Unheilig: „Danke schön – Bitte schön“

Sag niemals nie: Als sich der Graf, Frontmann der Band Unheilig, im September 2016 von der Bühne verabschiedete, schloss er eine Rückkehr kategorisch aus. Schluss, aus, Ende. Der Sänger, der sein Privatleben geheim hält und noch nicht einmal seinen bürgerlichen Namen preisgibt, wollte sich nur noch um seine Familie kümmern und hatte mit der Musik abgeschlossen. Doch neun Jahre nach dem Abschlusskonzert im Rhein-Energie-Stadium sind Unheilig wieder auferstanden. Und zumindest im bis zum Bersten gefüllten Palladium scheint es so, als wäre die Band niemals weg gewesen. Die Energie, der Sound, der Bombast, alles ist so wie früher. Und der Graf? Der tanzt.

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Tom Gaebel: Weihnachtliches Wunschkonzert

Weihnachten ist die Zeit der Geschenke, zumindest wenn es nach Tom Gaebel geht. Der charismatische Sänger, einer der besten Crooner des Landes in den Fußstapfen von Frank Sinatra und Dean Martin, legt auf diese Tradition großen Wert – und nimmt sich selbst am meisten in die Pflicht. So auch in Bonn. Wie schon in den vergangenen Jahren ist Gaebel samt seinem Orchester in die Bundesstadt gekommen, um in der ausverkauften Oper das Publikum in die richtige Stimmung zu versetzen und um so ganz nebenbei allerlei Wünsche zu erfüllen. Ein Angebot, dass so mancher im Saal bereitwillig annimmt und so den Abend zu etwas Einzigartigem macht.

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Xavier Naidoo: Vom Saulus zum Paulus

Es ist, als wäre nie etwas gewesen. Als hätte Xavier Naidoo nie etwas gesagt, nie den Holocaust relativiert, nie gegen Juden gehetzt, nie Verschwörungstheorien verbreitet. Als wäre seit seiner Entschuldigung vor drei Jahren alles vergeben und vergessen. Seinen Fans scheint dies zu reichen: Gleich zwei ausverkaufte Konzerte in der Lanxess Arena sprechen eine deutliche Sprache. Endlich darf man sich wieder öffentlich zu Naidoo bekennen und sich von ihm segnen lassen, von ihm, dem Prediger des Soul. Und wenn man all die Skandale und Kontroversen und Schwurbeleien der letzten 27 Jahre ausblendet (oder sie verzeiht), erscheint der erste Kölner Auftritt des 54-Jährigen wirklich wie eine Messe für Frieden und Glückseligkeit. Und aus musikalischer Sicht über jeden Vorwurf erhaben.

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Gregor Pallast: Eine Lehrstunde in Verlogenheit

Schon Volker Pispers hat stets betont: Politisches Kabarett ist zutiefst verlogen. Seiner Meinung zufolge ist es nur ein Versuch des Ablasshandels, eine Selbstbefriedigung des eigenen Gewissens, eine Ausrede, um nicht mehr tun zu müssen. Aufstehen zum Beispiel. Diese Aussage speist sich natürlich aus mehr als 30 Jahren auf deutschen Kleinkunstbühnen, in denen Pispers nie den Eindruck gewonnen hat, etwas zu verändern – doch einzelne Menschen hat er immerhin zum Nachdenken gebracht. Und dazu, ihm zu folgen. So wie Gregor Pallast. Der Bonner Kabarettist ist nach einer sechsjährigen Pause wieder zurück, bläst ins selbe Horn wie der von ihm verehrte Pispers und versucht in seinem neuen Programm „Pallast der Republik“ dennoch, das Publikum auf den rechten Weg zurückzuführen. Und das durchaus erfolgreich.

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Dr. Pop: Ein Netzwerk aus Sounds und Leidenschaft

„Bohemian Rhapsody“ hat wahrscheinlich jeder im Ohr. „Scaramouche, Scaramouche, will you do the Fandango“. Gut, vielleicht sitzt nicht jede Zeile, aber wer Queens legendäre Rock-Hymne noch nie zuvor gehört hat, muss die letzten 50 Jahre hinterm Mond gelebt haben. Und ein Grund für den besonderen Sound ist ein verstimmtes Klavier. Eigentlich ein Fehler. Aber einer, der Folgen haben sollte. Auch für Dr. Pop alias Markus Henrik. Der promovierte Musikwissenschaftler und -kabarettist liebt solche Anekdoten, die guten aus Rock und Pop ebenso wie die schlechten aus den Abgründen des volkstümlichen Schlagers, und verbreitet sie voller Enthusiasmus unterm Volk. So auch im ausverkauften Pantheon, wo der gute Doktor die Geheimnisse der Musik enthüllte, dabei allerlei Erheiterndes zu erzählen hatte – und auch den ein oder anderen Ausflug in die musikalische Vorhölle unternahm.

