Hagen Rether: Alles nur Kindergarten

Antworten? Hat er keine. Meinungen, ja, die gibt es, ebenso wie Thesen und Behauptungen, Klagen und Kritik, aber Antworten? Oder gar Erklärungen? Das ist einfach zu viel verlangt. Damit kann ein einzelner Mensch nicht dienen, selbst wenn er Hagen Rether heißt und seit 20 Jahren mehr oder weniger immer das selbe predigt. So wie einst Volker Pispers ist der 54-Jährige ein Rufer in der Wüste und ein Don Quixote des Kabaretts, gefangen im ewigen Kampf gegen die Ungerechtigkeit und den Wahnsinn in der Welt. Das ist aller Ehren wert, auch wenn er die Dinge manchmal zu einfach scheinen lässt, wenn er sich gerade wieder über ein gesellschaftliches Problem echauffiert und mit einem Lösungsansatz daherkommt, der gut klingt, aber nicht immer gut ist. So wie jetzt auch in der Bonner Oper, wo Rether auf Einladung von Rita Baus („Quatsch keine Oper“) regelmäßig zu Gast ist.

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Lisa Eckhart: Zügellose Lichtgestalt

„Hier kommt die Sonne“: Bescheidenheit gehört wahrlich nicht zu Lisa Eckharts Stärken. Beziehungsweise zu denen ihrer Kunstfigur, die die 31-Jährige sowohl vor als auch größtenteils hinter der Bühne wie eine Rüstung trägt. Jetzt kommt auch noch eine Krone hinzu. Immerhin hat Eckhart mit einer Truppe aus dem Erzgebirge Berlin eingenommen und sich zur Kaiserin von Ostdeutschland und Österreich gekrönt. Nun regiert „Stasi die Erste“ also mit harter Hand – und mit vergleichsweise weichem Witz. Denn trotz der majestätischen Ausgangslage ist das aktuelle (und dem Vernehmen nach möglicherweise letzte) Programm der Kabarettistin weit weniger provokant als die vorhergehenden. Zwar hat sie Sprach- und Denk-Tabus noch immer noch im Visier, doch gibt sie sich inzwischen versöhnlicher. Braver. Kurzweiliger. Und gewöhnlicher. In Bonn hat sie nun an gleich zwei aufeinander folgenden Abenden im Rahmen von „Quatsch keine Oper“ die Herrschaft über den Boeselagerhof übernommen.

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James Arthur: Spontanes Duett mit Kölner Fan

Das muss man sich erst einmal trauen: „I want to sing ‚Just Us‘ with you“, steht auf einem Plakat, das ein junger Mann beim Konzert des britischen Alternative-Pop-Rock-Stars James Arthur im Palladium in die Höhe hält. Dieser Wunsch nach einem Duett ist ambitioniert und würde von nahezu jedem anderen Künstler konsequent ignoriert werden, weil das Risiko eines Reinfalls letztlich zu groß erscheint und gerade diese Nummer vom aktuellen Album „Bitter Sweet Love“ noch kein Selbstläufer ist. Doch James Arthur ist nicht so wie die anderen, zumindest in dieser Hinsicht nicht. Er beweist Mut, holt den besagten Mann auf die Bühne – und trifft damit die richtige Entscheidung. Beide harmonieren hervorragend miteinander, haben das selbe leichte Vibrato in der Stimme und die selbe Bühnenpersönlichkeit, die bei den Fans bestens ankommt. Diese hat Arthur durch die Aktion noch enger an sich gebunden als ohnehin schon, nur weil er einem der ihren eine Chance gegeben und dadurch einen der Höhepunkte des Abends geschaffen hat. Alle gewinnen, keiner verliert. Perfekt.

