Wendt & Zwingenberger: Das Stampfen der Züge

Der Rhythmus, immer wieder dieser Rhythmus. Groovend, pulsierend, treibend. Wer stehen bleibt, verliert. Schließlich bilden die rollenden Bassläufe in der linken Hand, die so sehr an die stampfenden Kolben der alten Dampflokomotiven erinnern, das Herzstück des Boogie Woogie, diesem oft rasanten Verwandten des Blues, der für Pianisten wegen der kontinuierlichen Sprünge in der linken Hand und dem oft hohen Tempo eine immense Herausforderung darstellt. Für Axel Zwingenberger und Joja Wendt ist diese Spielart hingegen in erster Linie ein großer Spaß. Die beiden Tasten-Virtuosen, die sich schon seit fast vier Jahrzehnten kennen und schätzen, haben erst im Oktober vergangenen Jahres ein gemeinsames Album aufgenommen und ziehen derzeit durch die Lande, um die Freude am Boogie zu verbreiten. Dafür sind sie jetzt auch ins Pantheon gekommen. Und haben die Erwartungen noch übertroffen.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Eigentlich sollte das nicht überraschen: Zwingenberger gilt schon lange als einer der besten Boogie-Pianisten Europas (wenn nicht gar der Welt), und Wendt ist ohnehin ein Hansdampf in allen Gassen, ein Showmann allererster Güte, der die Freiheit der Improvisation zu nutzen versteht wie nur wenige andere, wenn es um die Verzauberung des Publikums geht. Das Geheimnis? Muss man spüren. „Boogie Woogie ist eine sehr intuitive Art des Spiels“, sagt Wendt, „das kann man nicht lernen.“ Kann man schon. Die Harmonieschemata und Techniken dann aber richtig anzuwenden, das ist die Kunst. Und auf die verstehen sich Wendt und Zwingenberger eben hervorragend. Ersterer trägt gerne mal ein bisschen dicker auf, spielt Fats Wallers herausforderndes „Handful of Keys“ als technisches Bravourstück und später dann Muddy Waters’ „I got my Mojo working“, bei dem das begeisterte Publikum mühelos mit einbezogen wird. Und Zwingenberger? Lässt die Musik für sich sprechen. Er ist technisch ohne Frage der brillantere Boogie-Meister, der sich noch nicht einmal anstrengen muss, um atemberaubend gut zu sein. Was ihm auch durchaus bewusst ist.

Die zuvor angedeutete Nähe des Boogie Woogie zu Lokomotiven ist übrigens tatsächlich belegbar. Vor allem Zwingenberger hat sich mit dieser Beziehung intensiv beschäftigt und unter anderem eine musikalische Collage zur Transsibirischen Eisenbahn geschrieben. Das kommt beim Publikum hervorragend an, so wie ohnehin das gesamte Programm. Ein Pärchen tanzt am Rand des Pantheon-Saals sogar ebenso leidenschaftlich wie souverän zur Musik – ganz aus der Zeit gefallen ist der Boogie eben noch nicht. Erst recht nicht, wenn er mit so viel Freude und Energie gespielt wird. Insofern ist es kein Wunder, dass das Publikum Joja Wendt und Axel Zwingenberger am Ende mit kräftigem Applaus feiert. 

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