Ohne ihn wäre die Welt weit weniger bunt: Der Regisseur und Aktivist Rosa von Praunheim hat posthum den 11. Internationalen Beethovenpreis erhalten. Damit ist er der erste Nicht-Musiker, dem diese Ehre zuteil wurde. Der Intendant der Beethoven Academy, Torsten Schreiber, begründet diesen Entschluss mit dem Wirken von Praunheims für die queere Szene, deren Wegbereiter er war. „Wir zeichnen ihn im Namen jenes Beethovens aus, der sich für die Werte der Französischen Revolution einsetzte, für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, der für Offenheit stand und für die Wahrheit, die eben auch beinhaltet, sich so zeigen zu dürfen, wie man ist“, sagte er im Rahmen eines exzellenten und bewegenden Gedenkkonzerts im Kammermusiksaal des Beethovenhauses. „Dass Menschen so wie ich ihre sexuelle Identität offen ausleben dürfen, verdanken wir zu einem großen Teil Rosa von Praunheim.“
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Die herausragende Stellung des Filmemachers betonte auch der Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags, Sven Lehmann, in einer Würdigung. „Rosa von Praunheim eckte an, auch bei Homosexuellen, aber das tat er ganz bewusst, um einen gesellschaftlichen Diskurs anzuregen und eine Sprache zu finden, um Scham und Stigmatisierung zu überwinden.“ Essentiell ist dabei das im Auftrag des WDR gedrehte dokumentarische Drama „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ von 1971, mit der die zuvor in den Schatten lebende Homosexuellenszene ins Licht gezogen wurde. „Durch diesen Film und die vielen Debatten, die dadurch ausgelöst wurden, ist der Begriff ‘schwul’ – ursprünglich eine Art Schimpfwort oder zumindest abwertend gemeint – zur stolzen und schließlich selbstverständlichen Identifikation Homosexueller gereift“, führt der Regisseur Tom Tykwer in seiner Laudatio aus.
Doch das war nur der Anfang. Zeit seines Lebens hat sich Rosa von Praunheim gegen die Zumutungen der Welt gewehrt und sich ihnen entgegengestellt, statt sich wegzuducken und Missstände zu akzeptieren. „Ihm ging es stets um Sichtbarkeit“, erklärte die Trans-Musikerin Hannah Schlubeck, die mit ihrer rumänischen Panflöte an diesem Abend zusammen mit der Pianistin Ani Ter Martirosyan auftrat. „Nur wenn man etwas wahrnimmt, kann daraus Verständnis entstehen. Deshalb gilt es, diese Sichtbarkeit zu erhalten – leider erleben wir derzeit aber überall auf der Welt Tendenzen, bestimmte Minderheiten zurück ins Dunkel zu drängen.“
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Die von dem israelischen Künstlerehepaar Rima Arslanov und Roy Mordechai gestaltete Trophäe nahm Rosa von Praunheims Ehemann Oliver Sechting entgegen. „Als Rosa erfahren hat, dass mit dem
Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte ausgezeichnet werden soll, war er zu Tränen gerührt, weil diese Ehrung die Würdigung von Werk und Wirkung zusammenbringt“, erinnerte sich
Sechting. „Direkt danach begann er, mit funkelnden Augen in seinem Archiv nach möglichen Verweisen auf Homosexualität in der Familie Beethoven zu suchen.“ Einfach aus purer Neugier heraus, so wie
ohnehin alle seine Projekte und Vorhaben davon inspiriert wurden. Wenn dies für Unruhe sorgte, umso besser, sagte auch Tykwer: Für von Praunheim war alles besser als Stagnation und Langeweile. Er
und Lehmann beschrieben ihn denn auch als Rebellen aus Leidenschaft, als einen, der die Menschen bewegen und anstacheln wollte, indem er sie aus ihrer Komfortzone herausholte oder aber in
selbiger überfiel. An diesem Ansatz hätte wahrscheinlich auch Beethoven seine Freude gehabt.
Die eindringlichen Redebeiträge von Sven Lehmann und Tom Tykwer wurden nicht nur von der beeindruckenden Darbietung Hannah Schlubecks und Ani Ter Martirosyans umrahmt, sondern auch von einigen
Arien des Countertenors Nils Wanderer, der mit klarem Ton, feiner Dynamik und ganz viel Gefühl den Gesang direkt in die Herzen des Publikums trug. Begleitet wurde er dabei von Doriana Tchakarova
am Flügel. Außerdem begeisterte der Bonner Nachwuchspianist Colin Pütz mit Werken von Beethoven und Chopin.










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