minuten: Einen derartigen Verfall des kabarettistischen Niveaus schaffen nur wenige. Michl Müller gehört dazu. Der Franke, der am vergangenen Sonntag das Brückenforum gerade mal zu einem Drittel füllte, rutscht in seinem Programm "Ausfahrt freihalten" eben dahin, wo der Applaus am lautesten ist. Aussagen? Werden überbewertet. Unterhalten will er, der "Dreggsagg", der seit 2015 sogar bei der ARD eine eigene Sendung hat.

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Crossroads: Voodoo-Trance trifft bärenstarken Blues

Ein Songwriter mit Musik zum Zurücklehnen, ein frisch preisgekrönter Blues-Gigant, ein wiedererwachtes Power-Metal-Trio und eine ordentliche Dosis Voodoo-Trance: Es ist schon etwas her, dass das WDR Crossroads-Festival zuletzt eine derart außergewöhnliche Bandbreite präsentieren konnte. Und ein derart hohes Niveau. Die letzten beiden Doppelkonzerte der aktuellen Staffel ließen am Freitag und Samstag in der Harmonie aus der Überraschung heraus Begeisterung entstehen und standen so Pate für den Grundgedanken der Reihe. Besser hätten die Organisatoren es kaum planen können.

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Wucan + The Vintage Caravan: Hammerharte Kräuter

Jetzt gibt’s was auf die Ohren: Der zweite Tag des WDR Crossroads-Festivals in der Harmonie ist nichts für zarte Gemüter, sondern vielmehr ein Fest für jene, die ihr langes Haupthaar gerne mal zu komplexen Kompositionen auf und ab fliegen lassen. Die Dresdner Band Wucan und das isländische Trio The Vintage Caravan lassen es so richtig krachen, hämmern sich genüsslich durch die Musikgeschichte von Jethro Tull über Kraut- und Bluesrock bis hin zu klassischem Heavy Metal und legen dabei großen Wert auf Vielschichtigkeit. Was mitunter genauso sehr Problem wie Lösung ist.

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The Deaf + Fischer-Z: Weder taub noch tot

Diese Lebenszeichen stoßen mit Sicherheit nicht auf taube Ohren: Beim Auftakt-Doppelkonzert des ersten WDR Crossroads-Festivals in diesem Jahr hat sich New-Wave-Legende Fischer-Z eindrucksvoll zurückgemeldet. Doch während die Band um Mastermind John Watts vor allem für ihre Vergangenheit gefeiert wird, ist die Zukunft fest in der Hand von The Deaf, die mit krachend-punkigem Garagenrock und einer Live-Show der Extraklasse keine Wünsche offen lässt. Außer dem nach noch mehr Party. So trifft Explosivität auf Abgeklärtheit, Spielfreude auf Textqualität. Das Publikum zeigt sich dementsprechend begeistert, feiert den Alten Hasen ebenso wie die Jungen Wilden und bestätigt so einmal mehr das erfolgreiche Crossroads-Konzept.

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Chris Tall: Ein Hohelied auf Mama

Mama Tall ist einfach die Beste! Ihre Nutellabrote sind für ihren Sohn Chris eine Art kulinarischer Heiliger Gral, und das gelegentliche Nachtreten auf den am Boden Liegenden geschieht schließlich auch nur aus Liebe. Nein, auf seine Mutter lässt Chris Tall, der vor allem mit politisch unkorrekten Witzen bei TV Total und in diversen RTL-Formaten bekannt wurde, nichts kommen. Na gut, fast nichts. Die ein oder andere Spitze kann er sich bei seinem Auftritt im ausverkauften Pantheon doch nicht verkneifen, während er in seinem neuen Programm „Selfie von Mutti“ mit seiner Familie, seinen Schauspiel-Ambitionen, Minderheiten und seinem eigenen Körperumfang abrechnet. Typische Comedy-Kost eben. Aber äußerst unterhaltsam präsentiert.

