Man kann auch aus Nichts ganz viel machen. Zumindest, wenn man Loriot heißt. Niemand verstand sich besser auf die Komik des Alltags als er, und nicht ohne Grund ist er für viele Schauspieler und Satiriker bis heute ein großes Vorbild. Auch für Moritz Netenjakob und Christoph Maria Herbst, die auf Einladung der Springmaus ins Brückenforum gekommen sind, um in ihrem Programm „Das ernsthafte Bemühen um Albernheit“ einige ihrer Lieblingstexte vorlesen. Was für eine Kombination: Hier der Kabarettist und Erfolgsautor, der neben Romanen wie „Macho Man“ und Theaterstücken wie „Extrawurst“ unter anderem Drehbücher für „Stromberg“ geschrieben hat, dort Stromberg selbst – das kann ja nur gut werden. Wird es auch. Mit und ohne Loriot.
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Netenjakob und Herbst kennen sich schon seit fast 25 Jahren. Erstmals sind sie sich bei der Produktion von Anke Engelkes Show „Ladykracher“ über den Weg gelaufen, ersterer als Autor, letzterer
als Nebendarsteller. Über das geteilte Faible für Stimm-Imitationen freundeten sich die beiden an, und genau diese Leidenschaft brachte sie schließlich auch dazu, dem Rat der genervten Freunde zu
folgen und mit einem gemeinsamen Programm auf die Bühne zu gehen. Dort können sie nämlich alle sprechen lassen: Jochen Busse und Rudi Carrell, Willy Brandt und Helmut Kohl, die
Muppet-Show-Grantler Waldorf und Statler, Udo Lindenberg und Klaus Kinski und viel mehr schauen vorbei, oft nur für ein paar Sätze. Doch manchmal nehmen sich Netenjakob und Herbst ganze Sketche
vor – warum dann allerdings in erster Linie letzterer für die Dialoge zuständig ist, bleibt ungeklärt. Ist aber auch egal. Es ist einfach herrlich, wenn Herbst das Rentnerehepaar Wilhelm und
Hedwig über Fußball streiten lässt („ich bin heute mal für Armenien“) oder ein anderes über das Nichtstun. Womit der Bogen zu Loriot geschlagen wäre. Immerhin teilen sich Netenjakob und Herbst
zumindest den Hallervorden-Dialog zur Kuh Elsa, bei dem sie selbst nur mit Mühe ernst bleiben können. Immerhin: Am Ende gibt es Lob für das Publikum. „Sie haben den Tiefpunkt dieses Abends mit
uns durchwatet“, kommentiert Herbst diesen gehobenen Blödsinn.
Natürlich plaudern die beiden Satiriker auch aus dem Nähkästchen. Vor allem „Stromberg“ wird etwas ausgiebiger beleuchtet, und das nicht nur wegen der damit verbundenen
Grimmepreis-Auszeichnungen. „Nach der ersten Staffel bin ich tatsächlich das ein oder andere Mal von Passanten bedroht worden, die dachten, es würde sich um eine echte Doku handeln und ich wäre
so ein Ekel“, erinnert sich Herbst. „Für mich als Schauspieler war das im Grunde das größte Kompliment.“ Ob diese Begegnungen allerdings tatsächlich stattgefunden haben, sei dahingestellt – an
anderer Stelle erschienen die vermeintlichen Rückblicke auf jeden Fall sehr bemüht. So drohen eben Realität und Rolle zu verwischen, und das obwohl Herbst explizit betont, dass es immer wichtig
sei zu wissen, „wo man selbst aufhört und wo das Spiel anfängt.“
Diese Maxime ist für den Schauspieler besonders wichtig, insbesondere wenn er unangenehme Figuren zum Leben erweckt. Adolf Hitler, zum Beispiel. Dem hat Herbst in der Hörbuch-Fassung von Timur
Vermes’ Roman „Er ist wieder da“ seine Stimme geliehen und ist damit auch in Deutschland getourt; an den ein oder anderen Besuch im östlichsten Osten von Ostdeutschland erinnert er sich bis heute
mit leichtem Grausen zurück. Netenjakob steuert mit seinen skurrilsten Tour-Erlebnissen gegen, agiert sonst aber eher als Gastgeber und Moderator, der sich ein bisschen im Hintergrund hält.
Stattdessen lässt er lieber seine Texte sprechen. Dem Publikum genügt das. Zum Abschluss gibt es denn auch frenetischen Beifall für zwei exzellente Satiriker, die ihrerseits applaudieren, und
zwar in Richtung Himmel. Zu Loriot.





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