Eigentlich wollte Hugo Egon Balder immer nur Spaß machen. Theater ohne Regeln, Schau und Spiel im wahrsten Sinne des Wortes. Kein Wunder also, dass der Moderator und Produzent in seinen mehr als 50 Jahren vor und hinter den Kulissen des Privatfernsehens vieles auf die Bühne gebracht hat, was zuvor undenkbar war – und was inzwischen fast schon wieder undenkbar ist. „Das war alles Anarchie“, betont Balder bei einem Auftritt im Pantheon, „heutzutage würde das nicht mehr gehen.“ Zumindest nicht, ohne verrückt zu sein. Zumindest ein bisschen. So wie Balder, der nach 16 Jahren im Boulevardtheater eine Pause braucht und daher gerade durch Deutschland tourt, um aus seinem Leben zu erzählen. Was angesichts der Stories aus „Alles Nichts Oder?!“, „Tutti Frutti“ und „Genial Daneben“ überaus unterhaltsam ist.
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Balder war eigenen Angaben zufolge in vielen Bereichen ein Spätzünder: Das erste Bier mit 23, Schwimmenlernen mit 44, Tabakentwöhnung mit Anfang 70. Dafür hatte er offenbar ein Händchen für
Frauen und Mädchen. Und fürs Schauspiel. Unterricht hatte er bei Else Bongers, einst Besetzungschefin der UFA und unter anderem Lehrerin von Götz George, Gaby Dohm und Hildegard Knef. Kein Wunder
also, dass Balder, nachdem er die Ausbildung ernst genommen hatte, bald zum Ensemble des Berliner Schillertheaters gehörte. „Damals habe ich über der Künstlerkneipe ‘Diener’ gewohnt, die war
quasi mein Wohnzimmer“, erinnert er sich.
In den 80ern zog es Balder aber zum Radio. Frank Elstner habe ihn damals zu RTL geholt und auf die Probe gestellt. „Einem Imker ist seine Bienenkönigin entflogen. Formulieren Sie eine
Suchmeldung“, so lautete Balder zufolge die erste Aufgabe, die er erhielt. „Danach bin ich zweieinhalb Jahre lang für den Sender durch Deutschland gereist.“ Und so ganz nebenbei mit seinem
langjährigen Freund Jacky Dreksler allerlei verrückte Ideen entwickelt. Wer erfolgreich die Tonleiter bei der Gema anmelden kann, der kann sich alles erlauben. Selbst eine Sendung wie „Alles
Nichts Oder?!“, bei dem so ziemlich alles durch den Kakao beziehungsweise die Sahnetorte gezogen wurde, was zuvor dem Fernsehen heilig war. „Das war pure Anarchie“, sagt Balder. Gleiches galt für
„Tutti Frutti“, auch wenn er bei dieser Erotik-Spielshow durchaus auch die Schattenseiten des Businesses erfahren musste. „Ich war nur noch Titten-Hugo, der Herr der Möpse“, gesteht Balder,
den es dadurch mehr in den Hintergrund zog. Dort entwickelte er zusammen mit Dreksler „RTL Samstag Nacht“ und revolutionierte damit die deutsche Comedy-Landschaft. „Es gab allerdings immer wieder
Ärger, vor allem mit den Kirchen und mit der Werbe-Industrie.“
Trotz mancher Herausforderungen möchte Hugo Egon Balder die zahlreichen Fernseh-Produktionen, Theater-Inszenierungen und Musik-Experimente nicht missen. „Das war schön, das hat Spaß gemacht“ ist
einer der Lieblingssätze des 75-Jährigen. Nur seine fünf Ehen, die seien weniger lustig gewesen. Gut, die mit seiner vierten Frau, einer Türkin, hat ihm immerhin die Erkenntnis gebracht, dass
„Tutti Frutti“ auch in deren Heimat ein Hit war. Und die aktuelle wird wohl auch die letzte bleiben. Immerhin. Ende gut, alles gut.





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