Doro: Blut, Schweiß und Rock 'n' Roll

Die Haare fliegen, die Hände beben, die Bässe wummern: Wenn die Königin des Metal Hof hält und ihre Power-Hymnen erschallen lässt, wird es laut. Niemand geringeres als Doro Pesch ist an diesem Abend ins Bonner Brückenforum gekommen, um ihre 35-jährige Regentschaft über die harten Takte zu feiern und ihre Fans einmal mehr zu einer Gemeinschaft zusammenzuschweißen, die mehr umfasst als nur die üblichen Kuttenträger. Dafür ist die 55-Jährige einfach zu lange im Geschäft. An Energie mangelt es ihr deswegen aber noch lange nicht. Ganz im Gegenteil: Ob sie nun auf Wacken vor 80.000 Menschen spielt oder im gut gefüllten Brückenforum mit seinen gut 1000 Besuchern, Doro gibt für ihre Fans alles. Echter Metal, sagt sie lachend, besteht nun einmal aus Blut, Schweiß und jeder Menge Rock 'n' Roll. Und wenn man ersteres opfern muss, um letzteres spielen zu können, dann ist das ein guter Tausch.

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Max Mutzke & SWR Big Band: Freunde in Schwarz

Für eine Überraschung ist Max Mutzke immer gut. Seit der charmante Sänger vor mehr als drei Jahren im Rahmen von „Quatsch keine Oper“ erstmals einen beliebigen Gast einladen durfte und sich für niemand geringeren als Thomas Quasthoff entschied, ist dem Publikum bewusst, dass ein Besuch in der regelmäßig stattfindenden Show des 38-Jährigen garantiert spannend und in der Regel ein musikalischer Hochgenuss wird. Doch selbst nach dem unerwarteten Besuch von Stefan Raab bei der letzten Ausgabe von „Max Mutzke & Friends“ war niemand auf den vergangenen Freitag vorbereitet. Nicht ein, nicht zwei, nicht drei, nicht vier Freunde waren an diesem Abend nach Bonn gekommen – sondern 20. Neben den „Suggahdaddies“ Fontaine Burnett und Johannes Papilaja hatte Mutzke nämlich kurzerhand die SWR Big Band in die Bundesstadt geholt und es mit dieser phänomenalen Besetzung so richtig krachen lassen.

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„Cyrano“: Die Poesie der Nase

Briefe über Briefe fliegen durch den Kuppelsaal im obersten Stock der Thalia-Buchhandlung, rote, blaue, gelbe, eine Flut von geschriebenen Worten voller Poesie und Gefühl. Ein Liebesbeweis nach dem nächsten gelangt auf diesem Wege zu Roxanne, die angesichts der romantischen Botschaften und zärtlichen Andeutungen dahinschmilzt. Die Worte sind es, die sie rühren – und doch ist es die Optik, die sie wählt. Denn Schönling Christian, dem sie ihr Herz geschenkt hat, könnte diese Zeilen beim besten Willen nicht verfassen. Das gelingt nur ihrem Cousin Cyrano de Bergerac, dessen Feder so flink ist wie seine Klinge, dessen Zunge so spitz und dessen Herz so groß ist wie seine Nase. Weil er sich seines Zinkens schämt, hilft er Christian bei der Eroberung von Roxanne, auch wenn seine Liebe dadurch unerwidert bleibt. Ein tragischer Stoff. Und zugleich ein unglaublich komischer, wie das Euro Theater Central nun mit der Inszenierung von Laura Tetzlaff eindrucksvoll unter Beweis stellt.

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Kantorei & Kammerorchester Röttgen: Weg zur Vollendung

Die Thomaskirche in Röttgen ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Alle Stühle und Bänke sind besetzt, die Zwischenwände offen, und auch im Altarraum ist jedes Fleckchen belegt. Immerhin sind mit der Kantorei und dem Jugendchor jener Gemeinde, der Jesus-Christus-Kantorei Witterschlick und dem Erweiterten Kammerorchester Röttgen gut 120 Musiker an diesem Volkstrauertag zusammengekommen, um eine Messe der besonderen Art zu zelebrieren, eine, die den vollendeten Klang eines unvollendeten Lebens preist und den ewigen Frieden beschwört. Ein berührendes Anliegen, das bei der Gemeinde Eindruck hinterlässt.

