The Flying Pickets: Nicht ganz stimmig

Adel verpflichtet. Dies gilt auch in der a-cappella-Szene, und in der waren die Flying Pickets zumindest in Fragen der Popularität seit gut 45 Jahren immer auf oder zumindest hinter dem Thron zu finden. Das Herren-Quintett, das vor allem für Vokal-Interpretationen beliebter Pop-Songs berühmt ist, hatte 1983 mit „Only You“ einen Nummer-Eins-Hit in Großbritannien und trugen zusammen mit Formationen wie The Nylons maßgeblich dazu bei, diese Art des Gesangs im Mainstream zu verankern. Auch wenn alle Gründungsmitglieder längst andere Wege beschritten haben, sind die Pickets weiterhin aktiv und haben erst vor kurzem ein neues Album aufgenommen, das sie nun bei einem Konzert in der Harmonie vorstellten. Doch so langsam beginnt der Glanz zu bröckeln. Und die Stimmen zu schwanken.

Werbeanzeige


QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Zugegeben, an Begeisterung mangelt es den fünf Herren auf der Bühne nicht. Mit „Let Me Entertain You“ gaben sie von Anfang an die Richtung vor – die allerdings Konsequenzen hat. Denn so aufgedreht die Pickets auch sind, der Musik tut dies nicht gut. In der Regel handelt es sich um Kleinigkeiten, die das enthusiastische Publikum kaum wahrnimmt, doch gerade von einer Band wie den Flying Pickets erwartet man mehr als Stücke, bei denen die Intonation immer wieder wackelt und die Harmonien oder gar die Rhythmen nicht auf dem Punkt sind. Das gilt übrigens für alte wie neue Stücke, für den Beatles-Klassiker „Blackbird“ ebenso wie für das noch unveröffentlichte „Are we more“Auch die Höhen machen den Pickets zu schaffen, etwa bei dem Refrain von Sias „Chandelier“, wo sich die Sänger ganz schön weit hochdrücken müssen. Zu hoch für manche.

An anderer Stelle zeigen die Flying Pickets dagegen immer noch ihre Klasse. Mit „Call Me Al“, „Seven Years“ oder „Englishman in New York“ stellen Sie unter Beweis, dass sie im Grunde ganz genau wissen, was sie tun, und auch „Castle on the Hill“ von Ed Sheerean klingt dank der kraftvollen und virtuosen Lead-Stimme von Simon John Foster eigentlich ganz gut. Und so drängt sich der Verdacht auf, dass sich die Fünf einfach nicht richtig hören. Wenn dann auch noch Effekte auf die Tonspuren gelegt werden, um für ein bisschen mehr – beziehungsweise letztlich viel zu viel – Hall oder Volumen zu sorgen, sind Unsauberheiten vorprogrammiert. Damit demontieren die Pickets gerade ihre eigene Legende, und das völlig ohne Not. Sie können’s doch besser, wie vor allem die neuen Arrangements beweisen, die in der Regel viel besser sitzen als die Klassiker. Und das Publikum? Feiert das Quintett trotzdem. Schließlich sorgen die Fünf für jede Menge gute Laune und bei der Zugabe mit dem unsterblichen „Only You“ für verklärte Nostalgie. Für viele reicht das. Immerhin.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0