Ingo Appelt: „Macht euch mal locker“

Eins muss man Ingo Appelt lassen: Für seine Fans tut er alles. Kaum ist er nach massiven verkehrstechnischen Problemen rund um Köln endlich im Pantheon angekommen, stürmt er schon auf die Bühne, um das Publikum nicht eine Sekunde länger als nötig warten zu lassen. Als Comedy-Dienstleister sieht er sich schließlich in der Pflicht, und die endet nicht beim pünktlichen Beginn seiner Show. Sondern fängt erst dort an. Jede einzelne Pointe setzt Appelt für die Zuschauerinnen und Zuschauer, auf genau jenem Niveau, das man seit seinen Auftritten bei RTL Samstag Nacht und anderen Comedyshows in den 1990ern von ihm erwartet, also unter der Gürtellinie, mit ordinären und pubertären Zoten, die möglichst nah an der Schamgrenze liegen und versuchen, die Menge zu schockieren. Was allerdings nicht immer das gewünschte Ergebnis erzielt.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Schon immer spielte Appelt mit dem Image des enfant terible und dem kalkulierten Tabubruch. Er war der „Kotzbrocken der Nation“, der sich im Fernsehen und auf der Bühne fast alles erlauben konnte und vor allem den damaligen Privatsendern mit allerlei Skandalen eine große Sichtbarkeit sicherte. Ob er nun ein Schild mit dem Wort „Ficken“ in jede nur denkbare Kamera hielt, als Vampir verkleidet benutzte Tampons leer sog oder mit einer Penis-Handpuppe hantierte, stets genoss Appelt die Provokation. In seiner eigenen Show bei Pro Sieben ließ er sogar Babypuppen auf eine Torwand kicken – der darauf folgende erwartbare Aufschrei war dann aber doch so groß, dass der Sender die Reißleine zog und das Format mit sofortiger Wirkung einstellte. Zwei Jahre später war Appelt dann wieder oben auf und machte weiter wie bisher, vielleicht ein bisschen leiser, aber doch immer noch die Grenzen des guten Geschmacks suchend. Und findend.

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Dabei kann Appelt auch anders. Als gelernter Maschinenschlosser war er in der IG Metall aktiv, ebenso wie in der SPD, die ihn 2012 sogar zur Bundesversammlung schickte, auf der Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Der Partei gehört er immer noch an, auch wenn er in seinem Programm genüsslich gegen so manchen SPD-Politiker austeilt und sie gekonnt parodiert. Noch lieber geht er aber gegen Donald Trump vor, ebenso wie gegen die AfD mit ihren Mitgliedern von der „maskulinen Resterampe im Osten“ – da ist er wieder, der schwarz-braune Humor. „Ich könnte auch ein politisch korrektes Programm machen“, betont er zu Beginn seines Auftritts im Pantheon, „oder ich könnte auf die Kacke hauen“. Das Publikum darf wählen und entscheidet sich natürlich für letzteres. Diese Legitimation reicht Appelt völlig aus. Er träumt davon, wie Rammstein-Sänger Till Lindemann die gesamte erste Reihe zu begatten („mit der Spermakanone voll in die Fresse“), fordert ein Matriarchat wie bei den Hyänen verknüpft mit der Sex-basierten Deeskalations-Strategie der Bonobos und plant, das gesamte Internet mit Schwulenwitzen über Putin zu fluten. Und das sind noch die harmlosen Kommentare. „Das ist euch unangenehm, oder?“, fragt er das Publikum, das zwar herzhaft lacht, mit dem Applaus aber sparsam umgeht, zumindest zu sparsam für Appelts Geschmack.


Genau dieses Gefühl des Unangenehmen ist der Kern von Appelts Programm. Er will die Menschen mit ihrer eigenen Hybris konfrontieren, will sie schockieren und sie dadurch entkrampfen. „Ich verstehe das ganze Geschiss um Homosexualität nicht“, sagt er. Oder um Sexualität im Allgemeinen. Gleiches gilt für political correctness: „Ich habe im Keller noch etliche Flaschen mit Zigeunersoße“, bekennt der 58-Jährige. „Meine Sinti- und Roma-Freunde finden die lecker.“ Und das Publikum? Findet es zumindest lustig.

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