Als Erzieher hat man es echt schwer. Und es wird immer schlimmer. Kein Wunder, dass sich immer weniger Männer und Frauen finden lassen, um in Kinderverwahranstalten den Horror des Spielzeugtags hautnah mitzuerleben oder Sechsjährigen die Windel zu wechseln und im schlimmsten Fall sowohl von diesem Blag als auch von dessen Eltern angeschissen zu werden. Bei solchen Geschichten fährt Jan Preuß aus der Haut. Der Comedian ist gelernter Erzieher und kennt den Kita-Alltag aus erster Hand. Mit seinem aktuellen Programm „Baueckenverbot“ tourt er derzeit durch die Bundesrepublik und ist so auch ins restlos ausverkaufte Haus der Springmaus gekommen, wo er dem Publikum, das geschätzt zu 90 Prozent aus Kindergärtnerinnen zu bestehen scheint, mit viel Verve aus der Seele redet – und eine absurde Geschichte nach der anderen erzählt.
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Natürlich bedient Preuß in erster Linie Klischees, angefangen bei sich selbst, dem abgebrühten (V)Erzieher aus der Kita Spatzenhirn, der am liebsten Kinder, Kollegen und Eltern in einen Sack
packen und draufschlagen würde. Gut, OK, Preuß hat keine Gewaltfantasien, zumindest normalerweise nicht – aber angesichts der Anekdoten aus seinem einstigen Erzieher-Leben fragt man sich, ob
dieses Verhalten nicht eigentlich abnormal sein müsste. So viel Selbstkontrolle kann ein Mensch im Angesicht einer ganzen Schar von Terrorkindern und Helikoptereltern gar nicht besitzen.
Zumindest nicht ohne ein paar Techniken, die den Verstand bewahren sollen. Preuß empfiehlt zum Beispiel, sich selbst Spaß bei der Arbeit zu machen, Kolleginnen und Kollegen zu veräppeln und
Eltern beizubringen, dass Nein auch wirklich Nein heißt. Vor allem letzteres ist wichtig, sind es doch die Erziehungsberechtigten und weniger die Kinder, die noch ein paar wichtige Lektionen am
ehesten lernen müssen. Sie sind die ultimativen Endgegner, sie und ihre Forderungen nach immer wieder neuen Sonderbehandlungen für den Sprössling vom GPS-Tracker in den Schuhen des Kindes bis hin
zur Brust, an der selbiges einfach am besten einschlafen kann. Diese Forderungen stammen übrigens nicht von Preuß selber, sondern vielmehr aus dem Saal. Und wo die herkommen, gibt es noch viele
weitere. Etwa den Wunsch, die Notbetreuung mindestens eine Woche im Vorfeld anzukündigen. Oder die skurrile Szene, als zwei Mädchen am Rand des Kita-Geländes einen großen Dildo finden und mit
diesem – wild damit wackelnd – zurück zu den Erziehern laufen. So etwas kann sich niemand ausdenken. Auch Preuß nicht, der sich vor Lachen krümmt. Das Publikum auch.
Allerdings besteht das Programm nicht nur aus gnadenloser Überzeichnung und Alltagswahnsinn. Vielmehr möchte Preuß durchaus auf ein paar Aspekte hinweisen, die so verkehrt gar nicht sind.
Stichwort Wecken nach der Mittagsruhe. „Dieser Anspruch, das Kind so lange schlafen zu lassen wie es will, ist völliger Quatsch“, so Preuß. „Das führt nämlich wirklich dazu, dass das Kind des
Nachts nicht zur Ruhe kommt, es dementsprechend am nächsten Morgen ebenso übermüdet ist wie die Mutter und am Ende alle leiden.“ In solchen Fällen müsse man die Eltern dann doch mal ernst nehmen.
Selbst wenn es schwer fällt. Sehr schwer. So wie bei dem Erstgespräch mit der Mutter eines Zwillingspärchens, das von dieser ständig „Nöhl“ und „Jöhl“ genannt wird. Geschrieben werden die Kinder
Noel und Joel. Was die Erzieher in eine schwierige Lage bringt: Folgt sie der Aussprache der Mutter und lädt möglicherweise Häme und Spott auf sich, oder korrigiert sie diese und akzeptiert das
Risiko, dass die beiden Jungen nicht hören? Da könnte sich Jan Preuß stellvertretend für alle ehemaligen Kollegen schon wieder auf- und dadurch zum Lachen anregen. Das hilft. Nachweislich.
Insofern geht das Publikum denn auch nach über zwei Stunden recht gelöst nach Hause. Und am nächsten Morgen wieder in die Kita. Juchu.












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