Geschichten aus einer heilen Welt? Die kann man bei Pippo Pollina derzeit nur selten finden. Der charmante Cantautore, wie man italienische Liedermacher bezeichnet, nimmt auf seinem aktuellen Album „Fra guerra e pace“ (Zwischen Krieg und Frieden) kein Blatt vor den Mund und verbindet so eindringlich wie schon lange nicht mehr politische Botschaften mit feinster Poesie. Damit kommentiert Pollina, einer der produktivsten und populärsten Vertreter seiner Zunft, den Wahnsinn gegenwärtiger und vergangener Kriege – und erweist sich doch zugleich als ein Künstler, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat und trotz allem weiterhin an die Menschheit glaubt. Im Pantheon hat er nun seine Frühlings-Tournee mit einem umjubelten Konzert beendet.
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Politisch interessiert war Pollina schon immer. In den 80er Jahren kämpfte er als Journalist der Zeitschrift „I siciliani“ gegen die Mafia, bis sein Chefredakteur ermordet wurde und Pollina sich eine Auszeit nahm. Damals wurde er zum Straßenmusiker, bereiste ganz Europa und bettete seine Kritik in Lieder ein. Im Gegensatz zu manch anderen Liedermachern hat Pollina allerdings nie Protestsongs geschrieben, sondern an das Gute im Menschen appelliert. So auch in Bonn: Zwischen Klassikern wie „A Mani Basse“ und „Mare Mare Mare“ setzte er der Weißen Rose um Sophie und Hans Scholl ebenso ein Denkmal wie dem uruguayischen Politiker José Mujica, der während seiner Präsidentschaft von 2010 bis 2015 90 Prozent seines Gehalts spendete und mit seiner pragmatischen Politik Pollina faszinierte. In seinen langen Moderationen versuchte er, dem Publikum auch auf deutsch zu vermitteln, warum ihn diese Schicksale nicht kalten ließen. Erst recht galt dies für „La Notte Dei Cristalli“ („Kristallnacht“) und „Free Palestina“. Zwar verurteilte Pollina den Terroranschlag der Hamas vom Oktober 2023 in aller Schärfe, hinterfragte aber auch, inwieweit ein demokratischer Staat wie Israel Vergeltungsmaßnahmen aus reicher Rachsucht durchführen dürfe. Das können die Menschen besser, davon ist Pollina überzeugt, der „Fra guerra e pace“ als Reaktion auf eine Zeit geschrieben hat, in der das Wort „Krieg“ sich wieder in den Alltag geschlichen hat. Wo es nichts zu suchen hat.
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So düster die Inhalte auch waren, so bezaubernd war die Musik. „Man kann über ernsthafte Themen singen und trotzdem eine gewisse Vitalität beibehalten, den Liedern also Rhythmus geben“, hat Pollina mal in einem Interview mit der österreichischen Presseagentur APA erklärt. Der Perkussionist Gionata Colaptrisca war dafür essentiell, während Saxofonist Roberto Petroli immer wieder mit intensiven Soli berührte und Cellistin Cecile Grüebler sowie vor allem Pianistin Elisa Sandrini ebenso als Virtuosinnen an ihren jeweiligen Instrumenten als auch als Backgroundsängerinnen brillierten.














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