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Kirsten Fuchs: Ein Fest für Schnipsel-Fans

Kirsten Fuchs liebt Miniaturen. Winzige Anekdoten, ein Satz oder so, höchstens vier, aus dem Alltag gegriffen und zugespitzt und Schnipsel genannt. Schnipsel passen immer, manchmal sogar zu längeren Texten. Schnipsel sind das Salz in der Suppe der rund zweistündigen Lesung, die die Poetry-Slamerin und Autorin in der Lounge des Pantheons hält. Ursprünglich sollte die Berlinerin schon Mitte September in die Bundesstadt kommen, doch damals kam ihr eine Corona-Erkrankung dazwischen – jetzt aber ist die da, um ihr aktuelles Buch „Muttermund tut Wahrheit kund“ vorzustellen. Und um Schnipsel vorzulesen, natürlich zur Auflockerung zwischen ihren längeren Texten oder einfach so, wenn das Publikum explizit darum bittet. Was es in regelmäßigen Abständen auch tut.

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Klassische Philharmonie Bonn: Musik für die Nase

Mit einem umjubelten Konzert ist die Klassische Philharmonie Bonn an ihre alte Bad Neuenahrer Wirkungsstätte zurückgekehrt: Erstmals seit der Flutkatastrophe spielte das Orchester wieder im großen Saal des Kurhauses, das vor vier Jahren schwer beschädigt wurde. Die Reihe „Wiener Klassik“, die an der Ahr seit 1988 Tradition hat und die der Klangkörper einst unter seinem Gründer Heribert Beissel ins Leben gerufen hatte, musste daher ins Augustinum ausweichen. Um so größer war die Freude, unter neuer Leitung wieder in dem sanierten und restlos ausverkauften Saal auftreten zu können – und das mit einem Programm, das gleich mehrere Sinne ansprach.

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Der Tod: Spaß im Jenseits

Der Schnitter und das Fest der Liebe – wie soll das zusammenpassen? Eigentlich sehr gut, sagt zumindest der Tod höchstselbst. Ist nicht weniger skurril wie Jungfrau und Kind. Und feiern kann man auch im Jenseits, oft genug sogar mit Verwandten, die man seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Die Lebenden müssen also keine Angst haben, und genau das bezweckt der Tod (seine wahre Identität möchte der Künstler unter der Kutte geheim halten)  schließlich auch mit der Weihnachtsausgabe seiner „Death Comedy“, mit der dieser jetzt im restlos ausverkauften Haus der Springmaus zu Gast ist. Seit gut zehn Jahren betreibt er eine Marketing-Kampagne, um sein Image zu verbessern, und ist damit von Jahr zu Jahr erfolgreicher. Kein Wunder angesichts des Personals im Himmel und auf Erden: Oben David Bowie, Beethoven und Lemmy Kilmister, unten Friedrich Merz, Elon Musk und Donald Trump. Da fällt die Wahl ganz leicht. 

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Kai Magnus Sting: Rabimmel Rabammel Dumm Dumm

Er kann sie nicht mehr sehen. Aachener Printen. Bah! Steinharte Plombenzieher mit der Saugkraft einer ganzen Schwamm-Armada, die nach einmaligem Stippen in eine Kaffeetasse selbige staubtrocken zurücklassen, sind Kai Magnus Sting ein Graus. Ebenso wie Marzipan. Und Tee. Und Räucherstäbchen. All die ganzen Weihnachtsgerüche und Geschmäcker, das Gedudel und die Hektik gehen dem 47-Jährigen gehörig auf den Keks. Da könnte er sich drüber aufregen, so richtig drüber aufregen. Also regt er sich auch auf, und zwar mehrfach. Was im Haus der Springmaus zu einem denkwürdigen Abend führte, dank der brillanten Fabulierkunst Stings, dem swingenden Spardosen-Terzett und eines sangesfreudigen Publikums.

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Die Schlagzeugmafia: Kriminell gute Rhythmustruppe

Mit druckvollen Beats tut sich Bonn ja bekanntlich schwer. Darf man machen, soll aber keiner hören. Insofern passt es wie die Faust aufs Auge, dass beim Auftritt der Schlagzeugmafia im Pantheon eine (imaginäre) Nachbarin sogar die Polizei ruft, um dem kriminellen Trommler-Quintett Einhalt zu gebieten. „Silenzio“ heißt es immer wieder, Schluss mit dem leidenschaftlichen Krach, und wer nicht spurt, wird zur Ordnung gezwungen. Doch da haben die Ordnungshüter die Rechnung ohne die Macht des Rhythmus gemacht, der Joda Foerster, Bino Engelmann, Jonny König, Ben Jost und Lorenz Schimpf antreibt und der den Puls von Freiheit enthält. Mit ihm ist alles möglich, egal was die Behörden denken. Das nutzen die schlagfertigen Fünf aus, geben von der ersten Sekunde an Vollgas, grooven sich in die Herzen des Publikums und beweisen eindrucksvoll, dass eine gute Show auch ohne Melodien auskommt. Zumindest so lange genug Trommeln vorhanden sind.

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Der Physiopath: Therapie für alle

„Ich hab Rücken“: Diese Aussage kennt Frédéric Newnham nur zu gut. Der Physiotherapeut und Osteopath kennt sich bestens aus mit all den kleinen Wehwehchen der Deutschen, mit Fehlstellungen, Verspannungen und sonstigen Einschränkungen des Bewegungsapparates. Doch dagegen will er etwas tun, und zwar nicht nur in seiner Berliner Praxis. Seit rund zwei Jahren ist Newnham daher als „Physiopath“ nicht nur auf TikTok und Instagram sondern auch auf zahlreichen Kleinkunstbühnen unterwegs, um mit einer Mischung aus Humor und Fachwissen sein Publikum zu therapieren oder um ihm zumindest zu zeigen, wie er oder sie sich selbst helfen kann. Jetzt war er im Pantheon zu Gast – und mobilisierte den ganzen Saal.