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Serdar Somuncu: Die Katharsis des Hassismus

Durch Hass zum besseren Menschen werden: Dieses Paradoxon predigt Serdar Somuncu schon seit einigen Jahren. Es zeugt eben von Toleranz, wenn man alle Menschen gleichermaßen verabscheut und beschimpft. Dafür – noch ein Widerspruch – lieben ihn seine Anhänger. In der Beethovenhalle hat der selbsternannte Hassias nun das letzte Kapitel seiner Glaubenslehre eröffnet, mit der er unter dem Titel „H2 Universe - Die Machtergreifung“ noch ein letztes Mal den unemotionalen Massen bekehren und ihnen mit seinem aggressiven, hassianischen Habitus und seinen tiefgehenden Analysen einen Weg zur Transzendenz weisen will. Wenn das Publikum ihm denn folgt. Was aber wie so oft nicht immer der Fall ist.

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Ole Lehmann: Nicht mit Tuntigkeit geizen

Autsch. Das war jetzt wieder ein Spruch unter der Gütellinie. "Böse Tunte, böse Tunte", schimpft Ole Lehmann sich selbst. Wenn es sonst schon keiner macht, aus Angst vor der ominösen political correctness, muss eben er ran und ein paar Zoten bringen, um das Niveau zumindest ansatzweise in Richtung des Scripted-Reality-Wahnsinns in gewissen privaten Sendeanstalten zu bringen, über den er sich gerade aufregt. Was ihm allerdings zum Glück misslingt. Dafür ist der homosexuelle Comedian, der im Haus der Springmaus sein Solo "Geiz ist ungeil - So muss Leben" präsentiert, einfach zu nett. Und zu unterhaltsam.

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Fanfare Ciocărlia: Blechlerchen im fünften Gang

Tanzen ist in der Philharmonie Köln nicht ganz so einfach: Auf den Gängen verhindern Mitarbeiter des Hauses rigoros ein derartig enthusiastisches Treiben, und in den Stuhlreihen ist der Platz nun einmal beschränkt. Andererseits geht die Musik der Fanfare Ciocărlia (den Namen könnte man mit "Lerchenband" übersetzen) einfach ohne Umwege in die Beine – jeder Ton der Roma-Band, die als eine der Urquellen des beliebten Balkan Beats gilt und die anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens und ihrer 2015 zusammen mit dem kanadischen Gitarristen Adrian Raso aufgenommenen CD "Devil's Tale" in die Domstadt gekommen ist, fördert unweigerlich den Bewegungsdrang. Es bleibt also nur das frenetische Mitwippen, zu dem sich wirklich jeder Besucher hinreißen lässt. Zumindest sofern man nicht, wie einige Fans es vormachten, zwischen den Stühlen zu tanzen versteht.

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Joe Bonamassa: Dionysischer Musik-Orgasmus

Es ist eine orgiastische Eruption von Blues- und Rock-Fontänen, hemmungslos und laut. Ein ekstatisches Spiel, das zwar weder filigran noch feinfühlig, nichts desto trotz aber äußerst virtuos genannt werden kann. Saitenmeister Joe Bonamassa, derzeit einer der populärsten Vertreter seines Fachs, hält sich eben nicht zurück – auch nicht in der Beethovenhalle, in der er sich an gleich zwei aufeinanderfolgenden Tagen erfolgreich austoben und insgesamt mehr als 3000 Besucher beglücken kann. Der 38-Jährige, dem B.B. King schon als Jugendlicher eine große Karriere vorhersagte, will es so richtig krachen lassen, schnell und hart, mit voll aufgedrehten Boxen und ohne Rücksicht auf Verluste. Soli ohne Ende.

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Paddy goes to Holyhead: Die Lieder der Whiskey-Männer

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Paddy goes to Holyhead zuletzt in der Harmonie zu Gast waren. Warum auch immer. Immer wieder haben Fans der Band nach einem weiteren Konzert gefragt, haben Frontmann Paddy Schmidt geschrieben und gebettelt – und das am Ende mit Erfolg. Am Freitag erklangen endlich erneut traditionelle und moderne Irish-Folk-Songs im Endenicher Kult-Konzertsaal und verwandelten diesen für zweieinhalb Stunden zumindest musikalisch in einen waschechten Dubliner Pub.

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Sailing Conductors: Die Klänge der Welt ersegelt

Blauäugig war es schon, was der in Sankt Augustin aufgewachsene Benjamin Schaschek und sein Freund und Studienkollege Hannes Koch im Jahr 2011 aus einer spontanen Wahnsinnsidee heraus begannen: Weil ersterer in Australien gestrandet war und kein Geld für den Rückflug nach Deutschland hatte, wollte er mit zusammen mit Koch kurzerhand nach Hause segeln. Ohne See-Erfahrung, ohne Boot, einfach nur so zum Spaß.Daraus entstand ein viereinhalb Jahre dauerndes Abenteuer mit jeder Menge musikalischer Entdeckungen. Im Pantheon haben die beiden Globetrotter und ausgebildeten Tontechniker nun aus dem Nähkästchen geplaudert.

