Nik West: Funk im Weinberg

„Geht’s euch gut?“ Diese Frage ist natürlich rein rhetorischer Natur, zumindest an diesem Abend beim Festival Musik und Wein im Ahrtal. Wie soll es dem Publikum schon gehen, wenn auf der Bühne eine Powerfrau dem Funk frönt, mit mehr Energie als ein Kernkraftwerk und mit einer Leidenschaft, die ihresgleichen sucht? Der Auftritt von Nik West oberhalb des Klosters Marienthal explodiert bereits in der ersten Sekunde, während die Bassistin in die Saiten haut und eindrucksvoll unter Beweis stellt warum sie unter anderem schon Quincy Jones, Prince und sogar Funk-Ikone Bootsy Collins beeindruckt hat. Und jetzt eben auch Dernau. Und das nachdrücklich.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Rund anderthalb Stunden ziehen West und ihre Band alle Register. Schon allein optisch ist die 37-Jährige eine Ausnahmeerscheinung, im blauen Glitzerkostüm, hohen Stiefeln mit geradezu monströsen Absätzen und ihrer Lockenpracht. Sie kann dieses Outfit tragen – was nicht unbedingt für den Rest der Band gilt, die ähnlich bunt und schillernd erscheint. Egal: Was zählt, sind schließlich die inneren Werte. Und das musikalische Talent. Vor allem Gitarrist Simone Cesarini ist damit im Übermaß gesegnet und erweist sich als virtuoser Dialogpartner für Nik West, die im Wechselspiel mit ihm einige der stärksten Momente an diesem Abend hat. An anderen ist derweil das Publikum beteiligt, das die 37-Jährige immer wieder mit einbezieht, es klatschen und singen, jubeln und tanzen lässt. Sie lässt sich sogar extra ein bisschen Deutsch beibringen, indem sie nach der Übersetzung ihres Songs „Forbidden Fruit“ fragt. Kleine Gesten, zugegeben, aber sie bringen sie der Menge näher. Und das ist auch gut so. Vielen ist sie ohnehin im Vorfeld fremd gewesen, ein scheinbarer Lückenfüller zwischen zwei Tagen Köbes Underground und dem restlos ausverkauften Kasalla-Konzert. Was für eine Fehleinschätzung, wie wahrscheinlich alle Anwesenden des Konzerts bestätigen dürften. West wird nicht umsonst als Königin der Bassisten bezeichnet, als Naturgewalt, die den pulsierenden Herzschlag des Funk mit dem Gefühl des Soul und der rohen Kraft des Rock zu einem einzigartigen Stil fusioniert, der kurz vor Konzertende – und unmittelbar vor dem Beatles-Hit „Come Together“ und dem unvermeidlichen „Kiss“ von Prince – zur Nova wird. Was für ein Finale.

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Zwischenzeitlich hat West aber auch ein paar ruhigere Töne angeschlagen beziehungsweise anschlagen lassen. Ihre Background-Sängerin Amber Sauer, die gerade erst ihr Debütalbum „Episode 1: Closure“ veröffentlicht hat, darf eine leichte Soul-Pop-Nummer singen und ein paar Minuten im Rampenlicht stehen, bevor West zurückkommt und Gas gibt. „I am happy, I feel good“, sagt sie am Ende. Und das Publikum? Kann nur zustimmen. „Geht’s euch gut?“ Was für ein Frage. 

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