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Jazzfest Bonn 2026: Große Stimmen und wilde Saiten

Es wird wieder spannend: Bei der 17. Ausgabe des Jazzfests Bonn, die vom 17. April bis zum 9. Mai 2026 wie gewohnt in verschiedenen Locations im Stadtgebiet stattfinden wird, stehen im kommenden Jahr vor allem Sängerinnen und Sänger sowie Gitarristinnen und Gitarristen im Mittelpunkt. Und natürlich die Improvisation, das erklärt sich ja von selbst. Schließlich geht es um die Magie des Moments, um Musik, die erst vor Ort entsteht und damit besonders authentisch ist, wie der künstlerische Leiter Peter Materna bei der Vorstellung des Programms betont. In 30 Konzerten will er dem Publikum die gesamte Bandbreite des Jazz bieten und dabei vor allem starke Stimmen präsentieren. Was ihm durchaus gelingen dürfte, zumal er Künstlerinnen und Künstler hat gewinnen können, die er schon mehrfach angefragt und umworben hat – und die überaus vielversprechend klingen.

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Philipp Scharrenberg: Fünf Punkte gegen den Mindfuck

Kennen Sie das? Da erzählt Ihnen jemand eine Geschichte mitten aus dem Leben, und Sie fühlen sich unvermittelt verwirrt: Das kann doch nicht wahr sein, denken Sie und beginnen, an der Realität zu (ver)zweifeln. Passiert regelmäßig bei Äußerungen von Donald Trump, aber auch zum Beispiel bei denen von Friedrich Merz. Oder bei Philipp Scharrenberg. Der Poetry-Slammer und Kabarettist beschäftigt sich in seinem aktuellen Programm „Verwirren ist menschlich“ nämlich mit den so genannten Mindfucks, dank derer die Grenzen zwischen Wahnsinn und Wahrheit immer mehr verwischen und die Gehirnwindungen immer mehr einem Gordischen Knoten ähneln. Diese Irrungen und Wirrungen will der 49-Jährige zumindest lockern, wenn schon nicht lösen – was allerdings angesichts der ein oder anderen sehr bemühten Pointe schnell ins Gegenteil umzukippen droht. 

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Big Time Rush: Mit Trampolinen und Baumhüten

Es ist schon bemerkenswert, wie oft Trends in der Musik nach einer gewissen Pause wieder aus der Versenkung hervortauchen und das Publikum von Neuem zum Toben bringen. Bestes Beispiel: Boygroups. In den 60ern entsprangen die Monkees der gleichnamigen Fernsehserie, in den 90ern kamen unter anderem die Backstreet Boys zusammen, und um 2010 herum entstanden One Direction und Big Time Rush, die ebenfalls TV-Gewächse sind. Letztere haben aber inzwischen längst ihre Nickelodeon-Vergangenheit hinter sich gelassen und füllen dennoch mühelos große Hallen – so wie auch die Lanxess Arena, in der sie für ihre Fans eine wirklich bemerkenswerte, energiegeladene Show im Spannungsfeld zwischen gefälligem Pop und einer guten Dosis Rock präsentieren.

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Tim Fischer: Eine Verneigung vor der Knef

Für sie sollt’s rote Rosen regnen, und für ihn auch: In seinem aktuellen Bühnenprogramm widmet sich Chansonnier Tim Fischer der Kult-Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. Sie, die wegen ihrer Rolle in dem Film „Die Sünderin“ in Deutschland massiven Gegenwind bekam, konnte mit ihrer rauchig-schnodderigen Stimme und ihren oft selbstironischen Texten eine zweite Karriere aufbauen, mit der sie viele Künstlerinnen und Künstler inspirierte – darunter auch Fischer, der jetzt im Kölner Gloria ein fantastisches Konzert gegeben hat, natürlich mit etlichen Hits. Und auch mit ein paar Überraschungen.

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Kabarett-Theater Distel: Die Iden des Merz

Überall läuft irgendwas schief, vor allem politisch. Lupenreine Demokraten zetteln Kriege an, Immobilien-Mogule mit einem unfehlbaren Gespür für Fettnäpfchen brechen ein Gesetz nach dem anderen, in Europa sind Rechtspopulisten immer noch auf dem Vormarsch – und in Deutschland regiert Friedrich Merz mit einer Ministerriege, deren Namen in der Bevölkerung ungefähr so bekannt sein dürften wie die Hauptstadt von Absurdistan. Da wird man doch wahnsinnig. Zum Glück bietet das Kabarett-Theater Distel eine Behandlung mit ihrer patentierten „SchMERZtherapie“ an. Was allerdings nicht immer gelingt.