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Local Ambassadors + Soom T: Vielfarbig und atemberaubend

Die Harmonie hat sich in eine Diskothek verwandelt. Arme wippen im Takt, Körper wiegen sich hin und her, ein Chor aus Stimmen singt lauthals Zeilen, die eine zierliche junge Frau in bester Reggae-Manier vorgibt. Eine Schottin mit indischen Wurzeln, die ein deutsches Publikum mit jamaikanischen Rhythmen in Party-Stimmung versetzt. Gute Musik schert sich eben nicht um Nationalitäten oder Grenzen – und genau das will das „Over the Border“-Weltmusikfestival, das in diesem Jahr zum ersten Mal in Bonn stattfindet, ja schließlich zeigen. Mit Soom T hat Organisator Manuel Banha somit einen von insgesamt zwei Volltreffern des Eröffnungsabends gelandet. Der andere erwies sich in Form der Local Ambassadors (eine gesanglich aufgestockte Variante der in der Region hinlänglich bekannten Formation „Sax and the City“) als nicht minder brillant,  ließ die Band doch ebenfalls von der ersten Sekunde an Stimmung aufkommen. Was also will man mehr?

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Fehlfarben: Mehr grau als bunt

Was ist nur mit den Fehlfarben los? Die einstige Speerspitze der deutschen New-Wave- und Punk-Bewegung, für ihren professionell-ruppigen Sound und ihre sozialkritischen Texte Anfang der 80er Jahre zutiefst verehrt, scheint derzeit ein wenig neben der Spur zu sein. Das neue Album "Über Menschen"zeigt sich zwar musikalisch abwechslungsreich, wenn auch lyrisch ohne originelle, sarkastische Bilder – doch vor allem live scheint die Luft raus zu sein. In der Harmonie, in der die Band um Obertrotzkopf Peter Hein einen Einblick in die Gegenwart sowie die letzten 36 Jahre gewährt, geben sich die Fehlfarben auf jeden Fall überraschend kurzatmig und musikalisch in weiten Teilen eintönig. Mehr grau als bunt, weder Fisch noch Fleisch. Bis die Zugaben kommen.

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„Shoot / Get Treasure / Repeat“: Im Namen guter Menschen

Freiheit? Von wegen. Krieg bringt keine Freiheit. Nur Angst. Leid. Terror. Und wieder Angst, die schnell in Paranoia und Hass umschlägt. Die Welt greift an, und die Menschheit antwortet mit Gewalt und Abschottung. Der britische Regisseur Mark Ravenhill hat sich diesem Themenkomplex in 17 Minidramen angenähert, die schließlich unter dem Titel „Shoot / Get Treasure / Repeat“ zusammengefasst wurden. Nun hat der Abschlussjahrgang 2016 der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft diese Sinfonie der Schrecken unter der Regie von Michael Funke in der Brotfabrik auf die Bühne gebracht. Eine intensive Theatererfahrung, bei der dem Publikum mehr als einmal der berüchtigte Kloß im kollektiven Halse stecken bleibt.

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Tony Mono: Schuld ist nur die App

Nichts läuft so, wie es soll. Der Raketenrucksack, mit dem Starproduzent Tony Mono eigentlich einfliegen wollte, scheitert an den dicken Bunkerwänden des Pantheons, der Whirlpool an der überfüllten Bühne und die App, die zu einer modernen interaktiven Show offenbar dazugehört, an unlösbaren Wlan-Problemen. Also muss es zugehen wie bei den Pionieren. Mit Papier und Stift. Und Improvisation. Letzteres lässt den 1Live-Moderator mit dem aufgeblasenen Ego eines Kanye West, hinter dem sich der Musiker Peter Saurbier verbirgt, allerdings längst nicht so sehr stolpern wie der Zwang zum steinzeitlich Analogen.

