Max Mutzke trägt sein Herz auf der Zunge. Mit seinen Gefühlen hält der Sänger nicht hinterm Berg, sondern lässt sie für alle sichtbar heraus, die schönen ebenso wie die schweren. Er kann sich an herrlichen Anekdoten über seinen Großvater Bernhard erfreuen, oder über die Tatsache, dass das Schauspiel Bad Godesberg bei seiner Lesung offiziell ausverkauft ist – doch auch anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung des Buches, in dem Mutzke auf seine Jugend im Schwarzwald und auf seine Familie zurückblickt, sind einzelne Abschnitte weiterhin tabu. Die Wunden in seiner Seele, die der frühe Tod seiner Mutter und seines Adoptivbruders Steffes gerissen haben, sind eben noch immer nicht verheilt, und auch das Publikum lassen diese Geschichten nicht kalt. Dafür wird aber an anderer Stelle herzlich gelacht über all die eigenwilligen Momente in Mutzkes Kindheit und Jugend, über Schwarzpulver-Vorräte in der heimischen Garage, über die halbnackte Flucht vor dem Vater seiner Ex-Frau Nazu und über das Schaffen von Tatsachen.
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Natürlich kommt auch die Musik nicht zu kurz, der Schwerpunkt liegt allerdings klar auf der Lesung. Für die Fans kein Problem, schließlich hört man Max Mutzke gerne zu, egal ob er nun singt oder
liest. Seine Authentizität dürfte auch einer der Gründe sein, warum das Bonner Publikum in Scharen zu seinen regulären Auftritten im Rahmen der Reihe „Quatsch keine Oper“ kommt, ohne im Vorfeld
genau zu wissen, welche geheimnisvollen Gäste Mutzke mitbringen wird. An diesem Abend stehen allerdings eher die Balladen im Fokus, darunter „Nimmst du mich in den Arm“ und „Hier bin ich Sohn“.
Letzteres hat Mutzke damals für seine Mutter geschrieben, die er als lebensfrohe und liebevolle Frau beschreibt, aber auch als schwere Alkoholikerin. Eigentlich hätte sich das Buch ausschließlich
um ihre Geschichte drehen sollen, um die Herausforderungen und Belastungen, die das Leben mit Suchtkranken vor allem für Kinder mit sich bringt. Doch dagegen protestierten Mutzkes Geschwister,
bis die Autobiographie als Kompromiss entstand, ein Buch voller warmherziger Erinnerungen, das zugleich Aspekte anspricht, die sonst hinter verborgenen Türen verbleiben. Mitunter, so erzählt
Mutzke, habe er seine Mutter monatelang nicht gesehen, weil er von ihr nicht enttäuscht werden wollte. Eine harte, unbequeme Wahrheit. Aber eine, die erzählt werden sollte.
Ähnliches gilt für die Geschichte von Steffes, der von Geburt an unter Diabetes sowie dem Noonan-Syndrom litt, das der von Geburt an an Diabetes und dem Noonan-Syndrom litt, das in den meisten
Fällen Kleinwuchs, schwere Herzfehler und ein seltsames Äußeres zur Folge hat. Die leiblichen Eltern waren damit wohl überfordert und entsorgten das Kind kurzerhand in den nächstbesten Mülleimer.
Wie durch ein Wunder überlebte Steffes, wurde gerettet und traf in einem Pflegeheim auf Mutzkes Tante, die den Kleinen unter ihre Fittiche nahm. Ihm widmet Mutzke ein ganzes Kapitel, und auch bei
diesem muss er sich mitunter sichtlich zusammenreißen.
Zwischen diesen Tragödien lässt Mutzke die Komödien seines Lebens Revue passieren, die ihm als Bub aus dem Schwarzwald in erstaunlicher Regelmäßigkeit widerfahren sind. Vor allem die Anekdoten zu
seinem Opa Bernhard haben es in sich: Der grummelige Bär von einem Mann mit breiter Brust und Rauschebart war während der Kindheit Mutzkes Held, vor allem weil der für jeden Spaß zu haben war.
Auch das Fahren lernte er vom Opa, stilecht auf einem Unimog – als die Polizei ihn schließlich beim Fahren ohne Führerschein erwischte und ihn zu Sozialstunden beim Technischen Hilfswerk
verdonnerte, hatte er schon drei Jahre Fahrerfahrung. Zu diesem Zeitpunkt war Max 14 Jahre alt. Solche Erlebnisse haben ihn geprägt, diese Unbekümmertheit und das Vertrauen, das ihm
entgegengebracht wurde. All das macht Mutzke aus. Und genau dafür liebt das Publikum ihn.





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