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„Nora oder Das Puppenhaus“: Komische Vögel

Die Familie geht über alles. Alles andere hat Nora, die Hauptfigur von Henrik Ibsens gleichnamigem Drama (im norwegischen Original „Et dukkehjem“, übersetzt „Das Puppenhaus“), diesem Diktat untergeordnet. Ihre gesamte Existenz dreht sich um ihre Kinder und um ihren Mann Torvald, für den sie vor Jahren sogar die Unterschrift ihres Vaters auf einem Schuldschein gefälscht hat, um von dem windigen Anwalt Krogstad Geld für eine lebensnotwendige Erholungsreise nach Italien zu erhalten. Doch zu Beginn der Handlung droht dieses Geheimnis durch einen Erpressungsversuch Krogstads aufzufliegen. Gleichzeitig beginnt Nora, sich nach persönlicher Freiheit zu sehnen, will ausbrechen aus den Zwängen und Konventionen einer konservativen, patriarchalisch geprägten Gesellschaft, in der sie nicht mehr als ein Vogel mit gestutzten Flügeln ist. Eine volatile Kombination, die Ibsens Stück zu einem Klassiker und die Rolle der Nora Helmer zu einer der begehrtesten Frauenrollen im Theater macht. Nun hat sich die junge Regisseurin Charlotte Sprenger im Theater Bonn des Stoffes angenommen – und ihn im Schauspielhaus in eine peinliche Farce verwandelt, die weder dem Thema noch dem Text auch nur ansatzweise gerecht wird.

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30 Jahre Ruf Records: Geburtstag in Blau

Ein einzelnes Geburtstagsständchen reicht einfach nicht: Das deutsche Blues-Label Ruf Records, das innerhalb der internationalen Szene großen Respekt genießt und schon zahlreiche Künstlerinnen und Künstler aufgebaut hat, feiert derzeit sein 30. Jubiläum einfach mit einer ganzen Tour. Diese ersetzt die sonst übliche Blues Caravan, ist vom Konzept her aber mit dieser identisch, bringt also Veteranen, zukünftige Stars und absolute Newcomer zusammen und lässt sie einfach rocken. Klappt immer. Mit Bernard Allison, Ally Venable und Katie Henry sind diesmal zwar nur Wiederholungstäter mit von der Partie, doch das stört echte Blues-Fans nicht. Ganz im Gegenteil. So ist auch die Bonner Harmonie, die seit Jahren sowohl der Blues Caravan als auch Ruf Records verbunden ist, gut gefüllt und genießt ein Triple-Konzert, das sich hören und sehen lassen kann.

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Michael Mittermeier: Nachdenklich wie nie zuvor

Eigentlich gibt es dieses Programm ja gar nicht. „#13“. Die Unglückszahl. Mit der sollte man nichts riskieren. Nicht ohne Grund gibt es in amerikanischen Hotels keinen 13. Stock, bei der Deutschen Bahn keinen Wagon mit dieser Nummer und in Flugzeugen der Lufthansa keine 13. Reihe. Selbst in der Juristerei hat sich dieser Aberglaube gehalten: Auf einen 13. Band des Sozialgesetzbuches (SGB) hat der damals zuständige Arbeitsminister Hubertus Heil bei der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs über Opferentschädigung explizit verzichtet. Nur Michael Mittermeier scheint mit dieser Zahlenangst nichts am Hut zu haben. Schon 2019 hatte der Comedian an einem so betitelten dreizehnten Programm gearbeitet – doch dann machte ihm die „lange Nacht“, wie er die Covid-19-Pandemie bezeichnet, einen dicken Strich durch die Rechnung. Er musste umplanen, stellte eine Show fürs Autokino zusammen, später dann eine mit Corona im Mittelpunkt. Damit waren Nummer 13 und Nummer 14 abgearbeitet. Jetzt aber, mit Programm Nummer 15, hat er „#13“ reaktiviert und es im Rahmen von „Quatsch keine Oper“ auch in Bonn vorgestellt.