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Matthias Deutschmann: Kabarettistische Sonate

Die Welt ist aus den Fugen. Klar: „So, wie wir sie uns zurechtgelogen haben, funktioniert sie nicht mehr“, sagt Matthias Deutschmann im Pantheon. Und hat Recht. Eine Illusion nach der anderen zerplatzt – das vereinte Europa, der stabile Kapitalismus einer sozialen Marktwirtschaft, selbst die Unangreifbarkeit der Kanzlerin fallen in sich zusammen wie auf Sand gebaute Kartenhäuser. Auch wenn es keiner wahrhaben will. Bis auf Deutschmann, den selbst ernannten Hofnarren der Aufklärung, der dank dieser Position in seinem neuen Programm „Wie sagen wir's dem Volk?“ Wahrheiten aussprechen kann, die ansonsten von der Diskurs-Polizei unterdrückt würden. Oder einfach von der Sehnsucht des Volks nach Augenwischerei und Verblendung. Das Leben ist eben viel einfacher, wenn die Realität nur die zweite Geige spielt.

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Ennio Morricone: Maestro des Westerns

Als die ersten Mundharmonika-Töne erklingen, bricht der gesamte Saal in Jubel aus. Darauf haben sie gewartet, hier in der ausverkauften Lanxess Arena – alles andere war für die Menge lediglich ein Vorspiel. Mit diesem jaulend-klagenden Klang, dem legendären Thema aus „Spiel mir das Lied vom Tod“, hat der italienische Komponist Ennio Morricone 1968 das Fundament für eine Karriere gelegt, dank derer er inzwischen auf Werke in über 500 Filmen zurückblicken kann. Nun ist der Maestro, der erst im vergangenen Jahr die Musik für Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ geschrieben und damit gute Chancen auf den schon lange ausstehenden Oscar hat, für sein einziges Deutschland-Konzert nach Köln gekommen, natürlich mit besagter Mundharmonika-Melodie. Doch die ist nur eines der Highlights an diesem besonderen Abend.

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Simon & Jan: Stark entschleunigter Rock 'n' Roll

Ach Mensch, was machst du nur? Verkaufst Seele und Kunst zugunsten des Kommerzes, rennst im Höchsttempo auf die Apokalypse zu und amüsierst dich dabei genüsslich über Karnickelkotze-Videos im Internet. Irgendetwas läuft hier schief. Kein Wunder also, dass Simon & Jan mehr als nur ein Hauch Melancholie umweht – gut, in erster Linie den leicht depressiven Jan, der gerne mal den Weltschmerz-Blues anstimmt, während sein Kollege recht unbekümmert an seiner Gitarre zupft. Irgendwer muss ja die Contenance bewahren.

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„Schuld und Sühne“: Verbrechen ohne Leidenschaft

Laus oder nicht Laus, das ist hier die Frage. Oder: Treten oder zertreten werden. Ungeziefer darf schadlos vernichtet werden, zum Wohle der wirklich großen, bedeutsamen Menschen. Diese Ideologie führt der bitterarme ehemalige Jura-Student Rodion Romanowitsch Raskolnikow als Rechtfertigung für seinen Mord an einer alten Pfandleiherin und ihrer Schwester an – eine Tat, die im Mittelpunkt von Fjodor Dostojewskis berühmtem Roman „Schuld und Sühne“ steht. Nun hat das Kleine Theater Bad Godesberg beschlossen, diesen Fall zu verhandeln. Ein mutiges Unterfangen. Aber eines, das trotz eines immer stärker werdenden Hauptdarstellers nur bedingt gelingt.

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Blues Caravan: Frauenpower im Dreierpack

Drei exzellente Konzerte zum Preis von einem. Jedes anders, jedes gut. Und jedes mit einem ganz besonderen Gefühl versehen, einem speziellen Verhältnis zur Musik, das über einen reinen Genre-Begriff hinausgeht: Die Blues Caravan, die in der Harmonie Station macht und ebenso gut die Attribute „Soul“ und „Rock“ im Namen tragen könnte, sorgt mit ihrer diesjährigen Besetzung einmal mehr für Begeisterung. Wieder einmal sind drei starke Frauen mit von der Partie, diesmal zwar ohne Gitarren, aber mit umso mehr Stimmkraft. „Girls with Mics“ statt „Girls with Guitars“. Und auch wenn ein gegenseitiges Einlassen auf die jeweils anderen ein wenig zu kurz kommt, zeigen Tasha Taylor, Ina Forsman und Layla Zoe zumindest, dass man sich um die Zukunft des Blues im weitesten Sinne keine Sorgen machen muss.

