Sag niemals nie: Als sich der Graf, Frontmann der Band Unheilig, im September 2016 von der Bühne verabschiedete, schloss er eine Rückkehr kategorisch aus. Schluss, aus, Ende. Der Sänger, der sein Privatleben geheim hält und noch nicht einmal seinen bürgerlichen Namen preisgibt, wollte sich nur noch um seine Familie kümmern und hatte mit der Musik abgeschlossen. Doch neun Jahre nach dem Abschlusskonzert im Rhein-Energie-Stadium sind Unheilig wieder auferstanden. Und zumindest im bis zum Bersten gefüllten Palladium scheint es so, als wäre die Band niemals weg gewesen. Die Energie, der Sound, der Bombast, alles ist so wie früher. Und der Graf? Der tanzt.
Weihnachten ist die Zeit der Geschenke, zumindest wenn es nach Tom Gaebel geht. Der charismatische Sänger, einer der besten Crooner des Landes in den Fußstapfen von Frank Sinatra und Dean Martin, legt auf diese Tradition großen Wert – und nimmt sich selbst am meisten in die Pflicht. So auch in Bonn. Wie schon in den vergangenen Jahren ist Gaebel samt seinem Orchester in die Bundesstadt gekommen, um in der ausverkauften Oper das Publikum in die richtige Stimmung zu versetzen und um so ganz nebenbei allerlei Wünsche zu erfüllen. Ein Angebot, dass so mancher im Saal bereitwillig annimmt und so den Abend zu etwas Einzigartigem macht.
Mit druckvollen Beats tut sich Bonn ja bekanntlich schwer. Darf man machen, soll aber keiner hören. Insofern passt es wie die Faust aufs Auge, dass beim Auftritt der Schlagzeugmafia im Pantheon eine (imaginäre) Nachbarin sogar die Polizei ruft, um dem kriminellen Trommler-Quintett Einhalt zu gebieten. „Silenzio“ heißt es immer wieder, Schluss mit dem leidenschaftlichen Krach, und wer nicht spurt, wird zur Ordnung gezwungen. Doch da haben die Ordnungshüter die Rechnung ohne die Macht des Rhythmus gemacht, der Joda Foerster, Bino Engelmann, Jonny König, Ben Jost und Lorenz Schimpf antreibt und der den Puls von Freiheit enthält. Mit ihm ist alles möglich, egal was die Behörden denken. Das nutzen die schlagfertigen Fünf aus, geben von der ersten Sekunde an Vollgas, grooven sich in die Herzen des Publikums und beweisen eindrucksvoll, dass eine gute Show auch ohne Melodien auskommt. Zumindest so lange genug Trommeln vorhanden sind.
„Ich hab Rücken“: Diese Aussage kennt Frédéric Newnham nur zu gut. Der Physiotherapeut und Osteopath kennt sich bestens aus mit all den kleinen Wehwehchen der Deutschen, mit Fehlstellungen, Verspannungen und sonstigen Einschränkungen des Bewegungsapparates. Doch dagegen will er etwas tun, und zwar nicht nur in seiner Berliner Praxis. Seit rund zwei Jahren ist Newnham daher als „Physiopath“ nicht nur auf TikTok und Instagram sondern auch auf zahlreichen Kleinkunstbühnen unterwegs, um mit einer Mischung aus Humor und Fachwissen sein Publikum zu therapieren oder um ihm zumindest zu zeigen, wie er oder sie sich selbst helfen kann. Jetzt war er im Pantheon zu Gast – und mobilisierte den ganzen Saal.
Die Stimmung ist gut an diesem Abend. Wie auch sonst angesichts von zehn Künstlerinnen und Künstlern, die bereits im Rahmen des 35. Cologne Comedy Festivals aufgetreten sind oder noch auftreten werden und die sich natürlich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, bei „Köln lacht“ noch einmal für sich zu werben. Und zugleich den Veranstaltungsmarathon zu feiern. Immerhin ist besagtes Festival längst das größte seiner Art in Deutschland, mit mehr als 150 Shows und rund 200 Künstlerinnen und Künstlern. Eine eindrucksvolle Bilanz – die der Abend in der Stadthalle Köln unterstreicht.
