Juni 2026

Jugend Jazz Orchester Bonn: Ambitionierter Nachwuchs

Hauptsache neu oder anders, am liebsten beides zusammen: An herkömmlichem Bigband-Material hat das Jugend Jazz Orchester Bonn (JJOB) kein Interesse. Dabei sind die Mitglieder keine alten Hasen, sondern zwischen zwölf und 24 Jahren alt, also im Grunde noch am Anfang ihrer Beschäftigung mit dem Jazz in all seinen Facetten. Doch mangelnde Ambitionen kann man dem Ensemble um die beiden Jazz-Lehrer Thomas Kimmerle und Thomas Heck wahrlich nicht vorwerfen – zu recht hat es 2024 den WDR Jazzpreis erhalten. Im Pantheon, wo sie gewissermaßen das Kehraus-Konzert spielten und das Haus in die Sommerpause schickten, präsentierten die jungen Musikerinnen und Musiker nun ein kontrastreiches Programm, zu dem ein paar ungewöhnlich arrangierte Rock-Nummern ebenso gehörten wie ein paar Klassiker.

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Sir Williams: Robbie auf dem Marktplatz

Deutschland schwitzt. Überall sind in den vergangenen Tagen aufgrund der hohen Temperaturen Veranstaltungen abgesagt worden – nicht aber beim Musiksommer Ahrweiler. Immerhin liegt der Marktplatz Abends schon im Schatten, und mit ein paar Getränken von den umliegenden Cafés, Restaurants und Buden lässt sich die Hitze eigentlich gut aushalten. Und so können denn auch Sir Williams Vollgas geben und am Fuße von St. Lurentius ordentlich abrocken. Die nach eigenen Angaben dienstälteste Robbie-Williams-Tributeband Europas feuert denn auch aus allen Rohren, gibt mit „Let Me Entertain You“ die Marschrichtung vor und zelebriert die 35-jährige Karriere des britischen Superstars mit Songs, die von den ersten Take-That-Erfolgen („Relight My Fire“) bis zu Titeln des aktuellen Albums Britpop („All My Life“). Eine reizvolle Mischung. Und eine starke Performance.

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Mai 2026

Jan Preuß: „Man müsste Eltern auslachen dürfen“

Als Erzieher hat man es echt schwer. Und es wird immer schlimmer. Kein Wunder, dass sich immer weniger Männer und Frauen finden lassen, um in Kinderverwahranstalten den Horror des Spielzeugtags hautnah mitzuerleben oder Sechsjährigen die Windel zu wechseln und im schlimmsten Fall sowohl von diesem Blag als auch von dessen Eltern angeschissen zu werden. Bei solchen Geschichten fährt Jan Preuß aus der Haut. Der Comedian ist gelernter Erzieher und kennt den Kita-Alltag aus erster Hand. Mit seinem aktuellen Programm „Baueckenverbot“ tourt er derzeit durch die Bundesrepublik und ist so auch ins restlos ausverkaufte Haus der Springmaus gekommen, wo er dem Publikum, das geschätzt zu 90 Prozent aus Kindergärtnerinnen zu bestehen scheint, mit viel Verve aus der Seele redet – und eine absurde Geschichte nach der anderen erzählt.

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Hazmat Modine: Atemberaubend heiße Luft

Es ist heiß in der Harmonie, heiß und stickig. Gegen die schwüle Luft und die Wärme der dicht an dicht stehenden Besucher ist selbst die Klimaanlage machtlos. Und gegen die Band auf der Bühne erst recht. Denn was Hazmat Modine dort in einem riesigen Schmelztiegel zusammenmischt, ist atemberaubend: Folk, Rock, Blues, Klezmer, Reggae und vieles mehr verbinden sich zu einer Legierung, die mehr ist als die Summe der einzelnen Teile. Mühelos wächst zusammen, was man nie zusammen gedacht hätte und was trotzdem nahtlos ineinander greift, geprägt von der Virtuosität und der Leichtigkeit der Bandmitglieder – und von so manchem Witz.

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April 2026

Luiza: Stimmung mit Konserve

Was für eine Stimme, was für ein Feuer, was für eine Band: Den Auftritt der türkisch-niederländischen Sängerin Karsu im Telekom Forum kann man nicht nachdrücklich genug loben. Die 36-Jährige war zwar schon im vergangenen Jahr zu Gast bei „Over the Border“, aber Organisator Manuel Banha hat einmal mehr den richtigen Riecher gehabt und sie erneut eingeladen. Zumal Karsu zum 10. Jubiläum des Weltmusikfestivals mit ihrer Jazzband nach Bonn gekommen ist – und damit alle Erwartungen mühelos übertrifft.

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Jazzfest: Ein Abend für Hirn und Herz

Das Jazzfest Bonn ist dafür bekannt, in seinen Doppelkonzerten immer wieder Spannungen aufzubauen, mit Kontrasten zu spielen und mitunter auch zu polarisieren. An einem Abend im Collegium Leoninum kam dies nun besonders deutlich zum Tragen: Auf der einen Seite erkundete die Pianistin Marlies Debacker Klangwelten jenseits von Melodie und Rhythmus, auf der anderen begeisterte die Gitarristin Lau Noah mit berührenden Folk-Geschichten und musikalischen Märchen. In dieser radikalen Gegensätzlichkeit fühlte sich längst nicht jeder wohl. Und doch waren beide Auftritte letztlich eine Erfahrung wert.