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Politischer Aschermittwoch: Inhalt und Name im Widerspruch

14 Prozent der 15-jährigen Schüler haben 2012 extrem schwache Leistungen beim Lesen gezeigt – das besagt eine Randnotiz einer neuen Auswertung der Pisa-Studie durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Nach dem so genannten „politischen Aschermittwoch“ im Pantheon stellt sich die Frage, ob Kabarettisten nicht mitunter vergleichbare Probleme haben. Oder ob sie einfach nur gewisse Worte konsequent ausblenden. Denn von einer Abrechnung mit der Politik, die sich schon im Namen der Veranstaltung findet, war so gut wie nichts zu sehen. Mal wieder.

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Hagen Rether: Schluss mit der Verwunderung

Eine Frage bestimmt den Abend: Warum? Warum sind die Menschen offensichtlich angesichts ihrer eigenen maroden Gesellschaftsordnung in eine Art kollektive Verblendung und Verblödung verfallen? Warum denken wir nicht mal nach, bevor wir die Fehler der Vergangenheit wiederholen? Warum, warum, warum. Hagen Rether kann da nur mit dem Kopf schütteln, obwohl er doch eigentlich selbst immer wieder betont, dass wir es besser wissen müssten und uns nicht mehr wundern sollten. Aber er kann einfach nicht anders. Im Rahmen der Reihe „Quatsch keine Oper“ ist der scharfsinnige Kabarettist mit dem Pferdeschwanz nun in Bonn zu Besuch – und ist dabei präziser denn je. Wenn auch so ausführlich wie üblich.

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„Flüchtlingsgespräche“: Im Wartesaal zur Menschlichkeit

Ohne Pass kommt man nicht besonders weit. Als Flüchtling schon gar nicht. Der Mensch ist zweitrangig, die Papiere zählen. Ordnung muss schließlich herrschen, Humanität sich unterordnen. Schon Bertolt Brecht hat dies erkannt. Seine „Flüchtlingsgespräche“, die Ende der 30er Jahre entstanden und 1961 posthum veröffentlicht wurden, sind heutzutage in vielen Teilen aktueller denn je. Das Euro Theater Central hat diesen nicht ganz einfachen Text nun auf die Bühne gebracht – und mit einer skurrilen Mischung aus Slapstick und Didaktik eine bemerkenswerte Inszenierung geschaffen, die Brechts epischem Theater ebenso gerecht wird wie Samuel Becketts absurdem.

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Bernhard Hoëcker: Klugscheißer mit Bildungsauftrag

Daumen hoch – alles super. Oder der Versuch zu trampen. Aber eigentlich ganz harmlos. Allerdings längst nicht überall. In vielen Mittelmeerländern, im Nahen Osten und in Teilen von Afrika gelte diese Geste als obszöne Beleidigung, erklärt Bernhard Hoëcker im Haus der Springmaus. Der Entertainer und leidenschaftliche Klugscheißer nimmt sich in seinem aktuellen Programm „So liegen sie richtig falsch“ verschiedener Kommunikationsprobleme und anderer Missverständnisse an. Ein netter Versuch. Doch leider fehlt es immer wieder an einem konstanten intellektuellen Niveau, einem roten Faden – und mitunter auch an guten, starken Pointen.

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„In der Strafkolonie“: Psychoterror mit und nach Kafka

Eine überdimensionale, in ihrer Grausamkeit kaum noch zu übertreffende Tötungsmaschine in einem Gefangenenlager unter der Kontrolle eines Offiziers, der dieser Perversion von Gerechtigkeit und Menschlichkeit uneingeschränkt ergeben ist: Würde das Entstehungsjahr dem nicht entgegenstehen, könnte man Kafkas Erzählung "In der Strafkolonie" durchaus als Anspielung auf den Holocaust verstehen. Die Volxbühne, die den 1919 veröffentlichten und fünf Jahre zuvor geschriebenen Text nun unter dem "Südbahnhof" im Kohlenkeller in Szene setzt, greift diese unbeabsichtigte Parallele auf – und verleiht der ohnehin schon bedrückenden Vorlage eine neue Dimension des Schreckens.

