Dave Davis: „Merket auf, der Nubier spricht“

Der Schwatte wird alt. Die magische Grenzen von 50 hat er schon vor einigen Jahren hinter sich gelassen, und auch wenn 60 ja das neue 30 ist, fühlt Dave Davis doch zunehmend die Last auf seinen Schultern. Neuerdings muss der Bonner Comedian sogar eine Brille aufsetzen, um Texte zu lesen. Man hat’s halt nicht leicht, und das sogar unabhängig von der Hautfarbe. Dabei ist gerade diese doch von Anfang an eines der zentralen Themen von Davis gewesen, seit er 2008 als „maximalpigmentierter“ Klomann Motombo Umbokko dem Publikum seine Sicht auf die Welt zu erklären begann und dabei genüsslich alle rassistischen Klischees durch den sprichwörtlichen Kakao zog. Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn er seine Kunstfigur inzwischen nur noch im Karneval in die Bütt springen lässt. „Merket auf, der Nubier spricht“, ruft Davis bei der Premiere seines neuen Programms „Konfetti für alle – ein Aufstand in Farbe!“ aus. Nur hat er leider nicht viel Neues zu erzählen.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Tatsächlich tut sich Davis seit Jahren schwer damit, sich weiterzuentwickeln. Wozu auch, könnte man natürlich fragen, immerhin sorgt er mit seiner entspannten Stand-Up-Comedy doch immer zuverlässig für volle Hallen, so auch im restlos ausverkauften Pantheon. Ein paar Witze über Vorurteile, die er immer scheinbar revidiert um sie dann breit grinsend zu bestätigen, dazu eine Neuauflage der Leiden des alten schwarzen Mannes (so wollte Davis sein Programm laut eigener Aussage ursprünglich nennen), das reicht ja offenbar. Dazu noch ein paar Liedchen und Musikschnipsel, die ebenso gut vom Liedermacherduo Simon und Jan oder dem Miniaturmeister Jan Philipp Zymny stammen könnten, dann läuft’s schon. Doch mit den immer selben Pointen beißt sich der Hund in den eigenen Schwanz; da hilft auch ein Bericht über den erstmaligen Besuch beim Proktologen nicht weiter, der ohnehin bei jedem zweiten Kleinkunstprogramm von Männern jenseits der 50 mehr oder weniger ausführlich thematisiert wird, und zwar ohne jegliche unerwartete Wendung oder irgendeinen anderen Grund, genauer zuzuhören. 

Schade ist das auch deswegen, weil Dave Davis viel mehr zu bieten hat. Als Sänger ist er erstklassig, als Komponist auch, wenn er die Musik denn mal wirken lässt und sie nicht schon nach einer Strophe abwürgt. Und gerade angesichts der aktuellen politischen Situation in Deutschland wäre auch ein intensiverer Umgang mit Rassismus jenseits der üblichen Banalitäten dringend notwendig. „Ein Brauner packt aus“ – auch das ist laut Davis als möglicher Programmtitel gehandelt worden. Provokant, aber mutig, vor allem wenn so eine ironische Abrechnung mit rechten Influencern wie dem Kongolesen Serge Menga möglich geworden wäre, der zuletzt bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in Bad Neuenahr zu provozieren versuchte. Und auch wenn Davis sich offenbar ganz bewusst gegen politisches Kabarett entschieden hat, hätte etwas mehr Klarheit dem Abend sicherlich gut getan. Wenn er stattdessen langatmig Fragen aus dem Publikum beantwortet und damit mal locker eine Viertelstunde überbrückt, spricht das nicht gerade von sprudelnder Kreativität, sondern vielmehr von Stagnation. Dann doch lieber aus dem Nähkästchen plaudern, von der Selbstfindung als Jugendlicher erzählen oder mit frischen Absurditäten als „Terrorist der Lebensfreude“ vorangehen. Mit ein paar frischen Liedern, in denen die herrliche Soul-Stimme von Davis wirklich erstrahlen kann. Und mit Konfetti für alle. Bunt und in Farbe einen echten Aufstand wagen, statt im gemachten Nest zu verbleiben. Dann würde Dave Davis sich auch vielleicht nicht länger alt fühlen. Sondern jung.

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