Abdelkarim: Hahn im Haus

Abdelkarim hat es mitunter schwer. Obwohl der 44-Jährige inzwischen schon seit fast 20 Jahren auf der Bühne steht und zwischenzeitlich – eigenen Angaben zufolge – schon mal als Staatsfreund Nummer 1 geführt wurde, scheinen viele Menschen ihn immer noch nicht zu erkennen. Mal wird er trotz seiner Minimalfrisur für Bülent Ceylan gehalten, mal für Kaya Yanar, in einem überhaupt nicht lustigen Fall sogar für einen Vertreter des rechten Spektrums. So kann das nicht weitergehen. Also hat er sich einen Masterplan zurechtgelegt, seinen Plan Z, mit dem Abdelkarim diese Missverständnisse endgültig ausräumen will. Eine Marke müsste man sein, mit einem einprägsamen Spruch oder einem Tanz, so wie Fußballer nach einem erfolgreichen Torschuss. Oder mit einer Geste. Und da die besten Optionen bereits vergeben sind, wird der Comedian eben mit erhobener Hand zum Hahn. Im Haus der Springmaus testet er nun aus, ob das reicht. Was nur zum Teil zutrifft.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Im Grunde verfügt Abdelkarim über alles, was er für einen unterhaltsamen und nachhaltigen Abend braucht. Mit dem Publikum geht es ganz unverkrampft um, ist charismatisch und vor allem alles andere als eindimensional. „Wie der heutige Abend wird, zeigt sich erst am Ende“, sagt er: „Wenn die Pointen sofort zünden, ist es Comedy, wenn Sie noch drüber nachdenken müssen, eher Kabarett.“ Oft ist es beides. Thematisch erweist sich der frisch gebackene Träger des Deutschen Kleinkunstpreises als überaus gesellschaftskritisch, geht auf die Genderdebatte ein, auf die Auswüchse übertriebener Political Corectness und auf die Kriegszustände in den Sozialen Medien. Dazwischen setzt er tiefschwarze Satire voll nonchalanter Boshaftigkeit (Im Flugzeug: „und, freuen Sie sich auch auf’s Paradies?“) – und leider auch viele Gags, denen auf halben Wege die Luft ausgeht. Mal fehlt es am Unterbau, mal an Absurdität, mal an Konsequenz und oft am Timing. Dabei ist das Programm schon mehr als ein Jahr alt, an mangelnder Erfahrung kann es also nicht liegen. Wohl aber an dem Versuch, es allen Recht zu machen. Was so auch nicht gelingt.

Was Abdelkarim fehlt, ist nicht etwa eine Haltung, sondern die Überzeichnung selbiger. „Ich finde die Ziele des Genderns toll, aber die aktuelle Umsetzung problematisch“, sagt er, schön moderat, um ja keinem auf die Füße zu treten. Dabei liegt es doch im Wesen der Satire, genau das zu tun, um aus diesem Gefühl der Verunsicherung heraus zu einem Diskurs zu gelangen. Bei Abdelkarim bleibt jedoch jegliche Zuspitzung folgenlos. Bei der Forderung diverser Aktivisten und Bewegungen, dass zum Beispiel behinderte Rollen ausschließlich von Schauspielerinnen und Schauspielern mit entsprechender Behinderung gespielt werden sollten, fängt Abelkarim immerhin damit an, bringt das Thema aber nicht zu einem Abschluss. Für gutes Kabarett reicht das nicht. Für Comedy eigentlich auch nicht. Schade.

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