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Mrs. Greenbird: Kitschig-schöner Liebesreigen

Süß. So lässt sich das am ehesten beschreiben. Süß. Oder bezaubernd. Beides passt zu dem verträumt klingenden Folk des Kölner Duos Mrs. Greenbird, das jetzt erstmals in der Harmonie zu Gast war und den Saal ganz ohne Band-Unterstützung bis zum Anschlag füllte. Böse Zungen könnten auch von Kitsch sprechen und würden damit noch nicht einmal so falsch liegen angesichts mancher Verbundenheits-Phrasen ("You and I are a universe") und der "Oh"-Mitsingchöre – aber was bei anderen Künstlern schnell wirkt wie ein halbes Kilo rosa Zuckerguss auf Marzipankuchen, also artifiziell und überzogen, erhält bei Sarah Nücken und Steffen Brückner eine herrliche Fluffigkeit, von der man einfach nicht genug bekommen kann.

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„Das Leben geht über 15 Runden“: Kämpfer gegen alle Widrigkeiten

Nur nicht aufgeben. Nicht unten bleiben. Immer weitermachen. Durchziehen. Kämpfen. Für sich selbst, gegen alle Widrigkeiten. Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann hat genau dies getan: Der deutsche Boxer avancierte in den späten 20er und frühen 30er Jahren zum Publikumsliebling, der mit seinem tänzelnden, schnellen Stil zahlreiche Siege einfuhr und auch den Deutschen Meistertitel errang, der ihm jedoch nur wenige Tage später wieder aberkannt wurde. Denn Trollmann war Sinto, und einen „Zigeuner“ konnten und wollten die Nazis nicht als Champion akzeptieren. Nun hat Regisseur Stefan Herrmann die Biographie des Faustkämpfers nach dem Stück „Trollmanns Kampf“ von Björn Bicker auf die Bühne der Brotfabrik gebracht – und dem Schicksal des Verfolgten das von vier 16 bis 20 Jahre alten Flüchtlingen gegenübergestellt.

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Stefan Keim: Eine Frau für den Schmunzelmeister

Ist er es, oder ist er es nicht? Irgendetwas irritiert, schwer zu definieren aber dennoch den Unterschied zwischen Original und Double ausmachend. Nicht der Sprachwitz, keineswegs: Die besondere Liebe für Doppeldeutigkeiten, Meinungsverschiebungen und humoristische Verse, die das gesamte Werk Heinz Erhardts prägen, hat Stefan Keim vollkommen verinnerlicht, wie er in seinem Programm „Ritter, Reime und Romanzen“ im Contra Kreis Theater zeigt. Die Texte sitzen, die Stimme auch. Mit geschlossenen Augen möchte man mitunter glauben, der „Schmunzelmeister“ selbst stünde im Raum und lächele verschmitzt ins Publikum. Bis wieder dieses schwer zu beschreibende Gefühl, das irgendwas nicht so ganz passt, die Illusion zerbricht.

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„Fanal“: Der Wahnsinn im Kohlenkeller

Beklemmung ist das vorherrschende Gefühl. Nicht nur wegen der räumlichen Enge, auch wegen der emotionalen. Dicht an dicht mit einer Wahnsinnigen. Einer ideologischen Brandstifterin. Einer Mörderin. Dieses Funkeln in den Augen, die mal gleißend hell angestrahlt werden und dann wieder in fast vollständiger Dunkelheit zu versinken, nur erhellt von dem trüben Schein einer Laterne, lässt schaudern, ebenso wie das manische Lachen. Irre. Intensiv. Und eine bemerkenswerte Theatererfahrung.

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„Bilder von uns“: Verdrängung durch einen Jedermann

Darüber sprechen, ohne es auszusprechen, alles nur andeuten, ja nicht jenes Tabu-Wort in den Mund nehmen. Missbrauch. So etwas sagt man nicht. Nein, Missbrauch hat es nie gegeben auf dieser Schule, die in Thomas Melles am vergangenen Donnerstag in der Werkstatt des Theater Bonn uraufgeführten Stück „Bilder von uns“ namenlos bleibt und die doch klar auf das Aloisiuskolleg Bad Godesberg verweist. Missbrauch kann man das doch nicht nennen, wenn ein Geistlicher jahrelang Nacktfotos seiner Schutzbefohlenen angefertigt hat – denn sonst wäre man als ehemaliger Schüler ja potenzielles Opfer, nicht mehr souveräner Macher.

