Gregor Pallast: Eine Lehrstunde in Verlogenheit

Schon Volker Pispers hat stets betont: Politisches Kabarett ist zutiefst verlogen. Seiner Meinung zufolge ist es nur ein Versuch des Ablasshandels, eine Selbstbefriedigung des eigenen Gewissens, eine Ausrede, um nicht mehr tun zu müssen. Aufstehen zum Beispiel. Diese Aussage speist sich natürlich aus mehr als 30 Jahren auf deutschen Kleinkunstbühnen, in denen Pispers nie den Eindruck gewonnen hat, etwas zu verändern – doch einzelne Menschen hat er immerhin zum Nachdenken gebracht. Und dazu, ihm zu folgen. So wie Gregor Pallast. Der Bonner Kabarettist ist nach einer sechsjährigen Pause wieder zurück, bläst ins selbe Horn wie der von ihm verehrte Pispers und versucht in seinem neuen Programm „Pallast der Republik“ dennoch, das Publikum auf den rechten Weg zurückzuführen. Und das durchaus erfolgreich.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Pallasts Kabarettkarriere ist vergleichsweise kurz, gerade deshalb aber um so bemerkenswerter. Schon ein Jahr nach seinem Debüt schaffte er es ins Finale des Prix Pantheon 2016, und drei Jahre und ebenso viele Programme später gelang ihm sowohl beim Paulaner Solo als auch beim Reinheimer Satirelöwen ein Doppelsieg. Danach, nicht zuletzt aufgrund der Pandemie, die besagte Auszeit. Und jetzt die Wiederauferstehung, weil er es abseits der Bühne kaum noch ausgehalten hat. „Entweder Kabarett oder Therapie, das waren die Optionen“, sagt er. Da fiel die Wahl leicht. In seinem zweiten Wohnzimmer hat er ohnehin ein Heimspiel: Das Pantheon ist gut gefüllt und Pallast zumindest nach außen hin entspannt. Warum auch nicht? Schlimmer als eine Doppelstunde am Siebengebirgsgymnasium in Bad Honnef, wo Pallast hauptberuflich als Lehrer arbeitet, wird der Auftritt nicht sein. Und so legt er los, mit voller Kraft in einen „verlogenen“ Abend. Und bewaffnet mit jeder Menge Wahrheiten.

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Souverän deckt Pallast Heuchelei und Trickserei auf. Messen mit zweierlei Maß? Nicht mit ihm. Warum ist eigentlich die Strafe für den Missbrauch Schutzbefohlener in der katholischen Kirche ein Versetzungs-, die zweite Ehe aber ein Kündigungsgrund? Warum können sich Unternehmen Experten mieten, die in ihrem Sinne Gutachten veröffentlichen? Warum glaubt man denen noch? Und warum teilen die Bürgerinnen und Bürger ausgelassen die Kommentare von Influencern, die letztlich ebenso käuflich sind wie die Wissenschaftler, während zugleich lauthals gegen die Lügenpresse skandiert wird? Das alles passt für Pallast nicht zusammen. Das Problem: Die sozialen Medien, dank derer die betrunkenen Stammtischparolen einiger weniger an die Ohren jener gelangen, die zustimmend nicken statt entnervt abwinken. „Menschen, die wirklich glauben, man könne sich über Social Media informieren, sind für die Demokratie verloren“, spitzt Pallast es zu.


Im späteren Verlauf des Programms kommen die größeren, komplexeren Themen. Rente, Nationalstolz, Leistung. Letztere muss sich wieder lohnen, fordert ja Kanzler Friedrich Merz in Anlehnung an Donald Trumps Motto „Make America Great Again“, biedert sich bei jenem an und bleibt trotzdem am Steuer. Ein Mann, der sagt was er denkt, auch wenn er nicht immer denkt, bevor er was sagt. Olaf Scholz hat ja in solchen Situationen wenigstens noch geschwiegen. Laut Pallast muss es sich bei Merz um den einzigen Lemming handeln, der kontinuierlich am politischen Suizid scheitert. Ist auch eine Leistung. Selbst die Stadtbild-Diskussion hat Merz überstanden, wahrscheinlich aus Ermangelung sinnvoller Alternativen. Nun, die kommenden Generationen werden es sicher besser machen. Oder? So ganz scheint Pallast nicht daran zu glauben. Immerhin ist er selbst Lehrer. Und so ist es logisch, dass er sich gegen Ende noch der Schulpolitik zuwendet. Und dort wenig Substanz findet. „Beziehung vor Inhalt“, das ist an den Lehranstalten das neue Mantra. Inhalte sind von gestern. Braucht man nicht. So arbeitet TikTok. Und leider auch die AfD.

Termine

25. Februar 2026, 20.15 Uhr, Senftöpfchen Köln

11. April 2026, 20 Uhr, Pantheon Bonn

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