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Ingo Appelt: „Macht euch mal locker“

Eins muss man Ingo Appelt lassen: Für seine Fans tut er alles. Kaum ist er nach massiven verkehrstechnischen Problemen rund um Köln endlich im Pantheon angekommen, stürmt er schon auf die Bühne, um das Publikum nicht eine Sekunde länger als nötig warten zu lassen. Als Comedy-Dienstleister sieht er sich schließlich in der Pflicht, und die endet nicht beim pünktlichen Beginn seiner Show. Sondern fängt erst dort an. Jede einzelne Pointe setzt Appelt für die Zuschauerinnen und Zuschauer, auf genau jenem Niveau, das man seit seinen Auftritten bei RTL Samstag Nacht und anderen Comedyshows in den 1990ern von ihm erwartet, also unter der Gürtellinie, mit ordinären und pubertären Zoten, die möglichst nah an der Schamgrenze liegen und versuchen, die Menge zu schockieren. Was allerdings nicht immer das gewünschte Ergebnis erzielt.

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Bonner Jazzchor + Nabla: Doppeltes klingt besser

Der Bonner Jazzchor bleibt sich und dem Pantheon treu: Obwohl er erst vor einem Monat zusammen mit dem dänischen Vokal-Ensemble Vocal Line die Kölner Philharmonie ausverkauft hat, ist es für die Sängerinnen und Sänger eine Selbstverständlichkeit, wie in jedem Jahr auch dem Beueler Kleinkunsttempel einen Besuch abzustatten. Und auch diesmal sind sie nicht allein gekommen. Mit Nabla hat der BJC erneut Besuch aus Dänemark erhalten, einem vergleichsweise neuen Chor unter der Leitung der ehemaligen Co-Dirigentin und Arrangeurin von Vocal Line, Line Groth. So schließt sich der Kreis. Natürlich ist auch dieses Doppelkonzert voll geworden – und das zu Recht. Denn was die beiden Klangkörper an diesem Abend präsentieren, ist einfach fantastisch.

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„Die Waffen nieder“: Die Groteske des Krieges

Da hängen sie, umschlungen von blutroten Bändern, die sie zurückhalten und ihnen kam Freiraum lassen, diese Unmengen an symbolischem Lebenssaft, der in unzähligen Kriegen vergossen wurde. Sie, das sind die drei Schauspielerinnen Anna Paula Muth, Lydia Stäubli und Kristin Steffen, die in Katrin Plötners Roman-Adaption von Betha von Suttners Antikriegsroman „Die Waffen nieder“ am Theater Bonn alle Rollen spielen, die der fiktiven Gräfin Martha Althaus natürlich, aber ebenso die ihrer Freundin, ihrer beiden Ehemänner, ihres Bruders und ihres ebenso stolzen wie kaltherzigen Vaters. Eine Weste oder ein Zylinder reichen in der Regel schon, um das Geschlecht zu wechseln, zumindest kursorisch – da die drei Damen allesamt in Bodysuits mit aufgeklebten Scham- und Achselhaaren stecken, ist die Verwandlung nur oberflächlich, aufgesetzt, künstlich. Was nicht sonderlich hilfreich ist. Ganz im Gegenteil.

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Matthias Brodowy: Scrollen bis zur Unendlichkeit

„Was wollte ich Ihnen eigentlich sagen?“ Eine schwierige Frage, auf die keiner eine Antwort kennt, noch nicht einmal Matthias Brodowy. Muss wohl Demenz sein. Andererseits ist ein Bekenntnis zumindest ein Anfang. Mitunter sogar ein überaus unterhaltsamer, nämlich immer dann, wenn Kabarettist Brodowy beim Wühlen im eigenen Hirn einige Anekdoten aus der eigenen Familie hervorkramt und anhand derer einige der großen gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart greifbar macht – und zwar in Ruhe, abwägend und vor allem überaus poetisch. Denn was lässt sich nicht alles ableiten von einem einzigen nostalgischen Moment, von den Pommes im über Tage mit Geschmack angereicherten Öl, von der Oma im Sack und von einem Kaugummi-Automaten, der rot und vom Rost zerfressen an einer ansonsten kahlen Wand prangert. Hängt alles irgendwie zusammen.

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Rezension: Bugge Wesseltoft - It’s Still Snowing On My Piano

Süßer die Tasten nicht klingen: Bugge Wesseltofts Solo-Album It’s Snowing On My Piano gilt laut Act als eine der erfolgreichsten Platten, die das Label jemals veröffentlicht hat. Umso erstaunlicher ist es, dass erst jetzt, fast 20 Jahre später, besagtes Weihnachtsalbum in ganz neuer Form erscheint, als Live-Album, auf dem jedes Stück neu interpretiert wird, aufgenommen in fünf norwegischen Kulturhäusern und Kirchen. 

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Bywater Call: Aretha lässt grüßen

Aller guten Dinge sind drei, heißt es ja bekanntermaßen. Das gilt offenbar auch für Konzerte. Nach einem phänomenalen Auftritt beim WDR Rockpalast Crossroads-Festival im Jahr 2023 sowie einer umjubelten Rückkehr der Kanadier anno 2024 ist die Formation um Sängerin Meghan Parnell und Gitarrist Dave Bernes erneut nach Endenich gekommen – und erweist sich nicht nur in ihrer Heimat als stärker denn je. Das Septett hat die ihm eigene Mischung aus Southern Rock, Blues und Soul noch weiter verdichtet, spielt zielsicher auf den Punkt und sorgt letztlich für einen der besten Harmonie-Gigs der vergangenen Jahre, bei dem alles zusammenfindet, technische Brillanz ebenso wie unbändige Leidenschaft und ein blindes Verstehen untereinander. Was für ein Abend. Was für ein Konzert. Was für eine Band.

