Sieben Stühle, knallgelb, besetzt mit ganz normalen Menschen. Keine Schizophrenen, keine Soziopathen, keine Opfer einer posttraumatischen Belastungsstörung. Einfach ganz normale Menschen und ein Therapeut. Denn auch wenn die Mitglieder dieser Gruppe aus pathologischer Sicht nicht krank erscheinen, haben sie doch offenbar das Bedürfnis, etwas an ihren Lebensumständen zu ändern. Diese Figuren stehen im Mittelpunkt von Timo Kropps Stück „Die Gruppe“, dass das freie Ensemble Theater Rampös derzeit in der Brotfabrik zur Uraufführung bringt – und überraschend leise inszeniert, was einige Vorteile hat. Und auch ein paar Probleme schafft.
Erfreulicherweise hat sich Regisseurin Katrin Schüring nicht dazu verleiten lassen, „Die Gruppe“ durch gnadenlose Überzeichnungen ins Groteske zu ziehen und die Inszenierung mit aller Gewalt zur Komödie zu machen. Überraschend ist das nicht, da Autor Kropp selbst als dramaturgischer Berater mit psychologischer Expertise an der Produktion mitwirkte. Zudem werden die Fragen, die verhandelt werden, eigentlich zu ernst genommen. Welchen Einfluss hat die Familie auf das eigene Leben, wie geht man mit Tod und Verlust um, wie mit der Liebe und wie mit Kritik? Langsam schälen sich von Sitzung zu Sitzung potenzielle Antworten heraus, während sich die Charaktere öffnen und Vertrauen fassen.
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Doch genau darin liegt auch ein Problem des Stücks: Viel passiert in den rund zweieinhalb Stunden Spielzeit nämlich nicht. Tatsächlich ist der Ablauf (fast) immer gleich: Alle versammeln sich zum Stühlchenkreis, Therapeut Müller (Timon Oligschläger) sucht das Gespräch und tritt dabei unweigerlich in das ein oder andere Fettnäpfchen, dann trägt ein Hausmeister (Lasse Behrendt) noch irgendwelche Verse vor und am Schluss steht der Dialog zwischen Müller und seinem Supervisor (Ulrich Papenkort), bevor der Kreislauf wieder von vorn beginnt. Dabei ist der spannendste Konflikt der letztgenannte, der zwischen dem unsicheren Therapeuten und dem zynischen Halbgott in Weiß, der seinen Schützling konsequent verwirrt und verstört, der ihn mit seiner Überheblichkeit und seinem Egozentrismus auf die Palme bringt und der dennoch für die ein oder andere Erkenntnis sorgt. Der Supervisor ist der natürliche Antagonist zu Müller, der an seiner eigenen Kompetenz zweifelt, gerade weil er sich in den Therapie-Sitzungen als menschlich und letztlich auch als fehlbar erweist. Zwischen diesen beiden entsteht dadurch eine Spannung, die an anderer Stelle schmerzhaft vermisst wird und die das Stück doch noch irgendwie weiterzieht.
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Müllers Patientinnen und Patienten machen es ihm aber auch nicht leicht. Denn wie soll man Menschen helfen, die noch nicht einmal sagen können, warum sie überhaupt eine Therapie benötigen? Die aus nebulösen Gründen jede Woche kommen und nicht erkennen lassen, welche Probleme sie belasten? Gut, die jugendliche Zoe (Hanna Kaethner) scheint sich selbst zu verletzen, der verklärt-verstrahlte Laurens (Michael Nann) ist extrem konfliktscheu und die nur kurz auftretende Marianne (Sida Nies) pflegt einen sehr ungesunden Nihilismus, aber die anderen? Welches Verhalten will die burschikose Julia (Andrea Bühring) ändern, woran leidet die harmlose Conni (Jutta Büscher), was stimmt nicht mit Sid (Banni Kunz) und was will Theo (Florian Frank) erreichen? Seine Probleme auf der Toilette durch eine Gesprächstherapie lösen? Dann müsste er mal erzählen, was ihn bedrückt. Doch das geschieht nicht. Und so stellt sich irgendwann die Frage, was hier eigentlich verhandelt wird. Selbst der Twist am Ende kann das nicht beantworten. Schade. Aber vielleicht gelingt das ja den anderen Zuschauern.


















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