Andere Länder, andere Sitten: Für Comedians ist die daraus entstehende Verwirrung immer wieder ein gefundenes Fressen. Wer ist nicht schon alles auf den Ethno-Zug aufgesprungen, auch wenn dieser seit einigen Jahren an Fahrt verloren hat. Künstlerinnen und Künstler mit türkischem, iranischem, griechischem oder – ganz extrem – holländischem Hintergrund sind inzwischen keine Exoten mehr, und der unausweichliche Konflikt zwischen den in Deutschland aufwachsenden Kindern und der „Lost in Translation“-Generation der Eltern hinreichend bekannt. Dennoch knüpft Matilde Keizer, ihres Zeichens gebürtige Italienerin und ausgebildete Schauspielerin, mit ihrem ersten Solo-Programm „Lasagne im Bett“ gerne daran an – und macht ihre Sache eigentlich ganz gut, wie ihr Auftritt im Pantheon beweist. Zumindest in der ersten Hälfte.
Denn nach der Pause lässt sie das Niveau ins Bodenlose abstürzen, beschäftigt sich in der Tradition von Charlotte Roche mit ihren „Feuchtgebieten“ und reißt so den vorherigen positiven Eindruck mühelos wieder ein. Warum? Weil sie die starken (und sehr eigenwilligen) Frauen ihrer Familie in diesem zweiten Teil außen vor lässt. Und damit auf ihre besten Figuren verzichtet.
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Auch wenn Keizer natürlich mit ihrer Darstellung der weiblichen Verwandtschaft zahlreiche Klischees bedient, ist vor allem das verbale Dauerfeuer ihrer Helikopter-Mutter, die immer wieder wie ein
Kamikaze-Bomber in das Leben ihrer Tochter kracht und alles durcheinanderwirbelt, ein Genuss. Und Es ist schon ein Wunder, dass Keizer die minutenlangen Tiraden – allesamt gut gemeint –
überhaupt durchsteht, ist doch im Grunde nirgendwo Raum für eine Atempause. Dazu kommen die üblichen Dramen der Damen, allesamt jenseits der 70, aber deswegen alles andere als zurückhaltend. Wenn
dann auch noch in der Vergangenheit gewühlt wird, insbesondere in der der Großmutter mit ihren Verhältnis zu einem katholischen Priester, liegt das Publikum am Boden vor Lachen. Gleiches gilt für
die Fahrstunden in dem Autokriegsgebiet namens Rom, der Charme von italienischem Sexismus und die hohe Kunst des Meckerns in Südeuropa.
So unterhaltsam Keizer diese Passagen auch gestaltet: Sobald es um ihre eigenen Gelüste oder grundsätzlich um die eigene Person geht, ist alles aus. „Das Einzige, was in meiner Wohnung nicht
feucht ist, bin ich“, sagt sie etwa, um sich kurz darauf über die besondere Anziehung zwischen ihrer Katze und ihrem Vibrator auszulassen (ist das schon Sodomie, fragt sie allen Ernstes?) oder
über Rollenspiele mit ihrem Freund zu fantasieren. Nachwuchs will sie übrigens keinen, weil sie ja einen Jungen kriegen könnte und der im Teenageralter automatisch stinken würde, dazu kommen nach
eigenen Aussagen Depressionen, ein Reizdarm und eine Schilddrüsenunterfunktion. Das entschuldigt natürlich alles. Geradezu bemitleiden muss man den jungen Mann, den Keizer unmittelbar nach der
Pause zu sich auf die Bühne zwingt und zu interviewen versucht, was einfach nicht gelingt – da fehlen sowohl Schlagfertigkeit als auch Improvisationsgeschick. So unterhaltsam Keizer auch mit
ausgeschriebenen Nummern sein kann, so enttäuschend ist sie beim Stand-Up. Das wäre alles wirklich nicht nötig gewesen. Schade, zumal das Talent für eine Comedienne zweifelsfrei vorhanden ist.
Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Programm besser. Mit mehr Drama. Und weniger Sex.











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