Seit bekannt geworden ist, dass der bauliche Zustand der Bonner Oper noch desolater ist als zunächst angenommen und somit eine Sanierung im Bestand nicht zu realisieren ist, diskutieren Politikerinnen und Politiker mit der Stadtverwaltung sowie Freunden und Förderern der Kultur insgesamt und der Oper im Besonderen über das weitere Vorgehen. Anfang März haben Oberbürgermeister Guido Déus und Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger fünf Lösungswege vorgestellt und sich dabei wegen diverser Synergieeffekte klar für einen Neubau von Oper und Schauspiel in Beuel ausgesprochen. Das aber treibt die Bürgerschaft auf die Barrikaden. Nun haben die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Bonn und der SPD-Ortsverein Beuel zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung ins Pantheon eingeladen. Wo sich das Gespräch sehr schnell wieder im Kreis zu drehen begann.
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Das Interesse an dem Thema ist ungebrochen, wie der Andrang zeigte: Trotz der tropischen Hitze und dem Risiko einer Rheinüberquerung in Zeiten knapper Brücken war die Lounge des Pantheon bis auf
den letzten Platz gefüllt. Umso enttäuschender, dass dies nicht für alle relevanten Akteure galt. Zwar war Kulturdezernentin Schneider-Bönninger zugegen, Vertreter von Oper und Schauspiel fehlten
aber, ebenso wie ein Vertreter der Werkstätten – diese waren allerdings aufgrund von Innen-Temperaturen von bis zu 50 Grad seit dem Mittag geschlossen. Stattdessen saßen Elisabeth
Einecke-Klövekorn als Vorsitzende der Theatergemeinde Bonn und damit Vertreterin der Bürgerschaft, die Architektin Ines Knye und Beethovenfest-Intendant Steven Walter mit auf dem Podium.
Letzterer schien selbst nicht so ganz zu verstehen, warum ausgerechnet er etwas zum Theater sagen sollte, erwies sich dann aber im Laufe der Veranstaltung als inspirierendste und vor allem
progressivste Stimme. Ihm zufolge ist der Ort nicht das Entscheidende, sondern der Geist, der dahintersteckt und der der Kultur etwas Besonderes, Einzigartiges hinzufügen will. „Wir müssen eine
neue Vision wagen“, so Walter. Gefunden wurde sie an diesem Abend nicht, auch wenn ausgezeichnete Reihen wie „Fokus ‘33“ durchaus gewürdigt wurden.
Eines der zentralen Probleme ist offenbar die fehlende Bereitschaft mancher Interessensgruppen zum Wandel und der Wunsch nach einer Beibehaltung des Status Quo. Doch ein „weiter so“ ist
schlichtweg unmöglich. „Die Oper ist letztlich nur noch ein Duldungsbetrieb, und die Feuerwehr sagt uns, dass wir mit Glück noch fünf Jahre haben“, betonte Schneider-Bönninger, die dann auch
eingestehen musste, dass die Einbeziehung von Variante A (Sanierung der bisherigen Standorte inklusive Interimsbau) wahrscheinlich ein Fehler war. „Der bisherige Standort ist schlichtweg nicht zu
halten“, so die Kulturdezernentin – eine Aussage, die bei einem Teil des Publikums nicht gut ankam, in dieser Deutlichkeit aber schon längst hätte propagiert werden müssen. So manche Debatte wäre
dann Makulatur gewesen.
„Beuel ist nicht die Bronx.“
Ein weiterer Fakt: Die zwingend sanierungsbedürftigen Theaterwerkstätten. Und wenn ohnehin die Bagger auf das Beueler Gelände fahren müssen, kann man sie doch gleich Tabula Rasa machen lassen und
alles an einem Ort bündeln, inklusive Oper und Schauspiel. Für die Bad Godesberger ein Alptraum, für die Stadt aber die effizienteste Lösung, mit der man mittelfristig zudem das größte
Einsparpotenzial hätte. Immerhin müssten Bühnenteile nicht immer über den Rhein gefahren werden. Dafür aber das Publikum, was angesichts der Nordbrücken-Katastrophe zumindest zum jetzigen
Zeitpunkt nur schwer vorstellbar ist. Andere Vorbehalte gegen den Stadtteil sind hingegen nicht haltbar. „Beuel ist nicht die Bronx“, verteidigte Schneider-Bönninger diese Variante E, und
auch Steven Walter sprach sich für diese Variante aus – „zumindest wenn man eine Verjüngung anstrebt.“ Für junge Leute sei das Areal nämlich ideal. Elisabeth Einecke-Klövekorn sah dies ähnlich,
wollte aber trotzdem die Oper an ihrem jetzigen Standort wieder aufbauen und das Beueler Quartier der freien Szene zur Verfügung stellen. Eine schöne Idee. Nur ist dafür leider kein Geld da.
Zugegeben, das wäre streng genommen auch nicht für einen Opern-Neubau in gleich welcher Größe vorhanden, aber der ist letztlich alternativlos. Immerhin wäre eine Abschaffung der Oper nicht nur
eine kulturelle Bankrotterklärung der Beethovenstadt, sondern auch ein Schlag ins Gesicht der 450 Beschäftigten sowie um des Beethovenorchesters, das seine Existenz zumindest zum Teil
dadurch rechtfertigt, dass es bei den Opern-Produktionen im Graben sitzt.
Klar ist, dass etwas geschehen muss, und zwar besser jetzt als gleich, bevor die Oper das selbe Schicksal ereilt wie die Nordbrücke. Kein Wunder, dass Schneider-Bönninger im Laufe des Abends
zunehmend die Contenance verlor, weil das von Kulturausschuss-Sprecher Gabriel Kunze moderierte Gespräch nicht wirklich voran kam. „Wir müssen nun einmal in Möglichkeiten denken, bevor gar nichts
mehr möglich ist“, drängte sie. „Es geht hier um die Zukunft des Kulturstandortes Bonn. Unser Ziel ist es, Oper und Schauspiel für die nächsten 50 Jahre zu sichern.“ Doch wie diese aussehen soll,
war auch nach dem Ende der Veranstaltung unklar. Große Visionen sind nicht erkennbar, weder architektonisch noch konzeptionell, auch wenn für letzteres einfach gewisse Leute auf dem Podium
fehlten. Einecke-Klövekorn formulierte aber immerhin einen schönen Slogan: „Noch mehr Faszination für noch mehr Leute.“ Das wäre schön. Jetzt müssten die entscheidenden Gremien – und die Parteien
– nur noch das Signal für den Aufbruch geben, so schwierig dies angesichts der Kassenlage und anderer Probleme auch sein mag. Denn das Schlimmste wäre, wenn gar nichts passiert.














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