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Rigmor Gustafsson: Emotionale Nachhaltigkeit zum Schluss

Technisch gibt es an diesem Abend nichts, aber auch gar nichts auszusetzen: Die schwedische Jazz-Sängerin Rigmor Gustafsson und ihre drei Begleiter Daniel Karlsson (Piano), Martin Höper (Bass) und Chris Montgomery (Drums), die in der Harmonie das aktuelle Album "When You Make Me Smile" vorstellen, sind ohne Zweifel virtuose Musiker, die in allen möglichen Stilen zu Hause sind und blitzartig zwischen Bebop und Bossa Nova zu wechseln verstehen. Es könnte also so schön sein.

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Mundstuhl: Druckbefreite Aggressionen

Logik? Wird überschätzt. Die Wirkung ist es, die zählt. 50 Jahre Mundstuhl klingt nun einmal besser als 20 Jahre. Zumal sich die beiden Brachial-Komiker Lars Niedereichholz und Ande Werner schon seit 25 Jahren kennen, mal zwei, dann stimmt das Ergebnis. Mathe kann so hilfreich sein. Doch egal wie man es dreht und wendet, es ist eben Zeit für eine Jubiläums-Tournee, die das Frankfurter Duo unter dem Titel „Mütze-Glatze. Simply the Pest“ auch ins ausverkaufte Haus der Springmaus geführt hat. Dort feiern die unverbesserlichen Chaoten nun mit all ihren Alter Egos – und jeder Menge „Söftdrinks“.

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Duel: Familienplanung mit Cello

Ein Cello zwischen zwei Männern – das kann schon mal zu Problemen führen. Zu Eifersüchteleien, wenn sich das kokette Instrument nur für den grummeligen Brummbär interessiert und dem flirtenden Pianisten den Rücken zudreht. Zu Chaos, wenn es den Aufbau eines Liegestuhls zu einer herkulischen Aufgabe wachsen lässt. Oder gar zu Mord, wenn die lignivoren Regungen des einen auch den Appetit des anderen weckt. Das französische Musikkabarett-Duo Duel, das am vergangenen Sonntag im Haus der Springmaus um das saitenbespannte Schätzchen buhlte, ließ nichts davon aus – und sorgte weitgehend ohne Worte für einen umwerfenden Abend.

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Ulrich Tukur: Swing-Abend mit Fliege

Auch ein Gentleman sehnt sich mitunter nach ein kleinem bisschen Anarchie. Ein Funken Wahnsinn statt der sonst erwarteten Gediegenheit, Klamauk an unerwarteter Stelle – und schon wird ein ohnehin schon heiterer Abend zu einem schreiend komischen Vergnügen der besonderen Art. Let's misbehave! Getreu dieses Mottos haben jetzt Ulrich Tukur und seine Rhythmus Boys Kalle Mews (Schlagzeug), Ulrich Mayer (Gitarre) und Günter Märtens (Kontrabass) in der Bonner Oper sowohl dem Trommel- als auch dem Zwerchfell ein paar Streicheleinheiten verpasst. In ihrem neuen Programm widmete sich das Quartett erstmals in ihrer 20-jährigen Bühnenkarriere den englischen Swing- und Musical-Hits von Cole Porter, George Gershwin und Irving Berlin, übersetzte die Klassiker in wundervoll leichte Arrangements und rief doch immer wieder gerne auch die hohe Kunst des Nonsens auf den Plan.

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Hamburg Blues Band: Nachwuchs trifft Rock-Queen

Exzellente Gitarristen sind schon immer eines der Markenzeichen der Hamburg Blues Band gewesen: Alex Conti, Clem Clempson und Miller Anderson haben bereits neben Sänger und Frontmann Gert Lange in die Saiten gehauen und das Publikum mit rockig-bluesigen Soli verzückt. Jetzt steht mit Krissy Matthews ein neuer, ganz junger Künstler an deren Stelle – und sorgt für eine Frischzellenkur, die dem Quartett sehr gut bekommt. In der Harmonie zündet der 23-Jährige in den zerrissenen Jeans ein krachendes Klang-Feuerwerk mit mitunter fast schon ungestüm-rotzigem, aber immer auch souveränem Charakter, der hervorragend zu dem rauen Sound der Nordlichter passt.

