Es reicht. Schluss, aus, vorbei. 40 Jahre sind mehr als genug. 38 Jahre auch. Auf jeden Fall hat Nadeschkin genug. Nicht wegen irgendwelcher bestimmter Situationen und auch explizit ohne Wut im Bauch, aber trotzdem: Sie will nicht mehr. Die Clownin mit den blonden Rastalocken will sich neu erfinden, ohne ihren Bühnenpartner Ursus, will andere Optionen ausloten und vor allem einen Perspektivwechsel vornehmen. Raus aus der Öffentlichkeit der Bühne, rein in die private Position als Zuschauerin. Also zieht sie im restlos ausverkauften Schauspielhaus Bad Godesberg, in dem erstmals eine Veranstaltung aus der Reihe „Quatsch keine Oper“ stattfindet, einen Schlussstrich und lässt Ursus mit dem Duo-Programm „PRSPKTVNWCHSL“ alleine zurück. Zumindest für ein paar Augenblicke. Denn stillsitzen, schweigen und zuhören liegt Nadeschkin nicht. Vor allem da Ursus ohne sie völlig aufgeschmissen ist. Also gibt sie Schützenhilfe, zumindest für den Anfang – und muss letztlich mit dem Aufhören aufhören, um sich selbst treu zu bleiben.
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Als Künstlerpaar sind Ursus alias Urs Wehrli und Nadeschkin alias Nadja Sieger legendär. Die beiden Schweizer sind einzigartig, verweigern sich jedem Definitionsversuch und verschmelzen Clownerie, Sprachspiele, Slapstick, Tanz, Jonglage, Satire und Meta-Kabarett zu einer fantastischen Melange. Was sie tun, ist ebenso poetisch wie absurd, körperlich wie scharfsinnig und vor allem wahnsinnig komisch. In ihrem aktuellen Programm jonglieren sie mit Leerstellen, spielen mit Unspielbarem und loten aus, wie weit sie als Bühnenfiguren wohl alleine kommen würden. Was nicht sonderlich weit ist, wenn selbst für einen schlechten Witz kein Ansprechpartner mehr da ist. Dabei mangelt es nicht an gegenseitiger Unterstützung, insbesondere da Nadeschkin sich bereit erklärt, mal von außen auf das Stück zu schauen, um Ursus Feedback zu geben. Was natürlich zwangsläufig im Chaos mündet. Und dann mischen sich auch noch zwei vorlaute Kassettenrekorder ein, die eigentlich nur von Ursus und Nadeschkin eingesprochene Sätze wiedergeben sollen, sich aber schnell selbständig machen und sogar versuchen, Ursus zu ersetzen. So also sieht es aus, wenn Maschinen auch noch den Humor übernehmen.
Im Grunde treibt das charmante Duo in seinem Programm das Spiel mit den Erwartungen auf die Spitze: Auf der einen Seite führen sie gegenseitig ihre Sätze zu Ende und lieben Wiederholungen unter sich wechselnden Vorzeichen, auf der anderen Seite kommt eben doch alles anders, und das ständig. Sie reagieren aufeinander, nur um dann aufzuhören, aufeinander zu hören; sie reden aneinander vorbei und kommen doch gemeinsam an; und sie drehen sich im Kreis und wundern sich, dass sie am Ende wieder am Anfang stehen. Und dazwischen? Fliegen Stofftiere und Messer durch die nebelschwangere Luft, wird eine Tür gesprengt und eine Hula-Hoop-Nummer ohne Reifen präsentiert. Dazu kommen noch die Anforderungen an Nadeschkin beim Casting. Denn natürlich muss sie, als sie dann doch wieder zurückkommen möchte, erst einmal vorsprechen. Immerhin hat sich Ursus inzwischen weiterentwickelt und ist nicht mehr der Mann vom Anfang des Programms. Also muss Nadeschkin zeigen, was sie kann: Einen Witz erzählen, der schon eine halbe Stunde zuvor ganz bewusst nicht gezündet hat, ein Lied singen und trotz eines unendlichen Intros von Ursus die Fassung behalten, und ein bisschen Tanzen.
Vor allem letzteres ist dabei wirklich sehenswert, denn derart beeindruckende Lockings und Pickings sieht man abseits von hochkarätigen Hip-Hop-Wettbewerben nur selten. Natürlich kommen Ursus und Nadeschkin am Ende wieder zusammen, also ganz offiziell, ohne den Umweg über die Außensicht als „Œil Extérieur“. Zum Glück, denn so bleibt eines der fantastischsten Duo der Kabarett-Geschichte dem Publikum weiterhin erhalten. Und kommt hoffentlich bald wieder.











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