Mitsune: Japanische Trink- und Fischerlieder

Das Rüngsdorfer Kulturbad wird immer populärer. Seit ein Förderverein um Anna Sophia Baumgart die ehemalige Gastronomie vor gut drei Jahren wiederbelebt und zu einem Raum für Kunst und Kultur umgewidmet hat, wächst sowohl das Niveau der Shows und Konzerte als auch das Interesse der Öffentlichkeit kontinuierlich. Jetzt ist mit dem Weltmusikfestival „Over the Border“ des Konzertveranstalters Manuel Banha erstmals auch ein etabliertes Format ins Rüngsi gekommen. An gleich drei aufeinander folgenden Abenden erklingt über den noch leeren Schwimmbecken Musik vom Balkan, aus dem Orient – und aus Japan. Für letzteres sorgt die ebenso eigenwillige wie augenzwinkernde Formation Mitsune, die neben eigenen Songs vor allem traditionelle Weisen aus ihrer Heimat neu interpretieren und damit dafür sorgen, dass diese nicht in der Vergangenheit bleiben. Sondern weitergetragen werden.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Einen voll ausgestatteten Konzertsaal kann das Kulturbad nicht bieten; die Bühne ist ebenerdig und nur durch ein Gerüst und ein paar Lagen schwarzen Stoffs vom Rest des Raums abgeschirmt. Egal: Die verrückte Show von Mitsune kommt dennoch gut zur Geltung. Die ausgefallenen Kostüme – das Spiel mit Klischees gehört für das in Berlin lebende Quartett einfach dazu – tragen natürlich ihren Teil dazu bei, vor allem aber sind es der Spaß an der Improvisation und die gute Stimmung im Kulturbad, die das Konzert zu einem Erfolg machen. Selbstverständlich ist das nicht: Ein neuer Raum will erst erobert und ungewohnte Musik erst verstanden werden, ohne ein neugieriges und offenes Publikum kommt man da nicht weit. Bei dem Auftritt von Mitsune kommt aber all das problemlos zusammen. Bereitwillig lauschen die mehr als 100 Gäste der Mischung aus schnarrender Shamisen-Musik (diese japanischen dreisaitigen Lauten spielen die beiden Frontfrauen Shiomi Kawaguchi und Youka Snell), Jazz und Punk, die in der Regel geprägt ist von ständig wechselnden Rhythmen und einer gehörigen Portion Wahnsinn. Vor allem das minutenlange Solo des griechischen Perkussionisten Petros Tzekos dürfte in Erinnerung bleiben, da es in weiten Teilen eher an eine Performance erinnert, mit aufeinandergestapelten und letztlich umgeworfenen Topf-Türmen, allerlei Blech und einem Publikum, das irgendwann freiwillig quietschende Bögen und Flöten imitierte, weil die Situation so absurd war. 

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Für Manuel Banha ist es ein großes Glück, mit dem Rüngsdorfer Kulturbad einen weiteren Veranstaltungsort gefunden zu haben, der Experimente wie den Auftritt von Mitsune zulässt, gleichzeitig aber eine gute Größe hat. Und bei gutem Wetter mit der großen Terrasse über einen ganz besonderen Pluspunkt verfügt. Im Rahmen von „Over the Border“ stehen noch ein Auftritt des Gert-Kapo-Quartetts mit der mazedonischen Sängerin Merve Akyıldız sowie die Aufführung eines viersprachigen Tanztheaters auf dem Programm; vor allem letzteres wäre zu unbekannt, um das Pantheon zu füllen, und zu exzentrisch, um es in der Harmonie zu präsentieren. Diese Lücke vermag das Kulturbad zu füllen, das auch ansonsten mit einem sehr vielfältigen Programm aufwartet. Im Mai spielt an einem Tag ein Barockorchester, an einem anderen ein Blues-Gitarrist und an einem dritten ein Jazz-Trio. Doch auch Lesungen, Kleinkunst und Tanznächte finden regelmäßig statt, sowohl Abends als auch als Matineen. Von letzterem können während der Freibad-Saison eventuell auch jene profitieren, die zwischen ein paar Runden im Wasser die Ohren spitzen.

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