Kai Magnus Sting: Rabimmel Rabammel Dumm Dumm

Er kann sie nicht mehr sehen. Aachener Printen. Bah! Steinharte Plombenzieher mit der Saugkraft einer ganzen Schwamm-Armada, die nach einmaligem Stippen in eine Kaffeetasse selbige staubtrocken zurücklassen, sind Kai Magnus Sting ein Graus. Ebenso wie Marzipan. Und Tee. Und Räucherstäbchen. All die ganzen Weihnachtsgerüche und Geschmäcker, das Gedudel und die Hektik gehen dem 47-Jährigen gehörig auf den Keks. Da könnte er sich drüber aufregen, so richtig drüber aufregen. Also regt er sich auch auf, und zwar mehrfach. Was im Haus der Springmaus zu einem denkwürdigen Abend führte, dank der brillanten Fabulierkunst Stings, dem swingenden Spardosen-Terzett und eines sangesfreudigen Publikums.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Gut, letzteres hat nur einen einzigen großen Auftritt, und das auch nur bei „Marmor, Stein und Eisen bricht“ und eben nicht bei einem klassischen Weihnachtslied. Dafür ist die Menge erstaunlich souverän und beeindruckt selbst das Spardosen-Terzett, das seit mehr als 35 Jahren mit verschiedenen Komikern auftritt und über einen entsprechend reichen Erfahrungsschatz verfügt. Nicht nur deshalb ist das Trio mit seinem Repertoire swingender Miniaturen die ideale Ergänzung für Sting, den Wort- und Versschmied aus dem Ruhrpott, in dem sich die Bodenständigkeit Frank Goosens mit der sprachlichen Finesse eines Jochen Malmsheimers vermischt. Und der Hang zu Wiederholungen? Erinnert mitunter tatsächlich an Mario Barth („Kennste, kennste, kennste“), erweist sich aber als probates Mittel der Bekräftigung und ist zudem aus Stings Mund unglaublich komisch. Geschickt überhöht er Zitate oder Bilder, redet sich augenzwinkernd in Rage und verzweifelt an Dingen, über die sich andere eigentlich keine Gedanken machen. Zum Beispiel, was es eigentlich mit Rabimmel und Rabammel auf sich hat. Sind das Namen, Verben oder Adjektive? Wie werden die eigentlich gebeugt? Und ist das vielleicht sogar kulturelle Aneignung? Man sollte schließlich wissen, was man da singt. Oder sagt.

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Wirklich wild wird es aber erst in familiärer Runde. Immerhin ist Weihnachten das Fest der Gefühle, insbesondere das von Missgunst, Neid und Übersättigung. Dazu kommt Wut, vor allem seitens der immerwährenden Begleiterin Stings, die im letzte  Moment noch unglaublich viel organisieren muss und ihren Gatten daher um das Schmücken des Baumes bittet. Aber in Farben, die zu den Teppichen passen. Und zum Punsch. Und überhaupt. „Weihnachten kann sich ziehen, vor allem wenn es noch nicht ist“, weiß Sting daher und fügt sich seinem Schicksal, auch wenn das bedeutet, nach einem martialischen Axtkampf gegen die verkrüppelte Tanne – zwecks Einpassung in den immer viel zu kleinen Weihnachtsbaumständer – mit selbiger zu verharzen. Was natürlich just in jenem Moment passiert, in dem die Verwandtschaft aufschlägt und innerhalb der ersten fünf Minuten sicherheitshalber sämtliche Vorräte im Haus wegtuppert, so dass die Plätzchendose aussieht wie eine Hobbit-Speisekammer nach dem Besuch eines Dutzends Zwerge.


Dabei kann Weihnachten doch so schön sein. Sagt auch Kai Magnus Sting, der etwa vom Bonner Weihnachtsmarkt sehr angetan ist. So bunt und so vielfältig die Auslagen: Bratwurst, Glühwein, Bratwurst, Glühwein, Reibekuchen, Schnitzereien aus dem Erzgebirge… Da findet doch jeder was. Vielleicht nicht für die holde Gattin, aber doch sicherlich für Onkel Horst. Besser als ein Zehn-Euro-Geschenkgutschein ist irgendeine Holzkunst allemal. Doch es gibt Weihnachtstrends, bei denen auch Sting nicht mitmachen will. Latschenkiefer-Bäder oder Feuchtes Klopapier mit Zimt und Mandel-Aroma gehören ebenso dazu wie Blockflöten-Ständchen. Er selbst greift lieber bei einer Nummer zum Glockenspiel. Und macht das ganz fein. Alles weitere überlässt er dem Spardosen-Terzett, das geschickt Klassiker wie „Stille Nacht“ verjazzt, sich mitunter bei Duke Ellington bedient und lediglich bei einer a-capella-Nummer schwächelt. Jetzt kann Weihnachten kommen.

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