Jan van Weyde: Heiko, Bernd und der fiese Tobi

Die besten Geschichten erzählt das Leben. Vor allem, wenn man Kinder hat. Und einen besten Freund namens Heiko. Und einen kleinen, einen winzigkleinen Teufel auf der Schulter, der ab und zu den inneren Dämon entfesselt. Im Falle des Comedians Jan van Weyde heißt dieser Tobi. Tobi kann alles besser, weiß alles besser und spricht mit einer Stimme, in die man reinschlagen möchte. Außerdem ist Tobi der beste Freund von van Weydes kleiner Tochter, die gerade so eine Phase durchmacht, genau so eine, wie man die mit sechs Jahren eben hat; Eltern werden wissen, was gemeint ist. Und damit wäre der inhaltliche Rahmen des dritten Solo-Programms van Weydes skizziert, das er jetzt unmittelbar nach der Premiere an gleich zwei Tagen im Haus der Springmaus präsentiert. Es geht um die Familie, um große und um kleine Dramen, um mehr oder weniger peinliche Kneipentouren – und vor allem um zwei unglaublich unterhaltsame Stunden.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Die größte Stärke van Weydes ist unzweifelhaft sein Geschick als Erzähler und Entertainer. Locker wirkt er und entspannt, während er mit diebischem Vergnügen allerlei Anekdoten unters Volk bringt, die ebenso skurril wie liebenswürdig sind. Selbst wenn van Weyde nach einem Hotelaufenthalt mit Champagner-Aufguss über die scheinbare Arroganz der Wiener lästert und dabei deren besonderen Zungenschlag so geschickt imitiert, sitzt ihm deutlich sichtbar der Schalk im Nacken. Und dem kann niemand böse sein. Tatsächlich hat van Weyde ein großes Talent für Dialekte und andere Sprachstile, mit dem er genüsslich eine Figur nach der anderen zum Leben erwecken kann. Zum Beispiel Bernd, das Mensch gewordene Flüssigbrot aus Heikos Büro, dessen Pointen sich erst einmal hochsaufen müssen, mit der Zeit aber immer trockener werden. Klingt paradox, ist aber so.

Thematisch bleibt Jan van Weyde im gewohnten familiären Umfeld. Die unangenehmen Begegnungen beim Elternabend spricht er ebenso offen an wie die erste Achterbahnfahrt mit der jüngeren Tochter, bei der er deutlich lauter kreischt als sein Sprössling. Auch das eigene Unverständnis breitet er vor dem Publikum aus, ob es nun um Einweg-Vapes geht oder um seine Frau, die ihm wichtige Aufgaben anvertraut, während sie durch die Wohnung läuft – was akustisch und auch intellektuell nicht immer so ganz einfach ist. Tragisch ist zudem das unvermittelte Ableben von Familie Sandkorn, die sich bereits häuslich im Schuh der jüngeren Tochter eingerichtet hat und durch eine unbedachte Reinigungsaktion den Weg allen Irdischens gegangen ist. Was man einer traumatisierten Sechsjährigen so leider nicht erklären kann. Aber wer weiß, vielleicht kann ja Tobi helfen. Oder Bernd. Oder im schlimmsten Fall eben Papa.

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