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„Methodisch Inkorrekt“: Im Dienste der Wissenschaft

Mit Esoterik können Reinhard Remfort und Nicolas Wöhrl nichts anfangen. Alles nur Geschwurbel, alles nur Quatsch, und im schlimmsten Fall glauben die Leute auch noch lieber daran anstatt an die fundierte Wissenschaft – vor allem dann, wenn „alternative Fakten“ ins Spiel kommen. Die beiden promovierten Physiker haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, dagegen vorzugehen und Aufklärung zu betreiben. Seit mehr als sechs Jahren pflegt das Duo seinen überaus erfolgreichen Podcast „Methodisch Inkorrekt“, seit 2018 ist es auch mit einer Live-Show unterwegs. Im ausverkauften Pantheon zeigen die beiden selbsternannten „Rockstars der Wissenschaft“ nun, was hinter intelligentem Wasser steckt, offenbaren die Geheimnisse der Quantenheilung und demonstrieren die Kraft des Vakuums. Ein lehrreicher Abend – wenn auch mit kleinen Schwächen.

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Wolf Maahn: Vom Billionär zum Visionär

Die Welt ist aus dem Gleichgewicht. Überall globale Krisen und soziale Probleme, die es zu lösen gilt – doch diejenigen, die helfen könnten, scheffeln lieber weiter Geld. Unfair, findet Wolf Maahn und singt mit seinem kommenden Album „Break Out Of Babylon“ dagegen an. In der Harmonie hat der Singer-Songwriter nun den Auftakt zur aktuellen Tour gefeiert und erstmals einige der neuen Songs der Öffentlichkeit präsentiert.

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„Oh Alpenglühn“: Wahnsinn in den Bergen

Einfach mal ausspannen. Raus aus dem ganzen Wahnsinn, aus dem Alltag, aus den Zwängen der modernen Welt mit Manager, Presse und Gatten. Ein bisschen Wellness, mehr will die Musical-Diva Charlotte (Charlotte Heinke) gar nicht. Stattdessen der Horror: Was ihr als kleines, aber feines Fünf-Sterne-Hotel verkauft wurde, ist in Wirklichkeit eine einsame Almhütte, in der Jungbauer Leopold (Benjamin Sommerfeld) das Zimmer seiner verstorbenen Mutter vermietet. Geht ja gar nicht. Oder doch? Immerhin scheint der bayrische Bub trotz einer rauen Schale ein charmanter Kerl zu sein. Doch hinter der Idylle lauert das Grauen – und hinter dem vermeintlichen musikalischen Lustspiel „Oh Alpenglühn“, das derzeit in Malentes Theaterpalast zu sehen ist, der schier bodenlose Abgrund des Trashs.

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Basta: Hüpfdohlen und Goldkehlchen

Manche Ratschläge sind schlichtweg unbezahlbar. „Es hilft nichts, auf der Wage den Bauch einzuziehen“ gehört nicht dazu. Dennoch johlt das Publikum im Pantheon, bejubelt die gesungenen Weisheiten von Basta, die in gewohnter a-cappella-Manier ein bisschen Farbe in das Leben der Menschen bringen wollen und dabei selbst vor albernen Plattitüden nicht zurückschrecken. Die Reaktionen sprechen schließlich für sich. Dabei können die Fünf, die bis heute zu den erfolgreichsten Formationen ihres Genres zählen, sehr viel mehr – und in den besten Momenten ihres neuen Programms zeigen sie eine zum Teil inhaltliche, vor allem aber durchgehend musikalische Reife, die ihm überaus gut zu Gesicht steht.

