Eine Fahrt an die Ahr ist für Kasalla schon ein Abenteuer. Immerhin ist man hier außerhalb der eigenen Wohlfühlzone beziehungsweise „in der Wildnis“, wie Sänger Bastian Campmann während des Auftritts der Kölschrockband auf der Weinkulturbühne Marienthal gesteht. An der Stimmung ändert das nichts: Mehr als 1000 Fans feiern ausgelassen die Kristallhochzeit von Kasalla (die fünf Jungs sind seit inzwischen 15 Jahren zusammen) und erweisen sich als ebenso textsicher wie die Kölner. Und als nicht minder sangesfreudig.
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Zunächst war allerdings Warten angesagt. Ausharren im Regen, der sich zum Glück schnell wieder verzieht. Erst um 20.30 Uhr betreten Kasalla schließlich die Bühne am Rand der Weinberge. Dafür lässt sich das Quintett zumindest bei der Liedauswahl nicht lange bitten: Mit „Alle Jläser huh“ startet es sofort mit einem seiner größten Hits. Doch während anderenorts die Kölschstangen erhoben werden, sind es in Marienthal die Weißweingläser, sehr zum Vergnügen von Campmann, der selbst einem guten Tropfen nicht abgeneigt ist. Auch nicht in der Wildnis. Ein guter Einstand, zumal weitere Klassiker folgen. „Pirate“, wenn auch ohne die obligatorische Totenkopfflagge, und „Jröne Papajeie“, diese Hymne für Toleranz und Akzeptanz. Im Gegensatz zu vielen anderen Gruppen aus der Domstadt sind Kasalla eben keine reine Karnevalsband, die nur auf Stimmung aus ist – und es zeichnet sie aus, dass sie beides unter einen Hut kriegt. Und zwar überaus erfolgreich.
Musikalisch erweisen sich Kasalla als gewohnt vielseitig. Natürlich stehen Gute-Laune-Songs im Mittelpunkt, selbst wenn diese sich mit dem bevorstehenden Weltuntergang beschäftigen (in dieser Hinsicht ist „Adios Amigos“ ähnlich bitter wie Culcha Candelas „Schöne neue Welt“), doch dazwischen finden sich leise Akustik-Balladen („Aanfang vun för immer“), Elektro-Rock („Rudeldiere“) und Liebeslieder („Ding Südkurv“ – ob die Fußball-Metaphorik nicht ein bisschen sehr bemüht ist, steht auf einem anderen Blatt). Das Publikum schmettert die Lieder ausgelassen mit, bei Bedarf auch mehrstimmig, und scheint trotz einer gewissen räumlichen Distanz zu Köln sogar den Lokalpatriotismus von Kasalla bei „Stadt met K“ zu teilen.
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Ein bisschen ungewohnt ist der Auftritt in Dernau für Kasalla allerdings schon: Auch wenn die Veranstaltung komplett ausverkauft ist, spielt die Band normalerweise vor mindestens zehnmal so
vielen Fans. Der intime Rahmen hat durchaus seine Vorteile, vor allem für die Kinder, die zwischen den Boxen stehen, später auch auf ihnen sitzen und Kasalla so nah kommen wie nirgendwo sonst.
Problematisch wird es allerdings, als Campmann zu „Leechterloh“ unbedingt mitten in der Menge ein Erlebnis aus dem vergangenen Jahr wiederholen will. Damals waren Kasalla bei Rock am Ring und
konnten in eine große Circle Pit abtauchen; doch die wird auf dem überschaubaren Gelände der Weinkulturbühne zur Herausforderung, zumal überall diverse Stehtische verteilt sind. Egal, wird schon
gehen, irgendwie. Immerhin, es geht nichts zu Bruch. Die einzige Blessur, die auf Rückfragen Campmanns gemeldet wird, ist ein ausgerenkter Daumen. Es hätte schlimmer kommen können.
Rund zwei Stunden sorgen Kasalla für Stimmung. Gitarrist Flo Peil und Bassist Sebastian Wagner rocken ordentlich ab, Drummer Nils Plum treibt seinen Kollegen an, und Keyboarder Rene Schwiers
sorgt im Hintergrund für die feinen Schattierungen. Und wenn es nach dem Publikum ginge, könnte das auch noch lange so weitergehen. Aber vielleicht verirren sich Kasalla ja noch ein weiteres Mal
in die Wildnis. Denn immerhin: Schön war’s. Und zwar für alle Beteiligten.
















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