ines geht noch. Und noch eines. Und noch eines. Wenn der Sitzungspräsident (alias Volker Weininger) in seiner Kellerbar sitzt und aus seinem Leben erzählt, wird der Abend zwangsweise feuchtfröhlich, mit einem Kölsch nach dem anderen. Und zu erzählen hat er viel. Während er nach einem ganz bestimmten Zeugnis sucht, mit dem er sich endlich die längst überfällige Beförderung sichern will, fallen ihm nämlich allerlei Erinnerungsstücke in die Hände: Schulfotos, Heiratsurkunde, Konzertkarten (Abrocken mit Roger Whittaker) oder Flugtickets (mit dem Elferrat nach Malle). Ach ja, das waren noch Zeiten.
Heutzutage geht so was ja kaum noch, zumindest nicht im Dunstkreis der 500 Einwohner aus dem Neubaugebiet, die sich als Akademiker einfach nicht in die fest verwurzelte, alkoholgetränkte Dorfgemeinschaft integrieren lassen. Haben eben keine Ahnung von Trinkkultur, und wer nicht saufen kann, kann auch nicht feiern. Ganz anders der Präsi, der mit seiner formvollendeten Ästhetik am Glas und auf dem Barhocker regelmäßig Topwertungen in der B-Note verdient. So auch in der Springmaus, wo Weininger gleich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden aus dem Vollen schöpft. Und dabei fast ebenso viel Spaß hat wie das Publikum.
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Weiningers Sitzungspräsident ist ein ganz besonderer Jeck: Ein Suffkopp, der es selbst mit den trinkfesten Pink-Punk-Pantheon-Granden Fritz Litzmann und Helmut Schwaderlappen aufnehmen könnte und
dabei zusammen mit seinen Kumpanen auf so absonderliche Ideen kommt, dass man aus den Lachanfällen gar nicht mehr herauskommt. Zuckerwatte in der Waschmaschine, Spiegeleier im Toaster und eine
Baustellenampel auf dem Speicher – normal ist das nicht. Aber für den Präsi dann doch irgendwie logisch. Wenn da schon ein Plakat hängt mit der Aufschrift „Die Ampel muss weg“, verlangt es
schließlich die Bürgerpflicht, diesem Aufruf Folge zu leisten, insbesondere wenn der Intellekt nach dem Genuss von 30 oder 40 Kölsch ein bisschen gelitten und sich dem Niveau von Präsi-Freund
Hermann angenähert hat. Der ist nämlich nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte – wer versucht, Mäh-Roboter mit Grasbüscheln anzulocken, hat auf jeden Fall ein paar graue Zellen zu
wenig.
Die herrlich abstrusen Geschichten des Sitzungspräsidenten sind in den meisten Fällen ein Genuss: Weininger setzt die Pointen derart nonchalant und jongliert so geschickt mit den Erwartungen,
dass das Publikum oft schon im Vorfeld nicht an sich halten kann. Was wiederum selbst einen versierten Bühnenmenschen an seine Grenzen bringt. Die Stimmung im restlos ausverkauften Haus der
Springmaus ist dementsprechend famos, zumal Weininger immer wieder den Kontakt zum Saal sucht. Ob das bei Comedians so beliebte Ausfragen einzelner Gäste so zielführend ist, sei allerdings
dahingestellt – stärker ist Weininger auf jeden Fall immer dann, wenn er spontan reagiert, ansonsten aber in seiner Rolle und in seiner Kellerbar bleibt, in der ihn Kellnerin Ina permanent mit
flüssigem Nachschub versorgt. Die Anekdoten des Sitzungspräsidenten sind schließlich die eigentlichen Glanzpunkte des Abends, ob dieser sich nun an die winterlichen Bundesjugendspiele im Turnen
erinnert oder versucht, einen Filmriss zu rekonstruieren. Jetzt muss nur noch das verflixte Zeugnis her. Dann wird sicherlich alles gut. Oder?












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