Freiheit – für Angela Merkel ist dies mehr als nur ein Wort. Es war und ist ihr Leitstern, ein Ideal, das sie sowohl privat als auch politisch immer wieder in den Mittelpunkt ihres Handelns stellte. Nicht ohne Grund hat sie so ihre Autobiographie betitelt, aus der sie nun in einem ihrer seltenen Termine in der Bonner Oper las. Von ihrer Jugend bis zur Wende, von der Bonner bis zur Berliner Regierung spannt sich ihre Geschichte, 35 Jahre in einer Diktatur und ebenso viele in einer Demokratie. Letztere hat sie so sehr geprägt wie wahrscheinlich keine andere Politikerin vor ihr, und wie sie da so sitzt auf der Bühne, wirkt sie genauso wie früher, so als ob sie nie weg gewesen wäre. Und auch wenn sie sich an diesem Abend nicht explizit zur aktuellen Situation äußert – weder zur „Stadtbild“-Debatte noch zur immer schwieriger werdenden Außenpolitik – plädiert sie doch für Optimismus. Noch immer gilt ihr „Wir schaffen das“. „Kein Satz von mir hat mehr polarisiert“, sagt sie, „aber für mich war diese Aussage immer selbstverständlich. So habe ich Politik gemacht, und so lebe ich bis heute.“
"Why does it feel so, why does it feel so good": Diese Frage könnten sich eigentlich alle Besucher der Kantine während des Konzerts von Sophie Ellis-Bextor stellen, das am vergangenen Dienstag kurzfristig aus der Live Music Hall in den Kölner Norden verlegt wurde. Was macht diese Musik eigentlich so besonders? Sowohl damals, zu Beginn des neuen Milleniums, als sie mit „Murder on the Dancefloor“ und „Groovejet“ die Charts stürmte, als auch jetzt mit ihrem aktuellen Album „Perimenopop“, bei dem sie ihre Wechseljahre als Chance sieht, um noch einmal durchzustarten? Was ist das Geheimnis der 46-Jährigen? Immerhin ist der musikalische Wortschatz bei ihren Dance-Pop-Stücken nicht allzu ausgeprägt, so dass sich die meisten Stücke gleichen. Andererseits lässt sich nicht leugnen, dass die pumpenden Beats auf direktem Weg von den Ohren in die Beine gehen und durchaus Freude bereiten. Was dem Publikum im Grunde schon reicht.
Wenn die Äolsharfen erklingen, wird Beethoven aggressiv. Immer die selbe Leier, harmonisch bis zum Erbrechen, ohne Kontraste, ohne Spannung, ohne Leben! Da wird doch der Komponist im Himmel verrückt. Gut, zugegeben, vielleicht hat Beethoven sich selbst mal von diesem antiken Instrument inspirieren lassen (angeblich bei der „Mondscheinsonate“), aber doch nur um zu zeigen, wie es besser gehen kann. Und seit der Ankunft im Paradies ist es ihm ohnehin endgültig verleidet worden. Dabei würde er ja gerne Neues wagen, doch das ist mit dem himmlischen Chor nicht zu machen, ebenso wenig mit dem Orchester, und erst recht nicht mit Petrus. Was über 2000 Jahre lang gut genug für die Engel war, kann selbst Beethoven nicht verbessern. Und so muss der Meister wohl oder übel seinen Blick zur Erde richten und hoffen, dass zumindest dort irgendjemand sein Werk fortführt. So wie im Haus der Springmaus, wo Andreas Etienne, Christoph Scheeben, Lisa Maria Schumann und Wolfgang Klein-Richter die Erben Beethovens wieder auferstehen lassen. Was allerdings trotz traumhafter Musik, schönen Anekdoten und bewegenden Momenten nicht vollständig gelingt.
In Zukunft werden in unregelmäßigen Abständen auch Rezensionen erscheinen, die ein exklusives Angebot für Abonnentinnen und Abonnenten darstellen. Diesmal: Viel erstklassiger Jazz.
Irgendwann wird es dann doch gespielt, das letzte Lied. Selbst Kasalla können das nicht verhindern, obwohl die kölsche Kultband genau dazu eine passende Nummer im Repertoire hat und sich zudem bei ihrem Auftritt auf dem Bonner KunstRasen sichtlich wohl fühlt. Vor rund 6000 Besucherinnen und Besuchern geben die Jungs um Frontmann Bastian Campmann zweieinhalb Stunden lang alles und hätten trotzdem Lust auf mehr. Doch keiner will ein weiteres Strafgeld in Höhe von 20.000 Euro riskieren, so wie es die Veranstalter nach dem Konzert von Lynyrd Skynyrd zahlen mussten, weil die Südstaaten-Rocker gerade einmal acht Minuten zu lang gespielt haben. Und außerdem soll man ja bekanntlich Schluss machen, wenn es am schönsten ist. Was sowohl für Kasalla-Konzert als auch für die Open-Air-Saison in der Gronau gilt, die größer, abwechslungsreicher und beeindruckender war als jemals zuvor.
