Es ist mitunter schon faszinierend, wie lange manche Stücke die Gemüter bewegen. „Skandal im Sperrbezirk“ zum Beispiel: Dieser größte Hit der Spider Murphy Gang, der sich ironisch und zugleich kritisch mit einem Kreuzzug der CDU gegen die Prostitution in München auseinandersetzt, war zumindest in Bayern manchen Politikern ein Dorn im Auge. 1981 landete das Stück im Freistaat auf dem Index – und 45 Jahre später hat man jetzt in Erlangen versucht, diesen Schritt erneut zu gehen und den Party-Hit wegen angeblich sexistischer und frauenfeindlicher Tendenzen ebenso von der Bergkirchweih der Stadt auszuschließen wie das umstrittene „Layla“ und andere Ballermann-Lieder. Skandal, Skandal, Skandal. Doch immerhin ist Bonn nicht Erlangen, und so konnte die Spider Murphy Gang bei ihrem Besuch im Brückenforum auch diese Nummer getrost spielen, sehr zur Freude des Publikums, das natürlich lauthals mitsingt. Und knapp zwei Stunden guten Rock ‘n’ Roll genießt.
45 Jahre ist es jetzt her, dass die Spider Murphy Gang ihren ersten Auftritt in Bonn hatten, damals noch in den Rheinterrassen. Die Bandmitglieder sind inzwischen ein bisschen in die Jahre gekommen, bei Sänger und Bassist Günther Sigl steht immerhin im nächsten Jahr der 80. Geburtstag an. Doch die Musik hält bekanntermaßen jung, und so verschwendet Sigl keinen Gedanken an einen Abschied von der Bühne. Ganz im Gegenteil: Nachdem er sich direkt beim zweiten Stück die „Rock ‘n’ Roll Schuah“ angezogen hat, will er die Treter nicht wieder ausziehen. Zumindest nicht für die nächsten zehn Jahre. Oder auch zwanzig. Oder gar dreißig. Dann hätte Sigl sogar Jopi Heesters überrundet. Ein ambitionierter Plan. Und einer, der das Publikum sehr freut. Kein Wunder: Viele im Saal sind treue Fans und kennen sämtliche Lieder auswendig, nicht nur „Skandal im Sperrbezirk“ oder das starke „Schickeria“ mit seinen ausgedehnten Soli und der beeindruckenden Energie. Nein, auch die Raritäten werden gefeiert, Lieder mit bairischen Texten wie „Mit'n Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia“. Denn auch wenn die Spider Murphy Gang ihren größten Erfolg mit einem Stück auf hochdeutsch hatte, das von den Radiosendern zudem kurzerhand der Neuen Deutschen Welle zugeordnet wurde, sind die Herren um Günther Sigl in erster Linie bavarische Rock ‘n’ Roller der ersten Stunde. Und das stellen sie in Bonn nachdrücklich unter Beweis.
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Schon die ersten Nummern orientieren sich eindeutig an Chubby Checker und Elvis Presley, von der Struktur her recht übersichtlich, musikalisch aber durchaus reizvoll. Sigl und seine
Gitarrenkollegen Willie Duncan und Barny Murphy werfen sich denn auch mitunter in die dazugehörigen Posen, und zwar ohne dabei besonders gekünstelt zu wirken. Das Publikum geht gerne mit, im
hinteren Teil des Saals schwingt sogar ein Pärchen bereits das Tanzbein. Nur als Sigl gezielt eine Reaktion einfordert, bleibt es still. „Bonner Ekstase“ nennt Sigl das. Da geht noch mehr, zumal
wenn der 79-Jährige selbst eine kleine Demonstration des Twists gibt, den er bei „Ich grüße alle und den Rest der Welt“ auch von den Fans sehen möchte. Kriegt er.
Wer nun aber glaubt, dass damit das Repertoire der Spider Murphy Gang ausgeschöpft sei, ist völlig auf dem Holzweg. Die Münchner haben durchaus noch den ein oder anderen Hit in der Hinterhand,
für den sie durchaus auch mal Ausflüge in benachbarte Genres machten. Bei „Pfüati Gott Elisabeth“ geht es durchaus augenzwinkernd in Richtung Rock-Schlager, beim Intro von „Wo bist du“ schwingt
der Punk mit, und die München-Hymne „Sommer in der Stadt“ ist einfach eine entspannte Pop-Nummer. Und zu jedem einzelnen Stück könnte Günther Sigl Geschichten erzählen. So geht die Zeit schnell
rum, bis dann endlich „Skandal im Sperrbezirk“ erklingt. Hier ist es ja erlaubt (in Erlangen übrigens auch wieder). Im nächsten Jahr sicherlich auch. Dann feiert die Spider Murphy Gang immerhin
ihr 50. Jubiläum.












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