BAP: Endlich am Ziel

„Unfassbar“, staunt Wolfgang Niedecken. „Unfassbar.“ 45.000 Menschen, die mit ihm zusammen 50 Jahre BAP feiern, und das auch noch im rappelvollen Rhein-Energie-Stadion, das Niedecken als treuer FC-Fan natürlich bestens kennt. Aber eben bislang nur von den Rängen, nicht von der Bühne aus. Dort steht er jetzt aber, freudetrunken. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass das tatsächlich funktioniert“, sagt er. Als ob das jemals in Frage gestanden hätte – immerhin können sich BAP ebenso viel Zuneigung sicher sein wie die Geißböcke, vielleicht sogar mehr, da die Karriere der Band in erster Linie von Erfolgen statt von Niederlagen geprägt war. Niedecken und Co sind, das lässt sich sicher so sagen, das musikalische Herz der Domstadt und des Rheinlands. Wie hätte es da nicht voll werden können, hier in Müngersdorf, wo man Erfolge schon immer besonders nachdrücklich gefeiert hat?

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



BAP lassen sich aber auch nicht lumpen. Mehr als drei Stunden spielen die Kölschrocker, mit etlichen Hits aus allen Jahrzehnten. Und mit allen Facetten. Da sind die Lieder für diverse Frauen, für Rita und Alexandra und für Niedeckens Schutzengel, wie er seine Frau Tina gerne nennt. Dann die Verbeugungen vor den Vorbildern: Vor den Rolling Stones, in deren Vorprogramm BAP insgesamt drei Mal auftreten durften und denen sie „Hück ess sing Band en der Stadt“ widmeten, vor Bruce Stringsteen, dessen Klassiker „Hungry Heart“ sie als eine der Zugaben spielten, und natürlich vor Bob Dylan, der in jeder Zeile Niedeckens mitschwingt. Auch dem Fußball widmen sich BAP und lassen bei der Zeltinger-Nummer „Müngersdorfer Stadion“ sogar ein bisschen Punk mit einfließen.

Und dann wären da noch die politischen und gesellschaftskritischen Stücke. Musik, die stört, wie Niedecken betont, und Texte, die Haltung zeigen und die Fans dazu auffordern, es der Band gleich zu tun. „Arsch huh, Zäng ussenander“ eben. Gegebenenfalls sogar retrospektiv, wie bei „Widderlich“, das Niedecken schon vor 33 Jahren gegen all die Trumps, Putins und Erdoğans dieser Welt geschrieben hat, die versuchen, die Realität nach ihrem Willen zu beugen. Und die Vergangenheit gleich mit, wie Trumps Umgang mit der amerikanischen Geschichte zeigt. „Lügen fliegen und die Wahrheit hinkt hinterher“, so formuliert es Niedecken – und hält mit dem eindringlichen „Kristallnaach“ dagegen. Diesmal singt er es allerdings (ebenso wie „Ruhe vor’m Sturm“) auf hochdeutsch, zum einen als Reminiszenz an die gemeinsame Aufnahme mit den Toten Hosen und zum anderen, damit den Text auch wirklich jeder versteht. Letzteres ist mitunter allerdings etwas schwierig, da der mit viel Hall schwangere Sound zumindest an einigen Stellen recht enttäuschend ausfällt.

Das ist umso bedauerlicher, als die Band nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch eine breite Basis abdeckt. Mal geben Drummer Sönke Reich und Bassist Werner Kopal Vollgas und treiben BAP mitten hinein in den waschechten Rock ‘n’ Roll – sehr zur Freude von Gitarrist Ulrich Rode, der als Solist brillieren darf –, dann wieder nimmt die Band Tempo raus, geht in den Balladenmodus über und schafft Freiräume für das Geigen- oder Cello-Spiel von Anne de Wolff. Für ebenso fetzige wie soulige Grooves sorgen zudem das Bläser-Triumvirat bestehend aus Axel Müller, Franz Johannes Goltz und Benny Brown. Herrlich.

Die Stimmung ist auf jeden Fall von der ersten Note an auf dem Höhepunkt. Textsicher ist das Publikum ohnehin, entweder weil es mit BAP alt oder erwachsen geworden ist. Manches ist auch schlicht und ergreifend inzwischen Teil der gesellschaftlichen DNA, so wie zum Beispiel „Verdamp lang her“, das nun wirklich jeder mitsingen kann und das in einem Jubel endet, wie ihn das Stadion schon lange nicht mehr gehört hat. Bei „Wellenreiter“ war die Menge später ebenfalls gefragt – und bei „FC, jeff Jas“ jeder Fußball-Fan. So dürfte sich Niedecken, der erst vor kurzem seinen 75. Geburtstag in der Philharmonie feierte, den Abend sicherlich erträumt haben. Doch schon im Winter geht die Jubiläumstour weiter, unter anderem nach Hamburg, München und Düsseldorf. Wer BAP dann noch (mal) feiern möchte: Am 18. Dezember spielen sie in der Lanxess Arena.

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