Von Wacken ohne Umwege in die Kölner Essigfabrik: Was für ein Ortswechsel. An einem Abend im Metal-Himmel, am nächsten vor ein paar hundert Gästen in der Halle im Süden von Deutz. Dafür hat Tarja Turunen, die einst als Frontfrau von Nightwish weltberühmt wurde, das passende Wetter mitgebracht. Und Fans, die mindestens ebenso laut und euphorisch sind wie die des legendären Festivals. Während draußen ein Platzregen herniedergeht, feiern diese die 47-Jährige, die ihrerseits mit der geballten Kraft ihrer klassisch ausgebildeten Stimme eine Metal-Arie nach der anderen präsentiert und zeigt, warum sie einst als stilprägend galt – und warum man sie auch heute noch im Auge und im Ohr behalten sollte.
Was für eine Stimme. Was für eine Künstlerin. Was für eine Frau. Aretha Franklin, die Queen of Soul und Queen of Sorrow, die immer Pech mit den Männern und Glück mit ihren Songs hatte, lässt sich nicht einfach nachahmen, zumindest nicht von einer einzelnen Sängerin. Und so versucht die Show „Respect – the Aretha Franklin Story“, die derzeit im Rahmen des 36. Kölner Sommerfestivals in der Philharmonie Köln zu sehen ist, das auch gar nicht erst. Stattdessen holt sie gleich vier Damen auf die Bühne, um Franklin mit ihrer unbändigen Energie, ihrem Gespür für Timing und ihrer Emotionalität gerecht zu werden. Was durchaus gelingt. Zumindest sofern der Sound stimmt.
Ja, er tanzt immer noch, mit grell blondierten Haaren und mit Lederjacke, ein bisschen gealtert, aber noch immer so fit wie damals: Niemand geringerer als Rock-Ikone Billy Idol hat am vergangenen Sonntag die Open-Air-Saison 2025 des Bonner KunstRasens mit einem energiegeladenen, kraftvollen Auftritt eröffnet und damit für einen Auftakt gesorgt, wie er besser kaum hätte sein können. Zusammen mit New Model Army im Vorprogramm setzt er gleich zu Beginn den ersten Höhepunkt eines Musikspektakels, das größer und stärker werden dürfte als je zuvor. Und das mit Künstlern, die heutzutage noch genauso relevant sind wie vor 40 Jahren. Und genauso gut.
Ein Intendant hat es nicht leicht. Erst recht nicht als Leiter eines freien Hauses. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach ernsthaftem und tiefgründigem Theater, auf der anderen der des zahlenden Publikums, auf dessen Wohlwollen man schlichtweg angewiesen ist. Beides in Einklang zu bringen, das ist die große Kunst. Diesen Balanceakt muss Frank Oppermann jedes Jahr aufs Neue wagen, und jedes Jahr ist es eine große Herausforderung für den Chef des Kleinen Theaters. Auf der Außenbühne unter der Zeder hat er nun auf Einladung der Freunde und Förderer des Kleinen Theaters Bad Godesberg ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert und enthüllt, was alles geschehen muss, damit ein Stück überhaupt inszeniert werden kann.
„Was in meinem Kopf herumspukt, das wollen Sie gar nicht wissen“, behauptet Moritz Netenjakob. Da irrt er. Ganz im Gegenteil wollen die Besucherinnen und Besucher der Springmaus genau das. Deswegen sind sie schließlich gekommen, wegen satirischer Geschichten über Gender-Sternchen (im besten Loriot-Stil) und über Fan-Gesänge in der Philharmonie, wegen der deutschen Antwort auf „Independance Day“ und auch wegen der Dialoge zwischen Udo Lindenberg, Peter Maffay und Rainer Calmund. Es geht eben gerade um diese Kopfgeburten eines leidenschaftlichen Kabarettisten, der sein eigenes Licht unter den Scheffel stellt und hinter den Kulissen ein gefragter Autor diverser Comedy-Formate agiert und auch für viele seiner Kolleginnen und Kollegen schreibt. Einst war er sogar Hausautor im Haus der Springmaus – wo Netenjakob jetzt mit seinem Best-of-Programm „Das Ufo parkt falsch“ einen Einblick in seine Gedankenwelt ermöglicht.
