Elf Jahre sind eine lange Zeit. 2015 war Zaz das letzte Mal in Bonn auf dem KunstRasen zu Gast, um mit ihrer unvergleichlichen Mischung aus Jazz, Soul, Blues, Pop, Gipsy-Swing und Nouvelle Chanson eine ordentliche Dosis Glückseligkeit direkt in die müde Seele zu injizieren. Niemand konnte das damals besser als die quirlige Französin mit dem bürgerlichen Namen Isabelle Geoffrey, die 2010 mit „Je Veux“ über Nacht weltberühmt wurde und eine neue Welle der Frankophilie in der deutschen Musiklandschaft auslöste. Doch dann war Zaz auf einmal von der Bildfläche verschwunden. Es war einfach alles zu viel, zu schnell, zu exzessiv. Mit ihrem aktuellen Album „Sains et saufs“ („Gesund und munter“) ist sie nun zurück, geheilt und geerdet, um ihrem Publikum wieder neue Energie und Liebe zu schenken. Was rund 6500 Menschen in Bonn freudig annehmen. Und Zaz so feiern, als sei sie nie weg gewesen.
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Leicht waren die vergangenen Jahre für Zaz nicht. Sie sei in allem extrem, hat sie vor rund einem Jahr eingestanden, ob es um Genussmittel gehe oder um Emotionen. An beidem kann man zerbrechen. Zaz hingegen hat sich geändert, was leichter klingt als es gewesen sein dürfte. Kein Alkohol, kein Kaffee, keine Zigaretten, kein Fleisch. Dafür wieder Musik. Und zumindest bei der hat Zaz keine Abstriche gemacht. Zumindest keine großen. Gut, sie springt vielleicht ein bisschen weniger über die Bühne als vor elf Jahren, doch ein Energiebündel ist sie noch immer. Wie Phönix aus der Asche hat sie wieder Feuer gefangen und trägt genau diesen Funken mit hauchiger, rauer, flehender und fluchender Stimme zu ihren Fans. Nachdem sie sich selbst geholfen hat, will sie auch wieder anderen helfen. Ein nobler Gedanke. Und einer, der heutzutage wichtiger denn je ist.
Zaz sieht das Unheil in der Welt, sieht die Kriege, den Zorn und den Hass, sieht das Erstarken der Rechten, in Frankreich ebenso wie in Deutschland, von so manch anderen Ländern ganz zu schweigen. Und das setzt ihr zu. Bei der Anmoderation von „Sains et Saufs“ ist sie den Tränen nah, fängt sich aber wieder, setzt all dem Schlimmen ihre Lebensfreude und ihre Liebe entgegen – und nimmt kurzerhand ein Bad in der Menge. „Du bist nicht allein“ ist ihre Botschaft. Und die tut gut. Unendlich gut.
Die Magie von Zaz ist, dass bei ihr diese Worte mehr zu sein scheinen als eine Phrase. Bei ihr wirkt es authentisch, wenn sie diese Botschaften verteilt, wenn sie in dem eindringlichen „Au Pays de Merveilles“ einem Süchtigen Hilfe anbietet oder in „On Peut Comme Ça“ einem Trauernden Trost und neue Kraft verspricht. Und selbst wer des Französischen nicht oder nur rudimentär mächtig ist, nimmt etwas mit, und sei es nur gute Laune. Denn die versteht Zaz zu verbreiten wie keine zweite. Nach mehr als anderthalb Stunden entlässt sie das Publikum in die Nacht, natürlich mit „Je Veux“. Und dem Versprechen, bald wiederzukommen. Und zwar nicht erst in weiteren elf Jahren.
KunstRasen 2026
17.7., 19 Uhr: Wincent Weiss
2.8., 15.30 Uhr: Donots Grand Kiddie Slam
3.8., 20 Uhr: Roxette
6.8., 19 Uhr: Roy Bianco & die Abbrunzati Boys (ausverkauft)
13.8., 18.40 Uhr: Savatage
14.8., 19 Uhr: OMD
15.8., 19 Uhr: Roland Kaiser (ausverkauft)
16.8., 19 Uhr: Zah1de
18.8., 18.45 Uhr: Moby (+ Westbam)
19.8., 19 Uhr: Amy Macdonald
22.8., 19 Uhr: Agnes Obel
23.8., 18.45 Uhr: The BossHoss (+ Picturebook)
25.8., 19.30 Uhr: Nick Cave & the Bad Seeds
26.8., 19 Uhr: Fury in the Slaughterhouse
28.8., 17.15 Uhr: RKM652
29.8., 14 Uhr: „Oh wie schön“-Festival












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