RebellComedy: „Wir lachen alle in der selben Sprache“

Sie sind alle gekommen: Türken und Kurden, Marokkaner und Iraner, Deutsche und Afghanen. Eine Nationalität nach der anderen fragt Khalid Bounouar ab und freut sich über jeden, der jubelt. Schließlich zeigen die Reaktionen des Publikums in der Bonner Oper, dass das Konzept von RebellComedy aufgeht. Seit 19 Jahren versucht das Comedy-Ensemble, all jenen eine Stimme zu geben, die sich sonst nicht vertreten fühlen auf den Kleinkunstbühnen, und sie gleichzeitig zusammenzubringen. Streitigkeiten müssen draußen bleiben. „Wir lachen alle in der gleichen Sprache“, betont Bounouar, der bei der Show immer wieder gerne den Moderator spielt und mit dem Publikum interagiert, es ausfragt und es locker macht. Immerhin sollen an diesem Abend alle Spaß haben. Was auch gelingt. Wenn auch mit Abstrichen.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Eigentlich hätte man erwarten können, dass sich die Mitglieder von RebellComedy angesichts der AfD-Umfragewerte so politisch äußern wie bei ihrem letzten Besuch vor zwei Jahren. Oder zum Iran-Krieg. Oder zur Fußball-Weltmeisterschaft. Doch all das spielt diesmal keine Rolle, warum auch immer. Vielleicht, weil die Stimmung dann unweigerlich zu ernst geworden wäre. Oder weil man gar nicht mehr hinterherkommt mit all dem Wahnsinn, der auf dieser Welt gerade tagtäglich passiert. Auf jeden Fall bleibt die RebellComedy bei altbewährten Themen, bei der Familie also. Und beim Alter. Das macht so manchen zu schaffen. Ususmango zum Beispiel. Vor 25 Jahren hat er sein Abitur gemacht, und auch wenn er sich immer noch jung fühlt, trifft das auf seine ehemaligen Klassenkameraden offenbar nicht mehr zu. Sie zu treffen ist daher kein nostalgisches Erlebnis, sondern ein Schreckmoment. Was ist denn mit ihm los? Kann er angesichts diese Offenbarung eigentlich noch weiter auf der Bühne den Klassenclown geben? Die Position seiner Kinder ist da eindeutig: Nein. Zumindest aber soll Ususmango sie aus seinen Programmen heraushalten. „Wir haben auch nen Tiktok-Account, wir kriegen mit, was du machst“, sagt ihm sein Sohn, bevor er mit seinen Geschwistern deutlich macht, dass ihr Vater nicht mehr über sie reden soll. „Wir haben schließlich auch unsere Würde“, sagen sie.

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Früher haben Ususmango und Co selbst gegen ihre Eltern geschossen, haben sie gehasst für ihre Eigenheiten und ihre Einschränkungen. Benaissa Lamroubal erinnert sich zum Beispiel noch gut an die Pflichten, die ihm sein Vater in jungen Jahren auferlegt hatte: Er war es, der die Bedienungsanleitung des neuen Fernsehers durchlesen und das Gerät entsprechend programmieren musste, und er musste auch bei Arztgesprächen übersetzen, selbst wenn er die Hälfte der Worte nicht verstand und für die anderen keine marokkanische Entsprechung kannte. Doch inzwischen merkt Benaissa, dass er selbst immer mehr wie sein Vater wird, weil sich die Welt schneller wandelt als er Schritt halten kann. Jetzt versteht er besser, was für Herausforderungen sich die Gastarbeiter-Generation stellen musste, als sie nach Deutschland kam. Ähnlich ergeht es übrigens Babak Ghassim, auch wenn der Poet der Truppe schon immer viel tiefer in die Seelen anderer blickte als seine Kollegen. Für seinen Vater hat er einen bewegenden Text geschrieben, in dem er ihm seine Hilfe zusagt, so wie dieser einst ihm geholfen und ihm Kraft und Schwung gegeben hat. Ein rührender Moment, der einmal mehr zeigt, warum RebellComedy anders ist als die sonst üblichen Ensembles oder Mixed Shows. Diese Bandbreite findet man in der Comedy-Szene sonst nur selten.

Nachwuchssorgen machen sich die Mitglieder von RebellComedy übrigens nicht. Im vergangene Jahr haben sie eine entsprechende Castingshow durchgeführt, die Jerry Vsan gewonnen hat, ein junger Comedian, der dem Publikum seine Pointen geradezu aufzwingt, andererseits aber schon gute Geschichten erzählen kann. „Typisch, der größte Assi auf der Bühne ist der Deutsche“, kommentiert Bounouar augenzwinkernd dessen Auftritt. Tatsächlich ist Vsan derjenige, der die Pointen eher mit der Brechstange als mit dem Skalpell setzt und sie eben nicht en passant in den Raum wirft. Andererseits ist jeder bei RebellComedy anders, mit einem ganz eigenen Stil, auch wenn dies beim niemandem so deutlich wird wie bei Hany Siam, der Grinsekatze des Ensembles mit einer Vorliebe für Grimassen – und für Dinge, die nicht zusammen passen. So wie Diplomatie und Friedrich Merz. Oder wie einige Kommentare aus dem Publikum, die Siam völlig verwirren. Was eine der schönsten Szenen des Programms ist. „In welchem Irrenhaus bin ich denn hier?“, fragt Siam ganz verdattert. Eine gute Frage. Das würde so mancher gerne wissen.

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