„Unscharf mit Katze“: Auf diesen Titel muss man erst einmal kommen. Drei Worte, die doch direkt Assoziationen wecken an Schrödinger, Heisenberg und Lewis Carroll und die doch damit gar nichts zu tun haben (auch wenn sie es könnten), sondern stattdessen von Hilflosigkeit zeugen und vom Festklammern an der Kunst in Zeiten der Unsicherheit. Was für ein eigenwilliges Konvolut. Es existieren nur wenige deutsche Musiker, die so etwas hinkriegen, und noch weniger, die daraus ein Lied machen können, das ebenso poetisch wie melancholisch ist. Und nur Element of Crime meistern diese Aufgabe en passant, einfach weil diese Art der Unschärfe Teil der Band-DNA ist. Im Rahmen von „Quatsch keine Oper“ waren die Herren um Sänger und Texter Sven Regener jetzt in Bonn. Und verzauberten erneut.
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Die melancholische Lebensfreude und die oft schlichten Melodien sind längst Markenzeichen von Element of Crime. Die Musik spielt mit einfachen Harmoniegeflechten, die durch Akkordeon und Trompete
verziert werden und skurrilen Reflexionen und zartbitterer Zärtlichkeit als Basis dienen. „Seine Romane, Drehbücher und Songtexte beschreiben die Dramen des Alltäglichen und wissen um die Poesie
des Strauchelns“, so heißt es denn auch in der Jurybegründung des Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreises, den der 65-Jährige erst in diesem Jahr erhalten hat. Trotzdem ist Regener mit Element of
Crime auf Tour gegangen, vielleicht auch zum Teil deswegen. „Was sollen wir machen, wir können ja sonst nichts“, sagt er mit dem für ihn so typischen Hang zum Understatement. Vielleicht sollte es
vielmehr heißen: Wir wollen ja sonst nichts. Denn auch wenn das Quintett auf der Bühne eher stoisch wirkt, scheinen sie doch auf ihre trockene, norddeutsche Art Spaß zu haben. Zumindest Regener
ist gut drauf, während er allerlei Anekdoten erzählt, von der Trennung seiner Schwester von ihrem damaligen Freund in den 80ern, was in „You Shouldn’t Be Lonely“ mündete (ja, Element of Crime
haben auch mal auf Englisch gesungen, lang ist’s her), von nächtlichen Kontemplationen und von diversen Erlebnissen im öffentlichen Nahverkehr.
Das Publikum ist auf jeden Fall begeistert von dem Rückblick auf 40 Jahre Bandgeschichte, von dem hintersinnigen Humor und den unverklärten Geschichten aus dem Alltag, die trotz aller Poesie so
fad wirken und gerade dadurch so authentisch sind. Das gilt auch für Zwischenmenschliches: Bei Regener sind Liebeslieder vor allem von Sehnsucht geprägt und nicht von Schmetterlingen, im Grunde
Ausdruck eines resignierten Begehrens statt von Glückseligkeit. „Immer da wo du bist bin ich nie“, singt er zum Beispiel oder „Am Ende denk’ ich immer nur an dich“, selbst wenn das Lied
eigentlich von Erdbeereis handelt und von Spielplatzunfällen, kurzum vom ganz normalen Wahnsinn um uns herum. Klingt seltsam, passt bei Element of Crime aber irgendwie zusammen. Und das reicht.





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