Mit dem Feiern von Jubiläen muss man in der schnelllebigen Pop-Welt des 21. Jahrhunderts offenbar früh anfangen. Der deutsche Rapper Montez feiert auf jeden Fall derzeit sein 15. Jahr als Künstler und blickt zurück auf einige gute und manche schlechte Jahre. So auch in Bonn, wo er auf dem ausverkauften KunstRasen von seinen Fans frenetisch empfangen wird – und zeigt, dass es zumindest für manche Musiker durchaus möglich ist, schmalzigen Pop und braven Rap nebeneinander zu stellen und mit dieser Gratwanderung auch noch Erfolg zu haben.
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Zugegeben, leicht ist das Überleben im Hip-Hop-Milieu sicherlich nicht, schon gar nicht wenn die Vorschusslorbeeren so massiv ausfallen wie bei dem jungen Montez. 2011 kürten Szene-Größen wie Azad, Sido und Kool Savas den damals 17-Jährigen zum Newcomer des Jahres und begründen dies unter anderem mit der inhaltlichen Tiefe und Vielfalt. Ein Jahr später unterschrieb Montez seinen ersten Plattendeal, ging mit Kool Savas auf Tour und trat beim Splash-Festival unmittelbar vor Kendrick Lamar auf. Danach Schreibblockaden, Angstzustände und die Erkenntnis, dass es so nicht länger weitergehen kann. In einem Medley, mit dem Montez seine Karriere zusammenfasst, erklingen immerhin ein paar Auszüge aus dieser frühen Rap-Phase – mit Texten, die leider bis heute keinen überzeugenden Flow haben, konsequent neben den Beats liegen und zwar sprachlich solide, rhythmisch aber nur mäßig sind. „Diese Songs waren alle maximal unerfolgreich“, bekennt Montez denn auch. „Aber ich habe nie aufgegeben.“
Doch eigentlich ist wegen dieser „alten Kamellen“ keiner auf den KunstRasen gekommen. Die meisten Anwesenden kennen die Stücke nicht einmal. Was seine Fans interessiert, ist der neue, der zweite Montez, der sich 2015 zurück ins Rampenlicht kämpfte und zunehmend zum Liedermacher mutierte. Der nicht nur für die Rapperinnen Katja Krasavice und Badmómzjay schreibt, sondern auch für Helene Fischer und Wincent Weiss. Und der mit genau dieser Musik offenbar einen Nerv trifft. Als er seinen Top-Hit „Auf & Ab“ anstimmt, bricht im Publikum ein Kreisch-Orkan aus, ebenso wie kurz darauf bei der aktuellen Single „Herzensmensch“, für die er sich selbst ans Klavier wagt. Die melancholisch-schwülstigen Refrains, getragen von einer mitunter nölenden Stimme, kommen eben selbst dann an, wenn Gesang und Instrumentierung mal gegen- statt miteinander laufen. Dabei kann Montez auch anders, etwa bei dem eröffnenden „erste/letzte“ oder dem charmant aufmunternden „Wenn du mich fragst“. Doch offenbar ist der musikalische Tiefgang ohnehin zweitrangig: Viel wichtiger scheint das Gefühl zu sein, verstanden zu werden von einem, der mit seinen Konzerten das Leben seiner Fans ein bisschen besser machen will. Deshalb geht Montez auch gerne in den Bühnengraben, redet mit den Menschen, nimmt sich mehr als zwei Stunden Zeit für sie und erweist sich als rundum sympathischer Künstler. Was vieles ausgleicht.
Termine
8.7., 17.30 Uhr: Nile Rodgers & Chic (+ Boogie Wonderstars und Kid Creole & the Coconuts)
9.7., 18.30 Uhr: Madness (+ Slapstickers)
12.7., 19 Uhr: KlassikPicknick mit dem Beethoven-Orchester Bonn
15.7., 19 Uhr: Zaz
17.7., 19 Uhr: Wincent Weiss
2.8., 15.30 Uhr: Donots Grand Kiddie Slam
3.8., 20 Uhr: Roxette
6.8., 19 Uhr: Roy Bianco & die Abbrunzati Boys (ausverkauft)
13.8., 18.40 Uhr: Savatage
14.8., 19 Uhr: OMD
15.8., 19 Uhr: Roland Kaiser (ausverkauft)
16.8., 19 Uhr: Zah1de
18.8., 18.45 Uhr: Moby (+ Westbam)
19.8., 19 Uhr: Amy Macdonald
22.8., 19 Uhr: Agnes Obel
23.8., 18.45 Uhr: The BossHoss (+ Picturebook)
25.8., 19.30 Uhr: Nick Cave & the Bad Seeds
26.8., 19 Uhr: Fury in the Slaughterhouse
28.8., 17.15 Uhr: RKM652
29.8., 14 Uhr: „Oh wie schön“-Festival












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