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Malina Moye: Ohrenbetäubend, aber gut

Es ist laut. Sehr laut. Zu laut. Die Bässe wummern, das Schlagzeug schmettert, beides viel zu übersteuert für die doch recht überschaubare Harmonie. Der Klang türmt sich immer wieder zu hohen Wellen auf, die das Publikum bedrohen und alles andere unter sich begraben – inklusive der Sängerin und Gitarristin Malina Moye, die eigentlich der Star des Abends sein sollte und stattdessen darum kämpfen muss, akustisch zur Geltung zu kommen. Ausgerechnet sie, die im vergangenen Jahr die US-Billboard-Bluescharts stürmte von Kennern zu den aufregendsten Gitarristinnen der Bluesrock-Welt gezählt wird, kann sich nur mit Mühe behaupten. Schade. Denn immer dann, wenn sie nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören ist, erweist sie sich als vielseitiges Energiebündel, die auch in einem Stadion für Begeisterung sorgen könnte.

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Masha Bijlsma Quartet: Charmante Scat-Dame

Ein paar ungewöhnliche und zugleich schöne Standards, ein wendiger Pianist und eine souveräne Sängerin: Der Auftritt des Masha Bijlsma Quartetts hat am vergangenen Montag vor allem Liebhaber von ebenso elegantem wie entspanntem Bar-Jazz angesprochen, die auch mal abseits der swingenden Evergreens auf Entdeckungsreihe gehen wollen. Die Niederländerin mit der emblematischen Kappe und der Leidenschaft für Scat-Gesang hat sich dabei im Rahmen der Reihe Jazz in Concert mit Martin Sasse zusammengetan, dessen federleichtes Spiel immer wieder ein Genuss ist und auch an diesem Abend einige Gäste in die Lounge des Beueler Kleinkunsttempels gelockt hat. Eine reizvolle Kombination, die ergänzt durch den Bassisten Martin Gjakonovski und den Schlagzeuger Dries Bijlsma die Balance zwischen Traditionsbewusstsein und modernem Anstrich geschickt zu wahren verstand.

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Starbugs Comedy: Teletubbies mit Fön-Frisuren

Worte werden überbewertet. Playback reicht schließlich auch. Zumindest für Starbugs Comedy. Das Trio aus der Schweiz muss keine großen Reden schwingen, damit das Publikum im Pantheon vor Lachen auf dem Boden liegt – gezielt gesetzte Sound-Effekte und eine Unmenge an Song-Zitaten reichen völlig aus. Selbst wenn es um die Vorstellung von Fabian Berger, Wassilis Reigel und Martin Burtscher geht, die mit ihrem zweiten Programm „Jump“ derzeit die Hallen füllen, bedarf es keiner ausführlichen Biographie, sondern nur dreier Worte. „Hello! It's me“. Damit wäre zu den großartigen Clowns eigentlich alles gesagt.

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„Kollegen“: Gut geröhrt ist halb gewonnen

Die Platzhirsche sind auf dem Vormarsch. „Ich bin der Chef“, röhren sie durch das Büro-Biotop und sind mit ihrem Dominanzgebaren der natürliche Feind der Kollegialität. Andererseits hat die ohnehin ihre Tücken, ist sie doch Brutstätte von Lästerei und Nörgelei, von gestörten Verhältnissen und ebensolchen Gestalten. Kurzum die perfekte Grundlage für Andreas Etienne, Michael Müller und Cosima Seitz, die beim dritten „Kollegen“-Programm im Haus der Springmaus einmal mehr die Niederungen der Arbeitswelt aufzeigen, in allerlei gnadenlos überdrehten Sketchen dem Chaos huldigen und die Schonzeit für beendet erklären.

