Jugend Jazz Orchester Bonn: Ambitionierter Nachwuchs

Hauptsache neu oder anders, am liebsten beides zusammen: An herkömmlichem Bigband-Material hat das Jugend Jazz Orchester Bonn (JJOB) kein Interesse. Dabei sind die Mitglieder keine alten Hasen, sondern zwischen zwölf und 24 Jahren alt, also im Grunde noch am Anfang ihrer Beschäftigung mit dem Jazz in all seinen Facetten. Doch mangelnde Ambitionen kann man dem Ensemble um die beiden Jazz-Lehrer Thomas Kimmerle und Thomas Heck wahrlich nicht vorwerfen – zu recht hat es 2024 den WDR Jazzpreis erhalten. Im Pantheon, wo sie gewissermaßen das Kehraus-Konzert spielten und das Haus in die Sommerpause schickten, präsentierten die jungen Musikerinnen und Musiker nun ein kontrastreiches Programm, zu dem ein paar ungewöhnlich arrangierte Rock-Nummern ebenso gehörten wie ein paar Klassiker.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Tatsächlich greift der Jazz immer stärker bei benachbarten Genres zu, um starke Melodien zu adaptieren und sie sich zu eigen zu machen. Das JJOB hat sich auf diese Weise unter anderem mit der Radiohead-Nummer „Bodysnatchers“ beschäftigt sowie mit dem Soundgarden-Klassiker „Black Hole Sun“. Vor allem letzteres erwies sich allerdings als Fehler, da die düstere Atmosphäre des Originals im Bigband-Arrangement überhaupt nicht spürbar ist und die Melodie vielmehr entsdpannt swingend daherkommt. Schade, zumal das Ensemble an sich exzellent spielt. Angesichts diverser personeller Probleme keine Selbstverständlichkeit – so war erst eine Woche zuvor einer von drei Drummern wegen eines gebrochenen Fußes ausgefallen, so dass die beiden anderen innerhalb kürzester Zeit noch dessen gesamtes Material einstudieren mussten. Für Jugendliche keine leichte Aufgabe. An anderer Stelle mussten Kimmerle und Heck mehrere „Nachnominierungen“ vornehmen, um die Lücken zu füllen. Es spricht für das Ensemble, dass es dennoch einen kohärenten Sound erklingen lässt und bei allen Einsätzen auf den Punkt spielt. Besonders hervorzuheben sind neben diversen Soli die drei Posaunen bei der Snarky-Puppy-Nummer „Atchafalaya“ und die Percussion bei „Cactus Blossom“. 

Und dann wären da noch zwei Sängerinnen, die beim JJOB mitwirken: Die fantastische Toni Gutermuth, die mit warmer Stimme „But Not For Me“ und „Too Close For Comfort“ veredelt, sowie Silvia Wang, die in der zweiten Konzerthälfte auf Anregung von Thomas Kimmerle ihre Stimme eher als Instrument verwendet, letztlich aber doch nur in weiten Teilen die Melodie spiegelt und damit unter ihren Möglichkeiten bleibt. Aber vielleicht muss sich das nur noch entwickeln. Das Publikum ist von dem Konzert auf jeden Fall restlos begeistert und feiert das Ensemble mit lang anhaltendem Applaus.

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