„Bohemian Rhapsody“ hat wahrscheinlich jeder im Ohr. „Scaramouche, Scaramouche, will you do the Fandango“. Gut, vielleicht sitzt nicht jede Zeile, aber wer Queens legendäre Rock-Hymne noch nie zuvor gehört hat, muss die letzten 50 Jahre hinterm Mond gelebt haben. Und ein Grund für den besonderen Sound ist ein verstimmtes Klavier. Eigentlich ein Fehler. Aber einer, der Folgen haben sollte. Auch für Dr. Pop alias Markus Henrik. Der promovierte Musikwissenschaftler und -kabarettist liebt solche Anekdoten, die guten aus Rock und Pop ebenso wie die schlechten aus den Abgründen des volkstümlichen Schlagers, und verbreitet sie voller Enthusiasmus unterm Volk. So auch im ausverkauften Pantheon, wo der gute Doktor die Geheimnisse der Musik enthüllte, dabei allerlei Erheiterndes zu erzählen hatte – und auch den ein oder anderen Ausflug in die musikalische Vorhölle unternahm.
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Musik verbindet ja bekanntlich, besteht aber zugleich selbst aus einem mehr oder weniger freiwilligen Netzwerk aus Zitaten und Variationen, Inspirationen und Plagiaten. Dr. Pop kennt sie alle. Gut, vielleicht nicht alle, aber Hunderte, die er allesamt auf einem Sample-Pad gespeichert hat und jederzeit abspielen kann. Je abstruser die Verbindungen, desto besser. Für die Vorwürfe gegen Taylor Swift, sie habe bei ihrem aktuellen Album „Life of a Showgirl“ überaus emsig bei Kolleginnen und Kollegen abgekupfert, sorgt da nur für ein müdes Lächeln.
Viel spannender ist es doch, die Bing-Cosby-Version von „Griechischer Wein“ anzuspielen oder die französische, die die Rugby-Mannschaft aus Bayonne zum Einzug anstimmt. Oder sich mit dem Orchester-Schlag von Strawinskys „Der Feuervogel“ zu beschäftigen, der als Sample von Duran Duran über Milli Vanilli bis hin zu Modern Talking immer wieder Verwendung fand. Ohnehin fasziniert es Dr. Pop, welche Sounds unter anderem durch frühe Synthesizer gewissermaßen unsterblich gemacht wurden: Der Klang einer japanischen Meditationsflöte zum Beispiel, den schon Peter Gabriel für „Sledgehammer“ zu nutzen wusste. Oder der eines bulgarischen Frauenchors, den sowohl der Rapper Haftbefehl als auch der R&B-Sänger Jason Derulo in ihre Stücke integrierten. Ob die beiden wussten, auf wen sie da zurückgegriffen haben?
Für Dr. Pop sind derartige Geschichten, die er mit sichtlicher Begeisterung erzählt, ein ungeheuer großer Schatz, weil sie letztlich zeigen, dass Musik immer aus dem Austausch heraus entsteht. Und manchmal eben auch aus Fehlern. Siehe Queen. Oder siehe Sting, der bei den Aufnahmen zu „Roxanne“ im engen Tonstudio ungewollt mit seinem Hintern gegen das Klavier stieß, einen Akkord erzeugte und kurz auflachte – nur um genau diese Passage dann bewusst stehen zu lassen, statt sie gnadenlos rauszustreichen, so wie das ein seelenloser Roboter gemacht hätte. Wer braucht schon Perfektion? Diese Erfahrung hat übrigens auch Christopher Cross bei den Grammy-Awards 1981, als sein Hit „Sailing“ gleich dreifach ausgezeichnet wurde, unter anderem für das beste Arrangement; dabei war das Intro mit den auslaufenden Streicherklängen eigentlich überhaupt nicht so geplant, sondern die Folge eines viel zu früh gestarteten Samplers.
Natürlich hat Dr. Pop auch genug Beispiele in petto, die nicht sonderlich lustig sondern vielmehr peinlich sind. Vor allem der Rap und der volkstümliche Schlager bieten dem 43-Jährigen genug Munition. „Die Zeit läuft wie die Nase meiner Tochter“: Dieses Bild steuert zum Beispiel Rapper Juri bei und sorgt immerhin noch für Gelächter. Wirklich grauenvoll sind dagegen so manche Kopfgeburten der Amigos – und Texte von den Kastelruther Spatzen. „Auf einmal war die Amsel still / An diesem Morgen im April / Es war fast ein Tag wie jeder Tag / Doch es gab Tschernobyl“. Wie heißt es so schön? Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint. Noch tiefer hinunter schafft es da nur noch der Schlumpfhausen-Barde Vadder Abraham mit seinem Slipeinlagen-Lied. Soll angeblich eine Parodie sein, kann als solche aber nicht ernst genommen werden. Da bleibt nur lachen. Womit Dr. Pop sein Ziel erreicht hätte. Und schon zum nächsten Besuch im Pantheon einladen kann: Am 20. Juni 2026 um 18 Uhr ist er wieder in Bonn zu erleben.
















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