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„Song Trang“: Gemeinschaft im Fluss

Das Dorfleben ist die Seele der vietnamesischen Kultur. Die idealisierte Idylle zwischen dem lebensspendenden Fluss und dem auf- und abnehmenden Mond ist so tief in der Bevölkerung des südostasiatischen Staates verwurzelt, dass selbst das quirlige, pulsierende Leben einer Metropole wie Hanoi nur oberflächliche Veränderungen in den Menschen bewirkt. Der viel beschworene Kontrast zwischen Stadt und Land? Ist eigentlich nicht vorhanden. Und so hat sich Regisseur Knut Gminder bei der Produktion der GOP-Varietéshow „Sông Trăng“ ganz bewusst dagegen entschieden, das ursprüngliche Konzept zu verfolgen und den Artisten der vietnamesischen Zirkus-Förderation eine Dualität aufzuerlegen, die sie gar nicht zu spüren scheinen. Stattdessen hat er sie einfach machen lassen und auf diese Weise einen faszinierenden Abend voller Ästhetik und Poesie geschaffen, der ganz anders ist als die üblichen GOP-Programme. Und gerade deshalb so bezaubernd.

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Blues Family: Zwölftakter im Blut

Blues ist dicker als Wasser. Mit nur zwölf Takten kann er Menschen verbinden, kann sie berühren und begeistern und ihnen im besten Fall eine Familie bieten, die sich über die Musik definiert. So haben auch Big Daddy Wilson, Abi Wallenstein, Kai Strauss und Dave Goodman zusammengefunden, vier Ausnahmekünstler, die jetzt in der Harmonie ein gemeinsames Konzert gegeben und dabei alle Spielarten des Blues bedacht haben. Ein bisschen Rock, ein bisschen Soul und ganz viel Gefühl, hervorgebracht von einem Quartett aus Virtuosen, die sich hervorragend ergänzen. Was will man mehr?

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Simon & Jan: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ach Mensch! Da kommen Simon und Jan schon mit einem optimistischen Programmtitel daher, und dann kommen doch nur wieder melancholisch-kritische Lieder dabei heraus. „Alles wird gut“, verspricht das kabarettistische Liedermacher-Duo mit traurigem Blick. Irgendwann. Vielleicht. Wenn die Menschen ihre systematische Verelendung realisieren und aufhören, die Fehler von früher auf einmal wieder für gute Ideen zu halten. Kurzum dann, wenn Hirn vom Himmel regnet und all die rechtsgerichteten Wähler merken, dass das Ignorieren von Fakten und das Folgen von braunen Idioten in Deutschland bereits hinreichend ausprobiert worden ist. Nun, man wird ja noch träumen dürfen.

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KaMa Quartett + Jin Jim: Transzendenz der Flöte

An Jin Jim führt derzeit im Jazz kaum ein Weg vorbei. Das Quartett um den Querflötisten Daniel Manrique-Smith absolviert einen Auftritt nach dem nächsten und übertreibt es mit der Omnipräsenz fast ein wenig. Andererseits sind die Virtuosität und die Spielfreude der Band immer wieder ein Erlebnis, so wie jetzt auch in der Harmonie, wo Jin Jim ein Doppelkonzert mit dem KaMa Quartet von Katharina Maschmeyer bestritten hat. Eine bemerkenswerte Kombination, die dem Publikum sowohl Gegenwart als auch Zukunft es Jazzrock offenbarte, einen Conga-Veteranen präsentierte – und eine transzendierte Flöte.

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„Draußen vor der Tür“: Das Trauma der Zurückgekehrten

