Was für eine Stimme, was für ein Feuer, was für eine Band: Den Auftritt der türkisch-niederländischen Sängerin Karsu im Telekom Forum kann man nicht nachdrücklich genug loben. Die 36-Jährige war zwar schon im vergangenen Jahr zu Gast bei „Over the Border“, aber Organisator Manuel Banha hat einmal mehr den richtigen Riecher gehabt und sie erneut eingeladen. Zumal Karsu zum 10. Jubiläum des Weltmusikfestivals mit ihrer Jazzband nach Bonn gekommen ist – und damit alle Erwartungen mühelos übertrifft.
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Im Grunde ist der Einsatz von Playbacks immer das Resultat einer Kosten-Nutzen-Rechnung. Was kosten zusätzliche Musiker, und inwieweit verbessern sie das Konzerterlebnis des Publikums. Aus Sicht von Luiza scheint es völlig auszureichen, wenn Bass, Schlagzeug und Klavier vorproduziert aus der Konserve schallen und den gesamten Saal mit wuchtigen, völlig übertrieben Beats zum Beben bringen, während ein Saxofonist und ein Trompeter als Alibi-Bläser zumindest den Anschein einer Live-Veranstaltung vermitteln. Elektronische Musik spielt in ihrem Schaffen ohnehin eine große Rolle: Chansons und Jazz, Reggae und Salsa unterfüttert sie mit vorproduzierten Dubs, die unweigerlich in die Beine fahren. Dafür sind sie und ihre beiden Live-Kollegen aber in ein starres Korsett gezwängt, haben keinen Spielraum für Improvisation und müssen starr das Programm abspulen, das dadurch zwar optimiert ist, aber nicht authentisch.
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Dem Publikum ist das egal. Mit jedem Song mutiert das Pantheon mehr und mehr zur Disco, in der alle Hemmungen abgelegt und die Körper in Schwingungen gebracht werden. Luiza befeuert diese Entwicklung natürlich, dreht von Song zu Song weiter auf, animiert mitunter auch zum Mitsingen und geht spätestens nach ihrer Interpretation von Luiz Bonfás legendärem „Manhã de Carneval“ aufs Ganze. Mit Erfolg. Beim schmissigen „Vida Loca“ steht der ganze Saal, bei „Oxala“ stürmen einige Damen auf Einladung Luizas sogar die Bühne und tanzen dort mit der Sängerin, die kurz darauf ihrerseits in den Saal hinunterklettert und auf einem Tisch ihr offiziell letztes Lied zum Besten gibt. Diese Nahbarkeit macht Luiza endgültig zum Publikumsliebling. Sie genießt diese Stimmung, das ist spürbar; jetzt, in diesem Moment, ist nichts mehr aufgesetzt und gekünstelt, trotz der Grooves vom Band, die weiterhin mit viel Druck aus den Boxen schallen. Insofern scheint ihre Rechnung aufzugehen. Ob das aus künstlerischer Sicht der richtige Weg ist, steht derweil auf einem anderen Blatt. Immerhin könnte sie auch die Bläser einsparen und wie die meisten Schlager-Stars auf ein Vollplayback setzen. Ob das allerdings der richtige Weg ist, darf bezweifelt werden. Bleibt zu hoffen, dass Luiza bei der nächsten Gelegenheit mal mit einer vollständigen Band nach Bonn kommt. Dann könnte die Party noch prächtiger werden.














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