Karsu: Offenbarung auf türkisch

Was für eine Stimme, was für ein Feuer, was für eine Band: Den Auftritt der türkisch-niederländischen Sängerin Karsu im Telekom Forum kann man nicht nachdrücklich genug loben. Die 36-Jährige war zwar schon im vergangenen Jahr zu Gast bei „Over the Border“, aber Organisator Manuel Banha hat einmal mehr den richtigen Riecher gehabt und sie erneut eingeladen. Zumal Karsu zum 10. Jubiläum des Weltmusikfestivals mit ihrer Jazzband nach Bonn gekommen ist – und damit alle Erwartungen mühelos übertrifft.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Karsus Musik erweist sich als faszinierendes Amalgam türkischer Folklore, Jazz, Rock, Pop und Blues. Dabei gelingt es ihr, keine Klangfarbe zu dominant werden zu lassen, seien es nun die melismatischen Verzierungen des arabischen Gesangs oder die Experimentierfreudigkeit der Improvisation. Bei ihr kommt alles zusammen, so als sei es nie getrennt gewesen, allesamt Stücke eines größeren Puzzles, die sich organisch ergänzen und mehr ergeben als die Summe der einzelnen Teile. Daran hat vor allem die kleine, aber feine Bläser-Sektion ihren Anteil; Saxofon, Trompete und Posaune sorgen dafür, dass der orientalische Groove an Volumen gewinnt und gleichzeitig in die Nähe von Latin und Funk Funk rückt. Ohnehin hat Karsu ein besonderes Faible für Disco-Musik, greift etwa bei „Money“ (einem der wenigen englischsprachigen Stücke des Konzerts) nur zu gerne auf diese zurück und kombiniert gegen Ende gleich mehrere Hits miteinander, die das ohnehin längst stehende und feiernde Publikum endgültig zum Ausrasten bringen. An anderer Stelle wird sie dagegen ganz besinnlich, so wie beim Liebeslied „Una Corda“, das Karsu nur mit Begleitung ihres Gitarristen darbietet, bis ihr Posaunist dann mit einem atemberaubend gefühlvollen und zärtlichen Solo dem Stück die Krone aufsetzt.

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Dieser Facettenreichtum ist natürlich nur dank Karsus wandlungsfähiger Stimme möglich, dank der überragenden Band – und dank der Freude und der Leidenschaft, die alle auf der Bühne ausstrahlen. Hier stehen keine Musiker, die nur ihren Job machen, sondern Menschen, die das Miteinander zelebrieren und einfach eine gute Zeit haben. Diese Atmosphäre ist ein Markenzeichen von „Over the Border“, an diesem Abend aber noch einmal besonders deutlich spürbar. Nationalitäten, Kulturen oder Sprachbarrieren spielen keine Rolle, erst recht nicht, nachdem das Publikum die Bestuhlung ignoriert und so gut wie möglich mitsingt. Das nutzt Karsu gerne aus, etwa bei „Ahey“ mit dem doch recht überschaubaren Refrain. So einfach kann Völkerverständigung sein. Und das braucht die Welt derzeit mehr denn je. Einen besseren Grund für mehr Konzerte von Karsu und die Fortführung des „Over the Border“-Festivals kann es eigentlich nicht geben.

Termine

24.4., Rüngsdorfer Kulturbad: Mitsune
25.4., Rüngsdorfer Kulturbad: Gert Kapo Quartet
26.4., Rüngsdorfer Kulturbad: Estrella
28.4., Pantheon: Luiza
29.4., Pantheon: Lina Bo & Friends
1.6., Philharmonie Köln: „La Nuit d’Afrique“ mit den Local Ambassadors, Babaa Maal, Wolfgang Niedecken und vielen mehr.

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