Jeder Krieg schafft nur Verlierer. So wie Beckmann. Der Protagonist von Wolfgang Borcherts aufwühlendem Nachkriegs-Drama „Draußen vor der Tür“, das nun im Kleinen Theater Bad Godesberg gezeigt wird, ist ein Jedermann ohne Perspektive, ohne Zukunft, ohne Plan, ein Vertreter all jener Heimkehrer, die nach dem zweiten Weltkrieg vergeblich versuchten, wieder im Alltag Fuß zu fassen. Zumal es Beckmann schwer erwischt hat: Drei Jahre war er in Gefangenschaft, drei Jahre in Sibirien, während sich in der Heimat die Welt weitergedreht hat, ohne ihn. Jetzt ist er zurück und steht vor den Scherben seiner Existenz. Für ihn gibt es keinen Platz, ihm sind alle Türen verschlossen, ist er doch eine Art Wiedergänger, einer, den alle anderen bereits aufgegeben haben. Seine Frau hat einen neuen Mann gefunden, die Eltern haben sich das Leben genommen, Freunde scheint er nie gehabt zu haben. Und sich etwas aufbauen? Wie denn? Außer Krieg hat er ja nichts gelernt. Und so torkelt Beckmann durch die Trümmer seines Lebens, sucht nach einem Sinn – und findet am Ende doch nur den Tod.

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Michael Hatzius: Seelenrettung auf Echsen-Art

Die Menschheit ist am Abgrund. Mal wieder. Scheitert an sich selber und an all den Konzepten, die sie sich mühsam überstülpt und mit denen kein anderes Lebewesen etwas zu tun haben will. Krieg zum Beispiel. Braucht kein Schwein. Aber die Menschen. Die Konsequenz ist, dass man sie eines Besseren belehren muss, und zwar durch einen Weisen, der Buddha zumindest intellektuell locker in den Schatten stellen kann: Die Echse. Sie, die schon beim Urknall da war, die die Erde von einer Scheibe zu einer Kugel verformt hat (sehr zur Freude eines urzeitlichen Bowling-Teams) und die mit allen Göttern per du ist, will nun Seelenrettung betreiben und als Echsoterik-Oberguru ihre Gefolgschaft auf eine höhere Bewusstseinsebene bringen. Im Haus der Springmaus hat sie nun gemeinsam mit ihrem treuen Schatten Michael Hatzius ihre Botschaften verbreitet – und dabei alles getan, um so richtig abzusahnen.

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Laurence Jones: Der Blues hat den Soul

Gemäßigter soll er sein, stromlinienförmiger, mehr dem Mainstream zugewandt. Alles Quatsch. Ja, natürlich klingt Laurence Jones auf seinem aktuellen Album „The Truth“ weitaus eingängiger als früher, hat die rauen Kanten seines Gitarrenspiels einer kleinen Politur unterzogen und den einst dreckigen Sound in den Wassern von Miami gewaschen, um auch im Radio präsent sein zu können – doch zumindest live verfügt der 27-Jährige auch weiterhin über eine beachtliche Kraft, die er nur zu gerne in exquisite Soli gießt. In der Harmonie hat Jones sich nun gereift gezeigt, deshalb aber nicht weniger aufregend als noch zu jener Zeit, als er mit der Blues Caravan unterwegs war. Ganz im Gegenteil: Der Brite streckt zunehmend seine Fühler auch in benachbarte Genres aus, greift beherzt beim Soul zu, holt sich eine Background-Sängerin an seine Seite und kreiert auf diese Weise eine Mischung, an der sich höchstens Hardcore-Blues-Puristen stören könnten.

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Konrad Beikircher: Die Wahrheit über Ludwig

Ach ja, Beethoven. Eine Lichtgestalt, wenn man Musikliebhaber, -wissenschaftler und Musiker fragt, einer der größten wenn nicht gar der größte Komponist überhaupt. Und gebürtiger Bonner, das sollte man im Gegensatz zu manchen Journalisten und Bundespräsidenten nicht vergessen. Doch er war eben auch der Ludwig – und dem widmet sich nun Konrad Beikircher, der rechtzeitig zum 250. Geburtstag Beethovens im kommenden Jahr ein Buch und ein neues Programm über den Menschen hinter der Maske des Genies geschrieben hat. Im Pantheon hat er nun sein „Dat dat dat darf“ vorgestellt und in gewohnt lockerer Art allerlei Verzällchen und Anekdötchen zum Besten gegeben, die auch die Schattenseiten des vermeintlich unberührbaren Titanen beleuchten.

