„Johann König findet“: Urlaubs-Chaos und Online-Wahn

Der WDR hat das Pantheon auf den Kopf gestellt. Eine Woche lang hat sich der Sender im Beueler Kleinkunsttempel eingemietet, um die zweite Staffel der Comedy-Show „Johann König findet“ aufzuzeichnen, und das erfordert einen immensen Kraftakt von allen Beteiligten. Alleine vier Tage haben die Aufbauten gedauert, denn für die Produktion hat der WDR die Bühne kurzerhand um 90 Grad gedreht, um vor der bunten Flaschenwand drehen zu können, die für jeden Besucher des Pantheons der größte Blickfang ist. Doch letztlich scheint sich der Aufwand gelohnt zu haben. Zumindest erweisen sich die beiden ersten Folgen, die am Mittwoch abgedreht wurden, als erfreulich kurzweilig. Und mitunter schlichtweg großartig.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Der Clou der Sendung ist, dass Gastgeber Johann König in jeder Folge ein neues Thema auswählt, zu dem sich dann fünf Comedians und Comediennes äußern dürfen. Dabei sind sowohl Veteranen der Kleinkunstszene als auch Newcomer vertreten, die auf diese Weise eine nicht unerhebliche Reichweite erhalten und gegebenenfalls noch etwas lernen können. Zum Beispiel, wie man Geschichten erzählt. Denn die kommen zumindest an diesem ersten von insgesamt drei Aufzeichnungstagen mit Abstand am Besten an. So wie es Mirja Regensburg macht, die sich wie einige ihrer Kollegen zum Traum- oder auch zum Alptraumurlaub äußern soll: Sie erinnert sich augenzwinkernd an eine Reise mit ihren Eltern, deren diversen Marotten und einem gestiegenen Betreuungsbedürfnis, und das so charmant und amüsant, dass alle im Saal begeistert sind. Ähnlich geht auch Matthias Egersdörfer vor, auch wenn der alte Grantler natürlich nicht ganz so viel zu lachen hat. „Wenn der Bub kotzt, fängt der Urlaub an.“ Na Mahlzeit. Und Mirja Boes? Entleert mit allerlei Brechgeräuschen Nachts um halb drei die Toilette ihres Campingwagens, mit Bildern, die man lieber nicht im Kopf haben möchte. Helene Bockhorst und Comedy-Neuling Simon Mann versuchen derweil, ihren kleinen Zeitslot mit einzelnen, mitunter unzusammenhängenden Witzen zu füllen, was nicht in jedem Fall gelingt. 

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Nach der Pause dann die zweite Folge, diesmal unter der Überschrift „Social Media“. Wozu man viel sagen kann. Sehr viel. Und nicht alles davon will man wirklich wissen. Der „Celebrity Crash“ von Julia Brandner, die einem australischen TikTok-Model folgt, ist auf jeden Fall nicht sonderlich ergiebig, auch wenn sie sich als digitale Stalkerin zwangsweise mit so manchen Hass-Kommentaren auseinandersetzen muss. Das greift auch Laura Brümmer auf, stellt dem aber Reaktionen in der realen Welt gegenüber, die ehrlich gesagt nicht besser sind. Aber schräger. Wenn sie beim Enten füttern im Park auf einmal von einer Frau angegangen wird, die sie des versuchten Tiermords bezichtigt, erscheint dies ziemlich absurd – wenn ähnliches in den sozialen Medien passiert, gilt es dagegen als völlig normal. Ohnehin scheint im digitalen Raum alles möglich zu sein. Maxi Gstettenbauer sucht dort zum Beispiel erfolgreich neue Verschwörungstheorien, während Jan Philipp Zymny als Dodekaeder der Weisheit Ratschläge über TikTok, verbreitet. Am eindringlichsten äußerte sich allerdings Timur Turga: Der sehbehinderte Comedian, der mit fünf Prozent Sehfähigkeit laut Gesetz noch nicht blind ist, kann sich über all die ungefilterten Gemeinheiten im Netz nur wundern. „Für Social Media sehe ich noch zu viel“, sagt er. Und schaut lieber weg.

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