Marcus Schinkel & Ernie Watts: Jazz verzeiht alles

Im Jazz sind Fehler kein Problem. Sondern ein Ausgangspunkt für etwas Neues. Wenn die beteiligten Musiker so versiert sind wie Marcus Schinkel und Ernie Watts, ist das selbstverständlich. Da ist es dann auch nicht schlimm, wenn letzterer die Stücke verwechselt und eben nicht bei Schinkels neuer Bearbeitung von Bachs „Agnus Dei“ einsteigt, sondern eine ganz andere Einleitung spielt. Ein kurzer Hinweis, dann wird weitergespielt, als wäre der Irrtum schon immer Teil des Konzepts gewesen. „Ich habe was Falsches gespielt, und dann hat Marcus die richtige Begleitung zum falschen Stück gespielt, bis wir dann zum richtigen kamen“, fasst es Watts bei einem gemeinsamen Konzert im Pantheon zusammen. „Das ist die Magie des Jazz.“ Und die beherrscht die Saxofon-Legende auch jetzt noch wie kein Zweiter.

Werbeanzeige


QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Die Zusammenarbeit mit Watts ist für Schinkel nach eigener Aussage eine ganz besondere Ehre. Immerhin hat der Jazz-Veteran mit vielen der größten Ikonen gespielt, mit Buddy Rich, Miles Davis, Thelonious Monk, Aretha Franklin, Frank Zappa und den Rolling Stones. „Und er ist mit 80 Jahren noch so verdammt jung.“ Vor allem auf der Bühne. Wenn er am Pult steht, sein Instrument in der Hand, mit diesem Blitzen in den Augen und dieser unbändigen Freude auf den Lippen, dann wirkt Watts fast wie ein kleiner Junge, der einen diebischen Spaß daran hat, seine Freunde zu foppen und mit unerwarteten Richtungswechseln zu überraschen. Und wenn Schinkel, der schon vor zehn Jahren im Rahmen des Jazzfests auf den US-Amerikaner traf, sowie Drummer Wim de Vries und Bassist Fritz Roppel auf dieses Spiel eingehen, strahlt Watts noch heller.

Derweil ist der Auftritt im Pantheon für Schinkel fast so etwas wie Urlaub nach einigen überaus hektischen Wochen. Immerhin hat er parallel zu der Tour mit Watts noch als musikalischer Leiter der Local Ambassadors ein Jubiläumskonzert für das „Over the Border“-Festival in der Kölner Philharmonie koordiniert und so ganz nebenbei Bachs h-Moll-Messe im Auftrag des Beethovenfests überarbeitet und zum Teil neu komponiert. Kein Wunder, dass er dieses Material jetzt schon einmal testet, vor allem wenn man schon einmal einen so hochkarätigen Saxofonisten vor Ort hat, der so ziemlich alles spielen kann, auch Bach oder Beethoven. Und so erklingen an diesem Abend neben Stücken von Wayne Shorter und Monty Alexander unter anderem zwei Präludien sowie der rasante Schlusssatz aus der besagten h-Moll-Messe, nur eben mit „Take Five“-Groove. Klasse. Für Schinkel, der seinen Crossover-Ansatz längst zu seinem Markenzeichen gemacht hat, ist so etwas völlig selbstverständlich, doch auch Watts brilliert mit Soli, in denen er mühelos klassische Harmonik mit modernen Impulsen verbindet. Ein Genuss für das begeisterte Publikum. Schade ist nur, dass Watts bei der Uraufführung von Schinkels Neukomposition am 27. September in der Beethovenhalle nicfht mit dabei sein kann. Dafür werden das flämische Barockorchester B’Rock, der Bonner Kammerchor Vox Bona und The Real Group mitwirken.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0