Wenn die Menschen nicht mehr miteinander reden, bricht die Gesellschaft auseinander. Man kennt sich nicht mehr, ist sich fremd – das gebiert Misstrauen. Und das ist etwas, was Alfons nicht zulassen will. Der wohl charmanteste Klischee-Franzose der Bundesrepublik, der bei seinen ersten Fernsehauftritten vor über 30 Jahren bewaffnet mit seinem Puschelmikrofon die Öffentlichkeit mit absurden Fragen überfiel, ist dem gehobenen Unsinn längst entwachsen. Zumindest weitgehend. Ohnehin ist Alfons nicht zum Lachen zumute angesichts der um sich greifenden Seuche des Populismus, auf die viel zu viele Leute hereinfallen. Also muss eben er ran mit seinem Blick durch die Brille der deutsch-französischen Freundschaft, sich amüsierend über bestimmte Eigenheiten und zugleich zum Dialog aufrufend. Mit diesem Ziel geht er inzwischen in Schulen – und natürlich auch weiterhin auf Kabarettbühnen wie der im Pantheon.
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Zugegeben, wirklich neu sind Alfons’ Erkenntnisse nicht. Die Deutschen als ständig klagendes Volk sind nun einmal ein gängiges Vorurteil, wenn auch mit wahrem Kern. Doch in der letzten Zeit hat diese Eigenheit eine ungesunde braune Färbung angenommen. Einfache Antworten ersetzen komplexe Zusammenhänge, Polemiken den offenen Austausch und gefühlte Wahrheiten objektiv eindeutige Fakten. Diese Entwicklung macht Alfons große Sorgen, denn dadurch setzt ein ganzes Volk den Rechtsstaat und die humanitären Ideale aufs Spiel. Und das in einem Land, in dem sich Alfons trotz einer nicht immer ruhmreichen Vergangenheit und eines auf Regeln pochenden Starrsinns eigentlich sehr wohl fühlt. Einem Land, in das Alfons ursprünglich gar nicht gehen wollte. Sein Ziel: Die Karibik. Da hätte er gerne gearbeitet, auch mehr als die erforderlichen 16 Monate, um dem französischen Wehrdienst zu entgehen. Stattdessen kam er über den Fernsehsender Canal+ zum Pay-TV-Anbieter Premiere. Und ist geblieben. Seitdem beschäftigt er sich mit den Eigenheiten der Deutschen und deren Äquivalenten in der Grande Nation. Mal amüsiert er sich über die Idee eines Warnstreiks, der so lang ist wie in Frankreich die Mittagspause, oder über die strengen Regeln beim TÜV, und natürlich spielt er nur zu gerne mit der deutschen Sprache und ihren Wortungetümen. Doch stets war er auch politisch, selbst als er als rasender Reporter mit Puschelmikrofon und Kladde in Satire-Sendungen wie „Extra 3“ Passanten auf der Straße mit absurden Fragen konfrontierte. Daran knüpft er nun in seinem achten Programm „Klasse“ an, in dem er seinen entwaffnenden Pointen ernste Themen gegenüberstellt. „Sind wir so manipulierbar?“, fragt er mit Blick auf die rund 27 Prozent der Bevölkerung, die ihre Stimme der AfD geben würden. „Ja“, sagt er selbst, „weil wir Angst haben.“
Alfons kann diese Angst durchaus verstehen. Es ist die Angst vor dem Fremden, vor dem Anderen, das automatisch als Bedrohung wahrgenommen wird. Genau darauf setzen Populisten vom rechten Rand, die dieses Unwohlsein mit sozialem Abstieg verknüpfen und einfache Antworten versprechen, ganz ohne den Versuch eines Dialogs. Das wiederum macht Alfons Angst. „Es gab Momente, in denen ich dachte, dass ich auf der Bühne nicht mehr sagen kann, was mir wichtig ist“, erzählt er. „In solchen Situationen habe ich tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, Deutschland zu verlassen.“ Hat er aber nicht getan, seiner Großmutter zuliebe, die Auschwitz überlebt hat. Und den Bären zuliebe, die ein Buchhändler in Paris im 13. Arrondissement vor acht Jahren verteilt hat, um so mit neugierigen Passanten ins Gespräch zu kommen. Eine Idee, die überaus erfolgreich war, wie Alfons erzählt: Der Bürgermeister des Bezirks, ein guter Freund von ihm, habe sogar einer großen Bärenhochzeit beigewohnt. Eine schöne Pointe. Und ein gutes Zeichen für Alfons. Denn der ist auf jeden Fall aktiver als die Teddys.
Termin
Termin: 5. + 6.11.: Alfons, „Jetzt noch deutscherer“, Pantheon.





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