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Martin Pfeiffer: Gutherziger Kinderfänger

Ein paar Töne nur, schon folgen die Kinder lachend und tanzend Martin Pfeiffer. Wer jetzt unweigerlich an das Märchen vom Rattenfänger von Hameln denkt, der mit seiner Musik nicht nur die Nager, sondern auch alle Söhne und Töchter der Stadt mit sich nimmt, kann jedoch ganz beruhigt sein: Der 64-Jährige, der zwei Mal pro Jahr im Haus der Springmaus zu Gast ist, gehört zu den Guten. Zu jenen, die eigentlich nur Kindern den Spaß an der Musik nahe bringen wollen. Und das macht Pfeiffer wirklich hervorragend.

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„Köln lacht“: Das Beste kommt noch

Die Stimmung ist gut an diesem Abend. Wie auch sonst angesichts von zehn Künstlerinnen und Künstlern, die bereits im Rahmen des 35. Cologne Comedy Festivals aufgetreten sind oder noch auftreten werden und die sich natürlich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, bei „Köln lacht“ noch einmal für sich zu werben. Und zugleich den Veranstaltungsmarathon zu feiern. Immerhin ist besagtes Festival längst das größte seiner Art in Deutschland, mit mehr als 150 Shows und rund 200 Künstlerinnen und Künstlern. Eine eindrucksvolle Bilanz – die der Abend in der Stadthalle Köln unterstreicht.

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Angela Merkel: „Freiheit muss für alle gelten“

Freiheit – für Angela Merkel ist dies mehr als nur ein Wort. Es war und ist ihr Leitstern, ein Ideal, das sie sowohl privat als auch politisch immer wieder in den Mittelpunkt ihres Handelns stellte. Nicht ohne Grund hat sie so ihre Autobiographie betitelt, aus der sie nun in einem ihrer seltenen Termine in der Bonner Oper las. Von ihrer Jugend bis zur Wende, von der Bonner bis zur Berliner Regierung spannt sich ihre Geschichte, 35 Jahre in einer Diktatur und ebenso viele in einer Demokratie. Letztere hat sie so sehr geprägt wie wahrscheinlich keine andere Politikerin vor ihr, und wie sie da so sitzt auf der Bühne, wirkt sie genauso wie früher, so als ob sie nie weg gewesen wäre. Und auch wenn sie sich an diesem Abend nicht explizit zur aktuellen Situation äußert – weder zur „Stadtbild“-Debatte noch zur immer schwieriger werdenden Außenpolitik – plädiert sie doch für Optimismus. Noch immer gilt ihr „Wir schaffen das“. „Kein Satz von mir hat mehr polarisiert“, sagt sie, „aber für mich war diese Aussage immer selbstverständlich. So habe ich Politik gemacht, und so lebe ich bis heute.“

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Jazztube: Musik aus drei Ecken

Streng genommen ist der Jazz grenzenlos. Er speist sich aus allen Quellen, akzeptiert Schlager-Einflüsse ebenso wie Rock-Elemente und Latin-Phrasierungen, kann arabische Mikrotonalität mit afrikanischen Grooves und der Grandezza der Klassik vereinen und so ziemlich alle Instrumente bis an ihre Grenzen bringen und darüber hinaus. Dennoch ist das diesjährige Finale der populären Jazztube-Konzertreihe schon etwas Besonderes: So vielfältig und verschieden waren die drei Siegerbands vermutlich noch nie. „Im Grunde bilden sie die Spitzen eines Dreiecks, sie könnten kaum weiter voneinander entfernt sein“, betont Jazztube-Chef Thomas Kimmerle. Ganz so extrem ist der Abend im Pantheon dann zwar nicht – deswegen aber nicht weniger ungewöhnlich. Und mitunter gewöhnungsbedürftig.

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Ursus und Nadeschkin: Aller Anfang ist schwer

Es reicht. Schluss, aus, vorbei. 40 Jahre sind mehr als genug. 38 Jahre auch. Auf jeden Fall hat Nadeschkin genug. Nicht wegen irgendwelcher bestimmter Situationen und auch explizit ohne Wut im Bauch, aber trotzdem: Sie will nicht mehr. Die Clownin mit den blonden Rastalocken will sich neu erfinden, ohne ihren Bühnenpartner Ursus, will andere Optionen ausloten und vor allem einen Perspektivwechsel vornehmen. Raus aus der Öffentlichkeit der Bühne, rein in die private Position als Zuschauerin. Also zieht sie im restlos ausverkauften Schauspielhaus Bad Godesberg, in dem erstmals eine Veranstaltung aus der Reihe „Quatsch keine Oper“ stattfindet, einen Schlussstrich und lässt Ursus mit dem Duo-Programm „PRSPKTVNWCHSL“ alleine zurück. Zumindest für ein paar Augenblicke. Denn stillsitzen, schweigen und zuhören liegt Nadeschkin nicht. Vor allem da Ursus ohne sie völlig aufgeschmissen ist. Also gibt sie Schützenhilfe, zumindest für den Anfang – und muss letztlich mit dem Aufhören aufhören, um sich selbst treu zu bleiben.