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Schlachtplatte: Barbieland ist abgebrannt

Alles schön, alles gut, alles rosa? Mitnichten. So einfach kann man sich die Welt nicht schönzeichnen, insbesondere wenn die Schlachtplatte in der Nähe ist und mit ihrer gnadenlosen Jahresendabrechnung all den Barbies und Kens die rosaroten Brillen von den Nasen reißt. Schnell wird dann klar, dass 2023 längst nicht alles so toll war wie manche glauben, die sonst nur zu bereitwillig die Augen vor der Welt verschließen. In Deutschland fängt die Liste an Verfehlungen und ungelösten Problemen schon bei Buchstabe B an: Bauern, Bundeswehr und die Bahn stecken in Krisen, ebenso wie die Bundesregierung in all ihrer rot-gelb-grünen Farbpracht. Und es kommen noch ein paar Buchstaben, ganz zu schweigen von den Bedrohungen auf der internationalen Bühne. All das will das Schlachtplatten-Ensemble um den Kabarettisten Robert Griess aufarbeiten und mit gewetzten Messern zerlegen – nur beißt es mehr ab, als es schlucken kann.

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Gregor Gysi: Ein Ritter in tiefroter Rüstung

Wenn es nach Hans-Dieter Schütt geht, ist Gregor Gysi eine Lichtgestalt. Er, „einer der glaubwürdigsten Politiker Deutschlands“, habe demnach eigenhändig zuerst die Menschen in der ehemaligen DDR und dann die heutige Linke gerettet, indem er sich zum Anwalt der Massen gemacht hat, zum stolzen Ritter in tiefroter Rüstung. Nun war Gysi – mit Schütt als Stichwortgeber – ins Bonner Pantheon gekommen um über sich und sein Werk zu sprechen, über sein politisches Erbe und über die volatile Situation in Deutschland und der ganzen Welt. Was durchaus spannend war. Zumindest mit ein bisschen Distanz.

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Markus Maria Profitlich: Ein Freund knackiger Gags

Mangelndes Selbstbewusstsein kann man Markus Maria Profitlich wahrlich nicht unterstellen: Der Comedian, der sich auch mal als „lebende Legende“ ankündigen lässt, steht zu all seinen Pointen. Auch zu den schlechten. Oder den albernen. Oder den peinlichen. Hauptsache, sie sind kurz und knackig, dann fühlt sich Profitlich wohl. Im Haus der Springmaus hat der 63-Jährige nun auf sein Lebenswerk zurückgeblickt, das immerhin fast 40 Jahre im Scheinwerferlicht umfasst und einige denkwürdige Fernseh-Formate umfasst. Das muss man nutzen. Und so hat Profitlich einige seiner Lieblingsnummern aufpoliert, seine Frau und langjährige Bühnenpartnerin Ingrid Einfeldt reaktiviert und die eigene Biographie zur Basis seines Programms gemacht, mit dem er eigentlich sein 35. Jubiläum feiern wollte, was ihm wegen Corona weitgehend verwehrt blieb. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben – und so zeigt Profitlich nun auch im güt gefüllten Haus der Springmaus, was (und wer) alles in ihm steckt.

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Diego Piñera Quartett: Fest im Sitz, frei im Spiel

Das geht ja schon gut los: Bereits während des ersten Stücks des Diego Piñera Quartetts, das die Dottendorfer Jazznächte 2024 eröffnet, streikt der Hocker des Frontmanns und Drummers und behindert ihn in seiner Bewegungsfreiheit. Verflixt. Andererseits, gehört hat man davon nichts, dafür war der Opener „Home Office“ viel zu sehr in polyrhythmischen, harmonisch komplexen Welten unterwegs, in denen ohnehin alles erlaubt zu sein scheint. Und auch für den Rest des umjubelten Konzerts bleibt die Blockade Piñeras letztlich eine Fußnote. So leicht lässt sich der Träger des Deutschen Jazz Preises 2023 schließlich nicht aus dem Konzept bringen. Immerhin ist normalerweise er es, der mit seiner Vorliebe für schräge Taktarten traditionelle Hörgewohnheiten durcheinanderbringt – und davon lässt sich Piñera auch von einem störrischen Hocker nicht abhalten.