Der Regen ist ausgeblieben, die Katastrophe auch: Die Bonner Theaternacht war für viele, wenn nicht gar für alle beteiligte Akteure ein großer Erfolg. Sahen die Vorverkaufszahlen noch 48 Stunden zuvor alles andere als gut aus, stürmten Bürgerinnen und Bürger am Termin selbst in Scharen zu dem beliebten Veranstaltungsmarathon, an dem sich etliche freie Gruppen sowie fast alle relevanten Theater der Bundesstadt präsentierten, Ausschnitte aus zukünftigen Produktionen zeigten oder einfach nur einen schönen Abend bereiteten. Vor etlichen der insgesamt 30 Spielstätten waren schon zu Beginn lange Schlangen zu sehen, viele der so genannten Startervorstellungen waren auf einmal ausverkauft – und die Ensembles sorgten dafür, dass sich das Warten ebenso sehr lohnte wie das Weiterziehen. Denn nur wer mit offenen Ohren und neugierigem Blick von Ort zu Ort wanderte, konnte den wahren Reichtum und die Vielfalt der Bonner Kulturszene so richtig schätzen. Auch kultur-kritik war unterwegs und hat längst nicht alles, aber zumindest einiges sehen können. Und manches leider nicht.
„Ihnen darf nichts peinlich sein“: Diesen Satz hasst Jan Preuß. Vor allem, weil er wahr ist. Als Erzieher kann man sich offenbar gar nicht oft genug zum Affen machen, wenn man es den Kindern, den Eltern und der Kita-Leitung recht machen will. Also wird gemalt und gebastelt, getanzt und gesungen. Aber selbst der bereitwilligste Clown kommt irgendwann an seine Grenzen. Zum Beispiel bei Liedern wie „Nackidei“. Oder „Ein Schneider fängt ne Maus.“ „Er zieht ihr ab das Fell, er zieht ihr ab das Fell…“ Ja klar. Da sind die Kinder schon traumatisiert, bevor sie auch nur einen einzigen Klassenraum von Innen gesehen haben. Und die Erzieherinnen und Erzieher? Werden entweder zynisch oder verrückt. Oder Comedian, so wie Preuß, der im restlos ausverkauften Haus der Springmaus aus dem Kita-Nähkästchen plaudert. Und so manches Elternteil nervös macht.
Der Regen prasselt auf Köln nieder, nicht sonderlich stark, aber anhaltend. Den Besucherinnen und Besuchern der c/o Pop ist dies offenbar egal: Sie drängen in die Clubs in Ehrenfeld, die an diesem Donnerstag im Rahmen des Festivals zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne bieten, und sind offen für alles, was da kommen mag. Immerhin ist die c/o Pop in erster Linie ein Format für die Stars von morgen und ein Spiegelbild der aktuellen urbanen, elektronischen und alternativen Szene – wer neugierig ist, kann hier so einiges entdecken. Allein an diesem Tag stehen 26 Konzerte auf dem Programm, eine bunte Mischung an Klangfarben und Stilarten, die sich immer mehr einer einfachen Klassifizierung verweigern. Was sie gerade dadurch erst so richtig spannend macht.
Sonderlich viel Deutsch ist nicht hängen geblieben bei Jean-Pierre Bokondji alias Jupiter. Dabei ist er doch hierzulande aufgewachsen, als Diplomatensohn in Ost-Berlin, damals in den 60er und 70er Jahren. Aber nach mehr als 45 Jahren sind die Sprachkenntnisse „kaputt“, wie Jupiter lachend während des kurzen Interviews gesteht, das der Kongolese unmittelbar vor seinem „Over the Border“-Auftritt im Pantheon gibt. „Neger“, das kann er noch sagen, „Neger“, wie er damals von den Menschen auf der Straße bezeichnet wurde und wie er ein paar Jahre später seine erste Band nannte, in der die Musik seiner Heimat mit europäischem Rock fusionierte. Ja, Grenzen hat Jupiter schon zu jener Zeit nur zu gerne überschritten, und zwar teilweise wörtlich. „Wir lebten im Osten, aber meine Schule war in West-Berlin“, erzählt er. „Es war schon ironisch, dass ich als ’Neger’ die Mauer passieren durfte, während die Bürgerinnen und Bürger der DDR abgewiesen wurden.“
Was für eine Stimme, was für eine Performance, was für eine Ausstrahlung: Božo Vrećo ist schon ein ganz besonderer Mensch bosnischer Herkunft, einer, der die traditionelle Sevdalinka meisterhaft zu singen versteht, in der die Schwermut eigentlich eine ähnliche Bedeutung besitzt wie im Fado die Saudade. Nur dass Vrećo als nichtbinäre Persönlichkeit die melancholischen Elemente durch unbändige positive Energie ersetzt, um die Harmonik und Rhythmik der bosniakischen Musik neu zu befeuern. „Sevdah ist Freiheit, Liebe und Mut“, hat Vrećo im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem queren Magazin Siegessäule betont – und jetzt bei einem Konzert im Pantheon bewiesen, dass es sich dabei nicht etwa um Worthülsen handelt. Sondern um Leitlinien für eine beeindruckende Künstlerkarriere.