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Tommy Engel: Drei Engel für Bonn

Für Tommy Engel steht die Familie über allem. Und die ist durchaus umfangreich: Er selbst ist der jüngste von zehn Kindern, hat drei Söhne und sechs Enkel, da kommt schon was zusammen. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis er diese Konstellationen in den Mittelpunkt eines Programms stellt. Mit „Familie un Fründe“ ist er nun im Rahmen von „Quatsch keine Oper“ nach Bonn gekommen, mit alten Weggefährten, passenden Liedern – und mit zwei weiteren Engeln.

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„Biedermann und die Brandstifter“: Wahrheit wird Tarnung

Eigentlich will Gottlieb Biedermann nur seine Ruhe haben. Seinen Frieden und sein spießbürgerliches Leben genießen, Zeitung lesen und sich vielleicht mal beim Stammtisch profilieren. Alles andere wird verdrängt, so auch die Brandstifter, die draußen umherstreifen und überall zündeln. Aber nicht bei ihm, das ist ganz wichtig. Dieses Gesindel würde er doch sofort durchschauen. Und die beiden seltsamen Vögel, die sich ihm erst aufdrängt und ihm dann nach dem Mund geredet haben? Die sind harmlos. Spaßvögel, die zwar immer wieder betonen, dass sie Brandstifter seien, die man aber gerade deswegen nicht ernst nehmen kann. Beziehungsweise erst, als es zu spät ist. Diese Burleske, wie die erste Skizze 1948 betitelt war, hat Max Frisch 1958 als Theaterstück veröffentlicht, unter dem Eindruck der Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei, aber auch im Rückblick auf das Dritte Reich. Ein Text, der heute aktueller ist denn je. Jetzt hat das Theater Bonn „Biedermann und die Brandstifter“ im Schauspiel Bad Godesberg inszeniert, und zwar ebenso grotesk wie bedrohlich. Denn die Wahrheit, die wollen zumindest manche auch heute noch nicht glauben.

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Abdul Kader Chahin: Brandstifter mit zerrissener Seele

Wie es ihm wohl geht? Eine unschuldige Frage, aber doch eine, die Abdul Kader Chahin ins Mark trifft. Wie kann es ihm schon gehen als Sohn palästinensischer Eltern, die zahlreiche Familienmitglieder im Nahostkonflikt verloren haben. Eigentlich kann ihm nicht nach Lachen zumute sein. Und trotzdem steht er an diesem Abend auf der Bühne der Springmaus und spielt sein aktuelles Stand-Up-Programm „Achte Jetzt“. Schimpft über Lego als „die größte Verarsche des Kapitalismus“, weil man erst alles mühselig selbst zusammenbauen muss und dann doch nicht damit spielt – was Lego von Ikea unterscheidet – und über Eltern, die ihre Kinder an der kurzen Leine halten. Regt sich auf über Lehrer, die im stillen Kämmerlein mit einem sardonischen Lächeln einen Smiley unter die Note 5 setzen, und über Sozialarbeiter, die sich klein machen, um mit ihm auf Augenhöhe zu sprechen. Ärgert sich, weil es mitunter an Konsequenz mangelt, etwa im Umgang mit Nazis. Und wird dann doch ernst. Und politisch.

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Carl Verheyen: Jenseits von Supertramp

Manche Episoden im Leben wird man einfach nicht los. Sie bleiben in Erinnerung, egal wie weit sie in der Vergangenheit liegen. Sie definieren die eigene Biographie, und im schlimmsten Fall wird man auf diese Zeitspanne reduziert, auch wenn man viel mehr zu bieten hat. So wie bei Carl Verheyen. Der US-Gitarrist war 1985 und 1986 als Ersatzmann sowie von 1996 bis 2002 und dann noch einmal von 2010 bis 2012 als festes Bandmitglied Gitarrist bei Supertramp, insgesamt also elf Jahre lang, wenn man die ganzen Pausen rausrechnet. Macht sich ohne Frage gut im Lebenslauf, auch wenn der Stern der legendären Formation damals schon im Sinken begriffen war. Doch angesichts einer fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere mit zahlreichen Veröffentlichungen unter dem eigenen Namen ist Verheyen doch mehr als das. In der Harmonie hat er jetzt zusammen mit seiner Band gezeigt, was in ihm steckt – und warum er von Musikern und Experten gleichermaßen zu den besten Gitarristen der Welt gezählt wird.

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One Ok Rock: Radikale Entgiftung

Die Suche dürfte vorbei sein: Die lautesten Fans der japanischen Band One Ok Rock kommen ohne Zweifel aus oder zumindest nach Köln. Die singfreudigsten ebenfalls. Bei ihrem ersten Konzert in der Domstadt zeigen sich die vier Mitt-Dreißiger auf jeden Fall vom Publikum begeistert – ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruht. Warum auch nicht? Immerhin geben One Ok Rock von der ersten Sekunde an Vollgas, hämmern harte Metal-Riffs auf mainstream-fähige Strukturen und lassen insbesondere bei ihren jüngeren Stücken deutlich die Einflüsse von Linkin Park und Good Charlotte mitschwingen. Massive Sounds schallen durch die Lanxess Arena, zum Teil radikal brachial und doch nie überladen, nur um dann wieder balladesk zu werden, mit kurzen Intermezzi einer Akustik-Gitarre. Und dazwischen die klare, mitunter fast schon androgyn wirkende Stimme von Frontmann Taka Moriuchi. Eine faszinierende Mischung. 

