Torsten Goods: Im Herzen ein Jazzer

Für Torsten Goods ist ein Besuch bei der Dottendorfer Jazznacht fast schon ein Heimspiel. Bereits zum vierten Mal ist der Gitarrist bei der beliebten Konzertreihe zu Gast – damit ist er Rekordhalter. Er kommt gerne, sagt er, fühlt sich wohl in dem Bonner Stadtteil, und das obwohl er inzwischen auch international unterwegs ist. Amsterdam, Zürich, London, New York, Dottendorf: So soll’s sein. Kein Wunder, dass der 45-Jährige mit seiner neuen Band begeistert empfangen wird. Dann legt er los, tanzt über die Saiten, zeigt seine Klasse. Und seine Grenzen. Denn auch wenn Goods zweifelsfrei ein Virtuose auf seinem Instrument ist, kann seine Stimme zumindest an diesem Freitagabend mitunter nicht ganz mithalten. Vor allem in den Höhen wackelt die Intonation immer wieder. „Ich bin einfach sehr erholt“, gesteht Goods denn auch und verweist auf seinen Kreta-Urlaub, von dem er erst einen Tag zuvor zurückgekommen ist. „Ich hoffe, ich komme noch rein.“ Zur Beruhigung: Ja. Tut er.

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Goods ist einer der profiliertesten Gitarristen seiner Generation, einer, der schon während seines Studiums mit Mike Stern, Les Paul und seinem großen Vorbild George Benson spielte – letzteres ist in jedem seiner Stücke eindeutig hörbar. Dies gilt allerdings nur für sein Instrumentalspiel. „Im Herzen bin ich ein Jazzer“, sagt er, „aber wenn ich Lieder schreibe oder singe, kommen meine Vorbilder aus einer anderen Ecke.“ Dann orientiert er sich an Bands wie Toto und Steely Dan oder an Sängern wie Christopher Cross, Kenny Loggins und Al Jarreau. Dementsprechend schwankt sein Repertoire zwischen Pop- beziehungsweise Yacht-Rock und Fusion. Die passende Band hat er dafür auf jeden Fall gefunden: Mit Christian Lettner und Patrick Scales hat er zwei langjährige Mitglieder von Klaus Doldingers legendärer Formation „Passport“ gewinnen können; dazu kommt der Keyboarder Ferdinand Schwartz, der mit Jakob Manz, Nils Landgren und Herbie Hancock ebenso erfolgreich unterwegs war wie mit Coldplay und Max Mutzke. Eine starke Besetzung, für die Pop-Songs die Pflicht sind. Und Jazz die Kür. Großartig etwa die Interpretation der Yellowjackets-Nummer „Revelations“ oder das mit Disco-Elementen angereicherte „GetYourself Together“, eine Hommage an Trompeter und Produzenten-Ikone Quincy Jones. Geht doch.

Das Publikum zeigt sich auf jeden Fall von dem vielseitigen Spiel des Quartetts um Torsten Good begeistert. Dementsprechend froh sind die Gäste, dass sie rechtzeitig Tickets besorgt haben – nach Aussage von Organisator Herbert Kaupert habe er mehrere Leute an der Abendkasse enttäuschen müssen, weil das Konzert (wie die meisten in der Dottendorfer Jazznacht) schnell ausverkauft war. Für die Veranstaltungen, die noch bis Ende des Jahres anstehen, gibt es aber noch Karten. Ein Höhepunkt dürfte zweifelsfrei der Auftritt von Viktoria Tolstoy und Jacob Karlzon am 18. September sein; immerhin sind beide Top-Stars der skandinavischen Jazz-Szene. Spannend dürfte aber auch der Abend mit David Helbocks Trio Random/Control sein, das am 19. Juni zusammen mit Sängerin Fola Dada Gedichte von William Blake und Emily Dickinson vertont. Dazu kommen Konzerte von Julia Hülsmann, Joo Kraus, Thomas Stieger sowie Marcus Schinkel und Marion Lenfant-Preus. Tickets erhalten Sie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Termine Dottendorfer Jazznacht 2026

19.6.: David Helbock’s Random/Control feat. Fola Dada
10.7.: Julia Hülsmann Quartet
18.9.: Viktoria Tolstoy & Jacob Karlzon
2.10.: Joo Kraus & Band
20.11.: Thomas Stieger Band
11.12.: Marcus Schinkel & Marion Lenfant-Preus

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