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PinkPunkPantheon: Kulturflucht in den nahen Nahen Osten

Die Ängste sind groß: Wie wird es da jenseits der Grenze sein? Heißer als in der bald völlig in Trümmern liegenden Heimat? Oder kälter? Wird man sich da verstehen – und wird man als Pantheonike von den Beueler Wilden überhaupt akzeptiert? Diese Fragen treiben Fritz Litzmann (Rainer Pause), den Alterspräsidenten der FKK Rhenania, und seinen Präsidiumskollegen Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) derzeit beim legendären Pink Punk Pantheon um. Doch es hilft alles nichts, bald müssen sie rüber machen in den Nahen Osten, auf die andere Rheinseite, in die Terra Incognita.

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„Krach im Hause Gott“: Familienzwist zu Armageddon

Gott hat genug. Überall herrscht Gewalt, Mord und Totschlag. Das Experiment mit dem eigenen Sohn, der eine Botschaft des Friedens und der Barmherzigkeit brachte und der für die Sünden der Menschen gestorben ist: Gescheitert. Also Schluss mit lustig. Und aus mit der Schöpfung. Wenn die Verteidigung beim Jüngsten Gericht keine guten Gegenargumente anbringen kann, steht Armageddon auf dem Programm. Ausgerechnet Satan und Jesus sollen das verhindern und ihren Vater davon überzeugen, die Schöpfung noch ein bisschen länger bestehen zu lassen. Damit ist „Krach im Hause Gott“ vorprogrammiert. Dieses Stück, eine absurd-komische Mysterienspiel-Parodie des österreichischen Dramatikers Felix Mitterer, hat nun das Euro Theater Central in Szene gesetzt – und einige inhaltliche Schwächen mit Hilfe zweier herausragender Schauspieler ausgebügelt.

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Schlachtplatte: Jahresabrechnung mit Seegang

Eine Seefahrt, die ist lustig. Egal, was andere sagen. Man muss es nur richtig machen: All Inclusive statt mit Paddelbooten, dann kommt man auch gut übers Mittelmeer. Und wer dann noch die gepfefferten Kommentare der Schlachtplatten-Mannschaft überhört, mag sich vielleicht sogar im Paradies wähnen. Doch Robert Griess, Jens Neutag, Onkel Fisch und Maria Grund-Scholer wissen es besser. In ihrer etablierten Jahresendabrechnung wollen sie mit der Wohlfühlgesellschaft aufräumen, deren Gesellschafter Griechenland- und Flüchtlingskrise nur danach beurteilen, welche Folgen sie für einen selbst hat. Im Bonner Pantheon gelingt ihnen dies in ihren besten, schwärzesten Momenten sogar nachhaltig. Vor allem in der zweiten Hälfte.

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Chris Barber: Altmeister begeistert trotz Stuhlchaos

85 und kein bisschen leise: Das Wort „Ruhestand“ scheint im Wortschatz von Chris Barber schlichtweg nicht zu existieren. Wozu auch? Dafür brennt der legendäre Posaunist und Bandleader viel zu sehr für den Jazz und kann von der Bühne einfach nicht genug kriegen. In der Stadthalle Bad Godesberg hat er nun das gewohnte klassische Programm präsentiert, für das er bis heute steht: Traditioneller New-Orleans-Jazz, Skiffles und Ragtimes, viel von Duke Ellington und sogar ein Standard von Miles Davis („All Blues“). Mit seiner exzellenten, nur manchmal etwas zu brav spielenden Big Chris Barber Band sorgte der Brite mit der Nuschelstimme bei dem doch eher älteren Publikum für Stimmung.

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Matthias Brandt & Jens Thomas: Meister des Kopfkinos

Die Bedrohung kommt von oben. Der Himmel ist schwarz voller Vögel, die sich satt fressen wollen an den Menschen. Dieses Horror-Szenario hat schon Alfred Hitchcock 1963 eindrucksvoll in Bilder übersetzt – nun zeigt Matthias Brandt mit einer thematisch ähnlichen Lesung, dass es auch ohne das Medium Film geht. Kopfkino reicht. Alles, was der Schauspieler, der im Rahmen von Quatsch keine Oper nach Bonn gekommen ist, dafür braucht, ist seine fantastische, hypnotische Stimme. Und den Musiker und Klangkünstler Jens Thomas, der an seiner Seite eine bedrohliche Atmosphäre schafft, der zwischen flirrend und krachend, zischend und singend changiert und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Spannung spürbar werden lässt.

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