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Christian Frentzen: Hoher Besuch in Dottendorf

Die Dottendorfer Jazznacht hat sich in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf erarbeitet und schon etliche hochkarätige Musikerinnen und Musiker zu Gast gehabt. Dennoch ist der Besuch von Nils Landgren fast so eine Art Ritterschlag für die Veranstaltungsreihe, immerhin gilt „Mr. Red Horn“ als einer der erfolgreichsten und profilitiertesten Jazzer Europas. Normalerweise würde man einen Künstler seines Kalibers eher in der Bundeskunsthalle oder in der Bonner Oper erwarten und nicht im Ortszentrum Dottendorf. Doch dank dem Kölner Pianisten Christian Frentzen ist das Wunder Wirklichkeit geworden: Dieser hat Landgren bei einem anderen Projekt kennengelernt, den Posaunisten und Sänger kurzerhand eingeladen und erst dann Impressario Herbert Kaupert den Termin vorgeschlagen. Der hat natürlich sofort zugeschlagen – und freut sich über ein Konzert, das den Besucherinnen und Besuchern sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Andreas Wessels: Ein bisschen Balla Balla

Äpfel, Marshmallows, Gabeln und Putzzubehör: Im Grunde scheint es Andreas Wessels völlig egal zu sein, womit er jongliert. Wenn man es werfen kann, soll es auch fliegen dürfen, da ist der Berliner ganz pragmatisch. Im Pantheon, wo er nun sein aktuelles Solo-Programm „Move – Catch – Smile“ präsentiert, katapultiert er denn auch so einiges in die Luft. Doch reicht das, um einen ganzen Abend zu füllen? Ja, tut es – weil Wessels spröder Charme und sein Witz selbst die ein oder andere Panne überspielen können. Und weil er gut genug ist, um das Publikum immer wieder aufs Neue zu verblüffen.

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Nacht der Gitarren: Magie mit sechs Saiten

Perlende Läufe, wilde Rhythmen und auch der ein oder andere Schlag auf die Saiten: Die Nacht der Gitarren, die in der Harmonie seit Jahren eine Institution ist, hat auch 2025 wieder die ganze Bandbreite eines Instruments offenbart, das keine Grenzen kennt, weder geographisch noch stilistisch. Klassik, Jazz, Rock und alles dazwischen erklingen, melodisch unbeschwert, melancholisch, jubilierend oder aufwühlend. Geht alles. Der Gypsy-Gitarrist Lulo Reinhardt, der die vom „Gitarren-Poeten“ Brian Gore initiierte internationale Konzertreihe in Deutschland konzipiert, hat diesmal mit der Britin Alexandra Whittingham, der Französin Elodie Bouny und dem Russen Alexandr Misko eine bemerkenswerte und erstklassige Riege von Musikern zusammengestellt, die in unterschiedlichen Konstellationen den Abend gestalten und dabei mühelos über die Saiten tanzen. Selbst wenn Sie dabei mitunter an die Grenzen der Gitarre stoßen.

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Cologne Comedy Festival: Witz in Bits

Bastian Pastewka (hier beim Prix Pantheon 2021) kommt zum Cologne Comedy Festival 2025.
Bastian Pastewka (hier beim Prix Pantheon 2021) kommt zum Cologne Comedy Festival 2025.

Größer, moderner, frischer und frecher: In den vergangenen Jahren ist das Cologne Comedy Festival stetig gewachsen, hat sich aber auch der zunehmenden Bedeutung der Sozialen Medien ergeben und neue Formate etabliert, die den Künstlerinnen und Künstlern der Generation TikTok ebenso gerecht werden wie den alten Hasen. Vom 22. Oktober bis zum 9. November werden sich in der Domstadt daher Top-Stars und Newcomer in mehr als 150 Shows die Klinke in die Hand geben und den Humor in all seiner Vielfalt feiern. Was mitunter leichter gesagt als getan ist.

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Duisburger Philharmoniker: Grenzenloses Kammerkonzert

Auf der Bühne der Philharmonie Mercatorhalle herrschte eine Stimmung wie bei einem alten MTV Unplugged-Konzert: Vor den abgehängten Wänden sorgten große Scheinwerfer mit warm-gelbem Licht für eine gemütliche Stimmung, die sich auf den Zuschauerraum übertrug. Das 2. Kammerkonzert der Duisburger Philharmoniker am vergangenen Freitag beinhaltete Ungewöhnliches: So war es das erste von insgesamt vier Konzerten im Rahmen der Kammerkonzerte, das transkulturell ausgerichtet ist – eine Neuerung in dieser Spielzeit, die das ungewöhnliche Profil des Orchesters verdeutlicht. Musikalische Gastgeberin war an diesem Abend die indische Sängerin Kamalini Mukherji, die bereits im 10. Philharmonischen Konzert des Vorjahres sowie einer Indischen Nacht überzeugte.