Für Journalisten allgemein und für Kriegsberichterstatter im Besonderen gilt die Prämisse, das man nah dran sein muss am Geschehen, um Reportagen schreiben zu können. Ohne Gespräche mit Augenzeugen und Fotos von in Trümmern liegenden Städten sind die Schrecken eines solchen Konflikts nur schwer erzählbar. Doch vor allem die Redakteure aus dem Ausland brauchen Hilfe vor Ort, Menschen, die vermitteln können und Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben würden. In der Ukraine sind dies die so genannten Fixer. Sie organisieren Reisen, schätzen das Risiko ein, übersetzen und geben so Impulse für das Narrativ, das in die Welt hinausgetragen wird. Nun hat das Kölner Theaterkollektiv Futur3 diesen Personen mit dem Rechercheprojekt „Making the Story“ ein Denkmal gesetzt. Am 13. März findet die Uraufführung in Depot 2 des Schauspiels Köln statt.
Vor 20 Jahren waren Franz Ferdinand ganz oben. Die Schotten katapultierten sich damals an die Spitze des Britpop, indem sie Elemente des New Wave und des Rock hineinmischten, ein paar dunkle Elemente hinzumischten und das Gaspedal durchdrückten, um einen herrlich tanzbaren und gleichzeitig krachenden Sound zu schaffen. Die Position an der Spitze haben die Thronfolger – Franz Ferdinand benannten sich nach dem habsburgischen Thronfolger, dessen Ermordung in Sarajevo 1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte – inzwischen nicht mehr inne, live sind sie aber weiterhin für eine Party gut. Auch mitten im Karneval. Und so lockt die Band ein buntes Publikum in die Kantine, Teenager ebenso wie Mittfünfziger, schwarzgewandete Semi-Goths ebenso wie den ein oder anderen Jecken, die alle nur das eine wollen: Spaß. Was sie auch bekommen.
Wenn Helene Bockhorst den Mund aufmacht, entsteht schnell der Eindruck, dass der Abend lang werden könnte. Sehr lang. Da steht eine Frau auf der Bühne, die man vielleicht als graues Mäuschen bezeichnen könnte, wenn sie nicht einen quietschbunten Ganzkörperanzug tragen würde, und erzählt mit monotoner und träger Stimme von Pferden, Live-Hacks, ihrem Sex-Leben und ihren Lieblingserinnerungen an die Kreide- beziehungsweise Schulzeit. Na, das kann ja heiter werden. Doch der erste Eindruck täuscht. Denn hinter der scheinbar schüchternen Person verbirgt sich ein gewitzter Verstand, der geschickt die Form der Stand-Up-Comedy nutzt, um mit Erwartungen zu jonglieren. Was besser klappt als mit Bällen.
Was nicht gesendet wird, ist häufig genug am lustigsten: Das behauptet zumindest die WDR2-Moderatorin Steffi Neu. Eine Aussage, die angesichts der sehr beschränkten Radiozeit nicht allzu verwunderlich ist, aber dennoch eine Verifizierung verdient hat. Nicht zuletzt weil dann der Spaß erst so richtig losgehen kann. Also hat Frau Neu kurzerhand den Fußball-Experten Sven Pistor, den Notfall- und Lungenfacharzt Doc Esser sowie den Kabarettisten und Sprach-Parodisten René Steinberg eingeladen, mit ihr zusammen auf die Bühne der Springmaus zu gehen und mal jene Gespräche zu führen, die sonst zu kurz kommen. Was tatsächlich überaus unterhaltsam ist. Vor allem dann, wenn die vier auf Skripte verzichten. Und einfach drauflos reden.