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März 2026

Wolfgang Niedecken: Mehr als nur ein Blick zurück

Musiker, Poet, Geschichtenerzähler: Wolfgang Niedecken ist all das und mehr. Er ist eine der guten Seelen Kölns, dessen Erinnerungen das kollektive Gedächtnis einer ganzen Stadt prägen. Selten wurde dies deutlicher als an seinem 75. Geburtstag, den der BAP-Frontmann nicht etwa im Kreis seiner Familie, sondern stilecht mit einem Konzert in der ausverkauften Philharmonie feierte. Im Rahmen seiner „Zwischen Start und Ziel“-Tour beleuchtete er die Genese so mancher Klassiker, die – abgesehen von der ein oder anderen künstlerischen Verfremdung – einen starken biographischen Charakter haben. Nur begleitet von Mike Herting blickte Niedecken auf Szenen aus seinem Leben zurück, die sich irgendwie in sein Gedächtnis eingebrannt haben und die so manches Lied in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.

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Jan van Weyde: Heiko, Bernd und der fiese Tobi

Die besten Geschichten erzählt das Leben. Vor allem, wenn man Kinder hat. Und einen besten Freund namens Heiko. Und einen kleinen, einen winzigkleinen Teufel auf der Schulter, der ab und zu den inneren Dämon entfesselt. Im Falle des Comedians Jan van Weyde heißt dieser Tobi. Tobi kann alles besser, weiß alles besser und spricht mit einer Stimme, in die man reinschlagen möchte. Außerdem ist Tobi der beste Freund von van Weydes kleiner Tochter, die gerade so eine Phase durchmacht, genau so eine, wie man die mit sechs Jahren eben hat; Eltern werden wissen, was gemeint ist. Und damit wäre der inhaltliche Rahmen des dritten Solo-Programms van Weydes skizziert, das er jetzt unmittelbar nach der Premiere an gleich zwei Tagen im Haus der Springmaus präsentiert. Es geht um die Familie, um große und um kleine Dramen, um mehr oder weniger peinliche Kneipentouren – und vor allem um zwei unglaublich unterhaltsame Stunden.

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Februar 2026

Matilde Keizer: Pasta, Sex und Worttiraden

Andere Länder, andere Sitten: Für Comedians ist die daraus entstehende Verwirrung immer wieder ein gefundenes Fressen. Wer ist nicht schon alles auf den Ethno-Zug aufgesprungen, auch wenn dieser seit einigen Jahren an Fahrt verloren hat. Künstlerinnen und Künstler mit türkischem, iranischem, griechischem oder – ganz extrem – holländischem Hintergrund sind inzwischen keine Exoten mehr, und der unausweichliche Konflikt zwischen den in Deutschland aufwachsenden Kindern und der „Lost in Translation“-Generation der Eltern hinreichend bekannt. Dennoch knüpft Matilde Keizer, ihres Zeichens gebürtige Italienerin und ausgebildete Schauspielerin, mit ihrem ersten Solo-Programm „Lasagne im Bett“ gerne daran an – und macht ihre Sache eigentlich ganz gut, wie ihr Auftritt im Pantheon beweist. Zumindest in der ersten Hälfte. 

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Nicole Nau & Luis Pereyra: Sehnsucht nach Freiheit

Ach, der Tango. Ein Tanz, der begehrt und sehnt, der verführt und der trauert, der schmerzt und manchmal sogar jammert. Luis Pereyra hat ihm sein Leben gewidmet, als er 1975 mit zehn Jahren erstmals auf einer Bühne tanzte und sie im Grunde nie wieder verließ. Fünf Jahrzehnte lang hat er den Tango Argentino gezeigt, choreographiert und gelehrt; einmal hat er sogar Prinzessin Diana und Prinz Charles (heute König Charles III.) unterrichtet. Mit der Produktion „Siga el baile“ blickt er nun – unterstützt von seiner Frau und langjährigen Tanzpartnerin Nicole Nau sowie der gemeinsamen Kompanie – auf sein Leben und die Geschichte des Tango Argentino zurück. So auch im restlos ausverkauften Pantheon.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Januar 2026

INTERVIEW Moritz Ter-Nedden: Profilschärfung mit Ludwig

Frischer, jünger und gleichzeitig den alten Meistern verpflichtet: Diesen Spagat will die Klassische Philharmonie Bonn in Zukunft wagen. Nachdem Intendant Nils Liepe, selbst ein erfolgreicher Pianist, schon seinen Bruder Niklas für die künstlerische Projektentwicklung mit ins Boot geholt hatte, ist das Leitungsteam seit dieser Spielzeit durch den Einstieg des Violinisten Moritz Ter-Nedden als Orchesterdirektor vollständig. Jetzt gibt letzterer einen Einblick in die geplante Neuausrichtung – und die kann sich schon jetzt hören lassen.

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Stephan Lucas: „Jeder ist zu allem fähig“

„Sie alle haben schon einmal einen echten Mörder gesehen.“ So ganz will man der Behauptung von Stephan Lucas nicht folgen. Das wäre ja gruselig. Aber wirklich so abwegig? Immerhin kann man den Menschen nur vor den Kopf schauen, und die Biographie sämtlicher Passanten, die an einem vorbeilaufen, kennt auch niemand. Vielleicht ist also doch etwas dran an den Worten des Fernseh-Anwalts und Strafverteidigers, der in der Pantheon-Lounge aus seinem Leben plaudert. Lucas, der der breiten Öffentlichkeit aus Sendungen wie „Richter Alexander Hold“, „Im Namen der Gerechtigkeit“ oder „Das Strafgericht“ bekannt sein könnte, ist sich seiner Sache auf jeden Fall sicher. Immerhin haben auch verurteilte Straftäter in der Regel ein Recht auf Freigang, ganz zu schweigen von jenen, die ihre Strafe bereits vollständig verbüßt haben. Und letztlich sind Mörder auch nur Menschen.

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