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Vince Ebert: „Lachen verwandelt Mauern in Fenster“

Wir leben in verstörenden Zeiten. In einer sich immer schneller transformierenden  Welt gerät die Anpassungsfähigkeit der Menschen an ihre Grenzen – vor allem, weil wir uns selbst im Weg stehen. So sieht das zumindest Vince Ebert, der Meister der Ratio. Der Wissenschaftskabarettist wollte eigentlich gar kein neues Programm mehr schreiben, gerade weil er mit seinen Erklärungen kaum noch mit dem Fortschritt mithalten konnte, doch seinem Seelenfrieden zuliebe hat er sich noch einmal aufgerafft und mit „Vince of Change“ die soziologischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte in den Mittelpunkt gestellt. Doch jenseits der von ihm verehrten Naturwissenschaften verheddert sich der 57-Jährige mitunter in Kommentaren über Befindlichkeiten, verzichtet auf eine klare Linienführung und verschießt scheinbar ziellos eine Pointe nach der anderen, oftmals plump – und deshalb mitunter ganz schön gefährlich.

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Thees Uhlmann: Die Absurditäten des Alltags

Der Alltag ist öde? Dem kann Thees Uhlmann nicht zustimmen. Der Ex-Frontmann der Band Tomte, die ähnlich wie Tocotronic und Kettcar einst zur Speerspitze der Hamburger Schule gezählt werden, liebt den Alltag sogar. Denn gerade im scheinbar immer Gleichen findet er besondere Momente und eigentümliche Bilder, ein Aufleuchten im Grau der Kontinuität, ein Lichtblitz inmitten von Monotonie und Melancholie. Beim Auftakt der neuesten Ausgabe des WDR Rockpalast-Festivals in der Harmonie hat er mit einem abendfüllenden Konzert genau diese in Musik gegossenen Szenen präsentiert. Und er hat schon viele gefunden: In seiner Heimat in Nord-Niedersachsen, westlich der Oste und südlich der Elbe, gibt es zum Beispiel einen Punkt, von dem aus man drei Atomkraftwerke gleichzeitig sehen kann. Ein erschreckendes Bild, denkt man – aber für Uhlmann ist es auch faszinierend. Gerade weil man sich daran schnell gewöhnt hat. Denkt da noch irgendjemand drüber nach? Wohl kaum.

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Marla Glen: Blues im Blut und Soul in der Seele

An Energie hat es Marla Glen noch nie gemangelt. Ganz im Gegenteil: Der Musiker mit der unglaublich tiefen Reibeisen-Stimme, der sich seit 2023 als trans Mann identifiziert, kann einfach nicht stillstehen. Wie auch, wenn man so tief in die Musik hineintaucht wie der 65-Jährige mit dem Blues im Blut und dem Soul in der Seele. Das Kribbeln ist einfach zu stark. Auch im Pantheon, wo Glen seit Jahren Stammgast ist, dreht sie von der ersten Sekunde an auf, wippt und tänzelt, sich am Mikrofonständer festklammernd und alles aus sich heraus lassend. Und das ist viel. Sehr viel. Schon bei „Travel“ gibt er alles, ebenso wie bei „The Cost of Freedom“, zwei seiner größten Hits. Was für ein Auftakt.

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René Sydow & Christian Miedreich: Spießbürger unter sich

Ach ja, die Deutschen. Ein eigentümliches Völkchen. So blasiert wie Berlin, so trostlos wie Pirmasens und so von sich überzeugt, dass sie von sich selbst als Steigerung sprechen. „Ich bin nicht deutsch, ich bin deutscher.“ So viel Zeit muss sein. Jetzt nehmen sich René Sydow und Christian Miedreich bei ihrem ersten gemeinsamen Kabarettprogramm diesen unseren Landsleuten an, um in einer Art satirischem Heimatabend den Geist und die Seele der so genannten Germanen zu ergründen – ein Wort übrigens, das sich in mehr als einer Hinsicht mit „Spießbürger“ übersetzen lässt. Passt ja. Also wird gestichelt, was das Zeug hält. Gnadenlos rechnet das Duo bei der Premiere im Pantheon mit Vorurteilen und Wahrheiten gleichermaßen ab, wagen sich in den Bürokratendschungel und ins Mittelschichts-Biotop, setzt sich mit echten und gefühlten Befindlichkeiten auseinander und begeistert mit einer unglaublichen Spielfreude. Besser kann Nummernkabarett nicht sein. Böser auch nicht.

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One Republic: Liebeserklärung an die Domstadt

Streicheleinheiten für die lokale Seele: Ein paar lobende Worte für die Stadt, in der man gerade auftritt, ist für viele Bands eine Selbstverständlichkeit. Doch die Liebeserklärung von One Republic  in Richtung Köln ist trotzdem auffällig. In der gut gefüllten Lanxess Arena bejubelte Frontmann Ryan Tedder mehrfach Deutschland im Allgemeinen und die Domstadt im Besonderen – immerhin soll hier die Erfolgsgeschichte des Sextetts begonnen haben, in den hiesigen Clubs und in Baden-Baden (Nicht fragen, selbst One Republic weiß nicht mehr genau, warum sie ausgerechnet dort einen Song bewerben sollten). Wie dem auch sei, es scheint geholfen zu haben. Immerhin ist die Band eine der erfolgreichsten der frühen 2000er Jahre, mit einem Sound, der – im Guten wie im Schlechten – im Herzen des Pop zu Hause ist. Und in Köln natürlich. 

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