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Tommy Jaud: Bekenntnisse eines Punktoholikers

Es ist eine ungewöhnliche Konstellation: Tommy Jaud, Autor der beiden erfolgreich verfilmten Romane „Vollidiot“ und „Resturlaub“, ist in der eher für Blues und Rock bekannten Harmonie nun wirklich keiner der üblichen Verdächtigen. Das könnte sich nach dem vergangenen Donnerstag aber  ändern, zumindest wenn Andrang und Applaus als Maßstäbe angelegt werden. Der Saal war nahezu ausverkauft, Jaud, gut drauf und die von ihm ausgewählten Kurzgeschichten, geboren aus dem Irrsinn des Alltags, kamen hervorragend an. Zu Recht, waren die skurrilen Abrechnungen des bekennenden Punktoholikers mit Payback-Karten, natürlicher Dummheit und dem Miele-Vogel doch ebenso spritzig wie prägnant, gut strukturiert und mit einem feinen Gespür für die richtigen Pointen zur richtigen Zeit. Von den vermeintlichen Schwächen der Romane, die einige Kritiker bemängelten, gab es an diesem Abend auf jeden Fall keine Spur.

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Pink Punk Pantheon: Närrischer Marathon

Fachkräftemangel und Taubendreck, Ukraine-Krieg und der Angriff Israels auf den Gazastreifen, Steckenpferd-Spiele und Klimakleber: An Ideen hat es dem Ensemble des Pink Pink Pantheon bei den Vorbereitungen auf die 41. Ausgabe der legendären alternativen Karnevalssitzung offensichtlich nicht gemangelt. Ganz im Gegenteil quoll die Inspiration dermaßen über, dass es bei der Premiere am vergangenen Samstag für viereinhalb unterhaltsame Stunden reichte. Vor restlos ausverkauftem Haus spielte sich die Truppe des (fiktiven) 1. FKKVB Rhenania um die beiden ewigen Vereinsvorstände Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) die Seele aus dem Leib, kommentierte, karikierte und besang jedes Thema, das ihnen unter die Finger kam und bereitete dem Publikum einen abwechslungsreichen, aber auch sehr langen Abend.

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„Meer Malente“: Liebeserklärung an Wind und Wellen

Ein bisschen Meer muss sein. Das Schreien der Möwen, das Tosen der Wellen, dazu eine steife Brise, wie jeder Norddeutsche zu den Windstärken 6 bis 8 sagt, und schon ist der Tag perfekt. Zumindest gilt das für die Familie Malente, die in ihrem Spiegelzelt in Bonn-Beuel ihr wohl maritimstes und zugleich recht persönliches Programm „Meer Malente“ reaktiviert haben und der See sowie ihrer Herzensstadt Hamburg eine Hommage widmen, die vom deutschen Schlager bis hin zu deutschem Hip Hop alles in sich vereint. In dieser wilden Nummernrevue, gespickt mit zahlreichen Anekdoten und dem ein oder anderen klassischen Witz, blicken Knut und Dirk Vanmarcke zurück auf ihre Zeit in der Hansestadt – und auf ihre Dienstreisen mit einigen großen und kleinen Kreuzfahrtschiffen.

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LaLeLu: Vokal-Rock mit Glühwürmchenschuhen

Halleluja, jetzt wird’s wild: So in etwa lässt sich die Botschaft von LaLeLu zu Beginn ihres Konzerts im Haus der Springmaus zusammenfassen. Das a-cappella-Quartett, das diesmal ausnahmsweise außerhalb der Weihnachtszeit nach Bonn kommt und sich mit „Alles richtig gemahct“ einmal quer durch die Musiklandschaft singt. Kabarettistische Liedchen, Performances und Moderationen treffen auf mitunter brillante Arrangements, gesellschaftskritische Positionen und starke Stimmen, die nach anfänglichen Schwächen durchaus zu überzeugen wissen. Zumindest wenn die Sterne günstig stehen.

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