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Onkel Fisch: Überall nur braune Soße

Reden oder kämpfen, das ist hier die Frage. Beides wird im Umgang mit Populisten schließlich gerne empfohlen, aber es kann ja kaum beides richtig sein. Zumindest nicht, wenn es nach Adrian Engels und Markus Riedinger geht. Die beiden Kabarett-Clowns, die als „Onkel Fisch“ schon seit 25 Jahren das politische Geschehen in der Welt auf ihre ganz eigene Art und Weise kommentieren und durch den Kakao ziehen, nehmen sich in ihrem aktuellen Programm die AfD-Wähler und sonstige seltsame Gestalten vom rechten Rand zur Brust, sind sich aber über die Wahl der Erziehungsmethoden nicht so ganz einig. Der eine will aufklären, der andere zuschlagen und Grenzen ziehen. Doch so einfach ist das nicht mit dem Populismus und dem Denken aus dem Bauch statt aus dem Kopf – und so verheddern sich Onkel Fisch ausgerechnet bei dieser Thematik ein bisschen zu oft in den Fallstricken des Nonsens, statt mit messerscharfer Satire das Problem zu sezieren.

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Vocaldente: Salzen nicht vergessen

Gesanglich abheben: Das Ziel von Vocaldente ist klar umrissen. Ihr neues Programm „In the Air“, das das a-cappella-Quintett im Rahmen einer Vorpremiere im Haus der Springmaus einem Stresstest unterzog, soll die Herren in neue Sphären katapultieren, und zwar sowohl in Deutschland als auch in Indien. Ein schöner Plan, der spätestens in dem Moment aufging, in dem Bass Tobias Pasternack zu den Klängen von „Spiel mir das Lied vom Tod“ ans Mikro trat und volltönend „Ghost Riders In The Sky“ anstimmte. Die Spannung hielt, das Arrangement war brillant, und die gelegentlichen komischen Einwürfe kamen eher lapidar daher, statt durch besondere Mimik und Gestik dem Publikum quasi aufgezwungen zu werden. Sollte eigentlich selbstverständlich sein. Doch obwohl Vocaldente in ihren besten Momenten gesangliche Meisterleistungen erbringen, fehlt den Hannoveranern zu oft der richtige Biss. Und die nötige Würze.

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17 Hippies: Für alles offen

Die Bühne ist voll, noch bevor die Band sie betreten hat. Banjo, Saxofon, Posaune, Tuba, Trompete, Ukulele, Bouzouki, Geige, Waschbrett, Akkordeon, singende Säge, all das und noch einige weitere Instrumente warten auf die 17 Hippies, die in der ausverkauften Harmonie ihr aktuelles Album „Kirschenzeit“ vorstellen wollen und dabei wie gewohnt so ziemlich alles miteinander vermischen, was die europäische Musik im weitesten Sinne geprägt hat. Grenzen gibt es dabei nicht: Wenn die Berliner Band loslegt, verbinden sich Klezmer und Polka, Tango und Bluegrass, französischer Chanson und Techno und Ska und deutsches Liedermachertum zu einer einzigartigen Melange, die die 17 Hippies seit 23 Jahren auszeichnet und die immer noch hervorragend ankommt, auch wenn die Protagonisten mittlerweile ein wenig ruhiger geworden sind. Gereifter. Aber nicht weniger leidenschaftlich.

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„Let's Burlesque“: Sinnlich-skurriles Vergnügen

Mieder fliegen, Schampus spritzt, nackte Haut trifft auf Glanz und Glitzer und vor allem auf jede Menge lustvoller Musik: „Let's Burlesque“ ist mal wieder in der Stadt und verwandelt das Pantheon mit einem Augenzwinkern und einer ordentlichen Dosis Erotik in einen verführerischen Sündenpfuhl, in dem alles erlaubt ist, was Spaß macht. Ein Paradies für seltsame Vögel und heiße Entblätterungskünstlerinnen, die geschmackvoll mit dem Verlangen spielen und das Publikum in eine skurrile, kokette und frivole Welt voller Sinnlichkeit entführen. Das ist Burleske in Perfektion. Und darauf verstehen sich Miss Evi und ihre scharfe Truppe wirklich meisterhaft.

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Jessy Martens: Nicht mehr sexy, sondern cool

Die Freude an der Musik ist spürbar, die Lust am Auftritt und an der Interaktion mit dem Publikum. Authentisch wirkt es, ehrlich, so wie Jessy Martens auf der Bühne der Harmonie singt und tanzt, röhrt und säuselt. Einfach nur mechanisch ein Konzert nach Schema F abliefern, professionell aber distanziert, das würde irgendwie nicht zu der 32-Jährigen passen, die nach einer Baby-Pause jetzt wieder durchstarten will. Schließlich hat sie einen Ruf zu verteidigen. 2012 hat sie immerhin sowohl den Deutschen Rockpreis als auch den German Blues Award abstauben können, letzteren zwei Jahre später erneut, ebenso wie den Sieg bei der German Blues Challenge. Da muss man doch dran anknüpfen können. Das aktuelle Album „Tricky Thing“ soll der Hamburgerin Auftrieb geben, das und ihre liebenswerte Art. Ein Plan, der mitunter wunderbar funktioniert – zumindest wenn Martens die Sau rauslässt.

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Willy Astor: Sprachlicher Schabernack

Willy Astor liebt die deutsche Sprache – aber heilig ist sie ihm nicht. Ganz im Gegenteil. Wenn der 58-Jährige sich mit Worten beschäftigt, ist kein Buchstabe sicher. Alles kann von ihm verfremdet werden, so lange nur ein Gleichklang (oder das, was dank eines entsprechenden Dialekts für einen solchen gehalten wird) bestehen bleibt, irgendeine phonetische Parallele zwischen Begriffen, auf die sich der Münchner Kabarettist stürzt wie der Hai auf ein wehrloses Robbenbaby. Im Pantheon legt Astor nun vor ausverkauftem Haus einmal mehr los, verweist nach einem Besuch in der Apotheke auf die Islamoosierung des Abendlandes, betont die Bedeutung sorgfältiger Profi-Lachse und entfleucht im Urlaub nicht etwa auf die Eskapaden, sondern zusammen mit Jack, Jim und Kai auf die Spirituosen. Na denn Prost.

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Crossroads: Der Groove der Oranje

Der dritte Tag des Crossroads-Festivals in der Harmonie ist orange. Stimmung, Publikum, Band und teilweise auch Licht, alles passt zusammen und verweist auf die Niederlande, die an diesem Abend sowohl das Bild als auch die Musik prägen. Immerhin stehen mit Jett Rebel und De Staat zwei echte Superstars der holländischen Rock-Szene auf der Rockpalast-Bühne, die stilistisch zwar weit auseinanderliegen, aber gerade deswegen hervorragend dafür geeignet sind, die Flagge der Kreativität und des Grooves im Namen der Oranje hochzuhalten. Was im Großen und Ganzen hervorragend gelingt.

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Crossroads: Von Null auf Hundert in nur drei Songs

Die ersten Töne können täuschen. Vor allem wenn sie von einer Band kommen, die seit 35 Jahren in Australien einen hervorragenden Ruf genießt und daher so einige Überraschungen in petto hat. The Black Sorrows haben bei ihrem Auftritt im Rahmen des Crossroads-Festivals auf jeden Fall so manchen Gast genussvoll vorgeführt: Der anfängliche Tanztee-Bluesrock mit Country-Anstrich, mit dem die Formation um Frontmann Joe Camilleri das Publikum in der Harmonie in Sicherheit wiegt und der auch ein Problem mit einem Mikrofon verzeiht, verschwindet schnell zu Gunsten eines druckvollen, energiegeladenen Sounds, bei dem das Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten wird und der niemanden kalt lässt. Klasse.

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Crossroads: Riot Girls und Rock-Hypnose

Drei aufstrebende Schwestern mit jeder Menge Feuer treffen auf vier hypnotische Stoner-Rock-Veteranen: Das Crossroads-Festival des WDR Rockpalasts, das zweimal im Jahr in der Harmonie aufregende und abwechslungsreiche Bands präsentiert, hat zum Auftakt der aktuellen Ausgabe zwei Formationen auf die Bühne geholt, die es auf ganz unterschiedliche Weise krachen lassen, die einen auf den Punkt, die anderen mit viel Liebe zum Detail. Beides hat seine Berechtigung. Und beides gewisse Schwächen.

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Carl Carlton: Der Gesang der Blues-Hunde

Unter Musikerkollegen genießt Carl Carlton einen hervorragenden Ruf. Der Ostfriese ist eine feste Größe in der Rock- und Pop-Welt, Stamm-Gitarrist bei Lindenberg, Westernhagen und Maffay – und das ist nur der Anfang einer illustren Liste von Stars, die gerne auf die Dienste des 64-Jährigen zurückgreifen. Mit Eric Burdon hat er das Album „Soul Of A Man“ aufgenommen und mit Robert Palmer das Grammy-nominierte „Drive“, war mit Joe Cocker auf Tour und hat angeblich einmal Bruce Springsteen abgesagt. Seine eigene Band, die Songdogs, sind dabei in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen. Doch jetzt, mehr als zehn Jahre nach der letzten Tour, hat Carlton sie wieder zusammengetrommelt und dabei auch der Harmonie einen Besuch abgestattet.

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Gerd Dudenhöffer: Heinz Beckers dunkelste Stunde

Fahl sieht er aus, der Heinz Becker. Ein Häufchen Elend im schwarzen Anzug, der da am heimischen Küchentisch sitzt und trauert. Gerade erst ist er heimgekommen, allein in seiner dunkelsten Stunde, hat Abschied nehmen müssen von seiner Hilde, die ganz unerwartet das Zeitliche gesegnet hat. Ein Schock, der selbst einem Nörgler und Besserwisser wie dem Becker-Heinz zu schaffen macht. Immerhin ist jetzt alles anders. Die Zuversicht, dass da jemand ist, der kocht und wäscht und Ordnung hält, ist einer verzweifelnden Hilflosigkeit gewichen, und erst so langsam dämmert es Heinz, was er an seiner Frau hatte. Und was ihm nun fehlt.

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Gorilla Funk: Silberrücken im Großstadtdschungel

Die Affen sind da, und sie wollen Party machen: Das neu gegründete Duo Gorilla Funk, das der Kölner Musiker Albert N'Sanda und der Culcha-Candela-Sänger Johnny Strange erst vor kurzem aus der Taufe gehoben haben, hat in der Bonner „Harmonie“ eines seiner ersten Konzerte gegeben, mit treibenden Beats unter frischen Dancehall-Phrasen und jeder Menge Energie. Normalerweise also ein Erfolgsrezept. Doch zeigt sich einmal mehr, dass aller Anfang schwer ist. Denn obwohl N'Sanda und Strange alles richtig machen und zumindest letzterer wahrlich kein Unbekannter in der Musikszene ist, war das Konzert eher mäßig besucht. Zu Unrecht, wie der Abend zeigte.

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Anne Folger: Schminktipps mit Beethoven

Auch Konzertpianisten müssen mit der Zeit gehen. Und mit der Werbeindustrie. Möglichkeiten gibt es schließlich genug, vor allem in jenen Stücken, die nicht schon an den Rand vollgepackt sind mit Noten. Debussys „Clair de la Lune“ zum Beispiel hat noch mehr als genug Platz für ein bisschen Schleichwerbung. Hier ein Jingle, da ein Klingelton, schon rollt der Rubel. Insbesondere in China, wo während eines Konzerts ohnehin alle Mobilgeräte online bleiben. Anne Folger hat es ausprobiert und ist seitdem überzeugte Vermarkterin in Sachen Klassik.

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